Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#145 Kein Benz

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145 Kein Benz

Ja, liebe Leute, diese Folge ist auch irgendwie speziell, wie genau, kann ich im Moment nicht sagen. Jedenfalls überkam mich nach Veröffentlichung der vorherigen Folge 144 dieser Gedanke, dass ich meine Kämpfe wohl immer in der Öffentlichkeit austragen möchte, das Sprechen hier hat doch eine ganz eigene Kraft, diese Podcastbiografie bin ich, wie ich wirklich bin… allerdings möchte ich mir immer einen »historischen Abstand« verschaffen, indem ich die Folgen erst einige Monate nach Aufnahme publiziere. Diesen Vorgang nenne ich Selbstbewusstwerdung durch zeitlichen Abstand, dadurch, dass sich meine Kämpfe schon längst weiterverlagert und aktuell an ganz anderen Themengebieten stattfinden, die mir nun viel drängender und dringlicher vorkommen mögen als diejenigen, die im vor Monaten aufgenommenen Podcast besprochen wurden. Ich erwähnte dieses Gefühl, dass das, was mich bei Aufnahme vielleicht noch als zu gewagt, riskant, übermütig gestört hätte an meinen Äußerungen oder Vorlesungen, mir im Nachgang dann doch wie kalter Kaffee vorkommt, erstmals in den Shownotes unter Folge 92, wenn mich nicht alles täuscht, diese recht nüchterne Folge, an der lediglich der Titel herausstach — »Die Pimmeltheorie«. Schon damals machte ich mir also das Gesetz der inneren Trägheit zunütze, welches besagt, dass einem immer nur das als aktuell und akut vorkommt, was man vor Augen hat, was der alltäglich gelebten Situation entspricht oder aus ihr entfließt.

Doch trotzdem ist die Publikation nach dieser Abkühlung der stolzen Gefühle, die ich ja rechtmäßig als Ausbrüter und Mutter meiner Gedanken und Worte empfinde, keineswegs nutzlos und ein vernachlässigbares Moment meiner Podcastarbeit. Denn erst durch sie bringe ich mich in die Welt, mache mich zugänglich für euch; so zugänglich, als stände ich vor euch und spräche beredt und mit dem vollsten Selbstgewissen über die Dinge meines Herzens. Durch das Internet lebe ich den Traum, den ich mir im Alltag meist versagte und versage durch mein kühles Naturell, welches stets zum langsamen Vortasten und darauffolgenden Zurückscheuen neigt. Natürlich ist der physische Alltag weiterhin wichtig und es stimmt nicht ganz, was ich oben schrieb, dass das Podcastselbst mein wahres sei… ja, man sollte sich pflegen, um sich selbst kümmern, auf eigene Bedürfnisse hören und die Gesundheit berücksichtigen, die eigenen Neigungen und Tendenzen wohlwollend einkalkulierend, und dieser physische Alltag ist ja auch die Grundlage meines Geisteslebens. Aber vor allem die sozialen Beziehungen zu Freunden und Liebhabern verschaffen einem ja einen enormen Mehrwert des im Internet-Slang »real life« genannten wirklichen, historischen, plastischen Lebens da draußen, aber auch im eigenen Körper und der eigenen Psyche, außerhalb der Welt des Netzes der Computer und Handys, die sich über HTTP verbinden (andererseits, wie kann man je außerhalb davon sein? Alles je Geschriebene und in den Weltkanon der Literatur Eingegangene ist in jedem Moment Teil von mir selbst, insofern dessen Nachwirkungen in mir durch die Einwirkungen meiner Erzieher weiterhin stattfinden…)

