Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#133 Blüte der Weiblichkeit

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Blüte der Weiblichkeit

Komm raus aus deinem Kasachstan?

Vor gar nicht mal so langer Zeit existierte hierzulande eine Zivilisation, die weit fortgeschritten war. Die sozialistische DDR hatte noch nicht alle, aber schon einige Iterationsstufen der menschlichen Fortentwicklung durchlaufen, jener Zyklen mit dem Ziel der sozialen Zivilisierung des rohen barbarischen Fleischesmenschen, der einen Überschuss erzeugen muss, um sich zu erhalten, der Bourgeois, zu dem wir alle gleichsam abgestempelt werden qua Teilnahme am Staatsgeschehen der BRD als Bürger. Auf die DDR konnte man stolz sein, sie war erhaltenswert, auch wenn der Pöbel diese sozialistische Errungenschaft in Form der mächtigsten Institution, eines Staates, nicht zu würdigen oder zu erkennen vermochte und die Konterrevolution von 89 unterstützte, aus Dummheit, Pöbelhaftikgeit und selbstverschuldeter Unmündigkeit, wie es nur natürlich und wesenhaft beim Pöbel (auch: Proletariat) ist und ihm daher nicht weiter vorzuwerfen oder anzulasten. Der führungslose Pöbel, der ohne einen Lenin, ohne bolschewistische Partei und Massenagitation einfach nur dem reaktionären BRD-Regime und seinen stupiden Handlangern ausgeliefert bleibt, ist in Wahrheit natürlich grundliebenswert. Nur noch nicht jetzt und heute. Wir müssen den Menschen zivilisieren. Erst dann können wir uns von Angesicht zu Angesicht gegenüber treten, uns frei in die Augen schauen und ohne Scham die nutz- und sinnlose Entfaltung des sozialen Spiels und Hin- und Hers der Worte genießen. Erst dann, wenn wir vom öknomischen Joch des Kapitaldiktats über unsere Personen befreit sind, atmen wir neu auf und wandeln uns erstmals zu Menschen.

Mit der DDR hatte man etwas Handfestes, woran man sich entlang hangeln konnte. Ein Konstrukt, das schonmal einen Schritt darstellte auf dem Weg zu diesem unglaublich schönen aber auch komplizierten Ziel des Kommunismus. Und mir wird bei dieser Vorstellung einfach ganz warm ums Herz. Wie dem auch sei, heute sind wir zurückgeworfen auf die Situation der Bolschewiki vor dem erfolgreichen Putsch gegens Zarenregime und das neue demokratisch-bürgerliche System. Wir müssen also auch wieder so brutal und rücksichtslos zu Werke gehen wie die Bolschewiki, die damals auch zunehmend im Untergrund agierten. Stalin organisierte hier Überfälle, um die Parteikassen zu füllen, Streiks, um die Macht der Arbeiter gegen die Fabrikbesitzer aufzubieten und Sabotage- oder Terrorakte. Der richtige Terror ist derjenige, der uns an die Macht bringt, das ist eine sozialistische Selbstverständlichkeit und hat nichts mit der Person Stalins zu tun, sondern galt auch schon vor dessen Geburt. So schreibt etwa Marx:

http://www.mlwerke.de/me/me06/me06_503.htm

»Wozu also eure heuchlerischen, nach einem unmöglichen Vorwand haschenden Phrasen? Wir sind rücksichtslos, wir verlangen keine Rücksicht von euch. Wenn die Reihe an uns kömmt, wir werden den Terrorismus nicht beschönigen. Aber die royalistischen Terroristen, die Terroristen von Gottes- und Rechts-Gnaden, in der Praxis sind sie brutal, verächtlich, gemein, in der Theorie feig, versteckt, doppelzüngig, in beiden Beziehungen ehrlos.«

Und weiter:

»In Paris wird der vernichtende Gegenschlag der Junirevolution geschlagen werden. Mit dem Siege der 'roten' Republik zu Paris werden die Armeen aus dem Innern der Länder an und über die Grenzen ausgespien werden, und die wirkliche Macht der ringenden Parteien wird sich rein herausstellen. Dann werden wir uns erinnern an den Juni, an den Oktober, und auch wir werden rufen: Vae Victis! [Wehe den Besiegten]
Die resultatlosen Metzeleien seit den Juni- und Oktobertagen, das langweilige Opferfest seit Februar und März, der Kannibalismus der Kontrerevolution selbst wird die Völker überzeugen, daß es nur ein Mittel gibt, die mörderischen Todeswehn der alten Gesellschaft, die blutigen Geburtswehn der neuen Gesellschaft abzukürzen, zu vereinfachen, zu konzentrieren, nur ein Mittel - den revolutionären Terrorismus

Oder noch ein anderes Zitat von Marx aus der »Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie«:
(http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm)

»Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem [am Menschen] demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst. Der evidente Beweis für den Radikalismus der deutschen Theorie, also für ihre praktische Energie, ist ihr Ausgang von der entschiedenen positiven Aufhebung der Religion. Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch den Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln! Selbst historisch hat die theoretische Emanzipation eine spezifisch praktische Bedeutung für Deutschland. Deutschlands revolutionäre Vergangenheit ist nämlich theoretisch, es ist die Reformation. Wie damals der Mönch, so ist es jetzt der Philosoph, in dessen Hirn die Revolution beginnt. |386|Luther hat allerdings die Knechtschaft aus Devotion besiegt, weil er die Knechtschaft aus Überzeugung an ihre Stelle gesetzt hat. Er hat den Glauben an die Autorität gebrochen, weil er die Autorität des Glaubens restauriert hat. Er hat die Pfaffen in Laien verwandelt, weil er die Laien in Pfaffen verwandelt hat. Er hat den Menschen von der äußeren Religiosität befreit, weil er die Religiosität zum inneren Menschen gemacht hat. Er hat den Leib von der Kette emanzipiert, weil er das Herz an die Kette gelegt. […] Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen, und sobald der Blitz des Gedankens gründlich in diesen naiven Volksboden eingeschlagen ist, wird sich die Emanzipation der Deutschen zu Menschen vollziehn.«

Marx stellt hier also richtig fest, dass die Deutschen heutzutage noch nicht mal so weit sind, Menschen zu sein, aber dies ein gutes Ziel wäre, auf das man sich zubewegen sollte.

Nur durch die Russische Revolution bekamen wir hierzulande überhaupt erstmal die Wohltaten des zivilisierenden Sozialismus zu spüren, wenn auch nur regional begrenzt und nur 40 Jahre. Daher müssen wir uns auf die bolschewistische Machtübernahme und Etablierung einer wirkungsvollen progressiven Regierung konzentrieren, die historischen Vorläufer studieren, um für die heutigen Klassenkämpfe theoretisch gewappnet zu sein.

Aber wir dürfen nicht hier stehen bleiben. Das Feld der Revolution ist sehr viel weiter, die ganze Welt ächzt unterm Imperialismus, der Willkürherrschaft der liberalen Märkte, viele Weltgebiete könnten mit dem heroischen Feuer des Umsturzes beglückt werden, viele Äcker besät mit der Leidenschaft für den Kampf ums Ganze, um historischen Fortschritt, soziale Emanzipation durch Verstaatlichung von Großbetrieben, Stärkung von Arbeiterrechten, bolschewistischen 5-Jahresplänen, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu treffen, usw. Wir kritisieren nicht das heutige liberale, »urwüchsige« System sondern verschreiben eine teils auch herbe Medizin für diese Krankheit des menschlichen Bewusstseins. Materielle Revolution, Umwälzung der Produktions- und Eigentumsverhältnisse, Kollektivierung von Boden, Industrien, Medienunternehmen.

