#127 An die Front, liebe Podcastrekruten!
- Oktober 2022
Sn 127 An die Front, frischgebackene Podcastrekruten!
Liebes arbeitendes, schuftendes Volk! Ich rufe euch auf, die Hintermänner zu bedenken und deren Machtüberschuss über die Frontkämpfer.
Alain Badiou: Ethik
Neue Zwanziger Podcast Salon Juni Virtue Hoarders
01:58:45
Sorry für die schlechte Audioqualität der Clips, das sollte nicht mehr vorkommen. Diese Folge ist als Gesamtpaket vielleicht etwas schwächer, bereitet euch aber auf einen fulminanenten Befreiungsschlag Ende der 120er Dekade vor in Nr. 129 und auf einen furiosen Einstieg in die 130er Dekade von eurem persönlichen Glückspodcast.
Es ging heute auch gar nicht um den Inhalt, sondern um die Form des Redens. Die schrille Aufforderung, zum Soldaten zu werden, könnte in anders bestückten Weltgebieten zu ganz anderen Reaktionen auf die Tiraden eines etwas exzentrischen Podcasters führen. In Syrien fahren die Leute dann vielleicht wirklich an die Front, schließen sich einer der etlichen Terrormilizen an. Es ist verlockend, stark und souverän zu reden, sich aufzuschwingen und zu triumphieren, die ganze Welt überblickend und durchschauend. Ja, die Menschenrechte sind sicher eine schöne Utopie, aber in allzu vielen Weltregionen sind allein die ökonomischen Bedingungen so schlecht, von Krieg ganz zu schweigen, dass in verzweifelten Lebenslagen der Griff zur Waffe und die Fahrt an die Front als einzig rationaler Ausweg erscheint und »starke«, faschistoide Reden die Motivation dazu liefern. Diese Menschen, die Gewalt anwenden, sind aber von jenen zu unterscheiden, die im Schutz der Menschenrechte Mal um Mal ganze Regionen im Chaos versinken lassen, um niedrigste, vulgäre Bedürfnisse der heimischen Monopolkonzerne oder des bellizistischen Militärisch-Industriellen-Komplexes zu befriedigen. Diese Mächtigen sind die wahren Gewalttäter, denn sie richten das Geoschachbrett so aus, dass ohnmächtigen Menschen in von Staatsentwicklung und zivilisatorischen Standards abgekoppelten Gebieten in den Krieg ziehen.
——————————————
Ja, im Grunde habe ich Wolfgang gar nichts vorzuwerfen. Er stellt sich einseitig auf die Seite des Westens, lässt keinen Zweifel an dessen moralischer Überlegenheit. Und so wird er wohl einfach auch eingeschüchtert sein und sich Gedanken machen, was wäre, wenn die herrschende Klasse den Daumen über ihn senkte, wie ich in einer der letzten Ausgaben schrieb. Nur bin ich halt manchmal dann doch etwas perplex, wie knechtisch man sein kann. Diese Verwunderung will ich in der heutigen Folge verarbeiten. Wolfgang verteidigt den Westen gegen die Kritik Zizeks, zu wenig zu tun. Nein, sagt Wolfgang, es sei ja keineswegs so, dass man Moskau alles durchgehen lasse und die Regeln von dort diktiert bekäme, denn immerhin habe der Westen ja auch den Wirtschaftskrieg (Sanktionen) gegen Russland nochmals deutlich verschärt, nachdem er ebenso wie der militärische Krieg schon eine Weile im Gange war. Also, das zeigt, wir sind reaktionsfähig, überdies liefert man ja Waffen und Ausrüstung an die Ostfront des DEUtschen Reiches. Somit unterstützen wir diese armen Ukrainer, die mir nichts dir nichts überfallen wurden, vor den russischen Urhorden, die aus purer Eroberungslust über die Grenze einfallen. Ja, Wolfgang und Zizek sind beide seriös, sie werden von der Medienelite des Westens zur Kenntnis genommen, weil sie die Prämissen des Diskurses akzeptieren und stützen, die Herrschaft des Bourgeois in den Köpfen verstetigen. Ich dagegen will mich über diese Bourgeois-Herrschaftsordnung lustig machen. Die Leute, die uns regieren, sei es qua politischer oder wirtschaftlicher Macht, sind degenerierte Schweine, denen in jedem Moment einfach nur klargemacht werden muss, dass die Verachtung und der Hass im Volk auf sie und das politische System täglich wächst und sich viele vorstellen, wie ich, auf diese deutsche Öffentlichkeit zu pissen, zu ejakulieren oder sonstigen Schmutz gegen sie, die ekelhaften, heuchlerischen, menschheitsverbrecherischen Gewaltherrscher einzusetzen. Zizek will von diesen westlichen Herrschern, dass sie Kriegsschiffe zur Sicherung des Weizentransportes losschicken, was Wolfgang zu weit geht. Außerdem sagt er richtig, er wolle immer gesagt bekommen, was hieße das denn konkret, sollten wir jetzt mit eigenen Truppen da reingehen und jeder deutsche Bürger potentiell eingezogen werden können? Wenn das so sei, sollte das bitte auch so artikuliert werden, dann könne jeder nochmals für sich darüber nachdenken. Allerdings ist das etwas naiv, da viele sich vielleicht denken, sie selbt würde der Krieg ja sowieso nicht betreffen und nur die Berufssoldaten müssten an die Front, wie etwa beim Bundeswehr-Angriffskrieg in Afghanistan.
