Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

Lila 🇺🇦

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https://poets.org/poem/song-myself-7

Has any one supposed it lucky to be born?
I hasten to inform him or her it is just as lucky to die, and I know it.

I pass death with the dying and birth with the new-wash'd babe, and am not contain'd between my hat and boots,
And peruse manifold objects, no two alike and every one good,
The earth good and the stars good, and their adjuncts all good.

I am not an earth nor an adjunct of an earth,
I am the mate and companion of people, all just as immortal and fathomless as myself,
(They do not know how immortal, but I know.)

Every kind for itself and its own, for me mine male and female,
For me those that have been boys and that love women,
For me the man that is proud and feels how it stings to be slighted,
For me the sweet-heart and the old maid, for me mothers and the mothers of mothers,
For me lips that have smiled, eyes that have shed tears,
For me children and the begetters of children.

Undrape! you are not guilty to me, nor stale nor discarded,
I see through the broadcloth and gingham whether or no,
And am around, tenacious, acquisitive, tireless, and cannot be shaken away.


finally i can cry
i feel
you might
listen
and fear
your desire to kiss me
but no matter
it'll be a bliss to me
everything you do
or don't do
will be fine
it'll be fine
if not right now
after some time
i love you, lila
nothing above you
i'm a dreamer
and dreamed for too long
instead of grasping you with my tongue
you for whom i long
but there's nothing wrong
it's normal to feel fear
i only wish you were here
and looked at me with your compassionate, curious eyes
everything that's worth living for lies
in your dainty palms
you truly are
a sun storm
and i will faint
am so overly craintif
when you touch me
let us clutch and be
whatever you wanna be
do with your hands
what you want to
don't understand
do it
with me or alone or with someone else
draw your beautiful sketches
you have all the wedges

Liebe Leute!

Ich plane, meinen Podcast zu löschen, also hört und ladet noch so viel runter, wie ihr könnt oder wollt, bevor alles zu Ende ist. Jeder Spaß muss einmal enden. So auch dieser große Spaß, der mein Podcast war. Vielleicht nehme ich ihn irgendwann mal wieder online, vielleicht verschiebe ich ihn auch an eine andere Adresse und fange dort neu an; die Quintilian-Folge würde sich ja anbieten als Markpunkt des Neubeginns. Aber dazu habe ich keine fertigen Pläne, das steht in den Sternen. Im Moment möchte ich einfach nur gerne… verschwinden.

Denn ich möchte Lila fragen… wo sie denn hin ist. Und was sie an mir findet. Jedenfalls: dass es sehr schlimm ist. Was sie mir angetan hat. Und dass ich darüber nicht hinweg komme, sondern der Schmerz sich tiefer und tiefer in mein Herz bohrt mit jedem Tag, den sie weg ist und ich mich an die Erinnerung klammere, die langsam verblasst und vergilbt.

Um diesen Schmerz zu spüren, an dem ich so sehr hänge, weil er mir hilft zu schreiben, ist es jetzt angezeigt, den Podcast zu löschen oder zumindest für eine gute Weile zurückzuziehen. Denn was mir hier zum Mund herausschießt, das ist zu viel, das mag ich meinen Mitmenschen nicht zumuten. Vor allem, denke ich an die eine Frau im Supermarkt… in sie verliebte ich mich letzten Herbst, weil ich den Gedanken an Lila und Manita tilgen wollte. Aber zu ihr traue ich mich nie, etwas zu sagen, nur das eine mal wagte ich zu fragen, wie ich die Tomaten verbuchen solle, da der Selbstscankassenautomat sie partout nicht erkennen wollte. Und das macht mich so traurig, zu denken, hier im Podcast kann ich frei und üppig wuchernd reden und sprudeln… aber im realen Leben hab ich zu viel Angst, steh vor dem Regal mit Nudeln… und überlege, wie ich die Qual, die Tortur denn diesmal übersteh… an ihr vorbeizugehen, sie anzusehen, mit dem Blick zu streifen… und zu wissen, ich werde nie die Kraft haben, werd diesen Berg nie meistern… bin einfach zu schüchtern. Dabei wär sie, diese Super-Arbeiterin, nicht nur fleißig und heiß anzusehen, nein, viel weiter noch hab ich gesehen, dass die Gefühle für sie jede Probe bestehen… eine Feuerprobe sogar, ja, denn sie macht mir einfach so vieles klar… aber eine Mutprobe, oh nein, die kann ich nicht bestehen, da sinke ich ein, will verschwinden und im Boden versinken. Und das ist es, mein…

