#132 Seescheide
Seescheide
Liebe Leute!
Diese Folge ist etwas schwächer, überspringt sie ruhig und hört die furioseren der letzten Ausgaben nach. Dann kommen mit den beiden nächsten sowie mit Nr. 136, in der wieder literarische Spinnereien auf den Tisch kommen, wieder echte Knallerfolgen heraus. Um euch über die Zeit bis dahin zu helfen, stelle ich einen experimentellen Romanversuch ans Ende der Shownotes, es geht um den bewundernswerten, ausstrahlungsstarken französischen Präsidenten Macron. Vive la Republique!
Diethmar Dath: Wie der Monopolkapitalismus sein eigenes Hirn frisst, Unsere Zeit
https://www.unsere-zeit.de/wie-der-monopolkapitalismus-sein-eigenes-hirn-frisst-171902/
33 Minuten Lied »So long ago«
https://blog.fefe.de/?ts=9cd3fc79
https://taz.de/Slavoj-Zizek-ueber-Disziplin/!5140273/
"Vieles von Ihnen ist Provokation, aber … Warten Sie! Was heißt Provokation? Ich will nicht provozieren. Ich stehe ganz hinter dem, was ich sage.
Auch dahinter, dass Hitler nicht radikal genug war? Dieser Satz wurde in der deutschen Ausgabe von "Auf verlorenem Posten" zensiert. Sie müssen verstehen, wie das gemeint ist. "Hitler war nicht radikal genug" meint, dass Gandhi radikaler war.
Aber dann ist Ihr Begriff von Radikalität völlig unspezifisch.
Wirklich fundamentale Gewalt bedeutet waghalsig zu sein und grundlegende soziale Beziehungen zu verändern. Der Faschismus hat das nicht getan. Er hat Millionen Tote produziert, um den Kapitalismus zu retten. Ich habe diesen Satz als präzise politische Intervention geschrieben. Ich will gegen die weltweit verbreitete Meinung vorgehen, dass Hitler und die Faschisten gut organisiert, diszipliniert und mutig waren. Nein, Hitler war ein Feigling."
Nur wenige Tage nachdem die Stadtverwaltung von Peking eine implizite Impflicht beschlossen hat, musste sie diese nach Protesten der Bevölkerung wieder zurücknehmen
Kapitalstock - selbst zu bequemlich im Arbeiten, schnell zufrieden, lebe innerhalb der Grenzen der Vernunft, die mir über den Tag hilft, den Anschein der Betriebsamkeit und Nützlichkeit aufrecht zu erhalten.
Im Kern des Lib herrscht Leere, so Fukuyama. Ob sich diese aber politisch einhegen lasse (remedieren), sei fraglich.
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Macron, der einzige Schaffende
Die Westeuropäer sind ja ganz zufrieden mit ihren Regierungen. Besser gesagt, die Westmenschen, diejenigen, die dem Edlen Westen angehören, der spiegelbildlichen Reflexion des Edlen Wilden, den unsere kolonialisierenden Vorfahren zu sehen meinten.
Große Regierungschefs drehen ihr eigenes Rad. Medienfachleute entkoppeln die apathische Bevölkerung vom wirklichen Geschehen der politischen Ebene, welche lediglich die Funktion hat, den räuberisch akkumulierten ökonomischen Reichtum zu verwalten und in den Händen derjenigen zu belassen, die von den Großtaten ihrer Vorfahren profitieren.
Macron und Scholz kommen im Januar 2022 auf einer geheimen Konferenz im Schwarzwald zusammen. Sie müssen besprechen, wie es in der Ukraine weitergeht. Nach dem desolaten Ende der Coronaherrschaft, die das Zerbröseln der bisherigen Medienmacht ankündigte, müssen sie auf ein neues Pferd setzen, das die massenhafte Bespaßung der arbeitenden Bevölkerung bewerkstelligt.