Aber grundrichtig ist Wolfgangs Nachhaken, was das eigentlich heiße und so muss man immer die Hintermänner und mächtigen Strippenzieher im Auge behalten, was uns heutzutage natürlich von der Bourgeoisie ausgeredet wird, da es »verschwörungstheoretisch« sei. Es ist aber eine wichtige ethische Frage, wer eigentlich mehr Verantwortung für militärische Angriffe und Verbrechen trägt, der Frontkommandeur, der die Soldaten in die Offensive und oft in den sicheren Tod schickt wie in den ukrainischen Offensiven bei Cherson und Kharkiv in den letzten Monaten, oder der General, Verteidigungsminister, Präsident? Und was wäre wenn, bei einem deklassierten Land wie der Ukraine zumal, der Präsident gar nicht so mächtig wäre und ein Haupt-Machtzentrum in Berlin läge, wo man also durch Beeinflussung des Diskurses ebenso schuldig werden kann wie die Frontsoldaten und direkt involvierten Politiker in Moskau und Kiew?
Allerdings tappt Wolfgang immer wieder in die Honigfalle des Imperialismus und bescheinigt diesem, in der Kategorie »Menschenrechte« doch ncoh relativ gut abzuschneiden, weshalb man sich erlauben dürfe, mit erzieherischem Anspruch nach China und anderswohin zu blicken. So kann er sich eine gewisse Erregung nicht verkneifen, zumindest war das mein Eindruck, als er davon spricht, dass selbstverständlich auch die US-Kriege im Irak vergleichbare Völkerrechtsbrüche seien und dies die Heuchelei des Westens belege, zugleich aber auch die Überlegenheit des Westens, da der sich eine immanente Kritik erlauben könne. Hierzulande herrsche Meinungsfreiheit und darum könne jeder Film gedreht werden, der die verbrecherischen Entscheidungen im Pentagon und geopolitischen Feldzüge offenbart. Also ich finde das ein bisschen makaber, aus dem Leid der Menschen im Irak auch noch Profit an den Hollywoodkassen rauszuschinden. Ohnehin kann ja nur der Film gedreht werden, welcher ins Raster der durch die Bourgeoisie festgelegten Meinungskorridore passt und viele aufklärerische Dokumentationen wie etwa von Gaby Weber haben selbstverständlich nie eine Chance, im Öffentlich-Rechtlichen oder Privaten Fernsehen zu laufen, da sie die Selbstgewissheit des Westens ankratzen würden, eine moralische Instanz und überlegene Weltmacht zu sein. Also erfreut sich Wolfgang, weiterhin einen Job zu haben als Filmkritiker, was unter Marxisten ja vollkommen verständlich ist und ich ihm nicht vorwerfe, da die materielle Basis und das tägliche Arbeiten die Grundlage für die restlichen Lebensphänomene bilden. Freilich würde ich dafür plädieren, einem Politikmodel wie etwa in China zu folgen, das nicht diese ganzen Angriffskriege im Äußeren erzwingt bei gleichzeitiger ökonomischer Gewalt gegen die Arbeiterklasse, die eingeschüchtert, ängstlich und wehrlos gemacht wird durch immmer neu entfachte Weltkrisen, die der Bourgeoisie gerade recht kommen, in Zeiten ökonomischer Stagnation ein paar neue Profitkanäle aufzutun, militärisch, geheimdienstlich, durch die Verdrängung von Konkurrenten wie Russland vom Weltmarkt usw. In China kann in der sozialistischen Presse überhaupt erst mal gesagt werden, was Sache ist. Hierzulande ist alles frei und egal, solange es im großen Framework bleibt, das da heißt: Hitler (oder warum nicht gleich alle »Dikatatoren«, die die »Freiheit« beschneiden) war schlimm, jetzt müssen wir einfach nur noch zaghaft und folgsam gegenüber unseren Herren sein. Wir Deutschen dürfen nicht Herren der Welt sein, wie sich gezeigt hat. Wir sind nun demütig und verhelfen anderen dazu, ihre Machtpositionen zu festigen und auszubauen, also zuvorderst den USA, die uns immer noch militärisch besetzen. Wir sind Schoßhündchen der USA. Wir verbreiten Gewalt und Mord, wo wir hingehen. Es ist, als wäre unser »Erbe«, das blutig entrissene Kapital gleichsam ein langer Balken, mit dem wir links und rechts Leute niederstrecken während wir als Deutschland durch die Straßen gehen.
