Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#130 Diktator

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Ortskundiger Lokführer gesucht!

Ich muss mich demütig entschuldigen für die miese Qualität der Aufwachen-Clips. Das hätte nicht passieren dürfen und geht auf mein Konto. Die besprochene Folge ist inhaltlich erste Sahne, nur audioqualitativ nicht.

https://aufwachen-podcast.de/2015/11/06/a063-weltraumtheorie-aliens-haben-keine-grundrechte/
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Walter Benn Micheals Buch, das ich am Rande erwähnte, über Rassismus, Kulturalismus usw.: »Der Trubel um Diversität«, Edition Tiamat, Verlag Klaus Bittermann, 1. Auflage 2021

Aufgenommen gegen Ende September 2022

130

20 09 22

130 Diktator/Diktatur des Proletariats

JA, ich gebe euch mein Wort: ich werde durchregieren und dem Bourgeois das proletarische Gesetz diktieren.

Was China macht, das machen wir hier die ganze Zeit auch.

Die Zeitung liegt auf dem Tisch — gasetta leschid nostalje? Laut google: Газета на столе Gazeta na stole

Und welche Zeitung das ist, dürfte klar sein anhand der materiellen Übermacht des Westens über Russland und die sonstigen Gebiete. Eine mit

Das Weltbild des Westens beruht auf dem Mackertum. Der Westen ist eine Gruppe von mobbinglustigen, aggressiven, selbst unsicheren und diese Unsicherheit mit Gewalt gegen Schwächere überspielender unreifer Heranwachsender.

Wenn wir die Werte richtig werten und begrifflich eine solide Vorarbeit im Bewusstsein einer revolutionären Masse schaffen, dann wird die Revolution unblutig verlaufen. »Tyrannei« tut in der heutigen Situation not, da wir den Bourgeois, der uns bisher beherrscht, nur mit tyrannischen Maßnahmen in die Knie zwingen können. Diese marxistischen Selbstverständlichkeiten müssen wir selbstbewusst nach außen vertreten. Hier dürfen wir Kommunisten nicht in Deckung gehen sondern müssen signalisieren, bereit zu sein, die Macht zu übernehmen, sobald sich auch nur ein Spalt in der festgemauerten Einheitsfront der Massenloyalität zum Imperialismus auftut. So werden wir kämpfen und für die proletarische Herrschaft arbeiten. Dazu braucht es auch Gehorsam, Disziplin und Arbeitsfreude, denn nur so lässt sich der Sozialismus aufbauen, in dem noch eine Weile gearbeitet werden soll, unter sich stetig bessernden Bedingungen für die Arbeiterklasse im Gegensatz zur Bourgeoise, die von dieser Herrschaftsweise nicht profitieren würde. Um ihre heute suprem erscheinende Macht über die Produktivkräfte, vor alle müber die Köpfe der Menschen zu brechen, muss eine rigide Parteistruktur errichtet werden, die bereit ist, Berufsrevolutionäre auszubilden und zu fördern. Das Verhältnis von Herrschaft und Gefolgsam ist dabei ein paradoxes. Um die bestehende, reaktionäre Herrschaft des Kapitals, die durch liberale Freiheiten geschmückt wird, zu überwinden, brauchen wir wirkmächtige, autoritäre Machtapparate, mittels derer wir anderen Bevölkerungsklassen unseren Willen aufzwingen können auch gegen deren Einsicht. Daher also mein etwas flapsiger Aufruf an euch, geschätzte Volksmassen:

Ja, spuren sollt ihr! Gehorchen, aber nicht euren bisherigen Herren in der delirierenden Demokratie. Sondern dem Transzendenten, dem leuchtenden Weg, dem Übermenschlichen in euch. ————————————————————————————————

Texte

Ich möchte zum Diktator Europas aufsteigen, der den Völkern den Weg weist in Richtung Zusammenarbeit, respektvoller Koexistenz und balanciertem Austausch von Arbeitsprodukten, Arbeitern und politischen Ideen. Von allein werden die Völker nie darauf kommen, dass dies zu tun wäre.

Ich plädiere für die reine Gewaltherrschaft des Proletariats. Schrauben wir jegliche liberalen Rechte zurück, machen wir Schluss mit der heuchlerischen Bezugnahme auf Demokratie. Das Volk soll gehorchen, auch wenn es den sozialistischen Weg nicht begreift.