Ja, hier in Deutschland ist's am nötigsten mit dem Umsturz, keine Frage, aber wir Deutschen sind dazu wohl zu blöde und bedröppelt. Schauen wir in mutige, aufstrebende Länder, z.B. in die Ukraine! Ja, dort sind die Menschen eventuell noch etwas unbeschadeter vom neoliberalen Zeitgift und können in diesen schwierigen Zeiten die politische Krise ihres Landes nutzen für den so nötigen Umsturz und die Etablierung bolschewistischer Herrschaft, die nicht mehr über die bisher hochgelobten demokratischen Wahlen legitimiert ist sondern durch Bezugnahme auf Marx und aktive Weiterentwicklung seiner theoretischen Vorzeichnungen im regierenden Handeln und strukturellen Organisieren. Also liebe Ukrainer, liebe Armenier und Aserbaidschaner, Kirgisen, Kasachen und Philippinos, Sudanesen und Uruguayer, ihr alle seid nicht teil des harten Kern-Imperialismus, des post- und präfaschistischen Weißen Westens und dessen diktatorischer Geistesherrschaft in den Köpfen der ihm ergebenen Bewohner dieser »westlichen« Gebiete.

Ihr habt noch die Chance, bei euch ist nicht alle Hoffnung umsonst. Befreit euch vom Joch des Weisen Denkens, der Philosophierens über Menschenrechte und Demokratie. Was ihr braucht, ist materielle Entwicklung. Und die gibt es nur in Feindschaft zum Westen, der jeglichen aufsteigenden Konkurrenten aus dem Weg räumen möchte. Der Westen ist grundböse und degeneriert und jene, die ihm ausgeliefert sind und psychologisch täglich unter seiner Gewaltherrschaft leiden und sie sogar aktiv weiter fordern und propagieren aus Angst vor den Konsequenzen des Widersprechens gegen die mächtigen Begriffe und Framings, jene armen kleinbürgerlichen Schweine sind bemitleidenswerte Deppen, die eben von der durchaus pöbelhaften Natur der gemeinen Volksmassen sind, die ich schon weiter oben beschrieb. Diesen Volksmassen sollte man so wenig wie möglich und nicht zu viel auf einmal anvertrauen. Hier aber muss ich euch alles anvertrauen, was sich wieder in mir für den gloriosen Akt der Publikation angestaut hat. Ich bin souverän, gleite dahin in die weiten Steppen der Podcastlandschaft. Von Angesicht zu Angesicht würde ich mich nicht trauen, viele hier gesagte Dinge zu wiederholen, doch eben darum muss ich sie hier aussprechen.

Hier also kann ich euch offenherzig und unverfroren in die Ohren sagen, was ihr, liebe anonyme Volksmasse, in meinen Augen darstellt. Einen eklig-klebrigen Brei der liebgewonnenen Harmlosigkeit, Obrigkeitstreue und eines seligen Grundvertrauens in die uns beherrschenden Institutionen und Marktgesetze. Ihr seid so runtergekommen, dass sich die Frage stellt, wie weit es von hier aus, unserem heutigen massenhaften Volksniveau, eigentlich noch weiter hinunter gehen kann. Der geistige Abstieg ist fast komplettiert. Daher müsst ihr, liebe blökenden, grasenden, euch zusammendrängenden Schäfchen, jetzt auch keine Angst mehr haben. Schlimmer kann es eh kaum noch werden. So hündisch oder schafsköpfisch ergeben wie ihr heute lebt, seid ihr wirklich schon die allerunterste Ausdrucksform des menschlichen Lebens und der schaffenden Kultur. Egal was passiert, die Dinge können im Grunde nur besser werden. Gesteht euch dies ein und begreift, dass es nichts hinüberzuretten gibt von der alten grundfalschen Gesellschaft in die neue revolutionäre Situation. Alles muss über Bord geworfen, jede psychologische Knechtschaft abgestreift werden. Wenn ihr in eurer heutigen schweinischen Verfasstheit, beim Suhlen im selbstproduzierten Schmutz und im Stall bei den euch vorgesetzten Fabrikwaren ein so wohliges, wärmendes Gefühl empfindet, dann seid ihr der lebendige Beweis, warum unsere menschliche Gattung so verdorben, nichtsnützig und zerstörerisch ist, im Gegensatz etwa zu den edlen Schweinen, zu denen ich auch viel lieber sprechen würde, könnten sie mich verstehen. Es hilft aber nichts, ihr, geschätztes hörendes und verstehendes, da sprachkundiges Volk, seid meine anonyme Publikumsmasse, die ich bespiele oder auch mal bespeie, je nach Laune und Gusto. Also, liebe Spielkameraden, ich weiß, bei euch ist nichts mehr zu holen an Hirnsubstanz im hohlen Köpfchen, ihr stellt euch beim Denken ständig selbst ein Bein, wollt gar nicht auf geradem Weg fortschreiten so wie der entschlossene Philosoph, sondern ihr wollt auf dem Weg des Gedankens immer wieder niedersinken in den Schlamm und Morast, ihr dösigen Armleuchter, ihr besonders schwach glimmenden Lichtlein.

Wenn also ihr, liebe Volksmassen, auch gründlich verblödet seid, so werdet ihr ja wohl wenigstens noch einen guten Podcast zu erkennen vermögen und also dieses Werk still anhören, auf den billigen Plätzen, auf die ich euch erzieherisch verweise.


Weitere, weitschweifige Anmerkungen, Ergänzungen: Nach der Publikation merkte ich, dass ich mich in dem untenstehenden Text nur auf Francis Fukuyama statt auf Slavoj Zizek bezog, über den die beiden Sprecher im Neue-Zwanziger-Podcast auch geredet hatten und dessen Thesen ich aufgreife und an manchen Stellen fälschlich Fukuyama attribuiere, was aber nicht weiter schlimm ist, die beiden verkünden das liberale Credo, den melodischen Singsang der Menschenrechte und freiheitlichen Ideale. Hier ist die NZP-Folge:

https://neuezwanziger.de/2022/06/2038/

Die Essays der beiden Meisterdenker Fukuyama und Zizek findet ihr dort verlinkt. Meine Kritik bezieht sich auf beide gleichermaßen, sowie auf Wolfgangs affirmierende Wiedergabe ihrer Texte, die ich noch nicht kenne, was ich eventuell nachholen werde, sobald mir meine geistige Verfasstheit gestattet, in die dermaßen miefige düstere Dunkelkammer und Werkstätte der liberalen Ideale hinabzusteigen. Bei diesen Worten denke ich auch an Nietzsche und an Folge 13 von Tischlein, deck dich! Nietzsche ist sicher ein wertvoller, wichtiger Philosoph trotz seiner antikommunistischen Haltungen. Zizek hingegen, in begrifflichem Delirium bezeichnet sich meines Wissens weiterhin als Kommunist. Nun ja, wie gesagt, zunächst nach der materiellen Basis des eigenen individuellen Lebens zu schauen ist nur grundmenschlichen und ich bin aufgrund meiner Biografie in keiner Position, hier jemand anderen zu kritisieren. Nur muss man dann, wenn man das dreckige Westgeld annimmt und sich im Gegenzug zur Hure der liberalen Gewissenspredigung und dreisten Imperialismusaffirmation erniedrigt, so ehrlich sein, sich auch nicht mehr als Kommunist zu bezeichnen. Dann ist man einfach ein sozialchauvinistisches, reaktionäres Schwein, ein U-Boot der Bourgeoisie in den unüberschaubaren Verästelungen der Arbeiterbewegungen und linken Strömungen. Fukuyama ist in dieser Hinsicht keinerlei Vorwurf zu machen. Er ist Liberaler durch und durch. Wenn auch einfältig, so ist seine Philosophie dennoch auf der begrifflichen Ebene ehrlicher und weniger hinterlistig.