Macron ist ganz Feuer und Flamme. Er brilliert rhetorisch, während er beim Abendessen Olaf von den neuesten Plänen des ukrainischen Präsidenten berichtet, der allerlei Befestigungen und Bunker im Donbass hatte errichten lassen und nun nur noch ein paar Sprengfallen verlegen wollte. „Genial, Olaf, wenn dieses Minennetz erstmal völlig ausgelegt ist, werden die Russen kein Durchkommen mehr haben- falls sie sich überhaupt trauen, anzugreifen, diese Weicheier.“
„Emmanuel, bitte rede nicht so bellizistisch. Das ist nicht gut fürs Image. Du weißt nie, was für ein Mikrofon mitlaufen könnte.“
„Olaf, wir haben das Hotel für uns allein gemietet und den Ort abgeriegelt, was genau ist deine Sorge…“
„Das Personal… man darf niemandem vertrauen, jetzt weniger denn je. Verdammt, ich habe 25 Jahre gewartet, um endlich in diese Machtposition zu kommen, die wird mir jetzt keiner mehr nehmen.“
„Willst du dich so oft wiederwählen lassen wie Putin? Oder Merkel? Junge, das hältst du nicht durch. Glaub mir, die französische Konstitution ist in diesem Punkt exzellent, auch, um einen vor dem eigenen Ehrgeiz zu schützen. Die Welt läuft doch auch ohne uns weiter…“
„Stimmt. Aber zurück zum Donbass. Dieser Selenski hatte doch jetzt jahrelang Zeit, seine Befestigungen aufzubauen. Was genau ist das Problem? Die Operation Höhle des Bären läuft doch schon an! Die Briten sind auf Hochtouren dabei, durch Gerüchte und Infiltrationen eine russische Invasion zu provozieren. Was treiben diese faulen Ukrainer seit 8 Jahren? Wir haben denen doch von Anfang an klargemacht: Donezk ist verloren, aber weiter nach Westen dürfen die Russen keinen Millimeter kommen. Hier müssen wir einen Abnutzungskampf führen, in dem wir die Russen aufreiben und endgültig schwächen. Dann reiten wir gemeinsam nach Moskau, schaffen das, was Franzosen und Deutsche einzeln nicht erreichen konnten…“
„Oh lala, mon chere Olaf, jetzt gehst du mir etwas zu weit, das muss ich dir ganz klar sagen. Napoleon und Hitler, das ist keine gute Kombination. Also der Plan, ja , an dem gilt es festzuhalten: Russland schwächen, Putin stürzen, möglichst viele russische Verluste an Truppen, Material und Wirtschaftskraft provozieren. Aber doch nicht selbst mit unseren Armeen nach Moskau reiten! Diesen Weg haben wir doch schon vor Jahrzehnten aufgegeben. Was glaubst du, war es etwa ein Fehler, dass Schröder und Chirac nicht mit in den Irak gezogen sind? Nein! Denn wir können unsere Macht über den Globus viel effektiver mithilfe unserer potenten Konzerne und Kontrolle der Finanzströme ausüben und so unwillige Regierungen unter Druck setzen. Dazu noch Militär einsetzen wäre Verschwendung! Es bringt uns nichts, im Irak zu stehen!“
„Was war dann 2011 mit Lybien?“
„Details. Partikulare Konzerninteressen und die Sicherung der Nachschubwege für die französische Industrie haben das erforderlich gemacht. Lass die Amis nur machen sag ich dir. Wir verausgaben uns nicht. Und wenn der Yankee sich mal übernimmt, sind wir zur stelle um Beute zu machen und Profite rauszuschlagen.“
„Nun ja. Dann weiß ich aber nicht, was wir bei dieser Mission Bärenhöhle zu gewinnen haben.“
„Olaf, sieh das ganze entspannt. Vielleicht nichts, vielleicht etwas. Lass die Russen und Ukrainer sich aufreuiben. Das ist fürs Weltganze, für die Ökonomie nur gut. Die Gaspreise sind schon am Steigen seit Herbst, das ist, weil alle Spekulanten wohl ihre Geheimkanäle in die Verteidigungsministerien und Geheimdienste haben und von der geplanten Eskalation an der Ostfront Wind bekommen haben. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir unser Framing noch gut durch die Medien und in die Hirne der Bevälkerung bugsiert bekommen. Denn wer soll uns noch glauben, bei einem Krieg, von dem Spekulanten schon Monate vorher wussten? Wir müssen Putin jetzt wirklich zum Durchdrehen kriegen. Er muss einmarschieren, koste es, was es wolle!“
„Aber wie können wir ihn weiter unter Druck setzen? Ich war ja schon letztens dort und habe meinen PCR-Test verweigert. Weil ich den Russen nicht traue, die vergiften alles und jagen ihre Dissidenten quer durch Europa wie diesen, wer war das noch?“
„Das war auch nur ein false flag von unseren Diensten, aber ja, Olaf, ich verstehe. Da müssen wir ansetzen. Putin demütigen. Wir sollten verkünden, die Russen könnten heute nichtmal mehr guten Wodka machen. Sie sind völlig degeneriert. Irgendsowas müssen wir lancieren.“
„Das gefällt mir“ schmunzelte Scholz angeregt und nippte von seinem Glas Rotwein. „Aber warte, ist das nicht ein bisschen rassistisch?“
„Rassistisch, nationalistisch, das ist Putin. Wir hier haben eine deliberative Demokratie, mein Lieber. Deshalb sitzen wir ja hier und bedenken alle Optionen und nehmen die Interessen des Volkes mit in unsere Planspiele auf. Das ist die liberale Demokratie at its best.“
„Stimmt.“ ächzte Scholz erleichtert. „Du, mir wird das alles aber ein bisschen zu hoch. Der Wein ist mir in den Kopf gestiegen. Ich muss mich kurz hinlegen, glaube ich.“
„Ja, tu das, die gewichtigen Dinge besprechen wir morgen. Wir müssen unsere G7-Konferenz vorbereiten. Die Japsen mit ins Boot holen. Alle einschwören: es geht gegen den Russen. Der ist anders als wir. Wir werden unseren Wohlstand, unseren Zugang zu den Ressourcen der Welt gegen Russland sichern und sie von den Lustquellen abschneiden.“
„Hervorragend!“ lallte Scholz, als er durch die Tür hinaus torkelte, den Arm zum nachlässigen Gruß hebend und die besorgten Blicke der Hotelpagen auf sich ziehend.