Wir Parteikader ziehen unsere Massenlinie durch une ja ab und zu können wir mal ins volk hinein horchen und sein gegrummel zur Kenntnis nehmen. Daraus erwächst aber kein Anspruch auf Mitsprache. Denn die kommunistische Volksrepublik ist an sich bereits die institutionalisierte Massenlinie und Verteidigung der massenhaften Volksinteressen, über deren Beschaffenheit das kritische Volk sich freilich täuschen mag. Wir brauchen wegen der brutalen Klassenkämpfe und der supremen Kapitalmacht, die erst allmählich zu stürzen ist, die reine Repressionsherrschaft. Diese ist aber immer noch um Welten humaner als der heutige Liberalismus, der dem starken Arm des Erbes, des Kapitals und der politischen Einflussnahme freie Hand lässt.

Denn hier ist die Arbeitermasse gezwungen, nach immer härteren Repressionen im Innern oder Sanktionen gegen Feinde des Staates im Äußern zu rufen, aus purer ökonomischer Überlebensangst. Dieses Zeichen des Gehorsams mit dem engen liberalen Moralkonsens soll eine einheitliche Volksfront mit den Herrschenden schaffen, die daraufhin evtl. ein paar Brosamen und niedrigere Gaspreise vom Tisch fallen lassen. Diese psychologische Beherrschung, die Leute nach ihrer eigenen Knechtung lechzen zu lassen, ist brutaler und entmenschlichender als jeder Sozialismus.

Das Volk soll spuren. Das tut es ja schon, es kaut nach, was der Zeitungskonsens hergibt und kauert sich zusammen in den Grenzen einer Vernunft, die andere für es an seiner Stelle definieren und in die geläufigen Bahnen der Gefügigkeit leiten. Die Argentinier hassen ihre neue Regierung und unterstellen ihr Korruption, weil sie links ist. Der alten rechten Macrirwgierung bescheinigen sie nur Inkompetenz. Denn die Medien pflanzen dieses doppelte Maß ein. Macri ist der gute liberale Freiheits und Freihandelkandidat und wenn der ein Chaos anrichtet und den Niedergang auslöst, dann höchstens aus Versehen, nicht aus absichtlichem Bereicherungskalkül wie vermeintlich die Peronisten um Präsident Fernandez und Vize Kirchner. Also ja ich möchte nur festhalren. Das Volk gehorcht immer, auch heute, nur sind es die ganz falschen Medienmächte, die dieses Gehorchen organisieren, nach völlig unproduktiven, gesellschaftsschädigenden, menschenwidrigen Zwecken. Natürlich muss im Sozialismus nach der Revolution gehorcht werden, aber dem richtigen Plan, dem richtigeren Kalkül.

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Mein Umsturzprogramm:

Critical Whiteness

Dialektische Aufhebung der weißen Herrschaftsformen, ideologischen Mechanismen und räuberischen Akkumulation auf Kosten anderer, entmenschlichter Akteure.

Außerdem: eine neue Form der Zärtlichkeit der Völker. Austausch von Liebesblicken Sex und liebevollen Zuwendungen, Signalen und Anerkennungsboni zwischen und innerhalb der Völker muss gesteigert werden. Sex ist die Keimzelle des Sozialismus. Erst wer fremdländische Menschen liebt und/oder in ihrer Heimat lebt, wird zum Weltbürger.

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Merkwürdig, wie der naive Tilo viel besser als der belesene Wolfgang versteht, dass es sich bei deutschropäischen Werthirngespinsten um vorgeschobene Halluzinationen, Wahnbilder, Produkte des ethischen Deliriums handelt, die eben deshalb aufgeblasen werden, um die wahren materiellen Interessen der deutschen Industrie, des Finanzkapitals und des in ihrem ideologischen Sog kraulenden kleinbürgerlichen Spießers zu verdecken. Dieser Spießer ist der verbissene Verteidiger des ausbeuterischen Wirtschaftssystems, jenseits dessen er sich keine funktionierende Produktion vorstellen mag, da diese Weise des Erzeugens für ihn persönlich Nachteile mitbrächte, so flüstert ihm der Großindustrielle mittels seines Medienmagnats ein, das so schauderliche Hochöfen betreibt, in denen Hirn geschmolzen wird und die Arbeiterklasse hohl zurückbleibt, hat sie einmal dessen Hebel bedient oder dessen Wärme abbekommen.