Zudem bezieht sich mein Frontalangriff natürlich, wie könnte es anders sein, vor allem auf (meinen geistigen Podcastvater) Stefan und seinen Blick auf seine eigene Biografie sowie die zahlreichen Biografien, die durch den Fall der Mauer und die "Wende" sowie ihre Pendants in den anderen vormals sozialistischen Ländern gebrochen oder beflügelt wurden. Was denken Wolfgang und Stefan eigentlich über die Russische Revolution von 1917 und über den letzten Akt ihrer lang vorbereiteten Zerschlagung von 1991? Das ist einfach meine Frage; was Putin oder die russischen Kommunisten denken mögen ist sicher auch interessant, aber schon allein aus sprachlichen Gründen sollten wir uns hier auf den nationalen Rahmen beschränken und überlegen, wie eigentlich wir Deutschen auf diese zwei Schlüsselereignisse des letzten Jahrhunderts blicken. Meine Befürchtung ist eben, diese beiden unterscheiden sich in ihrer Geschichtsauffassung und historischen Durchdringung kaum von der Mehrheitsmeinung hierzulande und die heißt nunmal: die UdSSR war eine Diktatur (also fast so oder schlimmer als die Hitler-Diktatur) und 89 bedeutete Freiheit und die Rückkehr der grundlegenden liberalen Rechte zur freien Entfaltung des eigenen Lebens, der eigenen Talente und Sehnsüchte, so wie sie jedem Menschen von Geburt an zustehen und nur von den böswilligen Betonköpfen im Kreml den eigenen Bürgern vorenthalten wurden. Dies ist leider ganz falsch, so falsch, dass ich im Moment noch nicht mal die ganze Tiefe der Falschheit dieser deutschen Selbstgewissheiten ausmessen kann und dieser historische Kurs, auf den ich den schwerfälligen Podcasttanker Tdd im Verlauf der 110er-Folgen einschiffte (basierend auf der Bewunderung für die Essayistik von Peter Hacks, dessen Glanzstück "500 Jahre Imperialismus" in #106 drankam), daher also noch eine Weile lang weiterverfolgt werden wird, um diese deutschen Irrtümer, die der "Wiedervereinigung" zugrunde liegen, voll zu vermessen und zu kartografieren.

Ich mache keine Kompromisse. Ich weiß noch, als wäre es gestern gewesen (sorry für den schmalzigen Ton, die Historie und die Erinnerung ist ein schwieriges, aufwühlendes Gebiet), wie ich etwa 2011 in Buenos Aires in der Goethe-Schule saß und unser Deutschlehrer, der aus dem Ruhrgebiet stammte, sich wand und um Worte rang, um das rege Interesse der argentinischen Schüler für das historische Dagewesensein des Sozialismus in der DDR zu befriedigen. Diese jungen Argentinier waren neugierig, wollten wissen, wie es gehen kann, einen Staat mit einer völlig anderen Regierungsform, Verfassung und anderen Grundsätzen zu betreiben als das, was sie von Südamerika kannten, eben auch die liberale Demokratie, den westlichen Exportschlager schlechthin. Könnte am Sozialismus nicht doch was Gutes gewesen sein? Man könnte ja vielleicht auch nochmal ganz anders auf die Historie blicken? Im letzten Jahrhundert sind so grausame, aber auch so viele und unübersichtliche, miteinander verflochtene Dinge passiert, und irgendeinen Grund werden die Sowjets und Ostdeutschen ja wohl gehabt haben, sich so in Abgrenzung zum Westen zu begeben… Dies war die neugierige Herangehensweise, die ich bei meinen Klassenkameraden spürte. Unser Deutschlehrer, den ich ansonsten sehr schätzte, bügelte dieses Interesse einfach ab: er zitierte einen abfälligen Spruch irgendeines Intellektuellen, wonach wohl nie wieder ein Land den Sozialismus ausprobieren würde, nachdem dieser Begriff durch die reale Herrschaft in der DDR derart in den Dreck gezogen, gar pervertiert worden sei. Das war die Haltung dieses Deutschlehrers. Er wusste einfach auch nicht weiter. Ja, mag schon sein dass Lenin für die Gerechtigkeit eintrat und so, aber so wie es real dann aussah von 1949-1989 darf der Sozialismus anscheinend nicht aussehen, das ist klar, und jetzt gibt’s leider keine Alternative mehr zum real existierenden Imperialismus. So das Urteil über die Weltgeschichte, dass dieser Lehrer mit einem Schulterzucken gedankenlos fällte. Und so wird leider das Schicksal von Argentinien und so vielen Ländern besiegelt, die in der nach 45 von den USA geschaffenen westlichen Weltordnung keinen Platz haben und auf die unteren Ränge verwiesen sind, von wo sie aufgrund der Währungs- und Finanzmacht der reichen Staaten niemals mehr emporsteigen sollen. Ihr Schicksal ist besiegelt mit dieser neuen amerikanischen Weltordnung - für immer (wie es bei Flassbeck so schön hieß). So belehren wir Deutschen also heute den Rest der Welt darüber, was politisch machbar oder erstrebenswert ist und was nicht. Ich will nur betonen, dass ich auf anderen Gebieten viel von exakt jenem Lehrer lernte, etwa bezüglich Effi Briest und literarischer Interpretation. Er verkörperte damit nur die strunzdumme Haltung des gesamten deutschen Lehrkörpers, in dem es auch einige Deutsche aus dem früheren DDR-Gebiet gab. Die waren teilweise noch zynischer in ihrer Geschichtsbetrachtung, aber damit sind sie eben Ausdruck der Gesellschaft, in der sie leben und die sie formt.

