Tischlein, deck dich!

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#182 Kulinskov — wie ein angezapfter Hydrant

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182 Kulinskov — wie ein angezapfter Hydrant

https://de.wiktionary.org/wiki/alterieren#

1:05:35 English

Strafrecht — criminal law

Dear co-workers,
I think I won’t come to the office this week. Have fun there without me and especially to you girls I want to recommend you to try to seduce or even only talk to a men that you feel driven to.
There is plenty of them, try to contact one.
Anyways, what I expressed in these lines is the mere essence of my novelistic work »Budget« which I read in today’s episode. But in there, of course, I’m way more elaborate and extensive. Because I feel provoked by your feminine gestures.

Like with you, Liliya, I feel there is a unique touch of glitteriness, »Glitzerhaftigkeit«, which is a fantasy word that appeared in the text read last time, »Imperialism« and I used it to describe the feeling I had about you when your eyes were shining so brightly because I had asked whether this youtube video you were watching was something like a podcast. There I saw a glacier or all the icy mountain tops of the whole earth condensed in your eyes.
Of course Imperialism is the perfect title because you used it one time in a war discussion.
But in the formal aspect, I want to be as glittery as possible, constructing long sentences that somehow represent the vast yearning I feel for you.

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LITERARISCHES MATERIAL

Die Tweetkette

ist es wirklich so einfach: der mann will für das geliebt werden, was er wirklich ist (zizek). und daher winde und drücke ich mich um die englische folge herum, dachte an weihnachten gar nicht daran, sie liliya zu schicken. denn ich selbst verliebe mich ja beim hören in mich, diesen virilen sprecher. also was soll da noch für eine offene frage sein? wenn du es ihr schickst, machst du sie vollends verliebt, sollte sie es noch nicht sein (wie ich selbst in sie). das möchte ich natürlich nicht, sondern das "anschmachten aus der ferne" - egal auch, ob das noch zu produktivität führt, wenn man es sowieso schon erwartet, einplant. einfach so leben, wie ich es mir vorstelle und das ist nunmal so.
so herausgefordert zu werden, an ort und stelle, eine frau zu haben, die mich festnagelt wie sonst noch nie in diesen losen zeiten Liliya, diese Zufälle, wer ist sie überhaupt, kann es sein, dass sie noch ein kleines mädchen ist, das sich für telegram-stickers begeistert? na und? ich begeistere mich so sehr für sie, egal auf welchen wegen dieses ursprüngliche feuer entzündent wurde.
Es ist irgendwie drängend, da ja. und da denkt man sich, heidenei, wenns doch so relevant ist, dann will ich keinen fehlgriff tun.
Aber ich, ich bin ja das eigentliche Problem in dieser dialektischen Beziehung. Denn diese Folgen stellen mich ja komplett falsch dar, gar nicht als den Versager und Nichtsnutz, der ich eigentlich bin. Dort glänze ich und bin doch innerlich eigentlich ganz roh.
Das stellt mich vor das diffizile Problem, nicht zu wissen und erkunden zu wollen, ob sie mich denn wirklich aufgrund meines inneren Selbst liebt oder nur wegen der schönen Werke. Jedoch ist das leicht lösbar, da sie zu gleichen Teilen Urheberin dieser Podcasts ist durch die Bereicherung der vielen Gespräche und Auseinandersetzungen mit ihr. Das löste erst den Strom meiner Worte, trug zur Enthemmung und Entstauung bei.
Festzuhalten ist, wie mir bei unseren Gesprächen so wohl wurde, du mir jedenfalls so bekannt und angenehm bist, dass ich dich sehe wie einen längst bekannten berg, dessen felswände und kluften ich lieben lernte während tagen der wanderungen etc.

Und so ist die Schönheit des Podcasts nur ein Abglanz der Momente zusammen mit dir, die magnifizent waren.