Ich will aber eigentlich der wirkliche Mensch hier im Podcast sein, weil ich nicht der wirkliche im Alltag sein will, um mich freier und unbelasteter zu fühlen. Denn der wirkliche Bürger ist ja Vorsteher seines Vermögens, seiner Arbeitskraft und Disziplin, seiner Teilhabe am bürgerlichen Programm der Demokratie, die angeblich so frei ist, was zwar in gewissem Sinne stimmt, aber nur, weil die Individuen gelernt haben, nichts anderes mehr zu begehren, als den liberalen Eintopf und den heiligen Dreiklang von Marktwirtschaft, Menschenrechten und Monatslohn. Weil wir eben von klein auf so aufgezogen und konditioniert fühlen, könnten wir ja gar nichts anderes mehr anstreben, als dieses Deutschland als das beste aller Zeiten anzusehen, wie es bürgerliche Politiker gern betiteln und also genauso treu ergeben gegen unsere Unterdrücker (bzw. systemtheoretisch korrekt: die Mechanismen und Systeme, die unsere Unterdrückung organisieren) zu sein, wie die Immigranten, die aus krisengebeutelten Ländern hierherkommen, verständlicherweise zum Großteil auch sind. Aber die Deutschen sind schon ein spezieller Fall, ein so belämmertes und schafsköpfiges Volk wird man auf dem ganzen Erdball kaum wiederfinden; auch Idiotie kann einzigartig und unverwechselbar machen. Und heute kann ich euch offenbaren, dass dieses andere Thema, zu dem mein Geist mittlerweile weitergeschwelgt ist, die Liebe ist. Die Liebe, ich wusste es schon mit etwa fünfzehn Jahren, sie und ich waren einfach füreinander geschaffen. Damals verliebte ich mich in die Liebe. Und heute will ich ja aber nicht wie der von Robert Pfaller beschriebene romantische Dichter sein, der das trübsinnige Bedauern des Tragischen dem realen Liebesglück mit der Geliebten vorzieht. Auch wenn man schlicht aus eigener Erfahrung und Anschauung weiß, dass der Zustand dieses unglücklichen Liebens nicht gerade unproduktiv in geistiger Hinsicht ist. Trotzdem muss man real lieben, schon allein um sich der Gefahr der Enttäuschung und Desillusionierung auszusetzen, ohne deren scharfe Klinge die Liebe ja auch nicht vollständig ist.

Nun denn, lassen wir das, in solchen Nebengefechten sollte ich mich nicht verfangen. Ich will einfach hier real sein, im Internet, weil mir da draußen diese bürgerliche Welt, in der man höflich sein und den citoyen spielen muss, so gar nicht mit meiner rohen Innerlichkeit zusammenzupassen scheint; daher also bin ich vorsichtig, was denn überhaupt erlaubt sei zu sagen in alltäglichen Unterhaltungen. Ich will überhaupt nicht sagen, dass ich dann deshalb beim Sprechen allein vor dem Mikrofon für den Tdd-Podcast eben deswegen ins andere Extrem der übermäßigen Sprechlust und Kühnheit bis hin zur Aufgeblasenheit hineinflüchte. Nein, das wäre falsch, denn hier bin ich, wie ich wirklich bin, wie gesagt. Da gibt es gar keinen Zweifel. Denn man überlege mal nur: Worte und Taten im Alltag sind vergänglich, sie verschwimmen mit der Zeit in der Erinnerung. Dieser Text und diese Audio-Bytes bleiben aber stehen; vermutlich so lange wie die menschliche Zivilisation selbst, was nicht sehr viel heißen muss in diesen Tagen. Mein Wohl und Wehe ist mit den Serverschränken von podigee, von wo aus meine Produkte weitergereicht werden, aufs Intimste verbunden. Also ist es doch viel pragmatischer, hierin meinen wahren Kern, meine innerste Heimlichkeit und Schatztruhe der Seelenschmuckstücke zu sehen. — Daher nehmt also dieses Produkt an als warmherzige Gabe eines wilden und sprunghaften Geistesarbeiters, der sich doch einfach nur mal verwirklichen will, ohne noch lang zu fackeln. Dies ist meine Fackel.

Kommunismus für Erwachsene

Gelesen ab S.120 (wo ich letztes Mal aufhörte) In Anbetracht gesellschaftlicher Herrschaft, müsste sich zumindest unter Linken (…)

S.123: »Der voluntaristische Versuch einer Dispensierung von Macht entbindet noch nicht vom Zusammenhang, der ja ein gesellschaftlicher, also einer von Macht ist. Man kann hundertmal gegen Herrschaft wettern, es hilft nichts: gerade in der Klage darüber, dass man beherrscht wird, also der nachdrücklichen Affirmation seiner Position der Ohn-Macht, perpetuiert man die Herrschaft über sich, indem man die unmächtige gesellschaftliche Stellung auch noch im innersten der eigenen Seele reproduziert.«

Akt = In die Augen schauen soziale Beziehungen der bürgerlichen Herrschaft entreißen

Aufbegehren gegen unser Dasein als eingenormte Individuen, in das was unser Hiersein heute ist.

