Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#101 Frei poetisiert

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Der Artikel worin Thomas Fischer die „Identitäre Schnapsdebatte“ kommentiert. (https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/cannabis-legalisierung-recht-auf-rausch-kommentar-a-b34b491a-f754-4e8e-b9ee-d6c4cb03294d )

Ein Lied, das mir letztens erst von Youtube vorgeschlagen wurde, trifft den Grundton der letzten beiden Episoden ganz gut: Alles wird gut – Kummer

Ja, letztlich kann ich nur sagen, weinerlich und stolz drauf zu sein.

Dies kann vielleicht auch ein fruchtbarer Ansatz für ein neues Ideal von Männlichkeit sein.

Im Anschluss nun folgt der vorgelesene Auszug aus meinem Werk „Gesundheitsteilnehmer“, der dort anknüpft, wo ich in Folge 100 zu lesen aufhörte – vielleicht aus Scham über die zu subjektiven Einflüsse, die in den Text eindrangen und meine identitären Genüsse an die Außenwelt verrieten, aber genug davon. Hier der Text:

Diese Tendenz ist also der Drang nach dem Dunklen, derjenige, welcher den Drang nach dem Hellen hemmt und abschneidet und zersetzt. Immer wieder bricht ja dann aber der negativen Tendenz zum Trotz ein heller Strahl herein, der das Gemüt auflockert wie einen weichen Kuchen das Backpulver oder der Quark.

Ein Beispiel. Der junge Säufer schläft seinen Rausch aus und wird von den Strahlen der Mittagssonne geweckt. Nun begibt er sich zum Schreibtisch und schreibt dort etwas auf, was trotz des leicht benebelten Zustandes recht annehmbar wird. Nun ist die Frage: wie weiter verfahren? Soll er diesen Augenblick würdigen und in ihm die Blaupause für ein Leben nach dem Alkohol erkennen, sich aufschwingen, diesem endgültig zu entsagen? Nein, das wäre ein zu gehaltvolles Ziel. Denn der dunkle Trieb drückt einen darnieder. Es darf nicht sein, was nicht sein kann. Er will einfach in die Dunkelheit entschwinden, da für ihn die Schlechtigkeit der Welt feststeht und er sich ihr gegenüber somit im Recht fühlt in seinem Versuch, sich in einen schlechten Menschen zu verwandeln, und nichts anderes ist Drogensucht.

So ist der romantische Trieb ein zu allen Zeiten auflauernder Glaube, den besten Kontrepart zu Vernunft, Wissenschaft und politischer Ordnung lasse sich durch striktes Verweigerns jedes produktiven Eingreifens in die Weltwirklichkeit vollbringen. Diese Hypothese führt schnurstracks zum Schluss, dass Drogenkonsum gerechtfertigt und in Anbetracht der Umstände angemessen sei.

Nun zu meiner persönlichen Erfahrung als Student. In den bürgerlichen Gesellschaften ist die privaten Person so jeglicher Rolle und Bestimmbarkeit entzogen, weil auch die öffentliche Person nicht mehr gefragt ist. Man tritt zum Studieren an, um einen Abschluss zu bekommen, mehr erwartet der Staat nicht für dich. An Parties und Feten kann man zwar teilnehmen, muss aber nicht.

So bleibt der junge Student daheim und ist ganz zufrieden, in seinem an freier Zeit reichen Leben. Er möchte aber doch ein Fanal setzen, dass er sich im Widerstand zu seiner Zeit sieht und verfällt so auf die Idee: wenn ich Alkohol trinke, beweise ich damit, dass die Welt schlecht ist; jeden Abend muss es mich hintreiben zur Flasche, denn ich bin ja ausgeliefert, nicht Herr meiner selbst, so schwach und kläglich, wie es der gegenwärtigen politischen Weltordnung entspricht; ein starkes Individuum würde sich in dieser Konkurrenzgesellschaft nur noch aufschwingen und herrschen über die anderen, das will ich vermeiden.

Somit verfestigt sich das Grundmuster des Trinkens, ohne dass er überhaupt ein gesteigertes Bedürfnis danach verspürte, einfach, weil man es kann und diese Option zum Rebellieren nicht links liegen lassen will.

