#166 Schweigende Begegnung zweier Berggipfel
166
Der Spalt zwischen Materialität und Idealität
Schweigende Begegnung zweier Berggipfel
Zitat Robert Musil:
»Die geheimnisvollen Kräfte in ihnen stießen aufeinander. Es läßt sich das nur mit dem Streichen der Passatwinde vergleichen, dem Golfstrom, den vulkanischen Zitterwellen der Erdrinde; Kräfte, ungeheuer denen des Menschen überlegen, den Sternen verwandt, setzten sich in Bewegung, vom einen zum anderen, über die Grenzen der Stunde und des Tags hinaus; unermeßliche Ströme. Es ist in solchen Augenblicken ganz gleichgültig, was gesprochen wird.«
Hierher kopiere ich euch wertem lesendem Volk nochmal meine Geschichte »Die Formel«, bei der ich heute wiedereinstieg an der Stelle über die »marxistischen Kreise«. Das abschließende Kapitel von Musil las ich nur halb vor, nämlich dessen hintere Hälfte, was ihr im Text auch markiert findet.
Die Formel
{Den Anfang habe ich mal rausgekürzt, ihr findet ihn unter Folge 154}
…
Somit bleibt zum Ende dieses beschreibenden Modellierungsversuches nur, darauf hinzuweisen, dass jene angedeutete Formel, welche die Umwandlung von Fleisch in Geist wiederzugeben und korrekt vorherzusagen verstände, der entscheidende Fortschritt der menschlichen Wissenschaft im 21. Jahrhundert sein wird; jene Formel, die aus mathematischen Symbolen und unverständlichen Zeichen und Strichen geschaffen sein wird, wird die Kraft haben, die menschlichen Empfindungsströme und das Pulsieren des jungen Blutes endlich korrekt in die Bahn der Rationalität zu zwingen, sodass kein Spalt mehr zurückbleibt zwischen Materialität und Idealität.
Diese Funktion also würde getriggert, sobald auch nur ein Körnchen Material durch die Raster des ideellen Siebemechanismus gefallen wäre. Das wäre das Zeichen, dass nun wirklich die innerlichen, seelischen Gefilde erreicht sind. Dadurch wäre klar und bewiesen, was auch immer nötig sein sollte zu beweisen, damit die individuelle Seele der einen Hälfte der vollen Liebeseinheit sich vollkommen klar und überzeugt werden könnte, die ihr entsprechende andere Hälfte zu lieben, sich im vollen Bewusstsein der gegenseitigen Fürbestimmung an sie zu schmiegen und sich einzuketten an den Stellen, die vom großen Stellwerksgott dafür vorgesehen wurden.
Der Verlauf der Zeit, dargestellt auf der x-Achse, würde in einem wissenschaftlichen Diagramm die abhängige Variable darstellen für die Erfassung der Intensität der Liebes- und Lebensgefühle, jener ideellen Entsprechung zu den materiellen Vitalwerten, die beim Arzt festgestellt werden, und deren Ausschlag im Diagramm auf der y-Achse eingetragen würde. Die Variablennamen x und y können das frei assoziierende Hirn freilich zur Bedenkung der menschlichen Genome und ihrer Chromosomen führen, worin ebenfalls die Signifikanten y und x eincodiert sind, zumindest in der jargonhaften fachsimpelnden Schreibweise der biologischen Fachbücher, an deren rationalen Gehalt dieser Text nicht im Geringsten heranzureichen beansprucht oder gar zusichert.
XY-Chromosom oder XX-Chromosom-Kombination entscheiden über unser Geschlecht, zumindest über das biologische, unter Absehung all der theoretischen Kämpfe, die sich derzeit durch die Kultur und Politik ziehen, um die Rangordnung und Herrschaft der Geschlechterkategorien, worin das soziale Geschlecht über das biologische herrschen soll, ganz wie in urtümlichen patriarchischen Zeiten der Mann über die Frau — aber lassen wir diese polemischen Debatten, die sind nicht mein Revier und ich überlasse sie denjenigen, die sich dazu berufen fühlen, mögen sie sich mit dem einen, dem anderen Geschlecht oder auch gar keinem oder multiplen Identitäten verbunden und verschwistert fühlen, mir sind sie allesamt gleich und ich ziehe meine marxistischen Kreise.
———————————ab hier gelesen———————————-
Ja, reden wir Tacheles: der Mensch lebt nicht von Luft allein, auch nicht von Liebe. Was er hingegen braucht, ist Materialität.
