#103 Zunehmender Kapitalismus
Sozialismusverhinderungsprojekt
Der erste Weltkrieg forderte nach gängigen Schätzungen etwa 17 Millionen Tote insgesamt, nicht nur Russen, wie ich in der Folge sagte. Ich hatte Lenin hier wohl falsch verstanden, der von etwa 16 Millionen Brüdern und Schwestern schrieb, die ihr Leben für die kriegerischen Profitinteressen der Bourgeoisie lassen mussten. Er schrieb dies also nicht in Bezug auf ihre Nationalität sondern auf ihre Klassenzugehörigkeit, sie waren geistige Geschwister, weil sie Proletarier und werktätige Arbeiter waren und damit Teil des einzig wahren, des proletarischen Vaterlandes.
Aber wie viele Menschen nun genau bei diesem oder den bekannten anderen kapitalistischen Übeln starben, ist letztlich nicht so wichtig. Es waren genug, um etwas gegen die sie verursachenden Gesetzmäßigkeiten tun zu müssen, damit sich derartige brutale Konfrontationen nicht wiederholen. Dass wir alle deformiert und von der autoritären Gesellschaft erst konditioniert sind, ist klar, die Frage bleibt nur noch, was wir an umwälzenden Taten zustande bringen können, die das Gesamtgefüge verändern, sodass folgende Generationen unter günstigeren Bedingungen aufwachsen können.
So möchte ich hier im Stile der Letzte-Generation-Aktivisten sagen: die marxistische Wissenschaft über die Übel der herrschenden Marktwirtschaft ist seit langem gut bekannt und jeder hätte Zugriff darauf, um sich zu bilden über den Stand der menschlichen Erkenntnis. Wer sich dem verweigert, dem wird entgehen, wie die marktschreierischen tagespolitischen Ereignisse sich in das größere Bild des Zyklus von "Krise, Depression, Konjunktur, Krieg" (Walter Ulbricht) einreihen und die Verbrechen an der Menschheit und ihrem eigentlichen Potential des harmonischen Zusammenarbeitens unserer Generation werden ihm als Ausbünde der Schlechtigkeit von Einzelpersonen, „Charaktermasken“ (Marx) erscheinen. Diese #Scheinwelt muss auf den Kopf gestellt werden, und als die Schweinwelt entlarvt werden, die sie ist und zu der wir alle täglich beitragen, indem wir den Gedanken des politischen Umsturzes in Richtung des Sozialismus nicht vorantreiben und keinen Beitrag zu diesem wertvollen Projekt leisten mögen. Was werden wir wohl unseren Enkeln mal sagen können, wenn sie uns fragen, aber Oma, Opa, ihr habt doch gewusst dass weitere Weltkriege unumgänglich sein würden im Rahmen des bestehenden Systems, warum habt ihr dann feige geschwiegen und beim demokratischen Kasperletheater mitgemacht?
Warum habt ihr nur wenns ums Klima ging mal kurz ein ernstes Gesicht aufgesetzt und betont, dass hier die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel steht, warum nicht wenn es um marxistische Themen wie brutale Ausbeutung, Unterdrückung, Imperialismus ging?
So kann ich euch nur auffordern, euch beizeiten zur Kommunistin oder zum Kommunisten heranzubilden. Diese Arbeit kann ich euch keineswegs abnehmen, nicht deshalb spreche ich so viel darüber, sondern um meinen persönlichen Weg zu diesem Gut des Kommunismus nachzuzeichnen und weiter zu planen, ein Gut, welches schon heute Freude macht und genossen werden kann allein in der Theoriebildung und in der Praxis des revolutionären Sprechens und Denkens. Das Aussprechen der Theorie ist schon die Praxis, es gibt hier vorerst nichts weiter dialektisch auszugestalten. Das Aufnehmen der Theorie ist eure Praxis und es bleibt euch überlassen, wie ernst ihr sie nehmt.
Was ist schon autoritär? „Heutzutage ist ja schon der rechts, der morgens früh aufsteht und pünktlich zur Arbeit kommt“, sagte einst Björn Höcke. Diesen lakonisch-dümmlichen Spruch sollten wir keinesfalls als uninteressant abtun, auch wenn er von einem Faschisten stammt. Darin kommt doch zum Ausdruck, dass sich in der bundesrepublikanischen Gemütslage nach 45 eine weichlich-zimperliche Haltung durchgesetzt hat, die dem angeblich souverän-autonomen Individuem alle (Kapital-) Freiheiten freiräumen will und so bestens mit der ausbeuterischen Marktwirtschaft harmoniert.
Aber jeder zu starke Einfluss des Staates oder der Eltern und Erzieher sei schlecht, war sich die antiautoritäre 68er Generation einig. Aus der richtigen Wahrnehmung und Verurteilung der Gräuel des Nationalsozialismus wurde die falsche Ablehnung jeglicher Autorität und Norm. Wenn wir nur antiautoritär sind, landen wir bestimmt nie wieder im Faschismus, so die leider sehr einfältige Denkweise. Denn zunächst einmal ist die Prämisse falsch, der heutige Stand der Produktivkräfte und Herrschaftsverhältnisse in der BRD habe sich auf nicht-autoritäre, nicht-gewalttätige Politik gegründet. Dass wir heute in einer der höchsten Machtpositionen der globalen Konkurrenz-Hackordnung stehen, haben wir eben den äußerst autoritären Vorgehensweisen von Adenauer und Co. zu verdanken.
Dieses autoritäre System züchtet Menschen, die so schwach und formbar sind, dass sie die objektive kapitalistische Entfremdung und Entwürdigung in der Lohnarbeit auf sich projizieren und persönliche Fehler darin erkennen, um dann wiederum solche demokratischen Politiker wie Adenauer oder Merkel zu wählen (oder Faschisten wie Höcke, die von der bürgerlichen Brut immer wieder hervorgebracht werden), die ihre Unterdrückung erst organisieren.
Meine persönliche Antwort auf die Frage, was autoritär ist, lautet, ein Buch, das man als wichtig erkannt hat, zu Ende lesen, eine Theorie, die einen in den Bann schlägt, akribisch weiter zu erforschen, eine geistige idee, der man treu sein möchte, routiniert ausarbeiten, etwa einen Roman oder ein Gedicht. Sich dieser künstlerischen Arbeit hinzugeben ist schon etwas sehr Autoritäres. Immer wieder muss man dabei den Zwang gegen sich anwenden und die Neigung zur Faulheit und Schlamperei bekämpfen, die noch gesteigert wird durch die neurotischen Auswirkungen der Lohnsklaverei in unserer Psyche.
Aber auch das Studium der marx‘schen Theorie kann dieses absolut autoritäre Unterfangen sein. Man muss sich mit etwas Festem auseinandersetzen, was in eine würdevolle Form gebracht wurde, auch wenn der Inhalt wuchern und sich verzweigen mag, wie es bei Marx der Fall ist.
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