#171 One Look for One Book?
171
Ukulele Song - Jackal and the Wind
https://www.youtube.com/watch?v=AMcro2deMGA
1:15:43 Der Deutsche Denker meldet sich gehorsam in der Muttersprache zu Wort (aber nur kurz, um meinem Versprechen treu zu bleiben)
1:34:58 Deutsch — jetzt doch
Eva Illouz — Why love hurts
Chapter 3: Commitment phobia and the New Architecture of Romantic Choice Subchapter 2: Masculinity and the Demise of Commitment
(Tagebuch 5. Dezember)
Wenn ich doch die Tatsache vor mir liegen habe, heute ein annehmliches fünfminütiges Gespräch mit der ukrainischen 19-Jährigen namens Zoryana, die Praktikantin bei uns ist, geführt zu haben und dass mir meine Theorien und Prosastücke (oder auch Poesie, wenn man sie so nennen will, doch ich benenne den Gipfel nicht) dabei geholfen haben, was brauche ich dann noch den Ruhm der Welt?
Einfach arbeiten, an meinen Stücken, ja (Macron als Theaterlustspiel) aber auch in der Firma. Das proletarische Hand-in-Hand ist doch das wahrhafte, das ich nicht missen wollte als vereinsamter Schreiber in meiner Stube. Nur dort, im Zusammenspiel und dem Gefühl, Teil eines wertvollen produktiven Ablaufs zu sein, findet man zu sich und seiner Position in der Welt. Darum werden alle Dichter verrückt. Sie schreiben für sich, schaffen allein, werkeln sich ab und hassen sich für die vergebliche Mühen und das kümmerliche Resultat.
Die Anerkennung des potentiellen Sexpartners - aber nicht im vulgären Akt, sondern im sozialen Umgang, im wahren Akt des intermenschlichen, des grenzüberschreitenden Lustspiels der Augen, die sich bewegen, wild springen, die Rede unterstützen und doch wieder zurück zu mir, auf mich, in meine tief liegenden Augenhöhlen, die so manches gesehen und geblickt haben. So war die schöne Zoryana heute. Ich verliebte mich nicht in sie, muss aber zugestehen, …
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Es ist doch leichter, nur zu sehen
Und zu sehnen
Sich geistig hinüberzubeugen
Und zu transformieren
Sich nach dir, geliebte Kellnerin
Zu sehnen
Aber dich sprechen, dich gar verführen?
Also da fehlt mir der Mumm
Warum?
Ganz schlicht und bündig:
Ich bin eisig, kein echter Mann
Da müsste ich ja noch drüber nachdenken
Dich zu berühren
Und was machte das mit mir
Jedenfalls was Warmes
Nichts Eisiges
Da sänke ich ein ins Erdreich
Oh, Frau, deine femininen Formen
Oder welche auch immer es sein mögen
Androgyne oder schlaksige
Breite oder geduckte
Jedenfalls sehne ich mich nach der Union
Mit dir,
Der Wärme deiner Haut
Die mich Einsinken lässt
Ins Erdreich
Richtung Erdkern
Zu diesem vulgären Kern
Der Erde
Der Speicher der Nährstoffe
Die Quelle der Lüste
Die unversiegbare Kornkammer des Aneinanderwachsens
Ist man zu zweit, kann man immer weiter wachsen
Da ist nichts mehr offen
Keine individuelle Frage
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Hier nun noch einmal in Gänze jener Text, der vom Seestern handelt, welcher verstreut über die Episoden 160, 167 und 170 vorgelesen wurde, mitsamt der heute erwähnten »Einleitung«:
(Wir können dies den »Erwachsenentext #2« titulieren)
weißt du was? so wie dath schrieb, er hätte sich nur mal einen runterholen sollen auf sonja (»Die salzweißen Augen«), so sollte ich statt dieser neurotischen psychologischen erwägungen, die sich in diesem nva ("neues von der arbeit") dokument verstetigt haben, einfach mal gedichte schreiben, rimbaud nacheifern.
also. das ist dann nämlich das heilsame masturbieren und ejakulieren, abspritzen oder wie sagt man noch, um auch die weibliche form zu inkludieren? orgasmieren, verschmieren der scheidenvorhofbereiche durch das austreten des lusttropfens, des auf dem weiblichen höhepunkt versprühten glibbrigen goldes?