Naja. Jedenfalls will ich in diesen Schmerz einsinken und all diesen Frauen grollen, weil sie nie den ersten Schritt machen und mir nicht diese Ehre bezollen. Ich hätte doch so gerne… dass eine Frau mich sähe und wie lecker ich bin, dass sie mich appetitlich fänd und gern verschläng. Aber nein. Dazu sind die Damen zu schüchtern, zwar heimlich auch lüstern, so nehm ich an, doch an mich trauen sie sich nicht ran. Und gut, so sei es, ich geh auch nicht aus mir raus, ich bleib drin.

Bleib wie ich bin… und hänge der Vergangenheit nach. Oh, ich bin so traurig. Lila, oh, du wärst mein Fach. So hab ich gedacht. Und auch ich wär dein Fall… so überlegte ich, aber bevor ich mir dich krall… werd ich lieber gekrallt. Und wer das nicht will, schön, ich brauche nicht viel, jetzt bleib ich halt still, schreibe und leide und schmoll ganz leise weiter, für immer oder sehr lange, die Reise geht in die Zukunft, ich bin ein Flughund, mir wird nicht bange.

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I think that a main part of a woman’s life is trying to prove that she is different than other women, hell-bent on dissociating one from that notorious gender which is vilified and denigrated by the male patriarchal dominion.
Pretty much the way German writer Sophie Passmann describes it in her volume „Pick Me Girls“. Girls are oppressed by society and they tend to internalize the oppression and think of themselves as something bad that only once it has proven to be different, not a „pick me girl“ so to speak like those other cheap, vulgäre Frauen (lasst mich hier auf Deutsch weiterschreiben, damit ich meine maximale Ausdrucksstärke erreiche für dies letzte diffizile Sujet), erst dann hat ein Mädchen den Graben oder das Gefängnis der Weiblichkeit überwunden und wird sich erlauben, von sich selbst als einem normalen, vollberechtigten Teil der Gesellschaft zu denken zu beginnen.

Um diese brutale, die Frauen zerstörende Herrschaft des männlichen Normativs, zu brechen oder etwas einzuschränken, möchte ich hier ganz klar und offenheraus sagen, wie ich es sehe: ihr Frauen seid alle Huren. Und wir Männer sind alle Zuhälter. Das hat doch auch nichts Schlimmes, sondern sind genauso ehrenhafte Berufe wie eben alle anderen in der Gesellschaft (oder ebenso ehrlos). Also ich möchte euch Frauen einfach den Druck von den Schultern nehmen, euch ständig fragen zu müssen, ob ihr denn nun zu hurenhaft oder noch nicht hurenhaft genug seiet, ob ihr schon die richtige Mitte und Balance gefunden hättet, für die euch ein Mann lieben könnte. Aber wir lieben euch doch sowieso, da könnt ihr euch anstellen, wie ihr wollt. Ihr solltet nicht mehr auf andere Frauen zeigen und jenen vorwerfen, was sie alles gegen Geld bereit zu tun seien. Wir alle sind ja so, dass wir uns auf dem Arbeitsmarkt verkaufen müssen, um dagegen Nahrung und Schutz zu erhalten. Nur für euch Frauen sind die Bedingungen, unter denen ihr diesen Tauschhandel eingeht, eben deutlich ungünstiger und haben umfassend mit der Sexualität zu tun. Und so ist es eben in der heute obwaltenden reaktionären Gesellschaft, da ist nichts zu machen, also auch nichts zu lieben, zumindest nicht für mich. Ich wünschte mir einfach, ihr würdet euch mal weniger Gedanken darüber machen, wann eine Frau eine Hure ist und ob ihr selbst schon zu einer solchen geworden oder auf dem Weg dahin seid, so wie Lana dies in ihrem Song „A&W“ tut. Ja, ihr Frauen seid alle Huren! Ihr seid alle gleich darin, keine von euch ist auch nur ein Fitzelchen mehr oder weniger Hure als eine andere, wir alle, auch wir Männer, sind letztlich gleich und auch wir Huren, nur heute noch deutlich weniger versiert in diesem Gewerbe. Und daraus gibt es auch gar keinen Ausweg in der heutigen Gesellschaft. So und das einmal gesagt, hoffe ich, dass es euch besser geht. Zumindest mir tut diese literarische Offenheit gut. Doch in Zukunft wird es weniger davon geben. Ich will niemandem mehr wehtun, deshalb schreibe und podcaste ich nur noch für mich. Vor allem will ich niemanden lieben müssen, vor allem keine Frau. Das fühlte sich mit Lila ganz schlimm an, so unter Druck gesetzt zu werden von ihr und gesagt zu bekommen: ja, wenn du als Mann das nicht hinbekommst, mit mir zu reden, dann wars das halt, dann reden wir halt nie wieder. Und schön. So sei es. Ich komme schon zurecht und möchte nur versteckt bleiben. Manita und Lila sollen sich darauf konzentrieren, hier im Imperialismus Fuß zu fassen und to love their boyfriends. And my podcast being online would afflict them and restrain them in that, therefore it must go.