Für manche bedeutet das Staatenimperium, das nach 1945 von den Westalliierten geschaffen wurde, Frieden und Freiheit, für mich tägliche Gewalt und Ausbeutung bei der Arbeit und das zusätzliche Wissen, mit meinen Steuern, meiner Arbeitskraft und meinem Konsum noch zu den barbarischen Kriegen und sonstigen Grausamkeiten auf der Welt beizutragen, diese anzuheizen, wie es der Imperialismus tut, der mich als Arbeiter klein macht, aber nicht mehr lange, bis ich selbst nach der Macht greife und die Arbeiterklasse befreien will, als leuchtende Hoffnungsfackel für ganz Europa…
Zu der Frage Afghanistan hier noch ein kleiner historischer Abriss, die mir zufällig in die Hände fiel: https://www.quora.com/Why-did-the-Soviets-want-Afghanistan
Speziell diese Antwort einer Kommentatorin: https://qr.ae/pvq341
Ich habe einfach keine Zeit, mich mit so einem Scheiß lange aufzuhalten wie er hier von Wolfgang (bzw. Zizek) vertreten wird, wer so verblödet ist, der hat jedes Recht auf Mitwirken am Diskurs verwirkt. Nachdem das US-Imperium Afghanistan in den fundamentalreligiösen Tugendterror zurückgebombt hatte und durch diese "kluge" Intervention die UdSSR entscheidend schwächte, was zu ihrer Auflösung beitrug, fällt man 2001 nochmal direkt, diesmal mit der eigenen Armee ohne den Umweg über Bin Ladens Truppe ein. Man rasiert das Land, plündert, zerfurcht und massakriert und am Ende heißt es: ups, war wohl doch nichts, jetzt setzen sich die Taliban wieder durch und werden willkommen geheißen von der Zivilbevölkerung als das kleinere Übel im Vergleich zu Deutschland, USA und sonstigen völkerrechtsbrechenden blutdürstigen faschistoiden Staaten und ihren fanatisierten Freiheitskämpfern. So zieht man 2021 wieder ab, hinterlässt einen Scherbenhaufen, der aber aus geopolitischen Erwägungen nötig war. (Die eigene Bevölkerung daheim von der Rechtmäßigkeit dieser Kriege auf fremden Territorien ohne Einladung der dortigen Regierung zu überzeugen, ist ein Kinderspiel anhand des Ausmaßes an Beherrschung und Gleichschaltung unserer Bewusstseine, die der Imperialismus qua monströser Medienmacht, die unter die Kopfhaut geht, erreichen kann)
Und dann kommt ein "Universalist" wie Wolfgang und sagt: wie schlimm es auch immer gewesen sein mag, das Gute am Modell USA ist immer noch, dass alles immanent kritisiert werden darf. Wenn jetzt die Chinesen diplomatische Beziehungen zur neuen Taliban-Regierung aufnehmen, dann ist das gefährlich, denn: dort ist ja keinerlei Universalismus und Menschenrechtsstandard mehr gegeben. Den Chinesen ist egal, was die Taliban bei sich machen und umgekehrt. Es erscheint mir logisch, die Gleichung aufzumachen, Menschenrechte = Vorwand, um in fremde Gebiete einzufallen, ergo ist es ein Fortschritt, keine Menschenrechte mehr im Munde zu führen. Ihr könnt euch diese Recht so weit in den Arsch schieben ihr dummen imperialistischen Schweine, ihr verrotteten, ekelhaften, … Aber kommen wir hier zum Punkt, das Schweinsein ist in der deutschen Öffentlichkeit nunmal Eintrittsbedingung, um überhaupt teilnehmen zu können. So muss man sich erst richtig einreiben und suhlen im Schmutz der fucking Menschenrechte und des geschwätzigen Universalismus, der andere Gebiete ideell kolonisieren will, um eingelassen zu werden und am Festmahl des Bourgeois teilzunehmen. Daher sind die Verrenkungen und Verzerrungen dieser Intellektuellen wie Zizek auch verständlich und entschuldbar, sie denken damit ja nur an ihr eigenes materielles Wohlergehen, wie wir alle.
