Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#109 Unsterblichkeit

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Ja, liebe Leute, liebe Meute, liebe Meuterer. Mit dieser Folge starte ich eine Salve, die sich gewaschen hat. Mal um Mal knalle ich euch eine weitere Episode hin, vor den Latz oder schieße euch eine Kanonenkugel vor den Bug. Obwohl dieser Ausnahmezustand im Podcast streng genommen erst in Nr 110 anfängt, deutet er sich vielleicht heute schon an. Wie dem auch sei, die Details könnt ihr dem geronnenen Arbeitsprodukts des proletarischen Autodidakten, meiner Wenigkeit, am Werk des gesprochenen Worts entnehmen.

Was in der nächsten Folge beginnt, ist gewiss eine Spezialoperation. Sie schießt uns außerhalb von Raum und Zeit, in bislang unerforschte Galaxien, die Tischlein, deck dich hiermit betritt. Das Ressentiment, der Widerstand gegen die grundlegenden Wahrheiten der Produzenten von gewissen anderen Podcasts treibt mich an bei dieser Wahnsinnstat des Kritisierens anderer Medieninhalte.

Und so muss ich hier meine strikte Wahrheit vorgeben: es wird nun um unerschöpfliche Produktion gehen. Einmal in die Auseinandersetzung verwickelt, lässt sie sich nicht so schnell stoppen. Und diese Intervention (im Natosprech) verlangt von mir, die äußersten Kraftreserven zu mobilisieren. Heute nahm ich eine Folge auf, die aus eurer Sicht der Konsumenten weit in der Zukunft liegt, etliche Episoden und Stunden an Material liegen zwischen der heutig produzierten und der heute publizierten. Wobei das Produzieren natürlich ein weit verzweigter Prozess ist und streng genommen auch das Schneiden und Verfassen der Shownotes oder Editionsotizen dazu gehören. Trotzdem fühlt es sich so an, dass ich heute Folge 130 produzierte, als ich sie einsprach. Und das ist ja vermutlich der größte Teil, der künstlerische am Endprodukt. Hier sehen wir also, wie wir immer alle Arme des Produktionsapparats mit berücksichtigen sollten. Im besten Falle erringt das Proletariat sogar einen welthistorischen Sieg, angeleitet durch unermüdliche Parteikämpfer, und übt seine absolute Macht und Tyrannei über die bisher es Beherrschenden aus.

Die Editionsnotizen kann ich durch den Drang, jetzt einfach alles rauszuspülen, nicht mehr gründlich verfassen und muss das klar anpeilen, sie zurückzustellen gegenüber der reinen Publikationsarbeit. Aber alles, was ich ausdrücken kann, liegt auf der Hand. Der Marxismus ist Fleisch und Blut der Menschheit, gelebt und gelesen von Millionen Menschen im Ostblock, China oder Lateinamerika. Einige der Marxisten sind Revolutionäre geworden, und erfuhren dabei außer bei einigen glücklichen Gegenbeispielen wie Petrograd 1917 kein sehr freundliches Schicksal und wurden im schlimmsten Fall von der Bourgeoisie ermordet. Aber trotzdem haben die zusammengeballten Mächte der Finanzaristokratie und des faschistischen Straßenmobs ja nicht alle gekriegt. Einige blieben übrig und glauben nach wie vor an die marxsche Lehre oder lesen und denken dialektisch weiter. So in der ehemaligen DDR, in Russland, Weißrussland, ja sogar Kirgisistan hat die Wohltaten des Marxismus zu spüren bekommen, ist aber vom Imperialismus mittlerweile heftigst geknechtet, sodass man dort schnell mal zu gewalttätigen Mitteln greift, die von unserem „menschenrechtskonformen“ Imperialismus in diese Stellung gebracht werden, das letzte Sinnvolle für die vor Ort Ansässigen zu sein.

Es gibt also unter den ehemaligen revolutionären Aktivisten und Kämpfern in Lateinamerika oder Afrika und den ehemaligen Bürger sozialistischer Länder Anknüpfungspunkte, sie haben Marx teilweise gelesen und sich mit ihm auseinandergesetzt. Das ist der wichtige Baustein, die theoretische Klarheit. Hier gilt es, hin und wieder nachzuschärfen, Abweichungen vom Standard, vom gefassten Ziel des proletarischen Klassenkampfes, werden nicht geduldet. Diese Kämpfer oder einfachen Bürger haben gelebt und dabei ihre Arbeit am Entwicklungsschatz der Menschheit geleistet, am philosophischen Denken, sozialen Innovationen und sonstiger Akkumulationsarbeit an diesem Schatz des gewagten Gedankenproduzierens. Und darüber hinaus ist es jedem Menschen überlassen, sein oder ihr Leben so zu führen, wie es einem passt und beliebt. Innerhalb der Grenzen der weltlichen Macht, selbstverständlich, aber wer auswandern will, sollte das auch tun, jeder muss ja erst mal das rein Privatistische klären, um in der Konkurrenzgesellschaft überhaupt die individuelle Produktionsmaschine anwerfen zu können und dem Druck der effizienten Maschinerien zur Kapitalverwertung standhalten. Und so gibt es aber doch eine richtige politische Haltung und viele falsche, die zwar meistens in der Mehrzahl sind und von den schrillen Medienmonopolen noch ermächtigt werden, sich im Recht zu fühlen.
Dennoch sind sie abzulehnen und als fantasiehafte Selbsterzählungen einer herrschenden Klasse zu entlarven.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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