Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#111 Polizeilich erlaubt

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Die erwähnte Folge des „3. Jahrtausends“: https://www.exomagazin.tv/gaslighting-das-3-jahrtausend-81/

Polizeilich erlaubt und logisch unerlaubt

Vorgelesen heute wurde ein extrem wichtiger Text, der entscheidend wird über die gesamten 110er und 120er Folgen von Tdd: Karl Marx, Zur Judenfrage

„Es gibt eine direkte Grenze zu Polen am Fluss Oder und mein eigener Großvater kämpfte etwa im Winter 1945 an diesem Fluss, an dieser Grenze. Und ich stand 2004 auf dieser Brücke, die natürlich wieder aufgebaut worden ist zwischen Polen und Deutschland, als Joschka Fischer als Außenminister zusammen mit seinem Kollegen von der polnischen Seite erneut die Wiedervereinigung Europas gefeiert hat.“

(https://www.tag24.de/nachrichten/politik/deutschland/politiker/annalena-baerbock/im-netz-kursierendes-foto-annalena-baerbock-hat-nicht-behauptet-sie-sei-ostdeutsche-1980102)

So Baerbock laut dem Artikel. Ich habe mir das Video jetzt nicht angesehen. Es dreht sich alles um das Wort „erneut“. Und doch: was wenn? Was, wenn „erneut“ in diesem Kontext bedeutet, dass nach dem ersten Zusammenfügungsversuch Europas, der kriegerisch erzwungenen „Vereinigung“ unter deutschem Diktat, wie es Hitler vorschwebte und er es zeit- und gebietsweise schon erreicht hatte, nun die zweite Etappe dieses langen historischen Prozesses spielt, in dem wir deutschen laut Baerbocks Erzählung und Geschichtsinterpretation eine Heldenrolle als Baumeister Europas spielen. Wenn sie diesen Gedanken bewusst so artikuliert haben sollte, wäre sie einfach ehrlich und auskunftsfreudig über die Zwecke und Mittel des deutschen Imperialismus, der sich mal mit dem Faschismus, mal mit dem Liberalismus arrangiert und über Wasser hält, um die ganze Welt zu beherrschen und auszubeuten. Wahrscheinlich ist dies doch eher nicht, was zeigt, welch schwierige Position wir als Revolutionäre beim Umgang mit den bisherigen Machthabern haben werden, die sich und ihre politisch-historische Rolle vollkommen verkennen. Baerbock ist nun Vorkämpferin des deutschen Imperialismus und diktiert aus dem bequemen Chefsessel in Berlin heraus die Kriegsunterstützung für die Ukraine und ihre faschistischen Frontkämpfer. Diese glattrasierten Neonazis werden vielleicht jetzt an der Front aufgerieben, sind aber auch nur Opfer des deutschen Faschismus, der sich damals im 2. Weltkrieg auch dort tief in die Hirne eingrub, sowie des deutschen und EU-Imperialismus, der ihre Heimat nach erfolgter Zerschlagung des Kommunismus darniedergehen ließ, die Industrien einstampfte und für sich Profite rausholte, während die Ostbewohner nur die Chance hatten, zu emigrieren (falls man genug Geld und geistige Fähigkeiten, neue Sprachen zu lernen und sich umzugewöhnen etc. mitbringt) oder sich als Billiglohnkräfte für westliche Firmen zu verdingen oder eben zu Kriminellen und Faschisten zu werden. Diejenigen, die wie Joschka Fischer die geopolitischen Machtbedingungen so gesetzt haben, dass die Ukrainer am Ende es als richtige Wahl sehen, für ihr Land in den Krieg gegen Russland zu ziehen und fanatisch zu kämpfen, sind die wirklich Schuldigen an den heutigen Blutbädern. Kleinere Länder lassen sich immer wieder blenden vom Glanz des westlichen Reichtums. Sie glauben, dort eine faire Chance zum wirtschaftlichen Aufholen und Teilhabe an der „Ausbeute des Weltmarkts“ (Marlon Grohn) zu bekommen.