As to all the other women from my life, especially to those from Argentina and from Cuba, I would like to say: live your lives freely without occupying yourself too much about what’s going on in our male heads, it’s not that much anyway. And you should dream and be unburdened by the thought of what men might or might not see in you. You should realize your desires, even the desire to grasp a man by the arm and hold his flesh, immerse yourself into the divine struggle for sensual communication. It’s not our men’s turn to determine when, with whom or what should be done in that regard, so please stop waiting for us and acting as if it was still 1500. Wake up, girls. I know it’s hard. But in the end some day you have to face the harsh reality. Men are no longer looking out for you, you have to look out for them now.

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Noch ein paar Worte zu meinen Genossen (denn ihr seid für mich die wichtigsten Menschen auf der Welt, wichtiger als meine Familie, die ich im Handumdrehen verraten würde, sollte es der Fortgang einer zukünftig stattfindenden sozialistischen Revolution erfordern; nur auf euch kann ich bauen und das ist zwar nicht besonders viel, aber besser als nichts): ich kann mir vorstellen, dass ihr euch viel von mir versprecht und gern mehr von mir lesen oder hören wolltet; ich hatte ja auch einige politische Werke begonnen, beispielsweise »Macron«, was ich in Nr. 145 oder 146 vorlas.

Das Problem ist, dass für mich die Herausforderung nicht groß genug ist, ein solches Werk zu Ende zu schreiben. Denn das ist einfach nur cheating, Betrug: mit der Kapitalmacht meiner Eltern im Rücken wurde ich zu der expressiven, sprachfähigen Person gebildet, die ich heute bin. Und naütrlich könnte ich da über die anderen triumphieren und beweisen, dass ich der beste Autor aller Zeiten oder zumindest seit langer Zeit bin. Aber das ist mir zu einfach, da steckt keine wirkliche Leistung dahinter, denn der Imperialismus beruht ja auf der Vererbung leistungsloser Privilegien. So wie wir Deutschen also von der in der Vergangenheit akkumulierten Kapitalmacht profitieren, also letztlich auch von Hitlers Raubzügen sowie den vorhergehenden und nachfolgenden imperialistischen Kolonialisierungspraktiken und der ganzen Werkzeugkiste des raubenden, mordenden, sich vollfressenden Imperialismus. So ist es natürlich einfach, gegen andere Länder zu gewinnen, das ist wie ein Fußballspiel, bei dem der Platz auf einer Wiese mit einem zehnprozentigen Gefälle liegt. So ist es kein Wunder, dass wir hierzulande große Geister hervorbrachten, die mit ihren Werken, die Welt erleuchteten, siehe Hegel, Goethe, Nietzsche, Marx etc. Wobei natürlich heute das Produktionsniveau gesunken ist und Sophie Passmann eine der wenigen passablen Ausnahmen bildet im geistigen Sumpf und moddrigen Schleim des Nihilismus der Gegenwart.
Also ich meine nur, es ist unter den jetzigen Bedingungen, analysiert man die Ökonomie und die vielfältigen internationalen Abhängigkeits- Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnisse, kein Wunder, dass wir hier in Deutschland größere Philosophen und Schriftsteller hervorgebracht haben als Zimbabwe. Das zu konstatieren ist nur natürlich und man sollte nicht in die postmoderne Falle der Relativierung und Einebnung aller Differenzen gehen, nach dem Motto, jede Kultur ist doch schön und der Buschdichter aus der afrikanischen Savanna hat genauso große Meriten wie Goethe. Nein, da ist allein schon eine Differenz in den materiellen Produktionsbedingungen, die etwa Goethe erlaubten, sich viel mehr dem Schreiben zu widmen, dafür produktive Werkzeuge einzusetzen, was letztlich zu seinem recht beträchtlichen artistischen Output führte.

