#118 Schäferstündchen mit China 🤎🇨🇳
Das Eminem-Outro »Lose Yourself« könnt ihr euch hier anhören: https://www.youtube.com/watch?v=_Yhyp-_hX2s Mir erschien es dann doch nicht mehr ganz passend nach der Aufnahme. Generell ließ mich diese Folge etwas mutlos und betrübt zurück. Die nächsten Folgen werde ich mich aus dieser Melancholie heraus arbeiten.
Das Quietschen und Scharren des Mikrofons über den Schrteibtisch habe ich absichtlich eingebaut, um die materialistische Herangehensweise meines Podcasts im Unterschied zu den idealisierenden Menschenrechtsfreunden zu verdeutlichen.
Wenn es China gelingt, Taiwan einzunehmen, würde das ein großes Loch in die erste Inselkette schlagen, die von den USA mittels militärisch beherrschter und besetzter Länder kontrolliert und so China den Zugang zum offenen Meer versperrt. Die Volksbefreiungsarmee würde dann die Insel befestigen und könnte sich von dort bis heran an die amerikanische Westküste vorkämpfen. So erfahren wir heute die ehrliche Sellbstreflexion eines »westlichen« Strategen, der die hemmungslose Gewalt der USA beschönigt, indem er uns immanent die These unterjubelt, dieses ruchlose Vorgehen sei nur Selbstverteidung und gerechtfertigt anhand der »Bedrohung« durch das wunderbare, grundfriedliche Land der Mitte, China. Die empirischen Tatsachen der Nachkriegshistorie weisen ganz klar in die Richtung, dass die USA mit ihren militärischen, finanzkolonialistischen oder sonstigen kreativen Methoden zur Ausplünderung fremder Gebiete wie die des in Alternativlos erwähnten »Economic Hit man« immer und immer wieder ihre Dominanz und Allmacht zur Geltung bringen wollen und dabei keine Opfer an fremdländischen Menschenleben scheuen. Die Ideologie, die diesen Expansionismus und »Exzeptionalismus« (Barack Obama) stützt, enttarnt sich leicht als verwandt und verschwistert mit der Hitlerideologie, aus deren Niederlage im 2. Weltkrieg auch die unipolare Weltordnung hervorging, mit den USA an der Spitze als diktatorischer Regierungsmacht, die ihre Verfügungsgewalt in alle Weltecken bis zum Äußersten durchsetzt.
VORGELESEN
Mathias Bröckers: Wir sind die Guten
The West did not know what to do with the end of the Cold War in 1989 – it wanted and made money from it. What kind of cold war do we want to fight now? One between commodity producers and their customers? One between the privileged, who have always been privileged, and those who never will be under the current rules of the game? We already have this war within our own countries. Do we want to intensify it again on the international level, where the privileged have always won so far, instead of finally following our own centuries-old slogans about equality and equal rights?
Schäferstündchen: Ja, die Mächtigen verlangen, dass wir sie aus den Ämtern putschen. Wie viel klarer soll es noch werden? Nur leider bibbern wir und stellen uns vor, nackig und den Naturgewalten ausgeliefert zu sein. Angeblich träte dieser Worst Case ein, sobald das Kapital aufhörte, uns liebzuhaben. Aber es hat ja schon aufgehört! In den 60ern, ja in einer kurzen Phase der produktiven Systemkonkurrenz gelang dem Westen, seine Arbeiter "mitzunehmen", seither herrscht wieder Krieg gegens Proletariat.
Und ja, ich gesteh es zu: nur wegen meiner familiären Klassenposition war mir vergönnt, einigen Reichtum und Mobilität noch über Kontinente hinweg zu genießen. Die brutalen Konkurrenzkämpfe brachten ja auch wenige Sieger hervor, zu denen mein Vater gehört. So bin ich grundsätzlich in anderer Position als Stefan. Für ihn ist Amerika der "Fallback", das verheißene Land, das Freiheit bringt. Für mich ja auch, nur stelle ich diese Ausbeutungsfreiheit in Frage und überlege, ob man nicht auch materiell etwas beherrschter (Reisen, Gütervorrat) im Osten in der DDR hätte leben können … die Sehnsucht nach dem einen bringt das andere hervor.