weißt du, es ist logisch: dass du dich durch diese gedichte bereit machst für echten sex. wie lang da die zeitschiene ist, über die wir sprechen, müssen wir an dieser stelle hintanstellen. denn das kann nur entschieden werden anhand der güte und persistenz dessen, was du da aus deinem poetischen gemüt hochziehst an die oberfläche. und das soll bitte einiges sein, läuten wir den poetischen sommer ein, jawoll und schmuggeln wir einfach hintenrum noch die wahre textarbeit an der prosa rein. aber poesie, das ist flegelhaft, das ist reden über die scheiden und ihre sich prachtvoll darbietende öffnung der zwei seiten - mein gott, komm zur sache:
also zoryana, deine beine sehe ich eben beim arbeiten, ich kann nicht drüber hinweg blicken, da hab ich keine wahl, bin also unschuldig, es ist nur die typische menschliche zeugungskraft und sexuallust, die in mir erwacht und mich beherrscht, sobald ich deiner gewahr werde und deine körperformen, deine eiserne haltung und den schneidigen gesichtsausdruck wieder einmal wahrnehme. oh weh. ich wünschte doch auch, ich säße woanders; der chef oder der sitzplan oder die gezeiten und weltenläufte jedenfalls haben mich an diesen ort, diese stelle gespült, wo ich nun damit konfrontiert bin, dir im büro gegenüber zu sitzen. das lässt sich nicht mehr ändern. ich könnte natürlich nachfragen beim chef, ob ich mich umsetzen dürfe - aber wie feige wäre das, vor den schönen leibern und nackten frauenbeinen zu fliehen - wir haben juni, alles schwitzt und will raus, will sich nakct inder naturgebornen pracht präsentieren, als präsent hergeben…
so auch ich.
also meine männlichkeit wäre verloren, meine person die lachnummer der firma, bäte ich um eine versetzung. das geht nicht. da heißt es nun: zähne zusammenbeißen und durchhalten, durchhalten bis zum schluss. immerhin kommt auch irgendwann der winter und die züchtigeren gewänder werden wieder aus den schränken geholt. immerhin …
und ja, zoryana, es ist mir ganz unangenehm, das auszudrücken, aber es hält mich ncihts mehr, einmal angefangen, muss man immer weiter machen. deine aureoloe, deine berstende präsenz der weiblichkeit ist unausweichlich, nicht zu leugnen, du verwandelst jeden kalten winterabend noch in des herrlichste fest der sinne nur dadurch, dass du still und stumm dasitzt oder mich anblickst oder deine landsfrau von schräg gegenüber… oh je, hier entern wir die roten gebiete.
— tdd160 —
also, zoryana, wie gern würde ich natürlich deine schönen gerade recht beleibten schenkel beiseite drücken, oder auseinanderschieben, sagen wir so, um… nun, um einen offenen blick auf deine gischtstäubende prachtperle, deine vulva zu erhaschen. Jene Vulva, die zwar äußerlich einer Muschel gleichen mag, doch wesenhaft vielmehr einem seestern ähnlich von den fluten des meeres genährt wird und sich doch anklammert an den felsen mit monumentaler kraft.
so weit, so verständlich.
verzeiht, liebe leser! ich muss ja so sein, werde gezwungen, bin sozusagen gekidnappt und kann mich nicht dagegen wehren.
denn an jenem winterabend, an den ich mich so gern erinnere, da standen wir hier zu dritt im büro, die beiden landsfrauen und ich. und es war so ein wunderschönes gefühl, balsam für die zermürbte arbeiterseeele, kurz vor feierabend, als draußen schon die nacht sich senkte, mit euch über gott und die welt zu plaudern. so wohl fühlte ich mich in dieser dreierblase, um nichts in der welt hätte ich je wieder herausgewollt und die restlichen kollegen waren zum glück ausgeflogen.
da jedenfalls keimte auch das ressentiment in mir auf, wie immer , gegen zu großes glück. und ich versuchte einen grund dafür zu finden: natürlich, ihr beiden, also, ihr entstammt ja dem schoße der ukrainischen nation und ohne jetzt auf die politik und militärstrategie eingehen zu wollen, möchte ich doch betonen, dass mir euer abwartendes verhalten sehr reaktionär dünkte. ihr wartet ab, bis ich den ersten schritt mache, euch zu fragen, wie es denn so gehe, kurz vor feierabend. dann aber, nach diesem schritt, schnappt ihr zu. da habt ihr mich in der falle, wo ich so fest sitze, dass kein entrinnen mehr ist. so also das mir bereitgestellte problem. natürlich will ich nicht, dass diese unterredung je aufhört, es ist zu angenehm, ekstatisch lustvoll, einfach nur dem verlauf dieses plätschernden bächleins unserer unterhaltung zu folgen.
aber dennoch: ihr verlangt von mir als mann… naja, was auch immer, jedenfalls ein echter mann zu sein, den ersten schritt zu machen. und machte ich ihn nicht, dann entglitte uns allen dreien diese einzigartige chance, diese überbordende erfahrung des sozialen lustspiels, des austauschs von worten und höflichkeiten unter kollegen.
also, da haben wirs, so, jetzt bin ich entschuldigt: ihr wollt es ja so: männer männlich, weiber weiblich, so sagte schon effi briests vater. und das ist scheinbar auch heute gängige auffassung vom leben.