Aber als Kommunisten müssen wir natürlich dafür eintreten, dass diese Differenzen nicht auf ewig zementiert werden sondern baldestmöglich überwunden, sodass alle Menschen in den Stand versetzt werden, einen größeren Teil ihrer Lebenszeit und Geisteskapazität der Kunstproduktion zu widmen. Das Gefälle soll materiell eingeebnet werden, um Platz zu machen für ein halbwegs ebenerdiges Fußballfeld, es soll aber nicht einfach idealistisch das Vorhandensein des Abhangs geleugnet werden, wie es die postmoderne, kulturrelativistische Ideologie tut, um zu ermöglichen, dass dieses absurde Spiel am Hang noch auf Jahrhunderte so weitergetrieben werde und alle Teilnehmer und Zuschauer dazu verdammt sind, so zu tun, als sei alles ganz normal und als vollziehe sich vor ihren Augen das Spektakel der höchsten imaginierbaren menschlichen Kultur.

Also nochmals die Frage: was habe ich davon, zu beweisen, dass ich ein guter Schriftsteller bin? Ich glaube, das würde mir mehr Probleme als Freuden einbringen. Ich schreibe lieber für mich und gebe einzelne Fragmente vielleicht in ein paar Monaten oder Jahren mal im privaten Kreis heraus, das soll mir als Publikation genügen. Aber wer meine Texte in Händen halten will, muss sich dafür schon sehr anstrengen und fast auf den Kopf stellen. Ich gebe sie kostenlos heraus, aber erst nach Eingang eines überzeugenden, aussagekräftigen Bittschreibens oder einiger freundlicher Bittworte.

Der naive, marktschreierische, bürgerliche Feminismus der Gegenwart erzeugt einen starken intrinsischen backlash, einen Reflex der Rückorientierung und Zuflucht in vormalige Sicherheiten und starre Verhaltensmuster — sowohl auf männlicher, als auch auf weiblicher Seite, all diese hegemonialen Diskurse wirken gleichermaßen auf uns Individuen, die wir mit dem Los behaftet sind, Kinder dieser Gesellschaft zu sein, die über uns ihre unsittlichen Ansichten und Normalisierungen auskippt. Der Unterschied ist heute schlicht ein moralischer: die Frauen sind aufgefordert zum Handeln, während wir Männer uns abwartend zurückziehen sollten. Welchen anderen Sinn kann denn der Feminismus überhaupt haben? Von dieser Moral abzuweichen und das auch noch mit dem Verweis auf angeblich fixe Lust-Mechanismen zu begründen, die es angeblich unumgänglich machten, dass der Mann Aktivität, die mit Virilität assoziiert wird, zeige und als Einstiegsritual für die zu beginnende Liebesbeziehung eben einen großen Aufschlag mache, der wie immer er auch geartet sei, später von der Frau aufgefangen, honoriert und mit dem idiotischen, lapidaren, die Ohnmacht nur besiegelnden Hinweis bedacht wird, sie, die Frau, sei es aber eigentlich gewesen, die jederzeit alle Zügel in der Hand gehalten und alle Macht ausgeübt habe durch ihre dunklen, subtilen, weiblichen Werkzeuge.
Der Feminismus der Vergangenheit hat schon einiges geleistet, wenngleich er innerhalb einer bürgerlichen Gesellschaft notwendig mangelhaft und teils reaktionär bleiben musste, aber zumindest das rechne ich ihm hoch an, dass ich für mich in meiner Gefühlsökonomie diese Schlechtigkeit ganz klar fühle, eine Art Übelkeit, die in mir aufsteigt, denke ich an das im Vorsatz beschriebene Rollenklischee und daran, auf diese Art und Weise lieben zu sollen oder zu müssen. Das ist ein gutes Ergebnis und man darf sich eingestehen, dass einen die Liebe, wie sie heute als möglich erscheint, nur ankotzt und anekelt und sich ganz falsch und vor allem: gewalttätig, frauenverachtend und frauenvernichtend anfühlt. Und man also mit guten Gründen vorläufig auf sie verzichten darf.