Seibert: bei der dt Bank wie bei allen privaten Unternehmen glauben wir, dass der Vorstand eine sinnvolle Strategie vefolgt .
Neue Ideen
(Anschluss an Jetstream Text)
Die Unkunst des Westens liegt eben darin, seine Künstler bezahlt zu haben, um die DDR zu verleumden. Nun mag man sagen, das ist natürlich, nur materiell gedacht, dass man da schreibt, wo man mehr verdient. Ganz richtig. Und diese Erkenntnis ist auf den gesamten Kalten Krieg, die ideologische Konfrontation , die von den USA im Bewusstsein der Gefahr für das eigene sinnentleerte Gesellschaftsmodell gesucht wurde, auszuweiten.
Denn überall, in Hollywood, in Albuquerque beim Entwickeln der Atombombe, bei den Raketenstarts ins All und so weiter, da hatte der Westen sein dreckiges Kapital aufgefahren, durch jahrhudnertelange Ausplünderung und Unterdrückung anderer Kontinente zusammengerafftes Wertvolles und nur mittels dessen verschwenderischen Einsatzes gelang dann der materielle Sieg über die Sowjetunion und andere Staaten in Europa und Afrika um 1989.
Somit zeigt sich die prinzipielle Machbarkeit des sozialistischen Priojkets, abzüglich der bitteren Einschränkung, dass nur die bürgerlichen und halbbürgerlichen Kreise, die materiell so unbeschwert leben, überhaupt die Kraft haben werden, sich revolutionär zu bilden und den Gedanken zu fassen, man billige den proletarischen Umsturz.
Aber das ist kein Problem. Man kann den mittleren und unteren Schichten die Angst nehmen, indem man ihnen klar macht, dass sie unentbehrlich sind für den Sozialismus im Gegensatz zu den heutigen Medien-, Politik-, Justiz-, Polizei-Bonzen.
Es ist normal, erstmal an den eigenen Gewinn denken zu wollen und daher vorzuziehen, in der BRD zu leben. Erst über die Generationen kann sich über politische Kämpfe hier eine moralische Haltung herausbilden, eine ethische Entscheidung, wie zu leben sei und erst hier bekommt es seinen Sinn, rückblickend zu sagen, es war das einzig Richtige, in der DDR zu leben.
Das Spiel, das der Sozialismus zur Jahrhundertwende gegen den Imperialismus verloren hat, war kein Krieg, schreibt Hacks (Georg Nostradamus). Mag sein. Es war aber ein Medienkrieg, ein Krieg der durch Drogen und Drogengeld aufgeputschten Medienheinis, ein Krieg der Autohersteller, denen höchste Priorität bei der Entwicklung in der BRD zugestanden wurde, um die eigene Überlegenheit zu beweisen.
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„Der als Kind von seinen Eltern geprügelte Stalin gibt seine Gewalterfahrungen in der nächsten Generation weiter“
(KfE)
Sehr weiser Satz. Ob Stalin unnötige Gewalt anwendete oder sich diese (Exzesse der Säuberungen etc.) aus der Weltsituation und komplexen sozialen Kettenreaktionen (Aufstieg des Faschismus in Westeuropa, Klima der Denunziation entsteht, ohne dass von oben noch eingegriffen werden kann, ohne den im Ganzen wichtigen Säuberungsprozess abzubrechen) ergab, es bleibt letztlich gleich. Egal ob Tyrann aus Vorsatz und Neigung oder aus Beruf und Zwang. Fakt bleibt, dass die Gesellschaft, in die Stalin 1878 hinein geboren wurde, eine höchst ungleiche, ständische, gewalttätige war, und zwar eine, in der sich die Gewalt mittels der Ökonomie Bahn bricht und etwa sein Vater keinen guten Job fand, kein Auskommen, über das er seine Familie hätte ernähern und stolz machen können. Diese Demütigung graviert sich in Stalin ein, auch mittels der Backpfeifen seines Vaters (oder biografisch korrekt eher von seiner Mutter, aber das ist zweitrangig), die er aber als Ausdruck der Verhältnisse und nicht als persönliches Unrecht versteht, oder zumindest zu verstehen versucht.
