Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#162 Materialität und Idealität

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162 Bescheiden Frida Kahlo Bild
The two Fridas

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Two_Fridas

1:17:45 Deutsch

Die Formel-weitere Lesung

Meine dieses Mal vorgelesene Kurzgeschichte »Die Formel« findet ihr komplett unter Folge 154 "Excuse me", die ihr einfach im Archiv aufstöbern könnt.

Dear Lili,
Today is normally the last day you come to the office - I'm afraid of having to spend another weekend in this desperate mood, but somehow am reluctant to act, because maybe this is the romantic feeling: you think that you have to hold on to the darkness, negativity and wastefulness in order to foster the holy love bond. I noticed this tendency also in my ex girlfriend and in myself of course. Perhaps you feel the same way. But think of what I wrote two episodes ago in no 160: that we also could be an example for our colleagues and if we returned to conversing lively then this would be a source of joy for them or even educate them. Therefore we could talk about this docker problem mentioned also in this text and see if we can solve it - if you haven't already. But it appears hard for me to accept going into this material direction again, confronted with you and your irresistible being… easier is the idealist love I'm living now, although it might be a tad coward.
But with you, with imagining anything about you, about a material connection and touch between you and me, everything feels very light and self-evident. But what am I even writing about, the material touch, but it happens only in my head, yet is so intense already that this ideal love blocks all my body and makes me feel unwilling to actually direct myself to you and come by your desk. But you can also come by, although I must warn you that my heart would really beat wildly and get very accelerated then and I don't know what could happen…
Because you are so ideal like a goddess, like this goddess Diana I talked and read about last time in this poem by French poet Rimbaud. You are my divine protector the way Diana used to be in the ancient age for women and hunters. Furthermore, she was the goddess of the moon. Sometimes you also seemed to remind me of the moon. You watch over me on a clear summer night, are rising majestically to the firmament and illuminating my way, guiding me on my path. I don't even know where I'm going, I stumble on, blinded by your noble radiance.

"I get wild on you, baby" sings Lana del Rey in this beautiful song (https://www.youtube.com/watch?v=4XlJhgPvNgw ) and it strikes me as fitting to my own wildness in some of these texts and speeches, provoked by your mighty ray of gloriousness like from the moon shining on my head.


For you, my Ukrainian flowers, Liliya and Zoryana, I composed this German poem - it was not read out yet, I leave it here so you have a motivation to learn German. Hopefully you don’t feel incommodated by the vulgar allusions in it, I like to be bursting and exuberant in my podcast utterances. But the intention of the poem is clear: sex is such a luring temptation, the thought of it paralyzes and inhibts you from even talking. (This is where religion get in and exploits our psychic tendencies and drive dynamics in order to transform our anxiety and insecurity about how to handle these intimate topics and devouring urges of the body into the religious devotion and obedience.)
But while sex is a comfortable material experience, nothing could be as great as talking to you two and feeling like the »rooster in the basket«.

  1. Juni

Vielleicht hatte man früher gedacht
Der Dichter sollte nichts preisgeben
Von seinem Intimleben
Und alles nur transformieren in der Dichtung
Alles nur sublimiert hinausgeben
Aber weit gefehlt.
Da komme ich und definiere die Maßstäbe neu
Diese beiden ukrainischen Blümchen also,
Die ich bei der Arbeit traf
Die stehen so blühend im Felde
Dass sie für mich die ganze Welt sind
Keine Frage, kein Problem
Nie wieder möchte ich andere ansehen
Denn ihr, meine Beiden, seid so wundervoll
So jung und glänzend, intelligent und scherzend
Und wenn nur eure Aufmerksamkeit
Auch auf mir zu ruhen käme
Nicht der Einzige für euch zu sein beanspruche ich
Wohl aber einer
Bitte hab Nachsicht mit mir
Ich weiß, ich muss mich bessern
In so vielen Dingen
Und werde oft deinen Zorn und Groll erregen

Sowohl Zoryana als auch Liliya
Ihr Beiden seid mir willkommen
Und eure Scheiden
Aber bei weitem nicht nur die, nicht die am meisten!
Das muss ich klarstellen, graderücken!
Viel lieber und angenehmer als an Sex zu denken
Ist mir die Vorstellung der heimeligen Gespräche mit euch
Da war das eine Mal über den Krieg
Das andere Mal über euren Schweiz-Urlaub
Und das waren die hauptsächlichen beiden Male
An denen wir alle zusammen zu dritt angeregt plauschten
Viel mehr habe ich mit dir geredet, allein, unter uns, Liliya
Und die anderen Mitarbeiter hörten zu, auch Zoryana
Ich glaubte, etwas an ihr zu bemerken: sie schien
Wahrzunehmen, wie sich die Liebesassoziationen anstauten
In mir, in dir, vielleicht in dem ganzen Raum und Gebäude
Jedenfalls bist du mir am liebsten, Liliya, keine Frage,
Weil das Reden mit dir so nah, so natürlich, vortrefflich ist
Und ich nichts mehr brauche im Leben als deine lächelnden Lippen sehen
Und deinen Mund verfolgen, der sich bewegt, auf und abgeht,
Zur Seite sich langzieht und… deine Worte preisgibt
Ich danke dir so sehr für alles, was du mir schenktest

Aber da ist auch noch Zoryana
Und vor ihr habe ich mehr Angst
Sollte mal ein Funke der Missgunst, des Misstrauens
Aus ihren Augen auf mich fallen
Erzitterte ich
Denn sie ist so beredt und tadellos akkurat bei der Arbeit, Gibt nie nach, geht jedem Problem auf den Grund
Stellt sich in den bedingungslosen Dienst der Firma
Was ich bewundere und kaum glauben kann
Wie stark, produktiv und entschlossen man sein kann
Wir sind nicht so, du und ich, meine schönste Liliya
Wir Beiden sind eher träge
Und geben uns hin, den Anwandlungen
Verfluchen die Arbeit, den Chef, die Kunden
Und das ist ja in Ordnung, ist normal
Zumal als Arbeiter, die im Kapitalismus eingesperrt sind
Deshalb liebe ich dich so sehr
Weil diese Isomorphie zwischen uns besteht
Du als Mathematikern
Wirst doch wissen, was das heißt
Kannst etwas anfangen mit diesem Begriff
Du darfst alles tun, Liliya
Wenn ichs ermöglichen kann
Dann sorge ich für dich,
Finanziell und sonstig
Damit du wieder studieren kannst oder etwas anderes tun
Dich deiner Kunst widmen
Ich will nur, dass du frei bist, aufflatterst, wie ein junges Vögelchen
Das noch so viel vor sich hat
Und in den erblühenden Morgen voll Sonne auffliegt


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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