Nur wo ein Schluck Wasser, Tee oder Kaffee durch die Kehle rinnt, lässt der Durst nach und dringt frisches Lebenselexier in die unheimlich wichtigen menschlichen Zellen, die die Grundeinheiten und sozusagen kleinsten Atome des menschlichen Körpers sind.
Nur wenn man was essen kann, entgeht man dem Hunger, im extremsten Falle dem Hungertod.
Doch in den meisten Lebenssituationen fällt einem diese Abhängigkeit vom Material ja nicht mal auf, so frei und reichhaltig verfügbar sind alle möglichen Artefakte, die unsere Bedürfnisse, unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen können.
Sie füllen die Leere unserer Seelen im entfremdeten kapitalistischen Lebensweg. Aber wenn man sich überhaupt doch mal gewahr werden könnte, was ein Konsum ist, was die Wohltaten dieser oder jener Speise, dieser Behausung, Bedachung, warmen Ofens oder der sanitären Toiletteneinrichtung sind, dann ja wohl in der Liebe, in jenem sagenumwobenen Moment, in dem die menschliche Seele mit allerlei irrealen Vorstellungen und Herzenswünschen nach dem Fortgang der Dinge, nach der mystischen Vereinigung mit der geliebten anderen beschäftigt ist.
Hier mag man sich vorstellen, die bewunderte Person, der man vielleicht bisher die eigenen romantischen Gefühle noch nicht adäquat mitteilen konnte, auf einen Spaziergang mitzunehmen, um ihr auf einem Hügel mit Ausblick auf die satten Landschaften unterhalb die eigenen Gefühle und das unvermeidliche Schlottern und Schlittern in Anbetracht ihrer Schönheit und Präsenz mitzuteilen.
Oder eben einen Ausflug ins Kaffeehaus zu machen, woran die »Kaffeehausszene« anschließt.
Mit diesen Betrachtungen glaubt der Verfasser, zu einem gütlichen Ende der polemischen Streitfragen gelangt zu sein, die dieser Schrift unterliegen, sie gleichsam von innen heraus transformieren und die schwarz auf weiß gedruckten Buchstaben von innen her, unter der Papieroberfläche, angreifen und korrodieren.
Im Kaffeehaus also wird der Kaffee erst richtig geschätzt, ebenso wie der Gehweg erst richtig anerkannt, gewürdigt wird auf dem Nachhauseweg, auf dem die beiden Liebenden anschließend gemeinsam in eins der beiden Zuhause gehen könnten, ebenso wie die Bettdecke und das Bettgestell erst hier richtig geschätzt und erfahren würden, in einer Nacht, in der es beiden so vorkäme, als hinge ihr gesamtes weiteres Schicksal davon ab, dass sie nun möglichst schnell und unverzüglich diese versteckten materiellen Wohltaten des jeweils anderen erkundeten, mit Händen seine Körperstellen umschlangen und sich so gegenseitig dem Spiel der Offenheit und Durchlässigkeit aussetzten.
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Zum Abschluss das gesamte Kapitel mit dem bereits zitierten Auszug aus Robert Musils »Mann ohne Eigenschaften«, Kapitel 45, »Schweigende Begegnung zweier Berggipfel«
https://www.projekt-gutenberg.org/musil/mannohne/chap045.html
Schweigende Begegnung zweier Berggipfel
Als die Sitzung zu Ende war, hatte Dr. Arnheim unauffällig so manövriert, daß er als letzter zurückblieb, die Anregung dazu war von Diotima ausgegangen; Sektionschef Tuzzi hielt eine Respektsfrist ein, um sicher nicht vor dem Ende der Sitzung in sein Haus zurückzukehren. In diesen Minuten zwischen dem Weggang der Gäste und der Festigung der zurückbleibenden Lage, während des Wegs von einem Zimmer ins andre, der von kleinen, in die Quere laufenden Anordnungen, Überlegungen und der Unruhe unterbrochen wurde, die ein davonziehendes großes Ereignis hinter sich läßt, war Arnheim lächelnd Diotima mit den Blicken gefolgt. Diotima fühlte, daß ihre Wohnung sich in zitternder Bewegung befand; alle Dinge, die wegen des Ereignisses ihren Platz hatten verlassen müssen, kehrten nun nacheinander zurück, es war, wie wenn eine große Welle aus unzähligen kleinen Grübchen und Gräben wieder über den Sand abrinnt. Und während Arnheim in vornehmem Schweigen wartete, bis sie und diese Bewegung um sie wieder zur Ruhe gekommen seien, erinnerte sich Diotima, daß, so viel Menschen auch schon bei ihr verkehrt hatten, noch nie ein Mann mit ihr so häuslich allein gewesen war, daß man das stumme Leben der leeren Wohnung spürte, außer Sektionschef Tuzzi. Und plötzlich wurde ihre Keuschheit durch eine ganz ungewohnte Vorstellung verwirrt; ihre leer gewordene Wohnung, in der auch ihr Mann fehlte, kam ihr wie eine Hose vor, in die Arnheim hineingefahren war. Es gibt solche Augenblicke, sie können wie Ausgeburten der Nacht dem keuschesten Menschen widerfahren, und der wunderbare Traum einer Liebe, wo Seele und Leib ganz eins sind, erstrahlte in Diotima.