Naja, zumindest hat Stalin sich als Marxist gebildet und somit liegt die Vermutung nah, er konnte gesellschaftliche Verhältnisse mittels gessellschaftstheoretischer Begriffe analysieren und nicht mit Verweis auf Charaktermasken.
Was genau schief lief in der Anfangszeit des Sozialismus und in der Vorkriegszeit, es muss auch marxistisch analysiert werden. Und das bedeutet, mit jeder Gewalt lagen die Bolschewiki innerhalb des schon vor ihnen etablierten Gewaltzusammenhangs. Diesen zu verlassen hatten sie nicht die Kraft, was nicht ihnen anzulasten ist. Sie versuchten es wenigstens und setzten auf eine vielversprechende Theorie, während der Westen stets auf eine widerlegte, durch und durch reaktionäre Praxis setzt und dann behauptet, bei ihm kämen solche Gräuel und systemische Gewalt aber nicht vor. (Natürlich sind auch die zahlreichen Schießereien in den USA Ausdruck der ökonomischen Gewalt, der Klassenwidersprüche und der Verächtlichmachung jener Individuen, die von der Gesellschaft nichts mehr zu erwarten haben und lieber mit einem großen Knall abgehen. Diese Gewaltorgien müssen also verglichen werden mit den sowjetischen Prozessen 36-38 und den von Stalin angeordneten Erschießungen. Das eine dient der Herrschaft des reaktionären, der Resaturation des Kapitalsystems, Stalins Politik diente dessen Überwindung und Ersetzung durch fortschrittlichere Strukturen. Das eine läuft automatisch ab, indem den natürliclichen, naturwüchsigen Zwängen stattgegeben wird und bspw. durch Verzicht auf Erbschaftssteuer die mächtigen und reichen Familien mächtig und reich bleiben. Die bolschewistische Politik dient der Entwicklung der geistigen und materiellen Produktivität der Volksmassen, die so erst ein erträgliches, würdevolles Leben ermöglicht bekommen.
Kurz, Stalin war kein Heiliger, aber selbst wenn er das gewesen wäre und wirklich stets die Konsequenzen jeder Entscheidung im Auge habend nur diejenigen hinrichtete, bei denen es besonderer Umstände wegen nötig war (verantwortungslose Generäle im Krieg wie jenen, der Minsk zu Kriegsbeginn an die Deutschen verlor), oder auch ganz gewaltlos seine und die bolschewistische Autorität festigen hätte können, hätte das keinen wirklichen Unterschied gemacht. Stalin und alle Bolschewiken waren Produkte ihrer Zeit und daher auch noch mit jenen Gewalt-Muttermalen beladen, die einst ihre Väter ihnen auflegten. Der Geist der Hybris, der im Westen herrscht, geht davon aus, Kolonisierungen und Völkermorde aus der eigenen Geschichte seien Schnee von gestern. Wir selbst mussten eben blutige Taten begehen, um auf unseren Stand der Produktivkräfte zu kommen, die großen Industrien im 19. Jahrhundert aufzubauen. Aber wenn die Bolschewiki das für Russland im 20. Jahrhundert nachholen wollen, dann ist da was Schmutziges dabei. Wenden wir uns von diesen Ostmenschen ab und den USA zu, die überall in der Welt Vernichtung und Zerstörung säen, aber immerhin daheim nicht ihre eigenen Politiker umbringen (was fürs Weltganze eigentlich durchaus wünschenswert wäre).
(aus Neue Ideen)
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