#183 Vénus s'épilait-elle la chatte?
183 Rasierte sich Venus die Muschi - Podcast: https://www.venuslepodcast.com
03:40 English hugs and invitations to chase me to Manita and Liliya
49:38 DEUTSCH
Art Spezial — Leben und Werk: Das Wunder des Gelingens (Magazin, Gruner + Jahr, Ausgabe vom Frühjahr 2023)
PICASSO
S. 59: Das Adressbuch der Dora Maar — Interview mit der Schriftstellerin Brigitte Benkemoun
Today’s fragments from my novelistic try »Budget« are not that hilarious as the ones read last time. Hopefully, today I can record an episode in which we go back to my newest work »Imperialism«.
But my health is not the best and I need to manage my forces wisely. To you, workers in the office or in the nursing homes, I send you the warmest greetings and affirmations of my solidarity. It is a nice break from the normal treadmill of life to be sick once in a while, but the real thing is working, as Pablo Picasso demonstrated to us, because he left 45.000 artistic works that were not sold yet when he died.
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BUDGET
Und es geht noch weiter. Also gut. Die wollen mich so sehen, als starken Max, als Manne von Mannelshausen. Ja gut, den liefere ich euch. Also theoretisch. Ja, in der Theorie wäre ich dazu bereit, in der Lage und jederzeit einsatzfähig, ein Feuerwerk zu zünden, einfach alles zu machen, was man so macht, wenn man agil, aktiv und handlungsfreudig ist. Aber das geht dann doch nicht. Natürlich weil ich für meinen Schmutz geliebt werden will. Ich kann ja selbst nicht mal zum Griffel greifen, um zu malen, wie es mir eigentlich gebührt: jeden Abend, an dem ich male, geht es mir tausend Mal besser, fühle ich mich fünfhundert Mal ruhiger und geerdeter.
Und das tue ich manchmal, aber nicht oft genug: schon zweifle ich, ob ich mit diesem Linienschwung wirklich den geraden, perfekten Weg ging. Den müsste ich freilich gehen, ich will ja nicht als unperfekter Mann vor diesen vollständig reinen Lichtwesen, den weiblichen Geschöpfen stehen. Und da liegt der Hase im Pfeffer! Dieses hemmende Gefühl, der Zweifel, ob ich wirklich gut genug bin, kommt exakt deshalb auf, weil die sich so benehmen, so feminin zurückhaltend, lockend, fordernd, aber immer um ein direktes Signal, einen vorwagenden Schritt, ein verbindendes Wort, das klipp und klar zu einer Antwort herausfordert und zwingt, verlegen sind.
Dann lasse ich den Pinsel also liegen, pfeffere ihn in die Ecke und erinnere mich Tage und Wochen nicht mehr seiner, versumpfe und versinke in diesem Alltag, wo man sich zu Tode schuftet und am Wochenende matt auf der Couch liegt, unwillig, sich zu regen.
Daher muss es so sein: sie, sie, die Frauen sollen sich endlich mal anstrengen, was auf die Leinwand oder aufs Schachbrett zu zaubern, egal was, aber jedenfalls was, das sie anstrengt und womit sie meiner würdig werden wollen. Ja, jetzt in letzter Zeit schaue ich viele Schachanalysen, seit ich diese eine Tweetkette komponierte mit der Metapher von Liebe und Schach — wenn A die gelesen hat, dann müsste sie eigentlich wirklich Bescheid wissen. Bescheid über meine innersten Regungen, dieser Boolean, der geflippt wurde, das Liebesbit, das jetzt hoffentlich nie wieder umgekehrt wird. Ich warte auf sie, still und leise. Man mag sich lustig machen über mich — wer wird je meine Werke bewundern, meine Gemälde oder Tweetketten? Eines Tages brennt die Sonne aus udn alles Lciht verlöscht, keienr wird mehr Tweets lesen können oder wenn dann nur noch für ein paar Stunden, bis alle Batterien und Kraftwerke ausgehen, weil sich ohne Sonne wohl auch keine menschliche Gesellschaft mehr betreiben ließe. Die Leute können doch nicht ewig im Bett liegen und schlafen, auch wenn es schön ist, gerade dann, wenn man verliebt ist oder jemanden im Bett neben sich hat, den man schon länger liebt und innig kennt, sich zu einem fest verbundenen Wesen zusammengefügt fühlt. Aber das Schönste ist doch immer, beim Aufgang der Sonne die ersten fahlen Strahlen auf dem GEsicht der Geliebten zu sehen… ach Kapitalismus. Diese Freuden des Lebens sind so einfach, so gratis, umsonst zu haben und verlangen keine lange Bildung und Vorbereitung. Du, du, das System bist es, das es uns so schwer macht, weil du alles auf Bildung und einen ewigen Weiterentwicklungsprozess trimmst, durch den wir des höchsten Gutes würdig werden sollen. Aber was soll