Arnheim ahnte nichts davon. Seine Hose stellte eine einwandfreie senkrechte Linie auf das spiegelnde Parkett, sein Cut, seine Binde, sein ruhig lächelnder vornehmer Kopf redeten nicht, so vollkommen waren sie. Er hatte eigentlich den Plan gehabt, Diotima Vorwürfe wegen des Zwischenfalls bei seinem Kommen zu machen und Vorsorge für die Zukunft zu treffen; aber es gab in diesem Augenblick etwas, das diesen Mann, der mit amerikanischen Geldmagnaten als seinesgleichen verkehrte und von Kaisern und Königen empfangen worden war, diesen Nabob, der jede Frau mit Platin aufwiegen konnte, statt dessen gebannt auf Diotima starren ließ, die in Wahrheit Ermelinda oder gar nur Hermine Tuzzi hieß und bloß die Frau eines hohen Beamten war. Für dieses Etwas muß hier wieder einmal das Wort Seele gebraucht werden. Es ist das ein Wort, das schon des öfteren, aber nicht gerade in den klarsten Beziehungen aufgetreten ist. Zum Beispiel als das, was der heutigen Zeit verlorengegangen ist oder sich nicht mit der Zivilisation vereinen läßt; als das, was in Widerstreit mit körperlichen Trieben und ehelichen Gewohnheiten steht; als das, was von einem Mörder nicht nur unwillig erregt wurde; als das, was durch die Parallelaktion befreit werden sollte; als religiöse Betrachtung und contemplatio in caligine divina beim Grafen Leinsdorf; als Liebe zu Gleichnissen bei vielen Menschen, und so fort. Von allen Eigentümlichkeiten dieses Wortes Seele ist aber die merkwürdigste, daß junge Menschen es nicht aussprechen können, ohne zu lachen. Selbst Diotima und Arnheim scheuten sich, es ohne Verbindung zu gebrauchen; denn eine große, edle, feige, kühne, niedrige Seele zu haben, das läßt sich noch behaupten, aber schlechtweg zu sagen, meine Seele, das bringt man nicht über sich. Es ist ein ausgeprägtes Wort für ältere Leute, und das ist nur so zu verstehen, daß man annimmt, es müsse sich im Laufe des Lebens irgend etwas immer fühlbarer machen, für das man dringend einen Namen braucht, ohne ihn zu finden, bis man schließlich den ursprünglich verschmähten dafür widerstrebend in Gebrauch nimmt.
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Wie soll man es also beschreiben? Man kann stehn oder gehn, wie man will, das Wesentliche ist nicht, was man vor sich hat, sieht, hört, will, angreift, bewältigt. Es liegt als Horizont, als Halbkreis voraus; aber die Enden dieses Halbkreises verbindet eine Sehne, und die Ebene dieser Sehne geht mitten durch die Welt hindurch. Vorn sehen das Gesicht und die Hände aus ihr heraus, laufen die Empfindungen und Bestrebungen vor ihr her, und niemand bezweifelt: was man da tut, ist immer vernünftig oder wenigstens leidenschaftlich; das heißt, die Verhältnisse außen verlangen in einer Weise unsere Handlungen, die jedermann begreiflich ist, oder wenn wir, von Leidenschaft befangen, Unbegreifliches tun, so hat schließlich auch das seine Weise und Art. Aber so vollständig dabei alles verständlich und in sich geschlossen erscheint, wird es doch von einem dunklen Gefühl begleitet, daß es bloß etwas Halbes sei. Es fehlt etwas am Gleichgewicht, und der Mensch dringt vor, um nicht zu wanken, wie es ein Seilläufer tut. Und da er durchs Leben dringt und Gelebtes hinter sich läßt, bilden das noch zu Lebende und das Gelebte eine Wand, und sein Weg gleicht schließlich dem eines Wurms im Holz, der sich beliebig winden, ja auch zurückwenden kann, aber immer den leeren Raum hinter sich läßt. Und an diesem entsetzlichen Gefühl eines blinden, abgeschnittenen Raums hinter allem Ausgefüllten, an dieser Hälfte, die immer noch fehlt, wenn auch alles schon ein Ganzes ist, bemerkt man schließlich das, was man die Seele nennt.