Russland als größeres, aber enorm geschwächtes und ausgezehrtes Land nach 89, hat es unter Putins Ägide geschafft, sich von diesem Denken zu lösen und die Versprechungen des Westens als hohle, zynische Phrasen ohne materielle Basis zu erkennen. Putin ist sicher kein Sozialist und spielt sicher mit nationalistischen und sonstigen affektiven Politikelementen, so wie auch unsere Politiker hier (Seehofer, Söder, Lindner, Merz usw.), insofern ist er also genauso zu bekämpfen und wegzuputschen. Allerdings muss hierbei genau die historische Situation betrachtet werden. Er ist nämlich immerhin auch kein Faschist und hat das Land zumindest ökonomisch auf niedrigem Niveau stabilisiert und ideologisch eine sicher reaktionäre, aber nicht sonderlich prononcierte Linie gefahren. Momentan macht das Land eine sehr kritische Phase durch, insofern macht es auch für russische Kommunisten Sinn, jetzt weniger an die Revolution zu denken als in etwas ruhigeren Zeiten. Mag Putins Antifaschismus auch nur Phrase sein, die Nazis in der Ukraine sind real. Und wenn Putin besiegt wird, wird Russland dem plündernden Westen in die Hände fallen, der mit seiner Medienmacht die Hirne weichkocht und die „liberale Demokratie“ einführen würde, welche einen x-beliebigen Milliardär mit der größten Medienmaschinerie in den Kreml befördern würden. Es geht jetzt also aus russischer Sicht erstmal um den Erhalt des ganzen Staatsgebildes, auch wenn man Putins Akt der Invasion und der versuchten Vergrößerung dieses Gebildes ablehnen kann. Russland darf nicht erneut der westlichen Hybris in die Hände fallen, so die Problemlage, vor der sich russische Kommunisten sehen, andererseits ist die Revolution natürlich durchzuführen. Eine diffizile Lage.

Hier in Deutschland ist es eindeutig. An der Regierung sind die „liberalen“ oder tarnkappengrünen Kräfte, die eine profaschistische, neokolonialistische Politik der Entrechtung, Ausbeutung und Versklavung betreiben. In keinem Land ist die Revolution so notwendig wie hier, in Deutschland, und in keinem würde sie auch so viel bringen. Deutschland ist Garant der Stabilität. Wenn von hier das Signal käme, die ideologische Ausrichtung auf Liberalismus, Demokratie und Antikommunismus der letzten Dekaden, oder gar Jahrhunderte, sei falsch gewesen und der Kommunismus trotz einiger ärgerlicher Fehlentwicklungen doch das wahre und emanzipatorische Projekt der Menschheit, dann kämen auch andere Nationen hervorgekrochen und würden auf den Begriff kommen und Marx studieren, um ihn tatkräftig umzusetzen. Hier muss die Revolution also kommen, und das wird sie auch, so wahr mir Gott oder Marx oder der Teufel helfe. Ich bin pragmatisch, wenn es nur dem Aufbau des Sozialismus und dem Wohlergehen der proletarischen Volksmassen dient.

Davon sind wir weit entfernt. Die Arbeiterklasse hierzulande wird in Unmündigkeit und Armut gehalten und ihr wird nur die ideologische Identifizierung mit der deutschen Wirtschaftspotenz, Imperialismus und Militarismus vorgesetzt, mittels derer sie sich über die eigene klägliche Position hinwegtäuschen kann. Ja, manchem Bürohengst mag schon ganz wohlig geworden sein bei den Bildern von der ukrainischen Front, die ihm erlauben, wenigstens imaginär als Teilhabender am Kampf dort wieder den Zugang zur eigenen Männlichkeit zu finden. Wir Deutschen sind zwar innenpolitisch und ökonomisch unterjocht, aber dürfen unsere Stärke im Angriffsarsenal der Nato und in den überlegenen deutschen Industriegütern sehen, welche die Welt überschwemmen und andere Länder verarmen lassen.