»Macron« Anfang Schwarzwald Die Westeuropäer sind ja ganz zufrieden mit ihren Regierungen. Besser gesagt, die Westmenschen, diejenigen, die dem Edlen Westen angehören, der spiegelbildlichen Reflexion des Edlen Wilden, den unsere kolonialisierenden Vorfahren zu sehen meinten.

Große Regierungschefs drehen ihr eigenes Rad. Medienfachleute entkoppeln die apathische Bevölkerung vom wirklichen Geschehen der politischen Ebene, welche lediglich die Funktion hat, den räuberisch akkumulierten ökonomischen Reichtum zu verwalten und in den Händen derjenigen zu belassen, die von den Großtaten ihrer Vorfahren profitieren.

Macron und Scholz kommen auf einer geheimen Konferenz im Schwarzwald zusammen. Sie müssen besprechen, wie es in der Ukraine weitergeht. Nach dem desolaten Ende der Coronaherrschaft, die das Zerbröseln der bisherigen Medienmacht ankündigte, müssen sie auf ein neues Pferd setzen, das die massenhafte Bespaßung der arbeitenden Bevölkerung bewerkstelligt. Macron ist ganz Feuer und Flamme. Er brilliert rhetorisch, während er beim Abendessen Olaf von den neuesten Plänen des ukrainischen Präsidenten berichtet, der allerlei Befestigungen und Bunker im Donbass hatte errichten lassen und nun nur noch ein paar Sprengfallen verlegen wollte. „Genial, Olaf, wenn dieses Minennetz erstmal völlig ausgelegt ist, werden die Russen kein Durchkommen mehr haben- falls sie sich überhaupt trauen, anzugreifen, diese Weicheier.“ „Emmanuel, bitte rede nicht so bellizistisch. Das ist nicht gut fürs Image. Du weißt nie, was für ein Mikrofon mitlaufen könnte.“ „Olaf, wir haben das Hotel für uns allein gemietet und den Ort abgeriegelt, was genau ist deine Sorge…“ „Das Personal… man darf niemandem vertrauen, jetzt weniger denn je. Verdammt, ich habe 25 Jahre gewartet, um endlich in diese Machtposition zu kommen, die wird mir jetzt keiner mehr nehmen.“ „Willst du dich so oft wiederwählen lassen wie Putin? Oder Merkel? Junge, das hältst du nicht durch. Glaub mir, die französische Konstitution ist in diesem Punkt exzellent, auch, um einen vor dem eigenen Ehrgeiz zu schützen. Die Welt läuft doch auch ohne uns weiter…“ „Stimmt. Aber zurück zum Donbass. Dieser Selenski hatte doch jetzt jahrelang Zeit, seine Befestigungen aufzubauen. Was genau ist das Problem? Die Operation Höhle des Bären läuft doch schon an! Die Briten sind auf Hochtouren dabei, durch Gerüchte und Infiltrationen eine russische Invasion zu provozieren. Was treiben diese faulen Ukrainer seit 8 Jahren? Wir haben denen doch von Anfang an klargemacht: Donezk ist verloren, aber weiter nach Westen dürfen die Russen keinen Millimeter kommen. Hier müssen wir einen Abnutzungskampf führen, in dem wir die Russen aufreiben und endgültig schwächen. Dann reiten wir gemeinsam nach Moskau, schaffen das, was Franzosen und Deutsche einzeln nicht erreichen konnten…“ „Oh lala, mon chere Olaf, jetzt gehst du mir etwas zu weit, das muss ich dir ganz klar sagen. Napoleon und Hitler, das ist keine gute Kombination. Also der Plan, ja , an dem gilt es festzuhalten: Russland schwächen, Putin stürzen, möglichst viele russische Verluste an Truppen, Material und Wirtschaftskraft provozieren. Aber doch nicht selbst mit unseren Armeen nach Moskau reiten! Diesen Weg haben wir doch schon vor Jahrzehnten aufgegeben. Was glaubst du, war es etwa ein Fehler, dass Schröder und Chirac nicht mit in den Irak gezogen sind? Nein! Denn wir können unsere Macht über den Globus viel effektiver mithilfe unserer potenten Konzerne und Kontrolle der Finanzströme ausüben und so unwillige Regierungen unter Druck setzen. Dazu noch Militär einsetzen wäre Verschwendung! Es bringt uns nichts, im Irak zu stehen!“ „Was war dann 2011 mit Lybien?“