Man denkt, ahnt, fühlt sie natürlich allezeit hinzu; in den verschiedensten Arten von Ersätzen und je nach Temperament. In der Jugend als ein deutliches Gefühl der Unsicherheit bei allem, was man tut, ob es wohl auch das rechte sei. Im Alter als Staunen darüber, wie wenig man von dem getan hat, was man eigentlich vorhatte. Dazwischen als Trost, daß man ein verfluchter, tüchtiger, braver Kerl sei, wenn auch nicht alles im einzelnen zu rechtfertigen ist, was man tut; oder daß ja auch die Welt nicht so sei, wie sie sollte, so daß am Ende alles, was man verfehlt hat, noch einen gerechten Ausgleich darstellt; und schließlich denken manche Leute sogar über alles hinaus an einen Gott, der das ihnen fehlende Stück in der Tasche trägt. Eine besondere Stellung nimmt dabei nur die Liebe ein; in diesem Ausnahmefall wächst nämlich die zweite Hälfte zu. Der geliebte Mensch scheint dort zu stehen, wo sonst stets etwas fehlt. Die Seelen vereinigen sich sozusagen dos à dos und machen sich dabei überflüssig. Weshalb die meisten Menschen nach dem Vorübergehen der einen großen Jugendliebe das Fehlen der Seele nicht mehr empfinden, und diese sogenannte Torheit eine dankbare soziale Aufgabe erfüllt.
Weder Diotima noch Arnheim hatten geliebt. Von Diotima weiß man es, aber auch der große Finanzmann besaß eine in erweitertem Sinn keusche Seele. Er hatte immer Angst gehabt, daß die Gefühle, die er in Frauen erregte, nicht ihm, sondern seinem Geld gelten könnten, und lebte deshalb nur mit Frauen, denen auch er nicht Gefühle, sondern Geld gab. Er hatte niemals einen Freund besessen, weil er sich fürchtete, mißbraucht zu werden, sondern nur Geschäftsfreunde, auch wenn der geschäftliche Austausch ein geistiger war. So war er durchtrieben von Lebenserfahrung, doch unberührt und in der Gefahr des Alleinbleibens, als ihm Diotima begegnete, die das Schicksal für ihn bestimmt hatte. Die geheimnisvollen Kräfte in ihnen stießen aufeinander. Es läßt sich das nur mit dem Streichen der Passatwinde vergleichen, dem Golfstrom, den vulkanischen Zitterwellen der Erdrinde; Kräfte, ungeheuer denen des Menschen überlegen, den Sternen verwandt, setzten sich in Bewegung, vom einen zum anderen, über die Grenzen der Stunde und des Tags hinaus; unermeßliche Ströme. Es ist in solchen Augenblicken ganz gleichgültig, was gesprochen wird. Aus der senkrechten Bügelfalte empor, schien Arnheims Leib in der Gotteseinsamkeit der Bergriesen dazustehn; durch die Welle des Tals mit ihm vereint, stand auf der anderen Seite einsamkeitsüberglänzt Diotima, in ihrem Kleid der damaligen Mode, das an den Oberarmen kleine Puffen bildete, über dem Magen den Busen in eine kunstvoll gefaltete Weite auflöste und unter der Kniekehle sich wieder an die Wade legte. Die Glasschnüre der Türbehänge spiegelten wie Weiher, die Lanzen und Pfeile an den Wänden zitterten ihre gefiederte und tödliche Leidenschaft aus, und die gelben Calman-Lévy-Bände auf den Tischen schwiegen wie Zitronenhaine. Wir übergehen mit Ehrfurcht, was anfangs gesprochen wurde.
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Dear Lili, my exuberant, charming wild flower,
You seemed most agitated on Monday, after the publication of #159, where I wrote in the show notes about making you my girlfriend, introducing you to my parents… (Of course I was aiming at this when writing the text, I wanted it to make you feel like I was putting my arms around you)
And this is a vital sign, that after all, the social dimension is what is most important in love. That the others might see us holding hands is the highest value which also determines and distorts our own feelings and behaviors.