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BUDGET

Zweifel über die Haltbarkeit des impekablen Produkts mischen sich ein in den gärenden Produktinsprozess der Liebe:
Ja, es lässt sich nicht von der Hand weisen, denkt Kulinski, wenn es einen Weg gäbe, für immer so unter Druck zu sein wie Ende letzter Woche, als ich mir die Finger zerkaute und mich fragte, ob die Kollegin Belinda jetzt schon meine Tweets gelesen habe… also dieser Druck ist so was ungemein Positives, Erfrischendes, was einem wie Wind in die Segel bläst, in die geistigen Segel des Tages und der anstehenden Verrichtungen: ich wusste, jetzt muss ich gleich eine neue Tweetkette aufsetzen und all die bohrenden Zweifel rauslassen, die sich über die Woche angestaut haben. Aber ja, irgendwann — vielleicht kommen wir sogar zusammen, da war doch was in Bes Augen, also eventuell will sie mich einfangen — wird dieser Druck geringer werden und dann werde ich nicht mehr wie ein angezapfter Hydrant sprühen und in alle Richtungen meine liebestollen Worte verteilen auf Twitter. Aber das will ich doch nicht, nein, keine Beruhigung, Abflachung, ich möchte die Intensität für immer hochhalten. Andererseits, wer schafft das schon? Gut, hier in der Fabrik, beim Produzieren, da ist die Spannung in der Tat hoch. Wir müssen ja auch die Karossen formen, das Metall gießen, usw., da wäre ein Spannungsabfall fatal.

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Verzweiflung, Bewertung ist auch gut: der Mann will sich dem Blick der Frau aussetzen oder sollte dies wenigstens rückblickend affirmieren.

Die Frau müsste zu dieser herausfordernden Position erst aufsteigen, das realisiert der Mann, der nach Jahr und Tag seinen bedeutungsschwangeren Tweet gepostet und sich der drängenden Frage ausgesetzt hat, ob die Frau ihn denn nun gelesen habe und wie sie ihn aufgenommen habe, ob sie denn wirklich alles und die letzte Nuance auch genau so verstanden habe, wie er sie beim Formulieren habe meinen wollen? Das ist eine bittere Frage und die Antwort darauf wird wohl nein lauten. »Ich sitze am besten hier«, denkt sich Kulinskov, nachdem er am letzten Abend den lang ersehnten Tweet endlich fertig formuliert und gepostet hat. Seine Kollegin könnte ihn ja gelesen haben, so unwahrscheinlich dies auch sein mag. Denn mal ehrlich, nur weil er sie einmal angesprochen hat und sie fünf Minuten gequatscht haben, muss sie ihm ja nicht gleich auf Twitter folgen. Wobei sie ihm nicht folgt, außer sie steckt hinter einem jener Accounts, deren Inhaber er nicht kennt und die ihm folgen; aber sie kann die Tweets ja auch anonym ohne Konto oder mit Konto, aber ohne ihm zu folgen, auf Twitter lesen. Das also ist schon mal beruhigend: sie könnte bis dorthin vordringen. Wenn sie sich denn so krass in ihn verliebt hätte — so krass wie er selbst, oder wie er annimmt, dass er dies in sie tat, denn er ist sich nie so wirklich sicher mit seinen Gefühlen und Gedanken — dann könnte sie wirklich nach dem einen Gespräch gedacht haben, jawophl, da schaue ich doch gleich mal nach, was der so an Tweetmaterial raushaut auf dem Account, dessen Namen er beiläufig hatte fallen lassen. Aber jetzt, nachdem er den Tweet abgeschickt und am nächsten Morgen wieder zur Arbeit angetreten ist, ist alles anders. Am liebsten würde er sich verkriechen unter seinem Schreibtisch, um bloß nicht ins Blickfeld dieser einen Kollegin zu geraten. Puh, die würde mich jetzt so ins Kreuzfeuer nehmen mit ihrem Blick - und selbst wenn es höchstwahrscheinlich nur Einbildung ist und nie jemand den Tweet lesen oder länger als für fünf Sekunden im Kopf behalten wird. Wobei es eine ganz anständige Tweetkette gewesen war, die sich über etwa 10 Tweets erstreckte, die schön aneinandergereiht waren.
Aber Herrgott, also mir kommt das immer noch Spanisch vor. Ich schwitze und sitze hier, mag mir nicht mehr im Spiegel ins Gesicht schauen, gar nicht dran denken, wer ich eigentlich bin. Und die Frauen? Ruhen sich aus, lehnen sich zurück, lassen mal auf sich zukommen, was der Mann da auffährt und ihnen präsentiert. Aber gerade diese Schweiß, der mir heute aus Verzweiflung über meine unklare Lage in der Welt und in Bezug auf die Frauen im Besonderen, entrinnt, hat doch auch was Gutes: er gemahnt mich daran, dass etwsa von mir erwartet wird, ja sogar gefordert, dass es Lustmöglichkeit, Quellen des Glücks gibt und definierte Wege dahin und dass dazu, um diese Wege zu beschreiten, aber nötig ist, dass sich alle Teilnehmer dieser sozialen Interaktion an bestimmte Gesetze, tief im Inneren des Prozederes und angestammten Sprechens vergrabene Rollen halten. Und das ist so traumatisch, aber auch so befördernd: ich als Mann werde aufgerufen, meine Rolle einzunehmen, ich bin gefordert, ich bin…