Für mich ist aber klar, wer so auf die deutsche Geschichte blickt, ist ein Schwein und vertritt nicht nur eine falsche Analyse der Vergangenheit, sondern vor allem der Gegenwart und der zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten. Was er den Argentiniern sagte, war ja: macht das nicht mit dem Sozialismus, wir haben in der Geschichte allerlei ausprobiert und sind wirklich nur heilfroh, jetzt bei diesem liberalen System gelandet zu sein. Dies zeigt einmal mehr, wie solche Entwicklungs- und Schwellenländer nicht nur materiell sondern vor allem auch geistig weiterhin unter der Knute der imperialen Länder stehen, ihre Begriffsherrschaft ohne zu Zucken akzeptieren und in den vorgegebenen Bahnen des angeblich Vernünftigen bleiben. So lässt sich sagen, das System der Goetheschulen ist heute ein koloniales Projekt, das darauf zielt, die unterjochten Völker der Erde weiter in Knechtschaft zu halten und ihnen zu verbieten, außerhalb des von uns, den weisen Nordmenschen, gesteckten Kreises der Ideen zu denken. Man muss es so sagen. Diese Mitschüler waren ja auch keinesfalls durchschnittliche Argentinier, sondern allein aufgrund der horrenden Schulgeldes mussten ihre Eltern Mitglieder der Oberschicht oder Bourgeoisie sein oder zumindest in einer kleinbürgerlichen Zwischenklasse der Manager, Advokaten und sonstigen Lakaien der kapitalistischen Ökonomie. Deren Kinder profitieren recht gut vom Imperialismus, kennen den Luxus, Reisen, finanzielle Sorglosigkeit, haben aber doch genügend Empathie, um zu sehen, dass die sozialen Realitäten ihres Landes an vielen Stellen erschreckend und erniedrigend sind, eigentlich nicht zumutbar für eine humanistische Vorstellung vom Menschen. So kommen sie also dazu, sich Gedanken über die DDR zu machen. Diese abzubügeln ist offizielle Aufgabe der Goethe-Schulen-Lehrer, für die der deutsche Staat daher ja ein stattliches Budget in zahlreichen Ländern der Erde zur Verfügung stellt. Denn es ist ja geschickt, in diesen beherrschten, von den machtpolitischen Ränkespielen der Nachkriegszeit übergangenen, zurückgelassenen oder zurückgestoßenen Gebieten auch noch eine herrschende Klasse zu haben. Denn so können wir dieser kleinen Klasse unsere Porsches und Audis verkaufen - wäre ja schade, könnten wir die nicht um die ganze Welt schicken und uns jeglichen Absatzmarkt erschließen. Aber zu uns aufholen dürfen sie natürlich nicht, und dazu trug die westliche Politik gegenüber Perón in den 50ern oder Videla in den 70ern natürlich direkt und gezielt bei. Die herrschende Klasse dort unten hat also zu garantieren, dass die Volksmassen sich nicht erheben und die Füße still halten. Die sollen nicht aufmucken, wo kommen wir da noch hin? Und so ist die Situation Argentiniens insbesondere in den letzten 20 Jahren also nochmals hoffnungsloser und düsterer geworden. Mich erinnert das ganze nur ein bisschen an den Versailler Vertrag und die 20er Jahre des Vorjahrhunderts in Deutschland. Auch damals sollte Deutschland durch die Kriegsgewinner explizit gedemütigt und mit unerfüllbaren Reparationsforderungen überhäuft werden, so wie heute die Argentinier mit den IWF-Forderungen nach Kreditrückzahlung. Aber keine Sorge: die Argentinier sind zahm, die sind nicht aus demselben Holz wie wir Deutschen - dafür haben wir im Verbund mit den USA gesorgt. Wir haben sie uns so geschnitzt, wie wir sie brauchen, damit sie ihre Rolle am unteren Ende der globalen Markt-Nahrungskette erfüllen.

Ich möchte einfach nie so werden wie dieser Deutschlehrer, im Sinne von, derart politisch-geistig degenerieren, dass man als stolzer Vertreter des BRD-Staates in der Welt geschichtsklitternde Gruselgeschichten über die DDR verbreitet. So lässt sich dann irgendwann gar nichts mehr verstehen über die Geschichte, sondern nur noch ein dumpfes Geraune der Herrschaftskritik hervorbringen: früher war’s schlimmer wegen autokratischen Herrschern, jetzt ist jede Macht beschränkt und demokratisch abgesichert, jetzt sind wir endlich frei und bleiben wir für immer in diesem liberalen Endzustand. Dann kann man es eigentlich auch gleich lassen mit dem Reden, dann sind wir wirklich nur noch brave Tiere, die täglich ihre paar nötigen Verrichtungen, Notdürfte, Bedürfnisse befriedigen dürfen und ansonsten nicht weiter nachfragen, wer der gute Hirte oder Bauer ist, der einem da täglich frisches Futter bringt und was dessen Pläne und Zwecke sind. Um darüber hinaus zu denken und gegen diese Position der Abhängigkeit und Fremdbestimmung anzugehen, muss man sich begrifflich bilden und über verschiedene historische Kämpfe, sowohl praktischer als auch theoretischer Natur, nachsinnen und versuchen, unter den heutigen Bedingungen eine Haltung zu einem Begriff wie Marxismus oder Kommunismus einzunehmen. Mein Deutschlehrer machte mir durch seine Darlegung, er sei Humanist, auch klar, dass die Bezugnahme auf das Menschliche, die Achtung vor menschlichem Leben, die Menschenwürde usw. zwar schöne und hehre Begriffe sind, die aber vollkommen hohl und unwirksam bleiben, wenn nicht eine weltliche Macht wie die Bolschewiki basierend auf dem wissenschaftlichen System von Marx die Achtung vor dem Leben durchsetzt, zumindest soweit es in der Macht der jeweiligen revolutionären Partei steht in ihren historischen, ökonomischen und militärischen Kämpfen.

So erweist sich der Humanist als unreflektierter Handlanger des Welt-Imperialismus, indem er den Menschen zum schon heute fertigen, perfekten, grundgütigen Wesen erklärt, das nur ja keine überzogene Gewalt und Autorität vom bösen Staat aufgedrückt bekommen darf. Diese Art Freiheit ist eine Ruine, ein Phantom und Hirngespinst, da niemand von uns so frei sein kann, sein Leben ganz autonom in die Hand zu nehmen sondern wir alle angewiesen sind auf Eltern, Lehrer, Institutionen, gesellschaftliche Abläufe, Regelungen, Prozedere, Produktivkräfte geistiger und materieller Art, auf den seit Jahrtausenden akkumulierten Menschheitsschatz der Philosophie, Kultur, Kunst sowie des Staatswesens und sonstiger Umwelteinrichtungen, die uns heute schon als gott- oder naturgegeben erscheinen. Nicht nur sind wir auf all das angewiesen sondern wir brauchen vor allem die autoritären Aufforderungen und Zwänge, die uns etwa zum Lernen in der Schule verdonnern, wohin man freiwillig eher nicht gehen würde, obschon einem dann vielleicht im Erwachsenenalter klar wird, was für eine befreite, reichhaltige und angenehme Zeit die Schulzeit war. Der Sozialismus zwingt also die russischen Bauern zur Fabrikarbeit, was für viele eine große Umgewöhnung ist, er zwingt die Völker Kasachstans und Armeniens unters Dach der großen brüderlichen UdSSR, wo alle Nationen stolz auf sich sein dürfen, aber mit den anderen Hand in Hand arbeiten müssen, er zwingt den unfertigen, flegelhaften, rohen Menschen auf die Bahn der Zivilisierung und Sublimierung seiner hölzernen, schläfrigen, dumpfen Natur. Und nur so kann es gehen. Der Liberalismus kann dies nicht leisten und in der Tat sind die Zwecke, die er sich gesetzt hat, ja auch andere. Er geht von einem freien, allmächtigen, entscheidungsstarken Individuum aus, das es zwar so in der Realität nicht gibt, was aber eine willkommene Schmeichelei und Illusion für uns alle ist. Wir alle gefallen uns in dieser Ansicht und lassen uns von der bürgerlichen Moral einreden, dieses einzigartige Subjekt sei unser wahres Selbst.