As mentioned at the very end of my German poem below of which I published the first part under #162, this feels unfair and makes me reluctant to engage in a love relationship. Because everyone else sees love as this high value and now we have to live up to this expectation.
The poem talks about Zoryana and you, that I feel very glad you two are here. However, I just wish you two could also come to approach me, so I don’t have to feel this uncomfortable sting, this uncertainty as to when you are going to far as a man and harassing a woman. Because this is the downside from all this bourgeois feminist talk in the superstructure, as mentioned last time, this variety of feminism only supports the rule of capitalism, enslaving both men and women and effectively worsening all of our lives through this constant fear of committing a judiciary step over the line.
Therefore I prefer to let loose here in the podcast, tell you everything there is in me, every movement of desire and any thought, but am reluctant to approach you in the real physical setting. Also you using this judiciary question as a threat, Liliya, was not very kind, although as I said it might have been a cultural misunderstanding.
What I’m pointing at is the nuances and shades of our emotional perception which are changed and put into some rather dark, gloomy tones by means of the hegemonic discourse about sex offenses, crimes, rapes and abuse of power at the work place or this question of groupies having sex at a concert with the singers that came up the last couple of month here in Germany concerning the band Rammstein, which is particularly popular in Ukraine, as my room mates told me.
All this has to be investigated, but as in many of these cases, it’s only about scandalization and not about protecting women and enabling them to act offensively, blocking off any approach or flirt they see as inappropriate and to report it to the company supervisors or even the police in case of violence. None of these problems disappear and the constant talking about the crime side of sex only makes us all hesitant and frightened to think about being confronted ourselves with it. As a consequence, the whole topic of sex and love gets an ambivalent connotation of something dirty and evil, just like in the Christian middle age.
(Concerning this topic I wrote a short note as a preparation for the podcast that could fit in here:
Frauen werden vom bürgerlichen Feminismus verweichlicht und verzärtelt ständig präsenten ohrenbetäubenden Diskurs über Vergewaltigung und sexuelle Belästigung. Das eigentliche Befreiungspotential wird von den feministischen Lakainnen des Kapitals und der Monopoldiktatur zur Unterjochung von uns Proletariern einfach verspielt, brach liegen gelassen und es kommt eine asketische hegemoniale Diskursstruktur auf, die Frauen ähnlich zum 18. Jahrhundert wieder als moralisch reine, generell unschuldige, der bösen Übertritte und Fehlgriffe wie sie die Männer ausüben gar nicht fähige Wesen darstellt und sie dadurch degradiert, halbiert, zu einem verschlechterten Menschen macht, der neben dem Mann immer kleiner sein wird, da es gerade das Böse ist, was Größe verleiht.
Übergriffe, Gewalt, Vergewaltigung sollte selbstverständlich angezeigt werden und Frauen müssen hierzu weiter ermuntert werden, oft steht dem wohl ein falsches Liebesverständnis im Weg. Aber Verbrechen geschehen und müssen ja auch nicht die Beziehung beenden, nur sollte der Große Andere das mitbekommen und eine polizeiliche Anzeige macht Sinn. Aber dieses übertrieben Moralische, dieser Duktus mit dem Zeigefinger und der vorgehalteenen Hand, die Männer zu den unbesserlichen Rüpeln erklärt… führt auf der anderen Seite wieder dazu, dass Frauen die Schuld zugeschoben wird.
Therefore, role patterns must be changed; if women stay in the luring position, the question of these sex offenses will always be a sword of Damokles over our heads and it simply isn’t adequate to use the difference of power as an erotic stimulus, but it might be the traditional pattern that also and primarily women feel comfortable with and see the male superiority as an enticing setting for love, wanting to give in with female power of the second order, gaining some power over the men in erotic situations.
Somehow, these last episodes relieved me, starting with the number 161, which was above average, they showed that I have a lot more to give. And maybe need to give all this slowly, maybe I wasn’t even ready for love when sensing it would be time for it two months ago after the finalization of the first cycle of the TSY episodes.
Because with you, Liliya, everything is so natural when talking and it would relax me a lot to do this again next week. However, when thinking about love, everything feels very tough, tenacious and viscous (zäh).
On one hand because of the social dimension, all our colleagues but worse, my parents and relatives watching us… and on the other hand the question of what to do, of course we could make a walk here and I’d show you some of my favourite places but this also seems like a big endeavour to organize.
And then, there is the sphere of the societal symbolization of sex where all these dirty questions about crime, about bourgeois life and family founding and so on interfere. Also the question of fidelity and loyalty, monoamory or polyamory.