„Lasst ihn gehen!“, bellte Macron. »Er ist der Herr Europas, der Beherrscher der stärksten ökonomischen Macht und er weiß wohl selbst, wann er über den Durst trinken will und wann nicht. Zurück auf die Posten, ihr Lakaien. Haltet an den Fenstern ausschau! Wir öknnten bereits umzingelt sein“, nuschelte Macron, im gleichen Moment jedoch wurde er sich der Absurdität seiner Phrasen klar. Er hatte auch zu viel getrunken. Langsam griff er in sein Jackett und beförderte seine Geheimwaffe zutage. Eine Kapsel reines MDMA. Das würde ihn heute nafcht fliegen lassen. Es gab viel zu tun. Mit Selenski, seinem Zechkumpan, der unter Opium und Kokainbergen mit ihm die Nächte durchgemacht hatte als sie den groben Plan zur Umgehung der Nato und G7 ausbaldowerten, würde er jetzt einen Videocall aufsetzen. Die ersten zwei Stündchen ginge es ums Koksen und um Nutten, aber dann würden sie schon zur Sache kommen und das neue Russland zerlegen.
Macron blickt durch. Mit Selenski durchzecht er die Nacht und will die nächsten provokativen Offensiven im Donbass planen, die den russischen Bären dann hoffentlich aus seiner Höhle locken. Aber was sein Herz wirklcih zu begeistern vermag, sind nur geostrategische, ökonomische, massenpsychologische Analysen. Er weiß, dass die Vernunft nicht durchzusetzen ist in einem System der trägen Demokratie, das von den Kapitalmagnaten per Zeitungsabo und Fernbedienungsknopfdruck gelenkt wird. Also versucht er, das wenige, was durchsetzbar ist, an den massenpsychologischen Barrieren gegen die Logik des gemeinnützigen Wirtschaftens vorbeizuschleusen. Er will, dass es den Arbeitern besser geht. Ebenso wie er 2015 sah, dass Griechenland massive Investitionsprogramme, Schuldenschnitte und neue makroökonomische Rahmenwerke für den Austausch mit seinen Nachbarn brauchte. Diese Forderungen Varoufakis waren innerhalb der massiven reaktionären Front in der Eurozone nicht durchsetzbar, wie er klug einsah.
