Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#18 Die beglückende Erkenntnis, dass eine der beiden Flanken standhält

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"Es ist deine Aufgabe, die erhaltene Rolle gut durchzuführen. Die Rolle auszuwählen kommt einem anderen zu."

Diese Erkenntnis des antiken griechischen Philosophen Epiktet bildet den Schlüssel zum Verständnis dieser Folge.
Lösen wir uns vom Verlangen, die perfekte Rolle zu finden und konzentrieren unsere Kraft lieber darauf, wenigstens die eine Rolle mit Lust zu spielen, die uns das Leben zuteilt.

Ich etwa hätte lieber auf soziale Bewegungen gewartet, die etwa einen Ausstieg aus der modernen Bequemlichkeit unserer technologisierten Lebenswelt ins Visier nehmen.
Im Moment muss aber festgehalten werden, dass die Klimabewegung die stärkste Kraft ist, die sich der gefühlt omnipräsenten Alternativlosigkeit in den Weg stellt und und unerbittlich für ihre Ziele kämpft. Daher ist es angebracht, sich unter das höhere Ziel der Klimagerechtigkeit unterzuordnen, selbst wenn, wie Slavoj Zizek schreibt, jede Forderung nach Gerechtigkeit in einem gewissen Sinne offensichtlich illusorisch ist.
Es braucht aber unbedingt diese Illusion einer besseren Welt, die wir selbst erschaffen können, um von der Trägheit des alleskritisierenden fragmentiert Denkenden zur Lebensfreude des aktivistisch Handelnden überzugehen.

Es ist also richtig, an die Klimagerechtigkeit zu glauben und für sie zu streiten, auch wenn wir im Verlauf des Kampfes für sie unsere Ziele und Definitionen des Wunschzustandes einige Male ändern werden müssen.
Das ist schlicht die Natur einer sozialen Bewegung: sie erfüllt ihr Potential, indem sie die engen Grenzen ihrer ursprünglichen Zielsetzungen überschreitet.
Denn der Prozess, sich in der Klimabewegung aktiv mit dem Zustand der Welt auseinanderzusetzen, ist viel entscheidender als irgendein mögliches Endergebnis dieser aktivistischen Anstrengungen. Trotzdem braucht es natürlich die Hoffnung auf ein realisierbares Ergebnis, etwa die Klimawende, also der klimatechnologische Umbau unserer Industrie.
Aus diesem Grund ist für mich mit dieser Folge klar, dass "Tischlein, deck dich!" von jetzt ab ein Podcast zur Durchsetzung der Klimarevolution ist.
Es ist besser, für irgendein Ziel zu kämpfen, als gar nicht zu kämpfen. Ich kann hier die Suche nach der perfekten Rolle für meinen Podcast einstellen und dazu übergehen, meine Rolle als Aufrührer für die Klimabewegung so gut wie möglich zu spielen.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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