— tdd167 —
umso mehr in der ukraine, wo man naütrlich nach der konterrevolution von 1991 sehnsüchtig auf die gefallenen helden des vaterlands blickt, die vergammelte riege der faschisten um bandera, das scheusal.
also ja, faschismus hin oder her, wir deutschen sind natürlich die wahren nazis, ihr ukrainer nicht schuld, ihr seid da jetzt nur in was ganz blödes reingeraten, was mit dem imperialismus zu tun hat, aber das sprengt den rahmen an der stelle.
also: ich will einfach gesprengt werden; als mann, na klar, da wächst der innere druck an, weil das sperma sich natürlich anstaut und rauswill, die samenleiter zum bersten gefüllt, sehnen sich danach, dass ihre ladungen endlich wieder ins rollen kommen, endlich…
wisst ihr, liebe mädchen, sex, das ist etwas so intensives… nicht nur biologisch, vor allem aufgrund der herausgehobenen exponierten stellung ,die das reine nackte symbol sex im offiziellen staatsbürgerlichen diskurs einnimmt. hattest du sex; hast du einen freund, eine freundin? diese fragen sind lebensentscheidend, determinieren den sozialen status. das alles hat mit dem kapitalismus und liberalismus zu tun, aber herrje, fort mit dieser ernüchternden politik, stürzen wir uns in die biologie!
und liebe frauen, ja, also ihr beiden ukrainischen blümchen da. ihr seid so lieblich, ich würde am liebsten nie wieder andere frauen anschauen außer euch. aber ich muss ja doch. denn ich muss die männliche rolle einnehmen, was heißt, ein schwein zu sein, das nichts als sex und nackten sinnlichen genuss im kopfe hat.
ihr lasst mir keine wahl, durch euer abwarten auf mein erstes wort weist ihr mir die altertümliche angestammte männlich dominante rolle zu. ihr wollt überrollt werden von mir? nun…
ah, hier war ich vom gleis abgekommen: sex ist so intensiv, darum haben wir männer auch angst davor. oder vor allem wir: sind wir doch ungleich mehr unter druck beim sex, nicht zu früh zu "kommen", unser weißes gold zu versprühen, wodurch der penis schnell erschlaffen könnte und für euch, goldene frauenwesen, nicht mehr so angenehm, prickelnd, stimulierend wäre… ohje, gar nicht auszudenken; diese erwägungen sind tonnenschwer; ich führe sie dennoch durch, als deutscher denker bin ich so, muss mich lange jahre bilden, jahrhundertelang die geistesgeschichte studieren, um endlich reif zu sein, zu wissen, wie man einer FRAU zuleibe rückt, sie gekonnt umgarnt, umspielt und letztlich auch physisch antatscht und sich in sie vorwagt, vergreift oder wie es im mittelalter hieß: sie mit dem elften finger kitzelt. das ist es. das ist die eigentliche kunst; das wichtigste, was ein mann im leben erlernen kann. geschwätz von männlichkeit und dem wechseln von autoreifen oder reparieren von fahrrädern oder geld verdienen, die familie versorgen - nichts zählt als das.
und daher ist es so traumatisch, an sex zu denken. also, liebe damen, ihr seid am zug. wollt ihr mich verführen? dann müsst ihr aber sehr beharrlich und vorsichtig sein, ich bin leicht zerbrechlich, auch entzündbar, aber vor allem schreckhaft. mir fährt schnell der schreck in alle glieder und dann bin ich paralysiert, am ganzen körper versteift, so wird es dann leider nichts mit dem lustvollen liebesspiel. also: ich will euch aber keine angst machen, ihr schafft das schon, greift beherzt zu, dann dürft ihr meine männlichen perlen und versteckten geheimnisse auspacken. aber ihr müsst es schon wollen, müsst mir zeigen, wie gierig ihr auf mich starrt, dass ihr zu allem bereit seid, dazu, mich zu zerfetzen und wenn nötig zu verschlingen, zu verspeisen.
anders geht es nicht, da ich mich so wohlfühle in meiner vorgspielten schüchternheit, sie ist mein panzer, mein schutz gegen die drohende überschwemmung, überflutung mit der lust, mit dieser sexuellen pforte, wo alles gleitet und flutscht, glitschig und nass lockt und unerhörtes verspricht…
und ja, noch immer sitzt du, mich heimsuchende zoryana, vor mir und starren mich deine nackichten beine an. was sind sie? botschaft eines höheren wesens, zeichen eines aalglatten, problembefreiten seins, das irgendwo existieren muss in der sphäre der idealität. ich möchte dir doch nur zärtlichkeiten zuwerfen, um sie dir wie einen schmuck angedeihen zu lassen.
um dir zu schenken, was dir entspricht. du bist nackt, jugendlich, du leuchtest unbeschwert, die wollust glänzt uns an aus tausend augen, uns beschenkte männer, die wir glücklich in den bann deiner körperformen, deines ins mark treffenden wunderleibes geraten.
