#10 Manchmal ein großes Verlangen...
Die Jubiläumsfolge von Tischlein deck dich (Nummer 3 wird irgendwann noch nachgeliefert) und im Zentrum steht das dunkle Begehren, sich von einer imposanten Person begeistern zu lassen. Donald Trump, der grandiose Showman, hat es noch einmal allen gezeigt, die dachten, jetzt hätten ihn die Wähler ja aber wohl wirklich »durchschaut«. Woher kommt das Begehren, ihn zu wählen?
Trump hat eine sehr beruhigende Funktion. Seine Impulse treiben ihn immer weiter, vorhersehbar und doch witzig und fast heroisch. Ein Staat braucht an der Spitze nichts mehr als einen solchen inhaltslosen Agitator.
Wir leben in der Postmoderne, das heißt, jeder von uns ist eine einzigartige Schneeflocke und bringt seine ganz persönliche, unersetzliche Perspektive ein.
Daher kann es konsequenterweise nicht die eine Wahrheit geben, sondern nur unendlich interagierende, in sich verschränkte Sichtweisen. Die Hoffnung, ein universelles Kriterium wie Vernunft oder Sachlichkeit könnte unser politisches Handeln leiten, ist in dieser Situation kategorisch zum Scheitern verurteilt. Es kann nicht die eine Vernunft geben, wenn es Milliarden Schneeflocken mit ihrer eigenen subjektiven Auffassung von Vernunft gibt. Aus diesem Grund sind alle Verurteilungen Trumps als dreister Lügner, Nichtsnutz, Betrüger etc. im besten Fall naiv. Eher schon deutet sich hier eine Realitätsverweigerung an, wenn nämlich angenommen wird, Trump sei die Ursache, nicht die Wirkung dieser postmodernen Ausweglosigkeit, und mit ihm würden sicherlich auch die bösen Fake News und Verschwörungstheorien verschwinden.
Unsere Kultur hat die Fähigkeit zum Humor, zum darüber-hinweg-blicken verloren.
Daran konnte auch Trump nichts ändern, doch zumindest hat er die Absurdität der gesellschaftlichen Widersprüche auf offener Bühne präsentiert, sogar im Weißen Haus selbst hielt nun verschwörungstheoretisches Denken Einzug.
Es gibt die Dimensionen A und B, denn so wie in No Agenda ausgeführt, haben sich die politischen Universen nach 2016 gesplittet. Keine kann die Sichtweise der anderen einnehmen, und so sollte es auch sein, statt diese Kluft hinter einem »seriösen«, »rationalen« Politiker wie Obama zu verstecken.
Denn die Form des Sprechens über Politik ist das Problem, nicht der Klimawandel oder ein unberechenbarer Präsident. Solange die Medienberichte so verlogen und selbstbezüglich bleiben wie jetzt, lohnt es kaum noch, ernsthaft politische Sachthemen anzugehen. Wir sollten uns stattdessen zurücklehnen und genau nachdenken.
Es liegt ja nichts daran, dass jetzt genau das richtige politische Programm im Weißen Haus umgesetzt wird; die Sonne geht auch so jeden Tag auf und mir reicht Trumps bloße Präsenz und Gravitas, um mich an seinem Anblick zu freuen.
Mit Nietzsche möchte ich diesen Anblick einfach einen kurzen Moment genießen:
"Aber von Zeit zu Zeit gönnt mir – gesetzt, daß es himmlische Gönnerinnen gibt, jenseits von Gut und Böse – einen Blick, gönnt mir einen Blick nur auf etwas Vollkommnes, zu-Ende-Geratenes, Glückliches, Mächtiges, Triumphierendes, an dem es noch etwas zu fürchten gibt! Auf einen Menschen, der den Menschen rechtfertigt, auf einen komplementären und erlösenden Glücksfall des Menschen, um deswillen man den Glauben an den Menschen festhalten darf!" (Zur Genealogie der Moral)
Viel Spaß mit der Folge...
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