Baerbocks „erneut“ drückt also eine anhaltende historische Bewegung aus, in der wir Deutschen andere Weltgebiete überrennen, ihre Bewohner für unsere sinistren, menschenverachtenden Zwecke instrumentalisieren und bis zum Schluss kämpfen lassen, so wie Hitler auch weiterkämpfen ließ selbst in aussichtsloser Lage und so fanatisch war, dass er selbst bei der schon feststehenden Niederlage des Dritten Reichs einfach noch möglichst viele Europäer mit ins Grab nehmen wollte. So auch Baerbock, die trotz der absehbaren russischen Überlegenheit die Ukrainer weiter ausrüsten und motivieren möchte, sich für deutschamerikanische Geopolitik zu opfern. Wer hier zu Beginn der deutschen Kriegspropaganda auch nur einen Millimeter nachgibt und von der „Irrationalität“ Putins oder russischem Großmachtstreben faselt, der ist ein dummer faschistischer Knecht. Denn er betreibt ja antirussische Propaganda, die auf den damaligen Nazi-Kampagnen gegen den bolschewistischen Hauptgegner (wohingegen die Westmächte für Hitler Zivilisierte waren, die er nicht gleichermaßen brutal bekämpfte, woraus sich auch die Appeasementpolitik Englands und Frankreichs vor 39 erklärt: sie hofften darauf, Hitler werde die UdSSR angreifen und sich darin aufreiben, der Tod und die Versklavung von über 200 Millionen Sowjetbürgern war ihnen egal, hauptsächlich ging es um den Machterhalt der Kapitalisten und die Stützung der Produktionsverhältnisse, die durch die Wirtschaftskrise der 30er infrage gestellt wurden und selbst mit der Herrschaft Hitlers über Europa war die westeuropäische Bourgeoisie bereit, sich zu arrangieren, da er ja absehbarerweise die Kapitalordnung nicht grundlegend antasten und nur ein paar Millionen Juden und sonstige „Untermenschen“ umbringen würde) immer noch fußt, da sie sich so stark eingefressen hat und nach 45 in den rigiden us-amerikanischen Antikommunismus integriert und fortgeführt wurde.

Dann aber noch nachzuschieben, unsere Regierung habe auch keine weiße Weste sondern kaufe Gas jetzt von anderen Diktaturen wie Katar oder betreibe zynische Energieprojekte mit Afrika oder verlange von der deutschen Arbeiterklasse übermäßige Einschnitte beim Energiesparen und Energiepreiszahlen, der verkennt vollkommen die historische, protofaschistische Realität, in die uns die Eskalation des Ukrainekriegs katapultiert hat. Damit machen etwa Stefan und Wolfgang, um nur zwei Beispiele aus dieser duckmäuserischen, knechtischen, obrigkeitshörigen linksliberalen Blase zu nennen, die inhärente Stigmatisierung Russlands zum ganz Anderen mit und erkennen den großen deutschen Konsens an, Russland sei hier eindeutig der Provokateur, Russland habe zuerst zur Gewalt gegriffen, was schlicht falsch ist, da die Spaltung der Ukraine ihre direkte Ursache im blutrünstigen Maidanputsch von 2014 hat und in weiterem Sinne im jahrzehntelang vorbereiteten Niederschlagen der Sowjetunion mittels amerikanischer Propagandakampagnen von Freiheit, Demokratie usw., die man angeblich vertrete und weltweit einführen wolle.
Wodurch eben anerkannt wird, wir seien in unserem Verhalten gegenüber Russland (Wirtschaftskrieg, Militärunterstützung der Ukraine) schon im Recht. Das Gegenteil ist richtig, Deutschland ist im groben Unrecht und jeder Tag, den das Regime Scholz weiter existiert, weil sich solche Liberalen von ihm ganz gut beschützt und genährt fühlen, ist ein Schandfleck der deutschen Geschichte und ein Erklärungsbaustein dafür, warum die Russen die Geduld mit dem Westen und seinen indoktrinierten, massenmedial beherrschten und zur Gewalt-Affirmation zugerichteten Bürgern verlieren und zu unschönen nuklearen Drohungen greifen.
Wer jetzt nach Russland blickt und die legitime Regierung Putins gern stürzen möchte, ist in eine Reihe mit den Nazis zu stellen und verdient, beleidigt, bekämpft, beschmutzt zu werden. Deutschland ist dabei, sich wieder an einer militärischen Kampagne zur Schwächung osteuropäischer Länder zu beteiligen und damit darf man sich überhaupt nicht abfinden und den selbstbesoffenen deutschen Narrativen keinen Zentimeter nachgeben. Der Feind steht im eigenen Land. Wir werden unterdrückt, doch solche nützlichen Idioten wie Stefan und Wolfgang sorgen ja mit Bravour dafür, dass die deutsche Bevölkerung diese Unterdrückung nicht wahrnimmt oder für ein revolutionäres Projekt in Stellung bringt, um die Illegitimität der Okkupanten des Kanzleramts und der Ministerien herauszustellen. Nein, im Ausland sitzen natürlich die „Autokraten“, und je düsterer deren Agieren ausschaut, desto heller glänzt Scholz als Hort der Stabilität, weshalb er natürlich wie Merkel in die zahllosen Weltenbrände gern immer noch ein wenig Benzin nachgießt, da er ja weiß, dass er so seine Wiederwahl sichert und das degenerierte deutsche Volk weiter in treuer knechtischer Ergebenheit hält.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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