(verdammt, X hat doch auch nur ihre weibliche rolle genossen, die genauso auf einen fixen Platz verweist…)

Nun, dazu würde ich eine Frau halt mal gern aufsteigen sehen; weil nur so kann sie sich ja wirklich kennenlernen, ins Gesicht blicken und… ihren Charakter bilden. Sonst ist sie immer auf uns Männer angewiesen; sie kann zwar sagen: ja, es liegt an ihnen, dass es schiefgeht, aber tief im Innern ist das ja auch unbefriedigend, wenn es schon schief geht, wäre man selbst wohl lieber diejenige, die es verbockt und auf die eigene Kappe zu nehmen hat. Ja, langsam ergibt sich ein Bild: vom Mann wird Aktivität gefordert, was eine harte Vorgabe, eine bittere Hürde ist, an der schon etliche Männer scheitern, die einfach nicht die Zähne auseinander bekommen, denen es schlicht nicht liegt, viele Worte zu machen und dann schon gar nicht gegenüber Frauen…
JA! Ich bin es wert! So werde ich jubilierend ausrufen an dem Tag, an dem sie meinen Tweet liest (und richtig interpretiert und… mir in die Arme fallen will für diese Worte).
Und sie hat mich bewertet! Durch ihre Augen sehe ich es ja bewiesenermaßen: ich bin es! Erst fühlte sich dieser messende, bewertende Blick so drückend und hartleibig an, wie ein Urteil, ein schweres Gewicht auf meinem Rücken, das mich niederdrückt und kaum atmen lässt. Aber wie befreit atme ich auf — dazu muss sie den Tweet noch nichtmal lesen, es reicht vollkommen, wenn sie theoretisch die Chance dazu hätte. Die Chance. Guter Punkt. Eine »Chance« ist noch etwas leichter zu greifen, etwas unterhalb des Anforderungsniveaus der heiligen »Herausforderung« — die ist es nämlich, die unser menschliches Leben definiert. Man wüsste ja sonst auch gar nicht was tun. Aber wo eine Frucht hängt, sei es nun die verbotene wie im Garten Eden oder sonstige glitzernde Produkte, die einen lüstern machen, da will man sich doch wenigstens mal überlegen, wie man die ohne viel Mühe und ohne von den anderen gesehen und dafür beneidet zu werden, grapschen kann.
Und mit den Frauen verhält es sich so: mit ihnen kann man zwar eine Chance erleben, dazu sind sie befähigt, die können sie erlangen und wahrnehmen, aber bei der Herausforderung wirds schwierig, dazu sind sie nicht in diesem autoritären Sinne gebildet genug, wie wir Männer, die vom Anforderungskatalog der Aktivität stahlhart gemacht werden — es ist selbstverständlich nicht die Schuld der Frauen, sie werden ja einfach weiterhin von der Gesellschaft, uns allen letztlich, so erzogen, sich in die Rolle zu fügen… diese Rolle, die ja aber auch lustvoll ist, ich kanns ja nicht abstreiten, dass auch ich als Mann mich eigentlich gern nur anhimmeln, vergöttern, bewundern und mir nachstellen lassen würde. Das ist eine verzwackte Zwickmühle, heidenei, denkt Kulinski und stellt mit Trübsinn fest, dass schon Mitternacht ist und er ins Bett sollte, um morgen für seinen Bürojob frisch zu sein, wo er doch eigentlich ncoh die ganze Nacht so weiterphilosophieren wollte… ja, die Geistesarbeit, die Gesellschafts- und Geschlechtertheorie, das freie Individuum, das sind seine Themen, da fühlt er sich pudelwohl: endlich theoretisieren, wenn er schon im echten Leben an der Praxis mit den Frauen gescheitert ist und gar nicht mehr dran denken mag —

Liberaler König. Mann will ganz an die Spitze der Gesellschaft aufsteigen, die einen genau dazu ja ermuntert und beruft. Diese Gesellschaft, ich blicke sie nicht ganz. Was macht sie denn nun exakt? Also nicht so im Großen und Groben, sondern ich meine exakt; zu was leitet sie uns denn an, zu welchem Genießen erzieht sie uns, wie legt sie uns die Möglichkeiten unserer Lustbefriedigung auseinander?