So spricht er mit seinem Berater Valliuoin, der ihm rät, auf Konfrontationskurs zu Deutschland und den USA zu gehen und sein Heil im Bündnis mit China zu suchen. »China ist stabil. Die Kapitalbesitzer haben sich mit der kommunistischen Herrschaft arrangiert und wissen die Stabilität zu schätzen. Wenn wir mit China kooperieren, stehen uns blühende Chancen offen… und das alles unter Ausschluss von Deutschland und Nordamerika. Denen werden wir den chinesischen Markt wegschnappen und Zollverträge mit China unterzeichnen. Dann soll Deutschland mal schön auf Knien angekrochen kommen, dass wir überhaupt noch den europäischen Binnenmarkt beliefern. Oh, nein, die Aussichten sind rosig, wenden wir uns nach Osten, sehr viel weiter weg als nach Deutschland.« »Hmm«, knurrt Macron nachdenklich. Er schaut lustlos auf seinen Schreibtisch und kaut auf einer Seite seines Kiefers herum. »Aber das krieg ich nicht durchgedrückt gegen die reaktionären Massen hierzulande. Die verlangen von mir, dass ich sie immer härter rannehme, ihnen links und rechts die Sozialleistungen wegkürze und alles auf deutsches Niveau zusammenstreiche. Ich muss liefern, verstehst du? Wir müssen Frankreich runterwirtschaften, so weit, bis wir beim deutschen Niveau ankommen und noch weiter runter«. »Dann müssen wir denen das Bündnis mit China eben als Ausbund der Rigidität und teutonsichen Orndungsliebe verkaufen. Schüren wir antideutsches Ressentiment, dann ist jedem klar: wir brauchen als Frankreich andere, verlässlichere Partner! Dann wird man den chinesischen Panda mit offenen Armen willkommen heißen. Wir bräuchten Austauschprogramme, nicht nur für Studenten, vor allem für die Arbeiter, ja auch für uns Politiker und in den Führungsebenen der Konzerne…« Die Chinesen verkörpern heutzutage die Urtugenden der Deutschen, die sich mittlerweile zu Gaunern und tölpelhaften Taugenichtsen gewandelt haben. An diese Unterredung mit seinem treuen Berater denkt Macron gegen vier Uhr morgens, als er erschöpft von Selenskis Witzen und Slapstickeinlagen aus seinen Komikertagen, welche dieser Mal um Mal wiederholte und sich köstlich zu amüsieren schien in seiner Rolle, sich kaum erinnernd, dass seit 8 Jahren ein Bürgerkrieg tobte in seinem Land und Macron mit ihm gewichtige Dinge besprechen wollte, wozu es aber nicht gekommen war, wie er nun resigniert einsieht, als er seine Hotelsuite betritt. Egal. Er mag Selenski irgendwie und wird dieser Sache aufmerksam folgen. Er würde die Dinge im Blick behalten, zum Besten der Ukraine und vor allem zum Besten des Westens.
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Beim Frühstück sehen sich die beiden wieder. Es ist ein herrlicher Tag. Macron lässt sich nichts anmerken und spielt die Ringe unter seinen Augen herunter, er werde eben nachher im Regierungsflieger nach Jacksonville schlafen, wo es zur G7-Konferenz hingeht.
»Also, wie bekommen wir Putin jetzt zum Einmarschieren?« will Macron von Scholz wissen und blickt ihn erwartungsvoll an. »Weißt du, mein Metier war ja die Finanzbranche, mein Posten als Finanzminister hat mir das nötige Renomme eingebracht für den Job jetzt als Chef im Buzndestag, ach nein, in der Bundesregierung meine ich.« »Ja und weiter?« »Achso, ja, also will ich alles immer aufs Finanzielle runterbrechen. Meiner Meinung nach wird Putin die Invasion scheuen, wenn wir ihm nicht ein dickes persönliches Bonusprogrâmmm bieten, das den Angriff führ ihn zu einem privaten Eldorado macht. Und das sollte ja recht einfach sein, wenn ich bedenke, was du gestern sagtest. Ja, die Gaspreise steigen schon seit Monaten. Und das völlig ohne Krieg, oder ja, halt der normale Krieg, der nur im Donbass läuft, dieses regionale Konfliktherdchen. Also: wir werden einen Fonds aufsetzen, mit dem wir erstens in verschiedene Rohstoffe wie Gas, Öl, Weizen usw. investieren und zweitens noch gewisse Hebel einsetzen, um auf einen enorm steigenden Kurs dieser Rohstoffmarktpreise zu wetten. Du kannst gern auch mit einsteigen, mein Lieber, ich muss mich aber zurückhalten, hab schon genug juristische Verfahren an der Backe.« »Oh, das klingt verlockend, danke, aber ich habe miene Schäfchen auch schon im Trockenen und bin über Bin Salmans saudischen Entwicklungsfonds für befreundete Staatsmänner ganz gut positioniert, glaub mir…« »Ok. Nun, das Wichtige ist, dass wir Putin die Beteiligung an diesem Fonds anbieten. Dann wird er ja sehen, wie er profitiert, lass die Preise nur geringfügig steigen und schon wird ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wenn er dann nicht endlich die Grenze zur Ukraine überschreitet und dort mit Mann und Maus einfällt, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Und das würde natürlich für eine Explosion der Rohstoffpreise sorgen, das ist ja klar.« »Oh, Olaf, wie du alles durchdacht hast. Also ihr Deutschen seid wirklich erste Sahne im Vorausberechnen und Analysieren. Wir machen es genau so.«
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