Liliya, du, mein Blümchen, mit dir war die Liebe doch noch immer ideal. Materielle Erlebnisse und Austausche von Worten tauschte ich aus gegen das reine Symbol, das Anstürmen mittels galanter Worte im Podcast… das war kein guter Trade, jetzt sehe ich es; so viel schöner war die Zeit, als du mich anschautest, nicht so sehr anhörtest. Herrje, nie begreife ich dies… die Schönheit, was macht sie eigentlich aus? Die Lust, das Glück, die Lebenswürze? Wozu leben wir eigentlich? Wenn wir nicht mal das wissen, ist es wohl eitel.
Personal Note
Dear European girls,
My dearest co-proletarians,
This episode was recorded yesterday in a rather calm and tranquil mood which made my discourse at some points a little slow.
What I aim to express is candidly that it is very rewarding and blissful to talk to you, Zoryana, although I do not feel such a close bond as with Liliya and don't feel in love with you.
But there is something about you that is hard to grasp and put in words, today I found this one word "charisma" which by coincidence came into my mind because of reading it a couple of days ago in a book by Robert Pfaller, the Austrian cultural philosopher.
I was quite happy to have found this word, because it could demonstrate that it's not always about the erotic sizzling and your dazzling feminine shapes, but that there is another note in your character, some kind of integration of different, diverging traits and a combination of both masculine and feminine attributes in your individuality, that is so sparkling and bursting with juvenile vitality and energy.
Now that I mentioned my new idea about a literature project called "Lili and Zori", it needs to be clarified that this project is purely artistical and not like these podcasts, which in a way are also personal and I really want to make them a present to you, Liliya and a love vow that expresses that I definitely mean you and nobody else.
In my literature playground, there appear these three co-workers and entangle on a erotic level. But that is only my artistical work and not my personal intention towards you two girls. Although of course, throughout the past couple of days I was also wondering whether it would be possible to live a love relationship as a trio, something that could be called a "Trärchen" in German, because a love pair is a "Pärchen".
But this would be so complicated, foremostly because of society and how hard it would be to explain this concept to people, to introduce you to my parents… but either way, I don't want to think seriously into this direction and solely am hoping you two might approach me one day so we can talk about anything.
I need to hear Liliyas voice and her standpoint, only then I can think again about my feelings for other women. And why would you rule anything out, but simply right now there is no reason to get romantic with you, Zoryana and I unpretentiously enjoy working close to you and at times feeling this bliss, a blizzard of splendor and glory when you direct your eyes towards me or tell me something.
So this is an intense feeling but it doesn't have to do with love every time.
Despite these limitations I have to put onto my emotions for you, Zoryana, in a way you also are like a muse to me and inspire me not only to make art but also to aim at living a more prosperous and dedicated life, the way you show your dedication to the work at our firm every single day.
As expressed in this diary entry read out in the episode, it is somehow enough to see a girl like you and think that if my writings and podcasts directed me towards you and gave me the strength to start a conversation with you, then this is enough reward for all my efforts. Because to what end should I become famous and be loved by millions, if it is already so joyful being just seen and recognized as a valuable co-worker by your sensual eyes.
This is the best reward I can think of and on top of that there is still the love feeling for other girls like Liliya and my ex girlfriend which also inspires and motivates me to get out my literature, maybe even a book some day.
Because for myself and for this society, I wouldn't want to become a successful person, since the liberal market is a sickening frame work making even the winners and most successful ill and limp, condoning them to live a lavish, abundant but senseless life.
And with you two girls, everything makes sense. Because it is a really difficult task to think maybe next week or some week we could come together again and leave behind those barriers, barriers that also my podcast might have created and my tendency of being too open here and sharing every stirring of my emotions and thoughts or day dreams…
But one needs to be confronted with these types of authoritarian tasks and put up a goal.
With all this, maybe you, Liliya, feel uncomfortable and call into question whether I am really that committed to you and feel that much for you if I also have these blissful feelings about other girls. But this is the point about love, it has always to do with hatred, too. To articulate this connection, in German exists the beautiful word "Hassliebe".
And with you I felt this sometimes, thinking, well if you think that you are cooler than me and won't come to see me, then I will simply move on with my life (there is a great song I liked to listen a lot some time ago when feeling rejected by another girl, "Cooler than me" by Mike Posner: https://www.youtube.com/watch?v=l-TaaIQ2_1A )
But I won't move on, at least not until you tell me to and until then will try to "write you a song to make you fall in love" as figures in the song or come up with some other love potion or love spell.
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