„Details. Partikulare Konzerninteressen und die Sicherung der Nachschubwege für die französische Industrie haben das erforderlich gemacht. Lass die Amis nur machen sag ich dir. Wir verausgaben uns nicht. Und wenn der Yankee sich mal übernimmt, sind wir zur stelle um Beute zu machen und Profite rauszuschlagen.“ „Nun ja. Dann weiß ich aber nicht, was wir bei dieser Mission Bärenhöhle zu gewinnen haben.“ „Olaf, sieh das ganze entspannt. Vielleicht nichts, vielleicht etwas. Lass die Russen und Ukrainer sich aufreuiben. Das ist fürs Weltganze, für die Ökonomie nur gut. Die Gaspreise sind schon am Steigen seit Herbst, das ist, weil alle Spekulanten wohl ihre Geheimkanäle in die Verteidigungsministerien und Geheimdienste haben und von der geplanten Eskalation an der Ostfront Wind bekommen haben. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir unser Framing noch gut durch die Medien und in die Hirne der Bevälkerung bugsiert bekommen. Denn wer soll uns noch glauben, bei einem Krieg, von dem Spekulanten schon Monate vorher wussten? Wir müssen Putin jetzt wirklich zum Durchdrehen kriegen. Er muss einmarschieren, koste es, was es wolle!“ „Aber wie können wir ihn weiter unter Druck setzen? Ich war ja schon letztens dort und habe meinen PCR-Test verweigert. Weil ich den Russen nicht traue, die vergiften alles und jagen ihre Dissidenten quer durch Europa wie diesen, wer war das noch?“ „Das war auch nur ein false flag von unseren Diensten, aber ja, Olaf, ich verstehe. Da müssen wir ansetzen. Putin demütigen. Wir sollten verkünden, die Russen könnten heute nichtmal mehr guten Wodka machen. Sie sind völlig degeneriert. Irgendsowas müssen wir lancieren.“ „Das gefällt mir“ schmunzelte Scholz angeregt und nippte von seinem Glas Rotwein. „Aber warte, ist das nicht ein bisschen rassistisch?“ „Rassistisch, nationalistisch, das ist Putin. Wir hier haben eine deliberative Demokratie, mein Lieber. Deshalb sitzen wir ja hier und bedenken alle Optionen und nehmen die Interessen des Volkes mit in unsere Planspiele auf. Das ist die liberale Demokratie at its best.“ „Stimmt.“ ächzte Scholz erleichtert. „Du, mir wird das alles aber ein bisschen zu hoch. Der Wein ist mir in den Kopf gestiegen. Ich muss mich kurz hinlegen, glaube ich.“ „Ja, tu das, die gewichtigen Dinge besprechen wir morgen. Wir müssen unsere G7-Konferenz vorbereiten. Die Japsen mit ins Boot holen. Alle einschwören: es geht gegen den Russen. Der ist anders als wir. Wir werden unseren Wohlstand, unseren Zugang zu den Ressourcen der Welt gegen Russland sichern und sie von den Lustquellen abschneiden.“ „Hervorragend!“ lallte Scholz, als er durch die Tür hinaus torkelte, den Arm zum nachlässigen Gruß hebend und die besorgten Blicke der Hotelpagen auf sich ziehend. „Lasst ihn gehen!“, bellte Macron. »Er ist der Herr Europas, der Beherrscher der stärksten ökonomischen Macht und er weiß wohl selbst, wann er über den Durst trinken will und wann nicht. Zurück auf die Posten, ihr Lakaien. Haltet an den Fenstern ausschau! Wir öknnten bereits umzingelt sein“, nuschelte Macron, im gleichen Moment jedoch wurde er sich der Absurdität seiner Phrasen klar. Er hatte auch zu viel getrunken. Langsam griff er in sein Jackett und beförderte seine Geheimwaffe zutage. Eine Kapsel reines MDMA. Das würde ihn heute nafcht fliegen lassen. Es gab viel zu tun. Mit Selenski, seinem Zechkumpan, der unter Opium- und Kokainbergen mit ihm die Nächte durchgemacht hatte als sie den groben Plan zur Umgehung der Nato und G7 ausbaldowerten, würde er jetzt einen Videocall aufsetzen. Die ersten zwei Stündchen ginge es ums Koksen und um Nutten, aber dann würden sie schon zur Sache kommen und das neue Russland zerlegen.