Wenn wir also die heutige Machtausübung oder Herrschaft des imperialen Westens gegenüber kleineren, ohnmächtigen Ländern in den Peripheriezonen, die aufgrund verschiedenster historischer Entwicklungen sowie geostrategischer Erwägungen an der kurzen Leine der durch kapitalistische Sozialbeziehungen, offene Märkte, Freihandel hervorgerufenen Abhängigkeit gehalten werden, analysieren, dann sollte klar werden, inwieweit die Eingliederung kleinerer Staaten in die Sowjetunion und die Etablierung kommunistischer Regierungen in Osteuropa nach dem 2. Weltkrieg eine kluge und logische Entscheidung war.

Die Bolschewiki hatten Recht mit ihrer Nationalitäten- und Minderheitenpolitik. Kleinere Völker und Länder im Zwischengebiet zwischen Russland und den westeuropäischen Mächten haben überhaupt keine Chance auf Freiheit, Souveränität und Eigenständigkeit. Sie können sich nur entscheiden, sich dem einen oder dem anderen Lager anzuschließen. Geht man nicht mit den Sowjets und ordnet sich der Moskauer Zentralregierung unter, dann ist man Spielball des Imperialismus, der diese Gebiete nur aufreißen will, um aus ihnen unter egal wie vielen menschlichen und sonstigen Opfern die nötigen Rohstoffe zu extrahieren, um die Nachschublinien für die heimischen Großindustrien der imperialistischen Länder zu bedienen. Ein Entwicklungskonzept für solche Staaten hat der Westen nicht, anders als die Sowjets, die auch in Kasachstan und anderen Ländern Industrie ansiedelten und auf eine gleichberechtigte Eingliederung aller Nationen achteten unter den immens schwierigen weltpolitischen Rahmenbedingungen damals. Insofern ist es schon zum Staunen, wenn heute Länder wie Georgien und die Ukraine immer noch auf Knien darum betteln, in die NATO aufgenommen zu werden und sich selbst nicht zu schade sind, noch jahrelange Kriege gegen das eigene Volk wie im Donbass zu führen, wenn sie dies nur dem Westen näher bringt und man aufgrund dieser »Leistung« dann vermeintlich endlich vom Westen als Partner auf Augenhöhe anerkennt wird.

Die Präsidentschaften von Poroschenko und Selenski in der Ukraine haben gezeigt, dass man in weiten Teilen der Ukraine konform ging mit der Weiterführung und Eskalation des Krieges (»deliberative Demokratie«), auch wenn beide Kandidaten im Wahlkampf einen Friedensschluss versprachen. Die Hauptschuld liegt nicht bei jenen nationalistischen, chauvinistischen Ukrainern, die die Gebiete der Volksrepubliken Donezk und Luhansk um jeden Preis wieder zurückzuerobern entschlossen waren und sind, sondern bei uns hier im Westen, die wir mittels unserer Politiker und Institutionen (soweit diese überhaupt was mitzureden haben und nicht eher Amerikaner und Briten unter sich den Kurs von NATO und G7 bestimmen) den ukrainischen Amtsträgern und der einfachen Bevölkerung signalisierten, dass wir ihnen Aufbauprogramme bis hin zur EU-Mitgliedschaft ermöglichen werden, wenn sie nur diesen Krieg richtig, also in unserem Sinne zu Ende führen. Dieses Ende durfte aber nicht so aussehen wie im Minsk 2-Waffenstillstandsvertrag festgelegt, der immerhin unter Angela Merkels Mitwirkung ausverhandelt wurde, einer der wenigen Lichtblicke ihrer Amtszeit. Warum er dann nicht eingehalten wurde hat sicherlich nicht nur mit den Russen und den Politikern der Volksrepubliken zu tun, sondern vor allem mit der Art und Weise, wie »wir« dorthin blicken in den Osten: wir erwarten, dass ihr weiterkämpft, wir wollen sehen, wie zäh ihr Ukrainer seid und wenn ihr diesen Test besteht nehmen wir euch auch zu uns auf. Natürlich machen die Ukrainer da mit, vor allem wenn sie den stattfindenden Krieg nicht vor ihrer eigenen Haustüre mitbekommen, wie das für die meisten von 2014 bis vor Kurzem der Fall war.

Psychoanalytisch würde ich die deutsche Kriegsunterstützung für die Ukraine so deuten, dass man immer noch tief gekränkt ist über die Niederlage gegen Russland, insbesondere die »Schmach« von Stalingrad, wo unsere deutschen Nazitruppen von der Roten Armee heroisch zurückgedrängt wurden. Daher also wollen wir jetzt den militärischen Sieg über Russland um jeden Preis. Und die Ukrainer sind schon wieder unsere Verbündeten, wie damals, und schwören uns, dass sie bis zum letzten Mann kämpfen, dass sie selbst noch durch den Winter, selbst ohne Strom und Heizung noch weitermachen werden. Dieser Schwur ist nur aus der Dialektik zu verstehen zwischen dem, der ihn leistet und dem, der ihn empfängt, so wie auch jeder Krieg nur aus der Gegenüberstellung der feindlichen Interessen und Lager zu begreifen ist. Wir sind in diesem Moment Teil des Kriegs und ein großer Teil des Grundes, warum Leute an der Front sterben. Aber das ist bei Weitem nicht das schlimmste Verbrechen der BRD, denn ihre schiere Existenz als Satellitenstaat Washingtons und Führungsmacht der EU ist die grundlegende Widerwärtigkeit, die Beleidigung und Beschmutzung der menschlichen Gattung. Das Leid, das durch den imperialistischen Staats- und Wirtschaftszusammenhang verursacht wird, ist unermesslich. Halten wir uns nicht damit auf, es zu kritisieren, denn damit verstärken und affirmieren wir nur noch unsere Ohnmacht. Stattdessen werden wir Bolschewisten wiederum die Macht aus den Händen der Imperialisten übernehmen oder auch entreißen und aufbauend auf den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts das Zivilisationsprojekt Sozialismus fortschreiben.

Die Ideologieapparate des Westens sind stark, das kann man wohl sagen und sie sind heute stärker denn je trotz oder auch wegen der Umwälzungen im produzierenden Wort- und Textgewerbe. Aber das werden sie nicht für immer sein; in China und auf vielen Erdteilen werden sich junge, mutige, selbstdenkende Menschen klarwerden über die Infamie der heute bestehenden westlichen Herrschaft über die materielle Welt und über die Köpfe ihrer Bewohner. Der Weg zur Freiheit von kapitalistischen Zumutungen und zur endgültigen Überwindung der menschlichen Trennung, Entfremdung, Ausbeutung im Kommunismus ist beschwerlich und lang, aber er wird definitiv gegangen werden. Jede und jeder ist herzlich eingeladen, sich historisch, philosophisch, begrifflich weiterzubilden und teilzuhaben an dieser weltumspannenden, epochemachenden Bewegung des revolutionären Marxismus, der die Welt einmal durchrütteln und schütteln will und das mit gemischten, doch überwiegend positiven Resultaten auch schon getan hat.

