Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#180 Brutalismus

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180

Brutalismus 3000: Die Liebe kommt nicht aus Berlin
Jack and the Weatherman: Live It Up

Michel Houellebecq: Ausweitung der Kampfzone, S. 107

I might call in sick tomorrow because I feel really subdued, low and ill. Self-evidently, I dedicate this novel or short story I began, »Imperialismus«, to my three young co-workers who sit in the same room as me. And in a broader way, I gift it to all the employees of the firm, even the bosses, who in a way are also only exploited servants of the owner. I will read the next chapter from it in #181.
Anyways, live it up there in the office, sure there will be days again when we all could jest and chat together, but I don't mind if the three of you go ahead without me.
Enjoy work.

13.7.

mit liliya zu reden war stets ein preis.
er versicherte mir, über anderen männern zu stehen.
nun bin ich nicht mehr individuell, bin verschaltet mit euch beiden
ich möcht euch nur berühren und liebe machen
was anderes zählt nicht
individuelle selbsthinterfragungen,
auch wenn meine hände schwitzig sein mögen
und mein schreiben ungeordnet und wirr
meine sehkraft nicht zum besten
weder im sehen noch im angesehenwerden
bin ich der eine,
ganz große
der ich sein müsste
um überhaupt zu wagen
euch damen aufzufordern
mit mir zu tanzen und zu springen
zu singen und ausgelassen zu werden
was man heutzutage gar nicht mehr kennt
man denkt nur, die anderen haben diesen spaß
deine freundinnen, die freunde meiner freunde
sie alle kenenn das
dieses partygefühl
und wenn man im sommer mit freunden wegfährt aufs land
ausflug, erholungskur der jugendlichen
der rebellen
und beginner
in den milieus
subkulturen
auch drogenaffinen kreisen

ich kann doch nie so viel reden wie es euch gebührte
um euch wirklich die ganze welt
zu füßen zu legen
und zu erklären, alles düstere aufzuklaren

und selbst wenn ich es kann

  • müsste ich danach drogen nehmen
    zum runterkommen
    um mich zu versichern
    dass ich noch der alte schmutzige mann bin
    der ich vorher war
    bevor ich mich verwandelte
    durch eure verzauberung
    indem ihr hand anlegtet
    nur mit euren augen
    aus denen sich euer maß auf mich ergoss
    euer nektar der weiblichen bescheidenheit
    den ihr mir eingosset
    und mich so groß und mächtig
    männlich fühlen machtet

nun gut
vielleicht kümmert ihr euch um mich
den mich schon altersgebrechen heimsuchen
und jugendliche verschämtheit
überdrüssig meiner selbst
aber liebe mädchen!
ich werde mich ja auch um euch kümmern,
wenn ihr alt seid,
oder wenn ihr ein baby bekommt
dann steh ich natürlich euch bei
rufe die hebamme herbei
niemals sollt ihr zwecklos leiden
auch wenn ihr alt seid und der jugendliche zauber
verflogen, verblüht
dann werde ich euch noch genauso anschauen
und mich genauso verzehren nach euren häuten
selbst euren gedärmen und knieknorpeln
-denn ich weiß ja, sie sind irgendwo da drin
sie gehören jetzt alle mir
und ich will gut sorgen für sie, für euch, uns alle

mögen die wege des lebens verschlungen uns führen
aber dennoch will ich ja immer euch anrühren
wichtig für euch sein
und einfach ein mann in eurem leben
nicht notwendig der einzige. auch in fünfzig jahren also. werde ich mich an euren haaren dann wo
immer wir sind
genauso anklammern und sie beschnuppern
wie heute,
genauso mich verzehren
nach eurem geruch
euren verschiedenen parfums
und körperkulturen

doch wie ist das so schwer
einer zu sein. individuum. weil es so sinnlos ist
wenn ich mich doch verzehr
nach dem zusammenkleben und bleiben

--

wer sind wir eigentlich
es kommt mir so vor
als seien wir nur mächtig
im sex
wo man sich bewegt
hin und her und so fort und immer weiter
was sieht man eigentlich
von der welt
nicht viel
selbst mit fernglas
nimmt man ja doch nur einen bruchteil
des ganzen erdenrunds wahr
nie kann die ganze welt. auf die netzhaut projiziert werden
aber brauchts denn das?
im sex… da werden partielle organe stimuliert. zusammengeschlossen
und schon ist einem wohler
fühlt man sich gen himmel entschweben
das ist dann die große einheit
wo nichts dran fehlt
und doch sind wir nur zwei
ganz individuelle wesen
die keine großen instrumente
zur verfügung haben
die ganze welt zu begreifen
aber warum reicht es,
dich zu begreifen
deine körperliche hülle
wie eine reife frucht
zu umtasten, mein schiffstau
um dich zu schnüren
um dich fest in meinem hafen zu halten
du, liliya
bist meine ganze welt
bist mein schiff
von dem ich weiß
es trägt mich überall hin
zwar möcht ich heut hier bleiben
an land
aber theoretisch
sollten wir fort wollen
bist du alles, was ich brauche
habe ich dich, habe ich alles
bin komplett
du bist ein hügel
für mich,
der mich die welt überblicken lässt

was würde ich auch anderes überblicken und anblicken wollen
als dich?
man muss deshalb die ganze welt beherrschen, begehren
weil die römer es uns vormachten
und die geschichtsbücher offenliegen
uns locken, lust machen
es ihnen gleichzutun
weil die nazis auch ihre kämpfe hatten
ihre lust auf beute, sieg und übermacht
gar vernichtung und mord an
ihren nachbarvölkern

nur dich
du bist mein hebel
mit dem ich die welt aus den angeln heble
machst mich mächtig, du lilie
zu mächtig gar!
das kann doch gar nicht sein
ein einfacher mann
und im besitz der gesamten welt?
so fühl ich mich jedes mal
blickst du mich an
oder wippst du im takt der musik,
die du bei der arbeit hörst,
mit den füßen


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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