Macron blickt durch. Mit Selenski durchzecht er die Nacht und plant die nächsten provokativen Offensiven im Donbass, die den russischen Bären dann hoffentlich aus seiner Höhle locken.
Aber was sein Herz wirklich zu begeistern vermag, sind nur geostrategische, ökonomische, massenpsychologische Analysen. Er weiß, dass die Vernunft nicht durchzusetzen ist in einem System der trägen Demokratie, das von den Kapitalmagnaten per Zeitungsabo und Fernbedienungsknopfdruck gelenkt wird. Also versucht er, das wenige, was durchsetzbar ist, an den massenpsychologischen Barrieren gegen die Logik des gemeinnützigen Wirtschaftens vorbeizuschleusen. Er will, dass es den Arbeitern besser geht. Ebenso wie er 2015 sah, dass Griechenland massive Investitionsprogramme, Schuldenschnitte und neue makroökonomische Rahmenwerke für den Austausch mit seinen Nachbarn brauchte. Diese Forderungen Varoufakis waren innerhalb der massiven reaktionären Front in der Eurozone nicht durchsetzbar, wie er klug einsah.

So spricht er mit seinem Berater Valliuoin, der ihm rät, auf Konfrontationskurs zu Deutschland und den USA zu gehen und sein Heil im Bündnis mit China zu suchen. »China ist stabil. Die Kapitalbesitzer haben sich mit der kommunistischen Herrschaft arrangiert und wissen die Stabilität zu schätzen. Wenn wir mit China kooperieren, stehen uns blühende Chancen offen… und das alles unter Ausschluss von Deutschland und Nordamerika. Denen werden wir den chinesischen Markt wegschnappen und Zollverträge mit China unterzeichnen. Dann soll Deutschland mal schön auf Knien angekrochen kommen, dass wir überhaupt noch den europäischen Binnenmarkt beliefern. Oh, nein, die Aussichten sind rosig, wenden wir uns nach Osten, sehr viel weiter weg als nach Deutschland.« »Hmm«, knurrt Macron nachdenklich. Er schaut lustlos auf seinen Schreibtisch und kaut auf einer Seite seines Kiefers herum. »Aber das krieg ich nicht durchgedrückt gegen die reaktionären Massen hierzulande. Die verlangen von mir, dass ich sie immer härter rannehme, ihnen links und rechts die Sozialleistungen wegkürze und alles auf deutsches Niveau zusammenstreiche. Ich muss liefern, verstehst du? Wir müssen Frankreich runterwirtschaften, so weit, bis wir beim deutschen Niveau ankommen und noch weiter runter«. »Dann müssen wir denen das Bündnis mit China eben als Ausbund der Rigidität und teutonsichen Orndungsliebe verkaufen. Schüren wir antideutsches Ressentiment, dann ist jedem klar: wir brauchen als Frankreich andere, verlässlichere Partner! Dann wird man den chinesischen Panda mit offenen Armen willkommen heißen. Wir bräuchten Austauschprogramme, nicht nur für Studenten, vor allem für die Arbeiter, ja auch für uns Politiker und in den Führungsebenen der Konzerne…«

Die Chinesen verkörpern heutzutage die Urtugenden der Deutschen, die sich mittlerweile zu Gaunern und tölpelhaften Taugenichtsen gewandelt haben.
An diese Unterredung mit seinem treuen Berater denkt Macron gegen vier Uhr morgens, als er erschöpft von Selenskis Witzen und Slapstickeinlagen aus seinen Komikertagen, welche dieser Mal um Mal wiederholte und sich köstlich zu amüsieren schien in seiner Rolle, sich kaum erinnernd, dass seit 8 Jahren ein Bürgerkrieg tobte in seinem Land und Macron mit ihm gewichtige Dinge besprechen wollte, wozu es aber nicht gekommen war, wie er nun resigniert einsieht, als er seine Hotelsuite betritt. Egal. Er mag Selenski irgendwie und wird dieser Sach aufmerksam folgen. Er würde die Dinge im Blick behalten, zum Besten der Ukraine und vor allem zum Besten des Westens.