LESUNGEN

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Stefan will den Osten verlassen und schlägt die individuelle Lösung jedem vor. Komm raus aus deinem Kasachstan, Kirgisistan dann geht's schon. Der Bogen der Freiheit führt in den Westen. Das ist Fukuyamas halluzinierter Bogen der Geschichte, an dessen Ende Gerechtigkeit steht. Man muss schon arg vom Opium des westlichen Wohlstandsnarkotikums gekostet haben, um diesen Bogen zu sehen. Nachdem Venezuela, Russland und diese aufmüpfigen Gebiete, von denen Flüchtlings- und Emigrationsströme ausgehen, niedergeworfen und vom Westen abgewiesen, abgeschnitten wurden vom Weltmarkt und den normalen Entwicklungshilfen, die man faschistischen Ländern wie Japan und Deutschland oder antikommunistischen Frontstaaten wie Südkorea und Taiwan zukommen lässt, nach der postkolonialen Untermenschlichung denkt man sich jo. Jetzt wo sie keine Wahl mehr haben als zu fliehen, beweist das ja unsere Prämisse, dass unsere Form der Staatenbildung überlegen ist. Und tja , niemand wird mehr in diese, unsere Position kommen. Man muss schon hart spielen, jeder würde es so machen. Ökonomische Perspektivlosigkeit und Angst ums Überleben, Hunger, medizinische Notlagen, all das ist so angerichtet auf Geheiß des weißen Westens damit der Brasilianer ein bisschen die harte Rute des Lebens zu spüren bekommt, des Lebens, so wie wir es vorstellen und für richtig halten und als Realität produzieren.

Ja, jeder kann doch ausreisen. Außer man hat gar nicht die kognitive Kapazität, sich auf ein Leben im Ausland einzulassen. Daher ist es asozial, seine Mitbürger im Stich zu lassen und mit allen Talenten, Reichtümern und Familienmitgliedern auszureisen wie etwa die DDR-Flüchtlinge. Mag es aus individueller Perspektive noch so nachvollziehbar sein. Man schwächt damit die eigene Schicksalsgemeinschaft, das sozialistische Staatsvolk aus purem Egoismus. Das ist nicht rechtens und die DDR geht dagegen natürlicherweise vor und sichert die Grenze. Kaum ein Mozambikaner oder Malawese hat die Option, mal kurz alles zusammenzupacken und ins Nachbarland zu reisen, wo man mehr verdient. Dort wären sie ja froh, bloß auf DDR Niveau zu verdienen. Aus ökonomischer Unterlegenheit, kein Erbe, kein Staat, keine gefestigte Gesellschaft, wird den Leuten Freiheit verwehrt. Danach kräht kein Hahn, das interessiert kein amerikanisches Schwein, das von Freedom und persönlicher Entwicklung fabuliert. Bloß in der DDR und UdSSR wird aufgeschrien. Wie kann es sein, dass die Leute nicht frei reisen dürfen? Jetzt sieht man zum Glück, wohin das Nachgeben und Einknicken gegenüber dem Kapitalismus führt. Den Volksmassen bleibt nichts als sich in Nationalismus zu flüchten um den eigenen Stolz zu wahren, da man verbittert und verarmt ist. Eine kleine Klasse der geistig und materiell Mobilen, die kulturelles, personelles und monetäres Kapital besitzt, wurde die Ausreise gestattet.

So wie Stefan etwa. Sein Blick zurück in den Osten sieht dann so aus: puh, das ist ja gruselig wie ein Land wirtschaftlich in die Knie geht, sobald die Bevölkerung fehlt und vor allem Jüngere abwandern. Dieses Schicksal darf uns Westdeutsche nicht ereilen. Ich bin jetzt ja auf der sicheren Seite im Westen. Wir müssen jetzt schauen, wie wir mehr Zuwanderung kreieren, um den demografischen Rückgang abzufedern. Bulgarien und Ungarn geht's schlecht, aber naja jeder hätte ja die Chance, in den Westen zu kommen. Das liberale Regime will solche grundgütigen, liebevollen, weltoffenen, aber auch naiven Menschen wie Stefan anlocken und ihnen die Angst einpflanzen, wenn sie nicht spuren, dann steigen sie auch bald ab wie Rumänien oder die Ukraine. Daher wird die Deklassierung des Ostblocks gezielt vorangetrieben. Es ist kein Unfall, dass es keine entsprechende Aufbauhilfe für Russland gab, sondern geplante Politik zur Demütigung, Knechtung des Volkes. Der narzisstisch gekränkte Westen spürt den Stachel der Russischen Revolution noch jahrhundertelang und dürstet nach Rache. Selbst Länder, die stets proamerikanisch waren wie in Südamerika werden ja ausgeblutet und über den faschistischen Blutzoll hinaus auch noch ökonomisch zerlegt in Zeiten der Militärdiktaturen, die von den USA herbeigeführt und gestützt wurden. Nur für einen ganz kleinen Bereich kann es Aufbauhilfe in der Not geben wie für das faschistische Deutschland, das nie denazifiziert wurde. Hier sehen die USA sehr klug, dass es sein muss, die Brücken und Fabriken wiederaufzubauen, da sonst der nächste Hitler kommt und die amerikanische Weltmacht bedroht. Aber wozu dort aufbauen, wo man nichts davon hat? Wo man Gebiete niederhalten kann, indem man sie ökonomisch geknechtet hält, ist dieser Weg vorzuziehen. Deutschland und Japan erhielten unbedingte Unterstützung nicht trotz, sondern WEGEN ihres Faschismus, vor dem die USA zitterten und daher musste ein Weg gefunden werden, wie die Bevölkerung die Füße stillhält und nicht mehr an Nationalismus denkt. In Russland oder sonstwo sahen sie die Gefahr nicht.

Stefan sagt: "Wir sehen gerade in China, dass ein Volk ein Tauschgeschäft einzugehen bereit ist, Freiheit gegen Wohlstand, wir geben unsere liberalen Rechte ab gegen ein Versprechen auf Wohlstandsentwicklung." Da kratzt er sich am Kopf und fragt sich, warum bloß? Ja, weil man an weltweit reichhaltigen Fallbeispielen sehen kann, dass es weder zu Freiheit noch zu Wohlstand führt, sich auf die westlichen Doktrinen und den behämmerten Diskurs der liberalen Demokratie, Freiheit des Individuums usw. einzulassen. Gerät man in die Klauen des Westens, wird man ausgenommen oder es wird mittels westlicher Marktmacht dafür gesorgt, nie auf Augenhöhe mitspielen zu können im Weltkonzert der Industrien. Nur spezielle Gebiete, die zum antikommunistischen Fronteinsatz herangezüchtet werden wie etwa Westdeutschland, merken davon nichts sondern bekommen freies ökonomisches Geleit zugesichert und können ihre Bürger so mit Arbeit und Einkommen versorgen, dass die nicht mehr viel nachdenken sondern in eine Lalawelt abdriften oder auch zu seelenlosen, weltabgewandten Arbeitssklaven degenerieren. Daher also ist den Bewohnern Chinas klar: es gibt sowieso keine Freiheit. Klar, man kann eine parlamentarische Demokratie einführen wie in Indien oder Brasilien. Dann lebt halt die Hälfte des Landes an der Armutsgrenze und wühlt täglich in den Müllcontainern, bettelt oder greift zu Drogen und verfällt der Beschaffungskriminalität. Ja, das ist dann halt so, aber Hauptsache liberal und eine unabhängige Justiz, nicht wahr? In der Situation der Entrechtung und Entmenschlichung, in der sich weite Teile des indischen, brasilianischen oder sonstigen Proletariats liberaler Länder befinden, stellt sich die Frage nach bürgerlichen Freiheiten einfach nicht, was die Chinesen wahrnehmen. Also statt den Kahlschlag des eigenen Landes zugunsten westlicher Konzerne hinzunehmen, opfern wir lieber ein bisschen unsere persönliche Gestaltungsspielraum etwa in der Pandemie und gehorchen der wirkungsvollen Regierungsmacht der KP auch entgegen unserer Neigung, das Virus als normal zu akzeptieren und mit einem Schulterzucken weiterzuleben, so die rationale Schlussfolgerung.