When having sex for the first time, on one hand it felt like a relief but on the other also like now being entrapped by this society and its sluggish frameworks of normalcy.
Somehow it feels hurtful to know that this specific act of penetration is this one thing that is understood as sex and everyone is so crazy about it, yearning for it, at least the media is full of it because of course it catches peoples attention to display a vulgar desire, but those recipients then maybe feel like they had enough by only hearing about other people’s obscene pleasures and don’t want to try this materially in their own lives. This is the argument that Robert Pfaller makes to illustrate that we are nowadays an ascetic society contrary to what it might appear through the abundance in gadgets and luxury goods that are at our disposal. We shy away from hedonism and rather find self-assurance in the feeling of being able to resist, not give in to this swinish swamp of desire and lust that the other ones, our colleagues and neighbors, might enjoy.
This then leads me to the topic of the »incels«, an abbreviation shaped more than twenty years ago by a university researcher for her online project. It stands for »involuntary celibate«. Today the term has developped to unite a large fraction of an internet subculture populated mainly by males. But I find the original term very interesting and fit for scientific investigation. In both genders we see this tendency to live alone, to not have a partner, therefore living like a catholic priest in celibate. But how is it possible to determine whether this is voluntarily or involuntarily? It isn’t because the free will is a fiction, necessary at times but inside the hegemonic framework of liberalism it only serves the purpose of blocking off any alternative to the vile capitalist rule. We all are free to decide over our lives, so there is nothing more to organize on the political level, this is the liberal doctrine.
But of course, humans are not programmed this way to plan their lives individually and it’s rather simple to see how the ideology of liberalism is a dangerous failure from the beginning, it might not even be worth the time of debunking it but rather invest that time into the fight against fascism, which always will be born anew out of the hideous lap of liberalism.
So maybe I am an exception and in my case it is voluntarily that I prefer to be stuck in this phase of celibate right now. But for the vast mass of the people who don’t have such a fulfilling work like I do in writing and podcasting, thinking about you, Winter, my muse, this celibate will always be somehow forced in an ugly way, maybe rationalized and explained by the individuals to themselves through the above mentioned mechanisms of internal psychological rewards for fasting and asceticism.
But of course I would have liked to begin a relationship with you any time, Winter, just now with all this theorizing I’m realizing how good it is also in a way to take it very slowly, because these intimate contacts like in sex or the simple joy of social contact on a splendid summer day walking in the forest with you and laying down somewhere to kiss and play the game of mutual transparancy and openness (as I formulated at the end of my short story »Die Formel« — »The formula«) — these contacts somehow move our inner beings in a very profound way that can only be compared to the shifting of the tectonic plates causing earth quakes, the trade winds (Passatwinde) stroking over the oceans, the majesty of the mountain ranges staring at each other, standing opposite like you and me this one time when talking about our vacations and I felt you were a mountain, your head was the peak and your eyes some beautiful, breath-taking glaciers shortly below the top. There I sensed truly that we belonged together and this valley between us somehow should be passed, we ought to find a way to lean over to the other side and unite our plateaus, our mountain ridges into a new, more majestic union of this singular phenomenon of nature that we are.
The snow and icy cap on your top made me full of desire, let my foundations shudder, shaking my inner geoligical nucleus, filling me with warmth so all the snow and ice on my shoulders and back would vanish, melt and flow down into the valley, flooding the green meadows with unseen amounts of water, creating a deep river between us so I can feel we are connected more directly, now a boat could cross from you to me; but what I really would want of course would be to tremble in a enormous earth quake so that all my rocks and stones, the riffs and summits crumble down, so that we can mix our substances, mingle together and fall into each other.
In the love letter written in December at the same time like this short story, I compared the same situation to us being two trees connecting somehow with their roots and delivering food supplies and water through their secret tunnel.
No matter which one, but somehow metaphores from nature seem adequate for love and some beautiful examples for it can be seen in the quoted chapter from Robert Musil’s »Mann ohne Eigenschaften« which I read this time. The two love birds are shivering, frozen by the mightiness of their sudden and shocking collision.
Here below I leave you the second part of this German poem which I didn’t read until now in the podcast, I might one day, but first I will finish up the other erotic text begun in #160 about the summer heat where I write a lot about Zoryana for the simple fact that she sits closer to me and my eyes cannot escape her figure.