(21.4.)

Ich wollte und will mich ja auch so krass verlieben, in diese weiblichen Codes. Jedenfalls gerade weil diese weiblichen Kodizes so kraftvoll sind, stößt mich X auf das Problem, sie zu lieben: und wie ich das liebe, dass sie mich so herausfordert und auf das Schwerste stößt — warum auch immer.
Und auf Twitter, würde sie nachlesen oder mir den Rücken zukehren; selbst noch die wildesten, versponnensten Tweetketten? Aber das müsste sie ja wohl, um mich ganz zu verstehen. Verlange ich da zu viel, mute ich ihr zu viel zu? aber sie mutet mir das doch zu, mich äußern, darbieten zu müssen für ihre Bewertung — beachte gestrigen Abschnitt in Budget: schon da woltle ich diese Twitter-Frage diskutieren, dass es eine gewisse Erleichterung beinhaltet, zu denken, ja, Du könntest lesen und es wäre auch schön, sich so hineinzusteigern, den anderen so sehr zu verfolgen und alles von ihm aufzusaugen, aber du musst auch nicht, das ist gar nicht nötig. Es sind immer Gesten, die uns miteinander verbinden. Und da braucht es ganz einfach Mechanismen, Wege der Übersetzung: aber diese Wege sind selbst Arbeiten, Realitäten, die alles um sie herum transformieren; sie sind keinesfalls bloße Verbindungsstrecken, die den leeren Raum zwischen zwei eingekapselten individuellen Schätzen abdecken.
Und grade weil der Mann sich reinhängen, was raushängen lassen muss, nimmt ihm das die letzte Schärfe und Verbindlichkeit ab. so sehr er diese eine Frau, der er die Geste vorführt, auch lieben mag, kann er doch wieder denken, naja, zwar werde ich jetzt alles daran setzen, dass sie mich annimmt, meine Geste erwidert und liebt, aber wenn nicht, dann werde ich schon wieder eine andere Frau finden. Denn ich bin es ja, der die Gesten vollführt, ich bin ja ständig neu dazu in der Lage, eine solche Aufforderung zum Tanz wieder auszusprechen, sobald ich über die mögliche Zurückweisung in dieser Beziehung hinweg bin und mich einer anderen Frau verbunden fühle. Dann werde ich gegenüber ihr den Gesprächsfaden eben wieder aufnehmen. Das ist die grundlegende Disparität zwischen Mann und Frau: für die Frau ist es so viel schmerzhafter, an den Mann, dem sie ihr Herz schenken möchte, zu denken und daran, er könne sie zurückweisen. Denn sie ist ja in der abwartenden, reagierenden Rolle. Wenn er nicht auf mich zukommt, dann wars das — und ob ich in Zukunft nochmal die Aufmerksamkeit eines anderen erwecken kann, steht in den Sternen. Das performative Momentum schlägt auf die Seite des Mannes aus und begünstigt ihn; andererseits ist auch nur zu verständlich, warum Frauen eisern an ihrer abwartenden Rolle festhalten, weil nämlich ein festes Rollenmuster Sicherheit und Orientierung gibt oder sogar noch viel mehr, nämlich Lust erzeugt durch das Wissen um die richtigen, erwarteten Strukturen, in die man sich fügen kann. Es ist also nicht abzusehen, wie wir da rauskommen; die Frauen müssten es schon selbst wollen, man kann sie nicht dazu zwingen, aktiv zu werden und Jagd auf den Mann zu machen, der ihnen grade appetitlich erscheint.
Das können wir Männer ihnen schmackhaft machen, indem wir vorführen, wie lustvoll es letztlich ist, über sich hinauszugehen, sich aufs Spiel zu setzen und exaltierte Deklarationen tiefer sprititueller Affektion zu äußern, am Besten ohne die Gewissheit, die Frau, an die man sich richtet, würde diese Gefühle erwidern. Allein dieser Akt, es auszudrücken, macht einen so stark und ich empfehle es den Frauen einfach, weil ich sie auch so stark lieben und über mich gebieten sehen möchte.