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— Stalin

Dieser Tage jährte sich der Todestag von Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, Kampfname Stalin, zum 70. Mal. Der Stalinismus ist die marxistische Wissenschaft von der Überwindung der bürgerlichen Klassenherrschaft und dem Aufbau sozialistischer Produktionsverhältnisse. Als heutige Kommunisten stellt uns die Historie vor die Aufgabe, das Material der Vergangenheit zu sichten und Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Dabei müssen wir Stalins Verdienste würdigen und dei Errungenschaften der proletarischen Arbeitermassen unter seiner Regierungszeit offenlegen. In ein fetischisierendes Stalin-Verständnis dürfen wir allerdings auch nicht abgleiten und sollten ihn nicht zum Übermenschen erhöhen.

Stalin war einfach ein Produkt seiner Epoche und trug den ingrimmigen Hass auf die sozialen Verhältnisse im zaristischen Russland in sich. Zum Glück konnte er diesen in produktive Arbeit für die russische Arbeiterpartei der Bolschewiki verwandeln. Er verdiente sich seine Sporen in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts durch Agitation, Gewerkschaftsarbeit und Terroranschläge auf Bahnlinien oder Fabriken, die auch den Zweck hatten, auf Lenins Geheiß die Parteikassen der Bolschewiki zu füllen um eine aufklärerische Parteiarbeit zur Stärkung des Klassenbewusstseins der Arbeiter zu leisten. Hierbei hätte Stalin auch sterben können und wäre nur ein weiterer kampfentschlossener aber glückloser Revolutionär gewesen, denen das Schicksal keine andere Waffe in die Hand gab als ihre marxistische Lernwilligkeit und die Determination, die unrechte Herrschaft des Kapitals zu überwinden. Stalin anzuerkennen, heißt auch, die Tausenden von glücklosen Revolutionären anzuerkennen, die bei ihren Unterfangen anhand der Übermacht der bürgerlichen, feudalen oder kolonialistischen Regime und ihrer Militär- und Geheimdienstapparate scheiterten. Heute haben wir einen erfreulich hohen Stand der produktiven Kräfte in Deutschland und können uns unter rrecht komfortablen Bedingungen an die Abschaffung des kapitalistischen Regimes machen. Doch das war nicht zu allen Zeiten so und an vielen Orten sind diese Produktivkräfte noch heute sehr schwach entwickelt. Was bleibt einem da, um ein würdiges Leben für sich und seine Familie zu sichern? Die sozialistische Revolution ist zumindest ein Hoffnugnsfunke am Horizont, in den man seinen Glauben udn seien Überzeugungen setzen kann. Der ausgezehrte Arbeiter hat zurecht die Schnauze voll und richtet seinen Hass gegen die ihn umgebende Gesellschaft. Leider kann es dabei unter gewissen historischen Bedingungen nciht ganz gewaltfrei zugehen. Doch der Kampf für besseres Leben ist hier und heute schon das bessere Leben und ist definitiv dem Duckmäusertum und der undialektischen Affirmation des Bestehenden vorzuziehen. HIerzu kann uns Stalins Vorbild anleiten. Dass zu seiner Regierungszeit auch massive Terrorwellen und Geheimdienstoperationen durchgeführt wurden, ist bedauerlich, doch erklärbar aus den historischen Vorbedingungen unter denen die damaligen Revolutionäre operierten. Den Kommunismus im Ganzen zu bejahen bedeutet jedoch, die bürgerlichen Horrorvorstellungen über die Herrschaft des Sozialismus abzuschütteln und rundum zurückzuweisen. Denn der reale Horror des sich täglich reproduzierenden Kapitalismus, der seinen eisrnen Profitwillen auf dem gesamten Globus durchsetzt, sollte uns geläufig sein. Vor diesem Horror gilt es, nicht zurückzuschrecken und sich nicht paralysieren zu lassen, da es dann leider auch keine Hoffnung auf Verbesserung mehr gibt, wenn niemand sich traut, anzupacken. Aber so schwer muss es ja gar nicht werden. Die heutige bürgerliche Welt ist so begriffs- und planlos, dass ein Wachrütteln und Aufstacheln der proletarischen Massen gegen den Kapitalismus mit jedem Tag wahrscheinlicher und erfolgversprechender wird. Stalin ist der Glücks- und Ausnahmefall eines erfolgreichen und seinem Projekt treuen Revolutionärs, der auch dann noch nicht abließ von den Zielen seiner bolschewistischen Bewegung, als die Weltumstände sehr widrig schienen, die hochentwickelten bürgerlichen Staaten die Sowjetunion blockierten, sanktionierten und den Bürgerkrieg anfachten.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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