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To you, Zoryana, I want to find some words, because I hope you don’t feel molested by my erotic poems. I like you and like that you are sitting there, giving me a good feeling of being grounded and connected, working synchronously with my co-workers. And then there is your shining youth and feminine radiance, which is hard to look over. But this is something beautiful and I don’t want to be that neurotic as in the other German text read in #160 where the lyrical self was wishing for a different place to sit in order to not be confronted with your naked skin. Yet these ambivalent consequences of seeing someone attractive have to be described in great detail in my literature work I feel, because this burning question mark, how to resolve all this and how to handle this great, consmuing desire that at times seems more relevant than anything else in our lives, this natural human uncertainty and helplessness in those erotic concerns pave the way for religion and other reactionary ideologies like fascism to gain control over our minds, because we feel we can push aside that dirty sexual desire once we surrender to the stupid rules and systems of belief of those institutions.
But this shouldn’t happen, sex is something beautiful after all and hopefully the sexual pleasure can be rescued from the ascetic tendencies of the time we are living in.
So you put me in front of the most challenging question. Because I only want to be loyal to Liliya and this would feel a lot easier if you weren’t there or were not that beautiful and eye-catching.
But I also want to see you and value you, not pushing away this erotic sizzling. I don’t know what this sizzling means, just that there is a question and all this talking about the flesh, about idealism and materialism, it has to do with this question why we feel so enchanted by one singular person and how the uniqueness of this bond can be ensured and defended against the intrusions of the erotic blizzards and thunderstorms that can be experienced when seeing someone attractive on the streets or at work.
My point is that I don’t have the solution to this, I only know that there is a question that is worthy of being explored and that I like being confronted with you and this difficult task of keeping the balance between you two girls and only loving Liliya, but also looking at you and not feeling ashamed for the joy you infuse me through all your being, not only your outer appearance of course.
Back in November when you first arrived and I started to have a few conversations with you, I annotated in my diary that for some reason I felt so much bliss only for the fact of talking to you for maybe five minutes and that this somehow showed me how all of my theories and thinking was correct because at least it gave me the self-confidence of being able to direct myself towards your desk and starting to talk. How is this possible that one conversation changes you whole mood and the feeling of this day? I don’t have the answer, just know that it’s nice to talk to you — in the bourgeois society we always are taught to think of the highest value, the return on investment, and maybe therefore, because we alle somehow need to imitate the class position of the capitalist although our actual position is in the working class, being a means of production ready to be exploited by the capitalist, maybe for this reason our minds always wander off into thinking about sex and how nice it would be with this person. And it would be nice, without a doubt, but this thinking then also inhibites one, at least me and makes me anxious and reluctant of even going back to see you, which is a pity.
It’s all about the practical possibilities and maybe one shouldn’t have to many relationships and I was also getting caught up in my theory through this English episodes talking about polyamory and having lots of sex when in reality at this precise moment, I might not even feel inclined to engage in one relationship, or if, then of course this should be with Liliya.
But in this liberal society where we tend to mistrust each other and be jealous or resentful of the other one’s achievements, I only tell you that I made this poem also for you, so you can enjoy it, learn some German or think about your own desires and plans in love. In this moment I do not have any romantic intentions towards you and just would feel so blissed seeing you holding someone’s hand and beginning a love relationship with because then maybe my podcast at least helped someone else find love, while it seems impossible or at least tenacious for myself.
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The first part of this poem ended with these lines:
Du darfst alles tun, Lilliya
Wenn ichs ermöglichen kann
Dann sorge ich für dich,
Finanziell und sonstig
Damit du wieder studieren kannst oder etwas anderes tun
Dich deiner Kunst widmen
Ich will nur, dass du frei bist, aufflatterst, wie ein junges Vögelchen
Das noch so viel vor sich hat
Und in den erblühenden Morgen voll Sonne auffliegt
——
Now here is the second part:
Aber Zoryana ist anders als wir
Du, Zoryana, bist eine Arbeiterin durch und durch
Nie würdest du ablassen von deiner Position
Deinem Platz in der Arbeitswelt, mir gegenüber.
Im Büro
Von wo aus du die ganze Welt umfasst
Und mit deinen zwingenden Gedanken jedes Programmierproblem
In die Knie zwingst
Doch leider zwingst du auch mich in die Knie
Es wäre natürlich leichter, wärst du nicht so schön
So jung und natürlich weiblich
Natürlich dürft ihr Weiber sein, wie ihr wollt
Liliya hielt ich nur vor, sie spiele die Weiblichkeit etwas zu sehr
Aber entschuldige, verzeih meine Lilie, meine violette Rose,
Du darfst doch alles tun und sein, was du magst
Aber ich wollte dir nur meinen Eindruck schildern,
Du gibst dich gern recht weiblich
Aber das brauchts doch gar nicht
Könnte man die Weiblichkeit abstreifen
Zoryana ist die Weiblichkeit, ohne es zu versuchen
Nicht dass die eine besser wäre als die andere!
