#17 Bewusst denken
Bewusst-leben-Podcast Folge 78 mit Leonie Bremer
Marlon Grohn: Kommunismus für Erwachsene
Grohn analysiert messerscharf, warum wir immer ein Bild der Welt als Ganze anstreben sollten und uns nicht in einem fragmentarischen, zusammenhanglosen Bewusstsein verzetteln dürfen, das sich heute unter Linken pandemieartig ausbreitet. Das Motto des fragmentierten Bewusstseins lautet: jedem das seine, jede Lebenswelt hat ihre eigene Wahrheit. So kann man es sich gemütlich einrichten im fragmentierten Weltbild, das jede Form von Herrschaft kategorisch verdammt, also auch die sozialistische. Dass eine Revolution das Autoritärste ist, was es gibt, diese Einsicht von Friedrich Engels wird vom antiautoritären Linken ignoriert. Der Antiautoritäre wünscht sich eine Revolution völlig ohne Gewalt, die über Nacht zu organisieren ist, und am nächsten Morgen jegliche Spuren von Herrschaft aus der Gesellschaft getilgt hat. Am liebsten wäre es den Antiautoritären wohl, diese Revolution direkt beim Kanzleramt zu bestellen und ganz coronakonform daheim auf ihre pünktliche Lieferung zu warten. Auch bei der Beurteilung der historischen Versuche des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft verliert sich der unbewusst und fragmentiert Denkende in Fabeleien, wie die Geschichte hätte anders ablaufen können und verurteilt einzelne Akteure, z.B. Stalin, für ihre Untaten, statt zu begreifen, dass sie sich in einem größeren Rahmen namens Weltgeschichte bewegten. Die Durchsetzung des Kommunismus muss man als Ganzes denken und kann nicht einzelne Teile davon verneinen. Einzelne Aspekte von Stalins Politik waren schädlich, doch durch das ganzheitliche Bewusstsein können wir erkennen, dass er trotzdem auf der richtigen Seite der Geschichte stand. Stalin und Hitler waren die damaligen Ausdrucksformen von Vernunft und Barbarei. Weder damals noch heute ist es eine akzeptable Haltung, sich an den Wegesrand zu stellen und auf das perfekte, herrschaftsfreie System zu warten. Marx und Engels wollten genau diesen Sowjetsozialismus und waren sich bewusst, dass der Weg zum Kommunismus lang und blutig werden würde, er aber trotzdem gewagt werden musste.
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