Die wirkliche Rebellion wäre natürlich das ordentliche, saubere, nüchterne Leben im Dienst der Revolution, als Mitglied einer kommunistischen Partei und Vorstreiter oder Vordenker, der den heute so hässlich entstellten deutschen Boden mit den verwegensten sozialistischen Überlegungen besät. Aber den Sachverhalt, dass die Revolution im Interesse der 99% der Bevölkerung liegt und ein erstrebenswertes, heroisches Ziel ist, dessen strategische Entwicklung und praktische Inangriffnahme einen legitimen Sinngrund für unser Dasein darstellen kann (im Gegensatz zur Vorstellung des liberalen, nach sich selbst schauenden, rational kalkulierenden Individuums), diesen Sachverhalt verheimlicht die Regierung natürlich wirklich vor uns. Und in dieser Verheimlichung ist ihr das Drogenverbot grade recht, denn es erweckt den Anschein, es gehe in Wahrheit um Drogen, es gebe eine dunkle mystische Substanz, die uns Zugang zu anderen Welten verschaffen könne…

Der Trinker will also so runtergekommen sein und nichts kann ihm dabei helfen. Individuell gesehen wird es immer wieder erfreuliche Fälle geben, wo einer sich heilt und den Weg zurück findet zu einem Leben, in dem ihn nicht mehr die tägliche bange Qual verzehrt, das leise Spiel des Abhängigmachens und Abhängigseinwollens. Aber aufs Kollektiv gesehen besteht keine Hoffnung. Solange die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse bestehen bleiben, wird sich auch immer ein gewisser Prozentsatz an Alkoholtrinkern finden, die dann doch übertreiben, die Kurve nicht mehr kriegen, und schlicht versagen, was heute bedeutet, im Job zu versagen. Genauso bei den anderen Drogen. Erst die Änderung der Verhältnisse kann also diese Substanzen in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen, wodurch wir einen natürlicheren und weniger unbeholfenen Blick auf sie gewinnen und der Prozentsatz der Versager weit absacken wird, weil jetzt eben im realen Leben keiner mehr diese exzessive Angst spüren muss, abzusacken, einzugehen, nicht mehr mitzuhalten.

Vor der sozialistischen Revolution macht es keinen Sinn, an ein ausgewogenes Verhältnis zum Drogenkonsum zu denken, auch danach wird es schwierig. Klar ist, wer sich kategorisch dem guten Medikament verschließt und dessen Anwendung zu außermedizinischen Zwecken ausschließt, der macht sich mithin zum Verbrecher an der Seele seines menschlichen Bruders, der eben darum, weil er sieht, dass es dem anderen wichtig ist, clean und nicht abhängig zu sein und er dies auch relativ leicht erreichen kann, umso abhängiger und unglücklicher über seine eigene Stellung in der Individualgesellschaft sein wird.

Der Aspekt der sozialen Normativität ist wichtig. Hacks stellt das Axiom auf, es sei anzustreben, drogenfrei zu leben. Höchstens in geselligen Zusammenhängen einen Schluck Bier trinken etc., so in etwa kann seine Position verstanden werden.

Damit stellt er eine Norm auf. An dieser wiederum will sich der Romantiker reiben, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Hacks spielt also mit bei einem vorhersehbaren Spiel, für das es kein anderes Ende gibt als die totale Legalisierung aller Drogen.

Erst dann können wir uns wieder ernsthaft über Sinn und Zweck von deren Gebrauch unterhalten und wie Hacks es gelungen tut, deren Nützlichkeit für literarische Projekte diskutieren und infrage stellen. Vorher ist alles überlagert von der unheimlichen jouissance am offiziell beglaubigten „Dunklen“, „Ambivalenten“ oder gar „Tödlichen“, „Dumm machenden“.

Denn natürlich gelangt man durch dergleichen Aussagen, welche die Identität von Drogenkonsum und Dümmerwerden behaupten, in die ungute Situation, dass jeder Mensch, der noch bei klarem Verstande ist und das unermessliche Unrecht des Kapitalismus, die Barbarei des herrschenden Systems und unserer kollaborativen Akte als Alltagsteilnehmer, jeder Mensch, also, der die herrschende Barbarei klar vor Augen sieht, wird jeden Fluchtweg ergreifen, um nicht etwa durch überhöhte Intelligenz selbst zum Ausbeuter in der Klassengesellschaft zu werden und anderen somit Schaden zuzufügen. Daher scheint es stimmig, Drogen gerade deswegen zu konsumieren, weil sie das geistige Vermögen dezimieren.

Die negativen Folgewirkungen des Rausches werden somit positiviert und zu positiven Merkmalen des Genussmittel-Fröhnens umdeklariert.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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