dieser Gipfel überhaupt sein? Du setzt uns Kapitalberge vor und willst uns weismachen, das wäre das wahre Leben, wie ein Oligarch auf seiner Yacht um die Welt zu schippern. Aber nein, das ist es nicht und weil viele das merken, exakt darum ist leider der Diskurs um Sexualität so vulgär, ironisch, obszön, wodurch nur die wahre transformative Spannkraft der sexuellen Berührungen und Verwicklungen, Verknäuelungen und Verknotungen verdeckt wird, sie wird versteckt hinter dieser Wand aus Ironie und diesem ach so evidenten, lustigen Verlangen, das uns ineinander und übereinander hinaus führen soll — und eben weil der Kapitalismus keine wirkliche Antwort hat, wie dieses höchste Gut beschaffen sein soll, ist so viel vom Orgasmus und vom Sex als reinem Sex, als Symbol der größten Lust, die abgegriffen und privat gesichert werden kann, die Rede. Die Menschen merken, dass was faul ist im Staate und wollen sich in sich selbst zurückziehen, wo sie glauben, das passende Gegenstück in Form der anderen Liebhaberin zu finden. Aber so einfach ist das nciht. Diese Komplikationen bringen mein Hirn auf touren. Ich muss meinen nächsten Zug genau berechnen. Natürlich könnte ich ein weiteres Bild malen oder einen Tweet aufsetzen, der Amanda endgültig für mich entflammen ließe — oder eine andere Frau, denn es geht mir genau auch um die Transitivität, Universalität des Sexuellen: mit A fühle ich eine unabweisbare Bindung, etwas fast schon Heiliges, Einzigartiges, zueinander Findendes. Aber deshalb ist doch die Lust auf Sex mit anderen Frauen noch nicht verwerflich und könnte etwas sehr Schönes sein. Man könnte mehrere lieben und es würde sich jedes Mal anders anfühlen, so wie sich jede Beziehung auch unter Kollegen und Freunden anders anfühlt, es gibt immer diesen Zug der Individualität in mir und im anderen, die uns irgendwie unterscheidbar und ganz different macht zum Rest der Gesellschafts-Bauteilchen, der Menschen um uns herum, die uns erkennen und widerspiegeln.
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Kulinskov hatte sich in seinen Twittereien verfangen. Gerade eben frohlockte er über die Vorzüge der netten Kollegin Amanda, der Exilbrasilianerin, dann wiederum aber überfiel ihn die Lust, ein Liebesgedicht zu verfassen für seine ehemalige Schulkameradin, die er seit 11 Jahren nicht gesehen hatte… Diese Lage brachte seinen Emotionshaushalt in iene Zwickmühle und unter den Bindungen und Windengen der GEwissensorgane breitete sich eine unwiderstehliche Lähmung und Trübheit aus. Wen liebte er denn eigentlich und warum? Und warum sollte das so wichtig sein? Er, der sich als Kommunist und Feminist betrachtete, wartete doch nur auf die Attacke der Frau, dass die femininen Kätzchen sich vorwagen, ihre Beute und Schmusetiger selbst einzufangen, zu verführen.
Aber da bot sich ihm die Lösung. Schauen wir in die Geschäftswelt. Dort werden die ehrlichen, maskulinen Kämpfe geschlagen. Es ist traurig, aber leider ist es wohl so: dieses Feld ist noch deutlich einfacher zu beackern als die Liebe und verspricht nicht so herbe Verletzungen.
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So zumindest war der Vorsatz ausgefallen, den er sich gestern Abend unter zähem innerlichem Ringen abgetrotzt hatte. Ja, was bin ich für ein ekelhafter MEsnch, hatte er da nach der Arbeit gemacht, seinen Rucksack in die Ecke gepfeffert, seine Schuhe an die Wand geknallt und war an die Tastatur geschritten, an jenes Werkzeug also, das ihm einige Male schon derartige Streiche gespielt hatte, als er gefühlt hatte, dass das, was er schrieb, zu intensiv, zu lustvoll und berauschend war, als dass er es zulassen konnte, dass es ihm immer weiter unkontrolliert entströmte. Daher zog er oft das reine Sinnieren und beschauliche Kontemplieren während eines Waldspaziergangs vor, das nicht diese Schärfe und Gebundenheit mitlieferte, dort versickerten die Konzepte entlang unscharfer Linien, dort brachte man sich in Sicherheit und wurde von der Natur beschwichtigt, wie einst Goethe schon in den guten alten Zeiten, als ein Dichter noch was zählte.
Jedenfalls, ich mache doch alles nur wegen der sozialen Kohäsion. Jetzt bin ich Mitte Zwanzig, nun gut, vielleicht ein Wunderkind, ich kann viel denken, und viel Gehaltvolleres, wie mir scheint, als diese altbackenen postmodernen Philosophen und Literaturbetreiber, Kulturindustriearbeiter.