"Nee, allein Wohlstand würde nicht reichen. Menschen brauchen auch Freiheit", so Stefans entschiedene Parole, mittels derer er zum "Kulturkampf" gegen China aufruft. Zwei Überlegungen hierzu: -Nachdem seine vulgären Bedürfnisse befriedigt wurden, sagt sich der satte Westintellektuelle, so und jetzt wollen wir auch noch die ideellen Werte aufgetischt bekommen; Merkel, bitte servier mir meine Menschenrechte, ich hab noch ein Hüngerchen nach dem üppigen Mahl der materiellen Agrar- und Industrieerzeugnisse, die hier im Westen frei wuchern. Um die runterzuspülen wäre mir noch ein edler Tropfen des Freiheitsweins ganz recht. Denn wir wollen ja nicht, dass diese allzu fleischlichen Gelüste mich noch schlapp und matt zurücklassen, jetzt brauchts wieder was, das Frische verleiht, ich will wieder frei gehen und entscheiden können, was aus mir wird. -Nun gut, wir alle sind verfressen, das ist noch nicht frevelhaft, dieser ungezügelte Appetit nach fetten Westwaren. Aber: für mich sehr anrüchig ist Stefans Beschwörung eines Kulturkampfes (NZP Salon "Ende des Endes…"), der nun explizit gegen das Modell China ausgetragen werden solle. Es solle jetzt wieder polemisch ein Streit um den richtigen politischen Weg entfacht werden, so Stefan begeistert, der sogar anklingen lässt, Wohlstandsopfer bringen zu wollen, wenn ein Politiker ihn nur mit einem Versprechen auf Freiheit für ein neues politisches Projekt entflammen ließe. Dabei dürfen wir uns aber nicht an China orientieren, fügt er nachdenklich hinzu und Wolfgang pflichtet vollauf bei: ja, genau das sei die große Gefahr. Nun ja. Nachdem China jahrhundertelang kolonisiert und Maos Revolution bekämpft wurde, schaffte man es doch, sich selbständig zu machen und eigene ökonomische Wege zu gehen, die einem Freiheit von und vor der Westhegemonie, sowie Sicherheit und Wohlstand einbrachten. Vor westlichen Kanonen, IWF-Krediten und demokratischen Ideologien ("Universalismus") ist China jetzt zum Glück relativ geschützt. Während Deutschland grade noch ein Miniwachstum auf Kosten seiner europäischen Nachbarn hinbekommt und jahrzehntelang von den USA aufgepäppelt und geopolitisch unterstützt und vom anrüchigen Stigma des Nazitums freigesprochen wurde, liefert China Jahr für Jahr Wachstum, das seine asiatischen Nachbarländer noch mitzieht. Das China, das durch den zweiten Weltkrieg und das von Deutschland unterstützte Japan zerstört und zerbombt worden war und danach keine vergleichbare Aufbauhilfe erhielt. Und jetzt, wo China trotz der heftigen Bekämpfung seiner Kultur und Ökonomie wieder aufblüht, möchte Stefan den Kampf gegen China und implizit also für die von den USA hochgehaltenen Werte beginnen. Es liegt hier das Problem der Vertauschung von Basis und Überbau, Ideen und materieller Macht vor. Das ist ja auch schon Fukuyamas grundlegender Fehler, den er im hellen Tageslicht begeht, ohne seine krude Glorifizierung der allmächtigen Ideale, die alle Länder in ihren Bann ziehen, zu bestreiten. (In abgesicherten, satten Weltgebieten kann man sich erlauben, etwas über den Durst vom Wein der Menschlichkeit zu kosten und ganz betrunken von der herrlichen Allmacht der Ideale, die noch die hintersten Weltecken überschwemmen, fabulieren und sich als Hegelinterpret aufspielen) Die USA sind eigentlich gut, auch wenn die reale Politik, die sie betreiben, grundschlecht ist und für wachsende Massen an Erdbewohnern Krieg, Vertreibung, Terror (Syrien…), ökonomische Degradation (Argentinien, Brasilien, …), Spaltung und nationale oder religiöse Ressentiments (Europa, Nahost…) bedeutet. Diesen Leuten wird nur noch die Option zur Flucht gelassen. Die wenigen, die dann durchkommen und nicht auf dem Weg verrecken, können in den USA Gärtner werden und die Hälfte ihres Lohns zurückschicken, damit ihre Familie durchkommt. Das beweist (nach dem "vorzüglichen" Denker Fukuyama) die nach wie vor bestehende Anziehungskraft der westlichen Ideale, die leider längst keine im Himmel schwebende Utopie vom liberalen Milch- und Honigland mehr sind sondern bittere materielle Wirklichkeit, die Millionen Menschen entwurzelt und ihrer Heimat und Kultur beraubt. Die Leute gehen ja dahin, wo es für sie besser ist und sie sich bessere Zukunftschancen versprechen, und daher ist ja klar, wenn die Migrationsströme nach Nordamerika und Europa zunehmen wie in den letzten 10 Jahren, dann zeigt das, wie der Westen alles richtig macht und Chinas autoritäres Modell an Traktion verliert in der Welt. Das Gegenteil ist selbstverständlich richtig aber das zu beweisen ist nicht mehr nötig. Es hat keinen Sinn, noch lange mit dem Westen zu diskutieren, diese Lektion hat China hoffentlich verinnerlicht. Es gilt, sich auf den eigenen Weg zu besinnen und ihn selbstbewusst zu vertreten. Stefans Kulturkampf, das muss man leider diagnostizieren, reiht sich in die Kette der aggressiven westlichen Vorstöße gegen China ein, bis hin zum japanischen Faschismus, das muss man so klar sagen, er redet hier einer politischen Macht das Wort, die China am liebsten erneut zerbomben und versklaven würde. Die Anbindung an die amerikanischen citoyen-Ideale, die dem verfressenen Westschlemmer Erleichterung verschaffen nach der hemmungslosen Völlerei am Tisch des Bourgeois, gibt es nun mal nicht umsonst. Sie ist nur zu haben gegen die materielle Unterstützung der mörderischen Geopolitik, die von Washington ausgeht. Daher ist Deutschland ja so reich, weil man hier zustimmt und alle Kriegshandlungen auf eigenem Territorium gegen unschuldige Drittstaaten ohne Nachfragen zulässt. Sich wie Wolfgang immer wieder auf westlichen Universalismus zu beziehen und dessen Verwirklichung in China anzumahnen, ist weltfremd. Universalismus ist grundrichtig, nur müsste man dann ehrlicherweise darauf hinweisen, dass es diese westlichen Staaten sind, die grundlegende Menschenrechte von Millionen Erdbewohnern infrage stellen und nicht gewähren wollen sondern gezielt Zivilisationsfortschritte und wirtschaftliche