Die Einfältigkeit ist zu erklären aus der Kriegsstimmung und der seit Jahresbeginn angelaufenen Begradigung der Heimatfront in Deutschland. Jetzt gehts gegen China, jetzt müssen wir noch mal die Gründe rauskramen, warum wir besser sind als die. Mann gegen Mann, Menschenrecht gegen Menschenrecht, jetzt wird verglichen. Und wer dabei schlapp macht oder sich als der kärglicher Bestückte herausstellt, der ist vor der ganzen Welt bloßgestellt.
"Arbeitet bloß nicht mit diesen Menschenfessern zusammen!", so der Ruf des Weißen Westens gegen die aufstrebenden asiatischen Mächte, gerichtet an den globalen Süden, Afrika, Südamerika und die sonstigen Gebiete, die seit jeher versklavt, entmündigt, bevormundet, ausgezehrt und abgewiesen werden von der materiellen westlichen Politik. Diesem Trommelfeuer schließt sich Wolfgang merkwürdigerweise an, obwohl bestens informiert über westlichen Imperialismus und den Machtmissbrauch, den die weißen Machthaber durch ihr blökendes Wahlvolk scheinbar legitimiert ausüben.

Ja, ich bin ja auch weiß und das ist nichts Schlimmes, warum nicht auch diese Hautfarbe schätzen und würdigen? Aber was sich besonders gut an ihr ablesen lässt, sind die eingetrockneten Blutflecken, die sich über die Jahrhunderte der Ausbeutung anderer Völker angesammelt haben.
Scheinbar glaubt man als staatskonformer Westintellektueller daran, die europäischen ideellen Werte ließen sich gegen das in Stein gemeißelte reaktionäre Machtkonstrukt der EU und ihrer Staaten und Organisationen doch noch hochhalten und gegen die chinesischen Machtblöcke verteidigen. Solange man immanent kritisieren darf, ist alles in Ordnung, dann geben wir einem Staat grünes Licht und signalisieren, was er tue, sei rechtens, wenn auch in bedauerlichen Einzelfällen fehlerhaft.

Nein, wir müssen uns stattdessen ganz der chinesischen Sichtweise öffnen. Mag diese nun Autokratie, Autoritarismus oder Kommunismus bedeuten. Hoffentlich kommen die Obdachlosen und sonstigen Verarschten hier und in den USA bald auf diese Idee, das zu fordern, was China vorlebt, egal unter welchem Namen, Hauptsache auch ein solches Gesellschaftssystem, das für die Bedürfnisse des Volkes geschaffen ist und dessen Entwicklungsfähigkeit zuarbeitet.

Die Blutlinie der kolonialen, faschistischen, antikommunistischen (bis hin zum Aushungern von Völkern mittels "Sanktionen"; wir im Westen töten gern Menschen, die angeblich ihre Menschenrechte nicht raffen und beschuldigen Regierungschefs, die zu rüde mit ihrem eigenen Volk umgehen, um zu sagen, dann müssen wir eben Verantwortung übernehmen für dieses fremde Volk…) Vergangenheit hat sich in unser Gedächtnis eingegraben. Wie kommt sie da wieder raus? Jeder weiß ja, auf welchem Berg an Gebeinen und Flüssen aus Blut der Westen seinen Wohlstand gegründet hat.
Ganz einfach: jetzt ziehen wir den Diskurs der Menschlichkeit auf. Jedem stehen seine paar Menschenrechte zu, Schutz vor bösen Eingriffen des Staats und der Justiz. So und damit basta. Diese Rechte führen wir kurz hier in unseren bevölkerungsmäßig sehr kleinen Ländern ein. Und dann ist ja wohl für alle Weltbewohner klar: wir sind die Guten. Die anderen die Barbaren. Schaut bloß nicht nach China! Die haben einen kleinen Pimmel.

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. . . ! !

Bolano Wilde Detektive: ¿Y Adonde queremos llegar? A la puta modernidad.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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