Nun hat der Mann all diese Stadien der Selbstsuche durchlaufen und ist am Ende souverän. Da wird er denken: also die Frau ist so schwach, wäre doch schade, wenn ich nicht zu ihr herabsteigen könnte. Ich muss auch ein bisschen schwächer werden, mich schwächen, etwa durch Drogen. Dann liege ich da, ausgenockt und bete nur noch, dass meine Mitmenschen nicht mitkriegen, wie rauskatapultiert aus der Ordnung der Normalität ich bin, wie abartig, abfällig, abgefallen vom Glauben, von der Menschheit, von dem, was man gut und gerne billigerweise erwarten darf von sich selbst als Mitglied der Spezies Mensch.

-Ich will ja nicht über der Frau stehen, Gott bewahre! Aber wenn ich an das Twittern und so denke, an die Normalität, wie egal es mir dann auch wird, ob die Frau mich sieht oder liest, ich hab ihr diese Zeilen dahingestellt, für sie zum Anfassen und Lesen und wenn sie möchte, kann sie ja darauf anspringen und mir ein Zeichen geben, sie habe sie verstanden und sei froh über meine Andeutungen, Winke mit dem Zaunpfahl oder glasklaren Auseinanderlegungen, warum es denn gar nicht anders gehe, als dass wir beide uns zusammenschlössen —
dann wird klar, wie weit ich über ihr stehe, ihr, die mich scheinbar bewertet, aber diese Bewertung durch ihren Blick ist ja nur die Aufforderung, ist nur der erste Schritt, der mich lösen und befreien soll, anstacheln meinetwegen, jedenfalls aus der Ordnung des grauen Alltagsmiefs herausreißen.

Ich mein: ja Herrgott, ich kann auch nicht das Rad oder ein Alphabet ganz neu erfinden! (Obwohl man das eigentlich müsste, um wirklich ein so starker Mann zu sein, wie ihn die Frauenaugen sehen wollen, zu suchen scheinen)
Was ich kann, ist auf der bestehenden Tastatur herumklimpern, ein paar Worte zusammenfügen, das scheint doch ganz gut zueinanderzupassen.

Ich will ja auch erst für sie aufsteigen, in den Himmel, zum Gestirn eines normalen Menschen, salubre, gesetzt, ernsthaft, nicht zu lasterhaft…

Aber das ist auch erleichternd, ich mache nur, was auch alle anderen können, vielelicht habe ich mehr Glück, fügen sich die Buchstaben besser… aber am Ende könnte doch jeder so zupacken, das Blöde ist nur dieses hemmende Gefühl, es gäbe da nur noch diese eine Person und wenn die mich jetzt scheel anguckt oder zurückweisen würde, dann wäre mein gesamtes Leben futsch - ich kann in diesem Moment nicht mehr über diese Singularität hinausdenken.

Man muss ja nicht dieser liberale König sein, sei du selbst, aber sei nicht ganz bräsig, ganz zurückgezogen, so als müsstest du dich im Privatraum für die Anmaßungen der Gesellschaft entschädigen, dich dort ganz deiner Erschlaffung und Einsackung hingeben.

Es sieht so schwierig aus, während man an die Entität glaubt, die Dinge, die im Kern liegen, die hinter, unter der Oberfläche bereitstehen — dabei ist ja evident, wie glänzend diese Oberfläche aufscheint, wodurch sie das Bewusstsein paralysiert und gar kein weiteres Vordringen und Erwägen in Richtung des Innenraumes mehr erlaubt. Das bräuchte es auch nicht mehr, wäre man nicht stets so misstrauisch, so auf das Ende, den Tod bedacht und vorbereitet, bestrebt, sich dagegen zu schützen. die Besudelung nähert uns dem Tod an.

Ja, was soll man machen. Die Frauen schauen einen so an — dabei sollten sie ja wohl wissen, dass mein Gehirn genauso gebrandmarkt, unzivilisiert, wild und ruckelhaft ist, dass mir also nie ganz die Klarheit einsickert über diese und jene Theorie, diesen Gedanken — sondern die einzige Klarheit empfunden werden kann, wenn ich sie ansehe und in ihren Augen und Gesichtern sehe, dass ich wichtig bin, weil sie mich anschauen, dass es etwas zu erreichen, zu leben gibt, dass jede Besudelung die von ihr mitgebrachten Ambivalenzen wert ist, weil sie mich näher an euch führt, weil ich nur zusammen mit euch, lieben Frauen, eins sein kann, ein Mann, der seine Gehirnkapazität bestmöglich nutzt — aber nicht gegen euch, nicht, um euch zu verführen… das wäre nur wieder, um zu triumphieren, mein Kapital anzuhäufen und abzusichern; denn dieser sexuelle Wohlstand soll ja ganz monogam genossen, ganz exklusiv aufbewahrt werden, wogegen man sich zwar streben kann, aber man wird diese Grundvorstellung der Moral ja doch nie ganz losbekommen und abschütteln können.