Aber was zählt das letztlich? Es zählt nichts, weil es nicht das ist, was diese eine geliebte Schulkameradin, die damaals mit mir in der Klasse war, lesen, verarbeiten, verstehen könnte, um sich in mich zu verlieben oder… um mich zu sehen, so wie ich bin; ja, viel wichtiger, damit ich mich so sehen kann, wie ich sein will, nämlich ihrer würdig, ihrem tief eindringenden Blick und den roten Feuerlocken.
Dass die für immer mein sein könnten, ist undenkbar, so viel Schönheit darf ich nicht für mich behalten; allein daher, weil sie mir all das zumutete und mich belastete mit ihrer ganzen Art und Weise des Schönseins, des Natürlichseins, ungezwungen und lebensfroh… ach, wie weh das tut! Jedes Adjektiv, das ich noch aufreihe, stößt den Dolch noch einen Zentimeter tiefer. Lebendig. Impulsiv. Geladen. Ungeduldig. Sprühend, wirbelnd, galaktisch aufleuchtend.
Genug.
Beiseite damit. Also exakt wegen all diesem Ballast musste ich ja erst den Weg der Polyamorie finden, wo ich mir jetzt nach einigem Sinnieren mein theoretisches Lager zurecht gemacht habe. Aber dieses Nest fällt sofort wieder auseinander, wie ist jetzt das Verhältnis zwischen der einen Liebe, die sich näher anfühlt, weil erst kürzlich entflammt, jüngeren Datums und der anderen Liebe, die intensiver, weil sublimierter, weiter weg und länger gebildet, gegart, gegärt ist, jene Liebe zu ihr, der ehemaligen Klassenkameradin Luisa?
Es ist nicht bestimmbar, ich bin verloren und kann mir immerhin diesen Ausweg suchen, ganz auf die Liebe zu verzichten und alles in mein Denken, meine Philosophie oder Kunst zu investieren. Genau, was ich da schon alles hätte schaffen können… aber immer bin ich so träge und horche lieber auf meine Mutter, wenn die sagt, ich solle ihr im Garten helfen, dies und das erledigen, was Anständiges studieren, was Lohn und Brot einbringt. Nun gut, jetzt bin ich immerhin Softwarearbeiter, fleißiger Produzent im Weinberg des Herrn der Algorithmen und bunt glitzernden Weboberflächen. Das ist schon was, damit bin ich mitten drin in dieser modernen Welt, viel mehr als diese idiosynkratischen Damen und Herren Kulturproduzentinnen, die den Verfall der bürgerlichen Welt nur noch bedauern können, schade, was kann man tun, aber die hat wirklich ihren Zenit überschritten, gärt wie ein fauliger Apfel.
Ich muss schreiben, muss was Gedachtes niederlegen, handfest verwirklcihen, in echte benennbare, entzifferbare, ablesbare Worte und Sätze übersetzen, transformieren, damit es raus aus mir ist, dann bin ich entgiftet und ja… da lauert die Gefahr, ich könnte wahrgenommen werden, meine Botschaften könnten doch mal dekodiert werden von meinen potentiellen, imaginären Geliebten, meine HErzensdamen, denen ich mich so gern herschenke in meiner freien Imagination, im nächtlichen Spiel der phantastischen Zusammenfindungen und Liebesverwicklungen, der Tollheiten, Torheiten und Glückseligkeiten, die einen voll machen, gradezu besoffen, die einen erahnen lassen, dort, nur dort in der Liebe, könne die wahre Vollheit warten, diese eine besondere Zustandsentwicklung, der wir alle hinterher hecheln, nach der wir wohl streben müssen, da wir ja unleugbar, ersichtlicherweise als Individuen eben nicht voll, sondern einzeln, verloren, auf unstetem Posten stehend, ins Meer der Weltgeschichte, den Strom der ZEit, des Vergessens, ERinnerns, Erzählens geworfen sind.
Aber dazu bin ich zu blöde, wie gesagt, ich horche auf meine Mutter und überhaupt jeden, den Chef, den nächstbesten Freund oder Verwandten, der mir sagt, wos langgeht: weil ich doch auch einfach nur meine Tage füllen will udn das GEfühl habe, durchzudrehen; in dieser bürgerlichen Welt kann ich nicht normal sein, zumindest kein normales Individuum, als Teil der Liebeskugel, nunja…
das wäre noch zu erörtern, inwiefern das möglich wäre, dort normal und bürgerlich zu sein.
Jedenfalls jhätte ich alles schon geschafft: meine Theorie über den Marxismus im 21. Jahrhundert, über Ästhetik und Kunstproduktion, meinen Roman über Liebe oder Abenteuer und Entdeckungsreisen… wenn nur sie dagewesen wäre, mir beiseite gestellt wäre, zur Seite gestanden wäre, dann nämlich hätte diese toxische Männlichkeit, die ich in mir spüre und die auch für diese Kunst- und Wortproduktion verantwortlich ist, einen adäquaten balancierten Counterpart gehabt, die weibliche Femininität, die mich gemahnt hätte, das Leben sei schön, und sei es nur ,weil es möglich ist, jederzeit dieser wunderbaren Frau ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern durch ein paar Worte, gleich einem Zaubertrick.
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