——————————————————
Wolfgangs Ausführungen waren ja doch ganz erhellend und bringen eine schöne »idealistische« Haltung zum Ausdruck.
Es ist eine einwandfreie, pünktliche, »deutsche« Arbeitsleistung, dass ich nach Aufnahme mir die Mühe machte, die Clips nochmals einzuspielen, da die Tonqualität zu schlecht war. Dabei habe ich vorne und hinten noch Stücke drangelassen, die vielleicht für weitere Klarheit von Wolfgangs beruhigender, stoischer Position sorgen oder auch nicht. Besonders, was er ganz zum Schluss referiert, bildet den Höhepunkt der proimperialistischen, die Gewalt des US-Imperiums gutheißenden Propaganda, das es durch Hinterhofpolitik und das Entfachen von Krisenherden schafft, billige Arbeitskräfte in sein Kernland zu locken, wenn sie denn den gefährlichen Weg über Mittelamerika und Mexiko schaffen. Wir sollten bald (±#200) auch den »Plan Condor« behandeln, von dem mir meine Freundin erzählte, was eine konzertierte Aktion der CIA in den 60ern, 70ern, 80ern war, um diverse faschistische Militärregierungen in Südamerika zu installieren, zu stützen und ihnen zu helfen, die Opposition zu Zehntausenden zu ermorden — das alles wohlgemerkt zur Stützung des Imperialismus, zum Weiterlaufenlassen des reaktionären Machtgefüges, weshalb Stalins Erschießungen der Opposition 1938 etwa überhaupt nicht mit dieser grausamen Mordpolitik zu vergleichen ist, denn er tut es, um den aufgebauten Sozialismus zu sichern, er geht auch rücksichtslos vor, aber um das Neue, unter immensen Anstrengungen errungene soziale Zusammenleben zu verteidigen gegen reaktionäre Kräfte, die das alte System restaurieren wollen, welches der Menschheit keinen Ausweg aus der Misere weist sondern nur weiteres Leiden und weiteres Blut verspricht. Die Opfer, die Stalin seinem Volk abverlangt, können also zu sozialer Entwicklung und Emanzipation führen, die Gewalt, die der Imperialismus anwendet, versklavt und verarmt diese Völker, was diese mit sich machen lassen im durch Hollywood induzierten Glauben an die moralische Einwandfreiheit des Westens, der sie doch auch irgendwann an dieses hohe liberale Niveau heranführen würde, so das Lügenmärchen. Wie dem auch sei, auf diesen Punkt, dass »Jahr für Jahr Millionen Menschen ihr Heimatland verlassen und in gut regierte Länder des Nordens ziehen, niemals nach China, Russland Venezuela«, diesen Höhepunkt des Ejakulierens und Abspritzens der fetten, wohlstandsgesättigten Westbewohner auf das Leid der Flüchtenden werde ich heute gar nicht behandeln sondern erst in #129. Man muss es so sagen. Fukuyama — oder auch Zizek, dessen Text eigentlich referiert wird, wobei er für mich zum Verwechseln an Fukuyama erinnerte — spritzt ab, um zu zeigen, dass trotz der offenkundigen Verbrechen des Kapitalismus und der NATO-Militärmaschinerien doch noch hier bei uns das richtige Plätzchen ist im liberalen Lande und man hier geschützt ist. Ja, man ist geschützt, denn hier werden wir von der US-Gewalt ausgenommen, weil wir alles abnicken, weil selbst sogenannte Intellektuelle wie die beiden Podcaster einfach unkritisch das Regierungsframing zur Ukraine übernehmen und sich unter Olafs Rock verkriechen wollen, wo sie sich sicher und durch die Waffengewalt von F-34 und Leopardpanzer fühlen. Diesen Punkt mache ich unten im Macron-Text noch klarer: Verrammeln und verriegeln wir alles, draußen tobt zwar der Hegemon, zündet Atombomben, überfällt periodisch wehrlose Völker, aber hier drin können wirs doch noch ganz gemütlich haben.