So wie in der heutigen, mit stereotyphaften Rollenklischees vollbeladenen Zeit unterstellt wird, der Mann suche Aufregung, weshalb er einen möglichst langwierigen, mit Prüfungen gespickten Weg der Annäherung an die Frau vorzöge; beziehungsweise, die Frau baut all diese Prüfungen ein, aus Angst, der Mann könne tatsächlich so wankelhaft und triebgesteuert sein wie von den Stereotypen unterstellt und diese Prüfung werde ihn irgendwie hoffentlich an sie ketten… also exakt so meine ich, wie man sagen könnte: dieses Mädchen ist mir zu einfach zu kriegen, das ist ja ein »easy girl«, die könnte ich im Handumdrehen verführen und was auch immer mit ihr tun, sie läge mir zu Füßen, da bin ich sicher… aber da fehlt mir der Nervenkitzel, was soll ich mit so einer Frau, die sich gleich ergibt… ich als Mann brauche doch einen langen Kampf, ein Hin- und Her, bei dem zuallererst mein Spieltrieb befriedigt wird.
Exakt so fühle ich momentan in Bezug auf die Literatur: das ist mir zu einfach. Ich schreibe gern für mich, aber zu publizieren und dafür akkreditiert zu werden… puh. Da fühle ich mich irgendwie fehl am Platze, vor allem ich als Mann, wegen meines Geschlechts, möchte ich nicht dieser erfolgreiche liberale Sieger sein, der auf dem freien Markt triumphiert, auf dem Büchermarkt oder dem ökonomischen Markt, auf den es zuallererst ankommt — weil wir wie erwähnt ja alle Huren sind und sich mit Geld alles weitere, vor allem also Sex, kaufen lässt.

Was ich meine ist, dass es eigentlich ganz gut tut, einen fairen Wettkampf auszutragen, so wie bei den olympischen Spielen oder Fußball-Weltmeisterschaften. Nur sollten eben alle Kombattanten mehr oder weniger über die gleiche Ausrüstung und ähnliche Trainings- und Lebensbedingungen verfügen, nur dann lassen sich die Resultate ihrer Anstrengungen ja vergleichen. Aber in der heutigen Welt herrscht natürlich der Monopolismus bzw. Oligopolismus, was keinen großen Unterschied macht außer dass ersteres Wort leichter zu merken und schöner ist. Da haben einige also einen uneinholbaren Vorteil und nutzen die ideologische Verblendung, die Macht der Vokabeln »freier Markt« usw., um von einem angeblich stattfindenden fairen Spiel zu schwadronieren, das alle Teilnehmer auf der Welt in den gleichen Stand versetze, einen Sieg zu erringen, angeblich herrschten relativ ausgeglichene Ausgangsbedingungen und nun habe sich auf dem Markt per fairem Wettkampf eben der Fähigste durchgesetzt, womit bewiesen sei, dass Reichtum verdient sei, im Sinne von, moralisch rechtmäßig erarbeitet und nichts Zweifelhaftes an sich habe.