Souveränität abbauen, wenn es in ihre Strategie passt, was oft der Fall ist, da man sich paranoisch von Feinden umkreist sieht. Das ist die Thukydidesfalle der absteigenden Weltmacht. Man kann dann darauf beharren, immerhin verträten die Westmächte die richtigen Werte, was immanente Kritik erlaube und ihr Agieren als Heuchelei zu entlarven ermögliche, was beim "pragmatischen" russischen Ansatz unmöglich sei. Mal abgesehen von der Frage, wem diese immanente Kritik (die kein Herrschender zur Kenntnis nimmt, solange er nicht gezwungen ist und durch das liberale massenmediale Zirkusspiel noch andere Schwerpunkte setzen kann) eigentlich nützen sollte außer dem kritischen Intellektuellen, der dadurch sein Einkommen sichern kann, stimmt ja auch die Voraussetzung nicht. Die westlichen Werte sind keinen Deut besser als die chinesischen, von denen Wolfgang ironischerweise wiederum betont, sie nutzten den Marxismus nur als Lippenbekenntnis und hätten sich inhaltlich von ihm verabschiedet, die Bezugnahme auf Marx sei bloße Phrase. Aber wäre das dann nicht genau das Einfallstor für immanente Kritik und der Beweis für das Vorhandensein chinesischen Universalismus, der erlaubte, China an selbst proklamierten Maßstäben zu messen? Xi macht er es zum Vorwurf, sich bloß rhetorisch auf Marx zu beziehen, ohne die wirkliche Politik an marxistischen Kategorien auszurichten. Aber Merkel und Biden nimmt er ab, dass sie es mit ihrem rhetorischen Einsatz für Menschenrechte echt ernst meinen; der Irakkrieg und Millionen Tote sind bedauerliche Fehler, die aber in Hollywood und Popkultur aufgearbeitet werden, wodurch der „Bogen der Gerechtigkeit“ gestärkt wird. Die Doppelstandards, die westliche Politiker pragmatisch zur Einführung ihrer mörderischen Sanktionen, Wirtschaftskriege oder direkten Militärexzesse anlegen, werden von den Westintellektuellen auf ideeller Ebene wiederum verdoppelt. „Man kann dem Westen Heuchelei vorwerfen und dass er sich nicht an seine Werte hält, aber genau das ist unsere große Stärke, man kann immanent kritisieren und an eigenen, universellen Standards messen. Russland bietet eine Welt ohne Heuchelei und das ist die große Gefahr“, so deliberiert Wolfgang. Wolfgangs Doppelstandard wird eben hier deutlich. Lassen wir Russland beiseite, dessen Staatsform und Ökonomie brutalst zerstört und abgewickelt wurden, aber warum sollte die chinesische Ideologie zu keinem Universalismus führen? Der Anspruch auf universelle Entwicklung der Volksmassen ist darin verankert und Mao zielte auf die weltweite Revolution des Proletariats hin, was leider fehlschlug aber trotzdem Millionen inspirierte. In China solle es nur zynisch-vulgär um Machterhalt und Ausbau autoritärer Herrschaft gehen, hier im Westen aber stünden hehre Ideen im Vordergrund, zu denen man sich nur mal wieder mehr realpolitisch hin bequemen müsste? Eine bequemliche, opportunistische, vollkommen unmarxistische und antidialektische Haltung offenbart sich hier. Ob nun Marxismus oder Liberalismus die richtige Ideologie ist, will ich an dieser Stelle gar nicht entscheiden. Es ist aber generell so, wie Lenin schreibt, dass sich die Menschheit seit Jahrtausenden Moralgesetze gegeben hat etwa durch den Umweg der Religionen und diese nun nur noch eingehalten werden müssen, wozu Lenin die vorbereitende Phase der Volkserziehung durch den Sozialismus vorschlägt. China ist ja kein Land der Menschenfresser, das nur Leid verbreiten will. Ebenso wenig die USA (auch wenn sie objektiv dies tun…) Wir können also die Selbsterzählungen beider Seiten erst einmal aufnehmen und sie nüchtern mit der realen Politik dieser Staaten vergleichen. Dieser Vergleich mit der materiellen Basis ist das Eigentliche, nicht die im blauen Himmel schwebenden Ideale der Menschenrechte, die man so spitzfindig definiert, dass es so aussieht, als würden sie in den USA eingehalten, wobei für jeden, der sehen kann, offenkundig ist, wie das amerikanische Politikmodell gescheitert ist und nur hoffnungslose Verlierer und aggressive Frustration hinterlässt in seinen Beherrschten. Diese extreme Dialektik der inneren Repression (Einzwängung in bourgeoise Profitgenerierungsmaschinerien und Vermarktung, Verdrängung der Individuen) und äußeren Aggression (Nato-Angriffskriege, Militärnetzwerke, Drohungen, Kriegsmaterial und Militärbasen), die in der heutigen historischen Situation von den USA ausgeht, wirkt natürlich auch auf China und andere Länder zurück, die eigentlich nur danach schauen können, diese heiße Phase des niedergehenden, wild um sich schlagenden Hegemons zu überleben und eine gewisse innere Resilienz und ideologische Festigung aufzubauen, um im Extremfall die Volksmassen überhaupt für einen antiwestlichen Krieg mobilisieren zu können. Die Macht der Medienimperien ist noch stark und daher zweifelt man dort wohl zurecht, ob nicht unter den Chinesen selbst die westliche Propaganda, das Gift von Meinungsfreiheit, Pressemarkt usw. verfangen hat und sie gegen die eigene Regierung aufstachelt. Die US-amerikanischen Bürger lassen sich dagegen wohl noch recht gut ideologisch beherrschen. Trotz Friktionen im Gefolge der Trumpwahl wäre wohl zumindest im Falle eines Krieges gegen einen äußeren Feind die Mehrheit der US-Amerikaner solidarisch mit dem eigenen Regime und bereit, zu den Waffen zu greifen, um für das Gute zu kämpfen. Das ist das Paradoxe: gerade in Zeiten der Medienkrise und Existenzsorgen und Zusammenballung der Monopole gewinnen diese an Zugkraft und ideologischer Macht. Gerade der schrille Trump und die Dialektik des gegenseitigen Vorwerfens von Fake News zwischen Trump und Medienmonopolen festigt letztlich die Einheitsfront und das Gefühl der Richtigkeit, in undurchsichtigen Zeiten auf die konsensuale Linie der kapitalistischen Medienkonzerne einzuschwenken oder wie Wolfgang zu sagen beliebt, der "deliberativen Demokratie".


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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