Oh je
Nein, ich muss mich präzise mitteilen.
Dein Körper, Zoryana, ist sehr einprägsam, er springt einen gleich an.
Vor allem als heterosexuellen Mann
Deine Haut schimmert mattweiß
Deine Haare ebenschwarz
Deine Züge sind fein, doch gerade und zielstrebig
Was mir Angst machst
Auch du hast sicher Angst
Bist ja jung und an fremdem Ort
Aber mehr Angst habe ich
Was bedeutet dieser Schimmer deiner unaustilgbaren Schönheit?
Deine Etroviszion … ich muss neue Worte erfinden
Um dich zu beschreiben
Also egal, was es bedeutet,
Ich würde nur gern wieder mit euch beiden reden
So unendlich gelöst und frei, einheitlich, vereint in der sozialen Blase
In der Kapsel, die uns aus dem Büro trägt und an einen magischen Ort
Wo wir plaudern, spaßen und scherzen
Ohne Kollegen — ich will euch ganz für mich!
Ohne Sorgen, ohne Arbeit
Oh Zoryana, oh Liliya, könnte man so für immer leben
Wie dies eine Mal, als wir über den Urlaub sprachen?
Dies war die schönste Unterredung mit euch
Und ich liebe euch beide so sehr dafür
Mir diese wenigen Minuten geschenkt zu haben
Wie der Hahn im Korb fühlte ich mich
Wie der einzige Mann, eine Perle, die ihr euch gern umlegt.
Damit sie euch schmücke
Und ich würde alles für euch tun
Ihr dürft alles mit mir anstellen
Was euch beliebt
Nehmt mich mit in euer Zuhause, in die weite Ukraine
Die so schön ist, sein muss, wenn sie so schöne Töchter gebiert
Die ukrainische Nation ist groß und unsterblich
Mag der Krieg enden, wie er will
Nie wird das Feuer in euch verlöschen
Das euch an den Heimatboden erinnert,
Eure Familien und Kindheitserinnerungen
Ich liebe euch für eure Liebe, die ihr eurem Land schenkt
Und die ich in euren Augen sah damals, bei der Kriegsdiskussion
Ich weiß doch gar nichts über die Welt
Freilich kann ich das Wenige, was ich ahne oder mir zurechtlege
Mit euch teilen, wenn euch danach verlangt
Aber erwartet nicht, ich könne alles erklären
Nur dass ihr schön seid und klug und beredt, wortgewandt und voll Esprit
Voll Entzücken und Geist und… aber liebe Mädchen
Das wisst ihr doch selbst
Schaut so viele Männer an, wie ihr wollt
Die Welt gehört euch, ihr seid reif, zu erobern und zu besitzen
Wonach euch gelüstet
Hier in Deutschland oder sonstwo
In der Liebe oder bei der Arbeit.
Im Wohnen oder im bürgerlichen Leben
Überall werdet ihr reüssieren
Aber wenn ihr doch nur noch eine Verwendung für mich fändet
Und ein wenig Zeit, um wieder zurückzukehren in die Kapsel
Dann würde ich das am Liebsten tun
Und euch alles versprechen, was nur möglich ist,
Menschenmöglich oder auch mehr
Denn für euch gibt es keine Grenzen, nichts Unvorstellbares
Ihr seid meine Grenzscheiden, umgrenzt mich und gebt mir Rätsel auf
Und ich möchte nur das, dass ihr mit mir spielt
Mich neckt oder auch ärgert oder mir zürnt
Jedenfalls mich beherrscht
Durch Ingrimm, Überdruss oder Genervtheit
Oder auch Liebe
Alles nehme ich entgegen
Nur bitte seht mich, öffnet eure Augen
Ja, im Grunde würde ich gern ewig so weiterlieben
Ganz ideell, nur mit Podcasts und Gedichten
Euch anzusprechen ist mir zu heiß
Zu verfänglich
Wo führt das noch hin?
Ich habe solche Angst, vor Sex und davor,
Meinen Mann stehen zu müssen
Aber nicht beim Sex ist das am schlimmsten
Sondern im Bereich des Sozialen
Wo mich die anderen, die Eltern und sonstigen Bürger sehen
Und sehen, dass ich Erfolg hatte, eine Freundin am Arm trage
Das ist so unfair
Ich weiß nicht mal, was ich damit genau meine.
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