Generationen von lateinamerikanischen Schriftstellern hatten gar keine andere Wahl, als schnellstmöglich alles zusammenzupacken und zu emigrieren, meist nach Europa, selten nach Mexiko oder Venezuela, wie Julio Cortázar 1980 in einer Vorlesung erklärte. In zahllosen lateinamerikanischen Ländern war die politische Situation zu einem gewissen Zeitpunkt so verfahren, beängstigend oder schon das eigene Leben bedrohend, dass man einfach nur weg musste. Die meisten Schriftsteller, so Cortazar, konnten im Exil nicht mehr an ihre literarischen Höhen anknüpfen, viel schlimmer erging es aber natürlich den gemeinen Volksmassen, die daheim blieben und den Faschismus, wirtschaftlichen Einbruch, steigende Kriminalität, Inflation, Arbeitslosigkeit zu ertragen hatten. Was heute vor allem zähle, sagt Cortázar, sei, ein Lateinamerikaner zu sein und nicht so sehr, Schriftsteller aus Lateinamerika zu sein. So fühle auch ich mich als Südamerikaner und möchte hier in Richtung Zizeks sagen: ich spucke, ejakuliere auf dich und nach der Revolution wirst du schön eingelocht. Aber wichtiger noch: es hat noch nicht mal mehr Sinn, sich inhaltlich mit diesen Ergüssen freier Westdenker auseinander zu setzen. Lassen wir sie in ihrem Irrglauben! Die Mächtigen und Starken werden dumm, weil sie den Geist nicht mehr nötig haben. Je mehr sie sich in ihren irrlichternden Wahnkonstrukten und Halluzinationen über den Bogen der Gerechtigkeit, an dessen Ende die Goldkiste mit der unermesslichen Freiheit wartet, hineinsteigern, desto besser. Es hat keinen Sinn mehr, argumentativ dem Westen beikommen zu wollen, man muss wirklich die feindschaftliche Blockadepolitik ins Auge fassen. Niemand hat mehr ein Recht, in Deutschland oder den USA zu leben und die Sprachen der jahrhundertelangen Unterdrücker, Massenmörder, Kolonisatoren und Imperialisten zu sprechen. Diese Länder sind Abfall und können weg.
An der ein oder anderen Stelle bin ich die Kritisierten Podcaster vielleicht zu hart angegangen. Dazu passt ein Zitat, das ich jetzt leider nicht wortgetreu reflektieren kann, von Nietzsche: Man soll scharf urteilen und kühn angreifen, aber auch nicht zu vernichtend und höhnisch den Gegner verurteilen, da einem sonst nachher selbst die eigenen Parteifreunde kaum noch die Hand reichen wollen.
Im Anschhluss stelle ich euch noch einen Text über ein neu begonnenes Prosawerk zur Verfügung, das den Arbeitstitel »Macron« trägt. Vor allem bei der Stelle, wo es heißt, »die Volksmassen sind nicht wie du und ich« meine ich direkt die beiden angesprochenen Podcaster, die ich desavouieren will. Sie sind Hirten einer medialen Masse, die sie ins Tor der Herrschaftsaffirmation des Bourgeois-Grundbesitzers leiten, der sie schröpfen und aus ihnen Gewinn machen will. So sind wir alle Kapitalbürger, ausgeliefert »dem brutalsten imperialistischen Reich, das je existierte«, wie ich schon einmal treffend schrieb. Mit diesem Ausblick möchte ich euch nur noch sagen: Haut rein, genießt das Leben so wie es halt geht, mon dieu und Adieu!
—————————————————————————
Macron ist ganz hilflos. Sein romantischer Wunsch nach Vereinigung mit den Schönen und Eleganten treibt ihn an. Am Gipfel der politischen Macht wird diese ihm plötzlich egal.
Am Tisch der Bourgeois Dassault, seiner ersten Liebhaberin, wird geschmaust und danach steht einem die Lust nach einem reichhaltigen Diskurs der Menschenrechte. Ein Freiheitswein wird kredenzt, der durch die vorzüglichen Thesen Fukuyamas den ermatteten Gaumen benetzt. Schon hielt man sich für dekadent, doch der Rechtsdiskurs rettet einen. Wir (die auch uns beherrschenden imperialistischen Mächte und Konzerne) gewähren den Volksmassen ja doch ein gewisses Niveau an Wohlstand und die können brav akkumulieren. Zwar auf Sparflamme, verglichen mit den bacchanalischen Feten, die hier, im Hause der Bourgeois stattfinden, aber immerhin. Die sind doch in gewisser Weise frei. Frei, wie wir hier, zu schmausen und zu schwelgen.