Also ich würde mich ja gern mit anderen Künstlern messen. Aber dazu gibt es keine faire Weise und alles ist mit dem Imperialismus verquickt. Als deutscher Künstler würde ich letztlich dem deutschen Regime das Wasser tragen. So wie all diese erbärmlcihen konformistischen Schriftsteller, die in der unteren Mittelschicht geboren werden und danach aspirieren, in der oberen Mittelschicht zu enden und dafür ermüdende Prozedere des Lächelns in die Kamera, Verbeugens vor der Macht auf sich nehmen, da sie einfach nur dazugehören wollen zur imperialistischen Klassengesellschaft und in dieser respektiert werden möchten. Diese Sätze paraphrasieren die Worte Roberto Bolaños aus seiner Kurzgeschichte »Literatur + Krankheit = Krankheit«.

Die großen Schriftsteller Lateinamerikas wie Roberto Arlt, Manuel Puig oder Nicanor Parra werden vergessen und ihre Werke unter dem Schutt der Zeit begraben, während solche Huren des Imperialismus wie Isabell Allende oder Luís Sepúlveda in den Regalen stehen und gekauft werden. Auflage um Auflage muss nachgedruckt werden, doch warum haben sie so viel Erfolg? Was macht die Geschichten eines Arturo Pérez-Reverte in Spanien zu Bestsellern? Ganz einfach, laut Bolaño: man versteht ihre Geschichten. Das ist das ganze Geheimrezept, möchte man zu einem erfolgreichen Schriftsteller werden, muss man sich dem (niedrigen, nach unten offenen) Niveau der vom Imperialismus zu quasiwilden Halbtieren zugerichteten Volksmassen anpassen und so schreiben, dass sich eine schöne, hübsche, verständliche Geschichte ergibt, sodass den Lesern ein Lichtchen aufgeht oder zumindest für einige Sekunden in ihren finsteren Birnen diese Illusion, die Fata Morgana einer vorgeblich stattfindenden Erhellung sich vollzieht, woraufhin sich diese erbärmlichen, halbtoten, halbtierischen Leser einem kurzen Glücksschauer hingeben können und etwas Trost oder ein Desiderat davon für ihr belangloses Leben ziehen können.

Ein wirklicher Schriftsteller oder jemand, der sich dazu heranbilden möchte wie ich, hat mit diesen Halunken und schäbigen Gestalten der Literatur-Hurerei, der Sprachbildung zum Zweck der Imperialismus-Affirmation, nichts zu schaffen orientiert sich weiterhin an den Großen der Geschichte, unbeeindruckt vom Tagesgeschwätz und den täglich sich vollziehenden Idiotien der hiesig obwaltenden Medien- und Kulturlandschaft. Goethe, Cervantes, Arlt, Cortázar, Whitman, Bukowski, und am allerwichtigsten: Bolaño. In diese Fußstapfen möchte ich treten. Und wie komisch das allein schon wieder klingt! So als hätte man sich eine unmöglich zu schaffende Gipfelwanderung in den Himalaya vorgenommen, dabei waren diese ehrbaren Leute doch auch nur Arbeiter wie du und ich, mit dem Unterschied, dass sie in ihrem Produktionszweig eben die Besten waren und die Standards setzten, auflösten, vorantrieben.

Um auf diese Wanderung zu gehen, muss ich mich jetzt aus dem Rampenlicht des Podcastgewerbes zurückziehen. Denn ich brauche Zeit für mich, um zu spüren, was am Wichtigsten ist. Lila und Manita. Und diesen Schmerz, den die gescheiterten Beziehungen zu ihnen in mir hinterließen, ganz genau zu spüren, seine Schwingungen und Wellen, die aus meinem Bauch heraus emanieren, ganz genau auffangen und aufzeichnen… das ist, wie in der letzten Interview-Folge erwähnt, die wichtigste Produktionsbedingung für mich, um mich imstande zu fühlen, Literatur zu produzieren.


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Ăśber diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige GefĂĽhl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurĂĽck, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen VerrĂĽcktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "VernĂĽnftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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