Der männliche Schmutz, Drogenabhängigkeit, gewisse Unzulänglichkeiten und Putzlethargien des Junggesellenlebens werden so erklärbar aus der Sehnsucht des Mannes, der Frau näherzurücken, ihr und ihrer untergeordneten, unterwürfigen, demütigen, aber doch auch schnippischen, möglicherweise entscheidenden Position gleicher zu werden. Denn der Mann kann dann eifnach nicht mehr , er möchte zerspringen, wenn er die leuchtenden Augen der Frau sieht und sich fragt, zu was sie ihn mit diesem Leuchten schon wieder auffordert. Aber er sieht ja in diesem abwartenden Blick auch, wie die Frau sich selbst beschneidet, verkleinert, sich der Möglichkeit der »Bluntness« beraubt. So will er sich also selbst eines Teils seiner Lebenskraft und Gaben berauben, sich verkleinern, um endlich mit ihr auf einer Stufe zu stehen.

Hach ja, ich könnte ja mal einen Liebesbrief an sie aufsetzen. Aber andererseits… dann würde sie mich nur kontingent lieben, für die zufälligen Worte, die meine Hirnwindungen da zusammengewürfelt haben. Ich will doch einfach auch mal begehrt werden von euch Frauen, bitte zeigt mir das nur mal. Ich warte stumm. Und ja, mag sein, so wird es nichts; aber diese Weise der Liebe ist einfach unfair mit den festen Rollenverteilungen, wo der Mann der Jäger sein soll. Nein, ich will nicht immer vorspielen, ich zerplatzte gleich vor Begierde… ihr Frauen, ihr seid es doch, die zerplatzen müsst — immerhin dürft ihr nicht so offen und vulgär über diese schmutzigen Dinge reden; noch immer erlegt euch die Gesellschaft Zügel auf. Mag sein, diese Zügel sind nur deshalb so, weil wir Männer Angst davor haben, daran zu denken, eine Frau könne schon andere Männer »gehabt«, gekannt, geliebt haben. Nein, das darf nicht sein! Meine reine Amanda! Du, du… du bist so makellos, du musst mein sein — ich mag gar nicht denken, du könntest schon in die Arme eines anderen feisten, wohlgenährten Mannes gesunken sein… undenkbar, igitt! Kulinskov sinkt auf die Knie, er hält diesen Monolog abends in seiner Junggesellenbude. Manchmal wird er so erregt, dass er in diese Phasen kommt, wo nur noch hilft, allen Druck abzulassen, indem er mit sich selbst spricht, sich Vorwürfe macht, alle Begierden loslässt und durch den Mund hinauspfeffert.

Also ja, mumelt er und sammelt sich, den Kopf in die Hände gestützt. Mit dem Sex ist es was ganz Eigenartiges. So intim, die andere Haut udn den Geruch zu kennen udn überhaupt. diese Transaktion. Aber sie wird die Erkenntnis über meinen Körper doch wohl nicht einfach weiterreichen? Aber ja doch, natürlich, die wird immer weitergereicht, alle Eindrücke brennen sich in uns ein und markieren uns fürs Leben, zumal die intensiven wie im Sex.

Die unerklärte Liebe… ist das überhaupt Liebe? Also Amanda müsste zerplatzen, falls sie mir auch so nachsieht oder gar auf meinem Twitterprofil nachsteigt. Aber sie traut sich nicht, den Druck nach außen zu lassen, sonst sagt ihr diese vulgäre Gesellschaft, sie sei wohl ein lustvolles Mädchen, das noch die ganze Welt, zumindest die maskuline, vernaschen wollte. Ei, dudu, du Frau, wie kannst du so sein und einfach Bock haben auf ein männliches Glied! Das geht ja wohl nicht, denkt sich der Eitle Mann. Mein Glied spiegelt meine Größe, mein Sein als Mensch. Und dafür will ich aber nicht geliebt werden, Pfui! Die Frau soll mich doch für meinen innerlichen Schatz lieben oder auch den typisch männlich vulgären Dreck, den ich durchs Leben unvermeidlich mitschleppe.

Also ich glaube, diese vertrackten Eigenheiten der männlichen Psyche muss man in Betracht ziehen, um verstehen zu können, was da alles falsch läuft heute in der Liebe.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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