„Ja, aber jetzt sag an, Macron. Du, der Mann der Politik. Was läuft wirklich in der Welt??“ „Ich? Aber Monsieurs et Madames, pardon, ich dachte, Sie hätten die wahre Macht und sie würden mir jetzt über die wirklichen Vorkommnisse berichten.“ „So? Warum das denn?“ „Sie haben das Kapital. Das kann doch jeden kaufen. Auch mich, irgendwann jedenfalls…. Jeder wird doch schwach, jeder unterwirft sich dem Profitgesetz. Wo ich profitieren kann, gehe ich diesen Deal ein, alles andere wäre doch dumm, nicht wahr?“ „Nun, wohl gesprochen, wir haben die Macht des Kapitals auf unserer Seite. Aber wir kriegen ja auch nicht mehr mit, als in den Zeitungen steht, selbst wenn sie uns gehören. Die Kriege in letzter Zeit häufen sich… wir machen uns manchmal Sorgen um unsere Aktien und Fabrikanteile. Wenn das so weitergeht und die geopolitischen Machtkämpfe sich verschärfen, könnte dieser Bellizismus noch auf unser geliebtes altes Europa übergreifen…“ „Aha, Ihnen geht es genauso. Das dachte ich mir, als ich letztens in die Seele des französischen Volkes hinein spürte auf einem bnuddhistischen Meditationsretreat in den Schweizer Alpen. Also, da schoss es wie ein Blitz in mich: Das Volk will Ruhe. Das Volk ist beunruhigt durch die ganzen Kriege im Ausland. Auch wenn die Front noch weit weg ist… an manchen Orten rückt sie ja doch näher. So wie im Donbass etwa. Das ist ein Punkt, der mich umtreibt. Das Volk ist ja nicht wie du und ich. Die sind noch mal deutlich bedröppelter, gefügiger, nasskalte Waschlappen sind das, die in ihren wohlstandsgesättigten Subwelten leben — außer die ganz armen Schweine in den Vorstädten, die sowieso nicht wählen, auf die muss es uns also auch nicht ankommen. Also, was ich sagen will: die fürchten sich ja echt, wenn der Wolf heult. Wir wissen natürlich, dass auf geopolitischer Ebene immer mit leeren Drohungen und mackerhaften Forderungen agiert wird und nehmen das als normalen Alltag hin. Aber unsere Schäfchen, dieses grundliebenswerte Volk, fürchtet sich bei diesen Weltenbränden ja wirklich. Da müssen wir was tun. Und daher mein Wahlslogan, der mir einfiel: „Draußen tobt der Hegemon, schickt seine Truppen über die Kontinente, daher verrammeln wir bei uns alles, dann nämlich haben wirs hier drin gemütlich. Schotten dicht, alles verriegeln und besinnen wir uns auf unsere französischen Innenwerte.“
— Nun, mein Lieber, das hat sicher einen gewissen Touch, aber ist mir noch etwas unausgegoren. Ich bin nicht so optimistisch wie Sie, dass dieses Schotten-dichtmachen reichen wird. Vor einigen Tagen erst sagte der ukrainische Präsidentenberater Arestovich, dass man sich im Westen mal gut überlegen solle, was wäre, wenn die Russen die Ukraine einnähmen und dann mit vereinigten Truppen die gesamte Mannstärke der ukrainischen und russischen Armeen gegen den Westen wenden könnte, um dorthin weiter zu ziehen, und sich zu holen, was der Roten Armee 1945 entging, das Westufer Frankreichs, die schönen Gestade La Rochelles und so weiter, ich wette , da sind die Russen scharf drauf. — Nun, mein lieber Jacques, jetzt übertreiben Sie. Ich finde, Manuels Art und Herangehensweise sind grundrichtig und kommen uns zupass. Wir müssen genau da weitermachen. Sein Slogan ist gut. Bunkern wir uns ein, lassen wir den Krieg draußen. Ihre Sorgen über La Rochelle sind unbegründet, ich weiß aus sicherer Quelle, dass die Russen Atlantikwasser hassen. —Wie bitte?
Kommentare
Neuer Kommentar