Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#192 Hiku

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192

Make sure to visit the small town of Cassis while your in Marseille, it’s pretty close and has stunning views from the cliffs above the sea and beautiful hidden bays. There is also a train station.

00:00:00 To Zoryana
00:19:08 To Liliya
00:23:26 To Hiku 00:57:15 Text-Lesung auf Deutsch
01:18:05 English intermezzo

Recording date: Monday, 8 August (yesterday)

Das fehlende zweite Häkchen
jemandem nachsteigen - to chase [after] sb
liliyas lover
freiwilliges Zölibat
Scheiden, Scheiden, Scheiden
Rohrbiss — bite in the pipe

Brutalismus 3000 - Romantika
https://www.youtube.com/watch?v=jtRV9DWKTKo


Text-Lesung

Donnerstag, 3. August (erster Teil aus NvA, fühlte mich heute morgen elend und musste mich erbrechen, es kam Gallenflüssigeit, evtl. eine Reaktion auf die gestrige Folge… 187)

Herr Rohrbiss, sehen Sie nicht die Notwendigkeit, zu fiktionalisieren? Wenn Sie jetzt einfach schreiben würden, über irgendwas, aber vorzugsweise über etwas so Brennendes wie »Definición« (Die Schule der Empfindsamkeit), ja, also und da verwenden Sie die wirklichen Namen ihrer Schulkameraden… ist das nicht etwas… nun, unseriös? Um seriös zu sein als Schriftsteller, muss man fiktionalisieren, muss lügen können. Aber Sie… Sie wollen einfach die Vergangenheit zurückholen, sind psychisch unreif und kleben an ihr, unfähig, sie wie ein normaler erwachsener Mensch zu überwinden. Oder nehmen wir Ihr »Imperialismus«-Werk, wo Sie zwar die Namen geändert haben, viel mehr aber auch nicht, oder die ganzen unreifen Gedichte an Ihre Kolleginnen, in denen Sie ihre Schönheit besingen wie ein mittelalterlicher Minnesänger. Sie sind unfähig, zu abstrahieren, kleben immer am konkreten Horizont Ihres persönlichen Lebens.

— Nun, lassen Sie mich antworten. Also ich bin einfach wütend auf Liliya, meine Kollegin. Und gegen sie schreibe ich an. Sie taxiert, bewertet mich, sie wartet, dass ich wieder zu ihr herkomme, damit sie mich wie eine Jury beim Gesangswettbewerb benoten kann und ihr kritisches Urteil über mir herabsausen lassen kann wie einen Schlagbaum. Ich würde sie ja gern lieben, aber nicht, solange sie so stur daran festhält, immer nur auf mich zu reagieren, nie kühn und verwegen selbst voranzugehen und zu agieren.
Im Moment will ich nur aggressiv sein, warum? Nun, weil sie nicht auf meine Telegramnachricht reagierte an Sylvester. Und ich wollte doch einfach nur sichergehen, dass es ihr gut geht. Aber sie? Liest nicht mal meine kurze Message. Das brachte mich auf die Palme, dass ich da hinter dem ersten Häkchen kein zweites sah, was bei dieser App eben bedeutet, die Person hat die Nachricht, den Chat mit mir noch nicht mal geöffnet, um nachzuschauen, was drinsteht. Gut, vielleicht kann man es auch über die Handy-Benachrichtigungen sowieso schon sehen…. aber das ist nicht der Punkt. Sie antwortete nicht, ignorierte mich und dann noch das fehlende zweite Häkchen, die ultimative Demütigung für jeden Chat-Teilnehmer!
Also das trieb mir derart die Zornesröte ins Gesicht, brachte mich auf die Palme… ich hatte doch nur "how are you" oder ähnliches gefragt und hinterhergeschoben, ich wolle mich versichern, dass meine Worte von vor einigen Tagen sie nicht verletzt hätten.
Also da blieb mir nichts übrig, ich musste zum Schlag ausholen und setzte einen dreiseitigen Text an sie auf, in welchem ich von meinen schriftstellerischen Versuchen erzählte, von dem Roman über Argentinien und was weiß ich alles. Jedenfalls, der Punkt war: sie las es sofort. Diesen Text, einmal gesendet, las sie in Windeseile durch, was mich überraschte und ich hatte bereits nach 10 Minuten ihre Antwort ("Thanks for your honesty but I'd prefer to keep our communications to work matters«).
Also das ist es, was mich so aggressiv macht. Immer wollen die Frauen einen Mann, der viel Aufhebens macht. Schreibt man nur eine kleine Nachricht, wird man nicht mal gelesen, geschweige denn dass man eine Antwort bekäme. Aber holt man die große Keule raus, dann können sie auch nicht widerstehen und springen sofort auf diesen Text. Ja was soll ich aus alldem jetzt für einen Schluss ziehen? Nur den, recht wütend zu sein.

—Aber ist diese Aggression denn nicht etwas irrational? Was hat sie Ihnen denn getan?
— Was sie getan hat? Nun, sie verhält sich exakt so passiv, wie die Frauen es heutzutage eben im Allgemeinen tun und das stört mich, so kann oder will ich sie nicht lieben.
Denn wenn sie mir damit sagen will, du bist doch der große Mann, du weißt über alles Bescheid und kannst bestimmen, nun, dann sage ich, schön, aber dann brauche ich dich nicht, Frau, dann widme ich mich eben nur meinem Schreiben. Wozu brauche ich dich dann noch, Frau? Nur, um mich zu vergewissern, über dir zu stehen, dich notfalls demütigen zu können? Nein, dann lieber allein sein. Darauf läuft es hinaus.
Wenn du dich dahin setzt, mir schräg gegenüber im Büro und einfach nur auf mich wartest… mir keinen Maßstab in die Hand gibst sondern von mir verlangst, meinen Maßstab an dich anzulegen… dann werde ich zornig, du dumme Bitch. Denn du… so ungebildet, so bereit, sich jederzeit dem Mann hinzugeben, aber immer nur auf sein Kommando hin, nie aus eigenem Antrieb. Also… was soll ich sagen, dann bist du eben die ideale Muse, bist ein leeres Blatt Papier, auf das ich ejakulieren kann, wie es sich für einen Literaten gehört. So und damit fertig, dann ist nicht mehr die Rede davon, dich wirklich zu lieben, wozu noch? Dafür müsste eine Frau mich schon mehr unter Druck setzen, müsste mich konfrontieren… und nicht nur durch Schweigen und Abwarten locken.

— Aber vielleicht war sie ja auch selbst unsicher, was zu tun sei?
—Basta! Ich will keine Ausreden ihres schändlichen femininen Verhaltens mehr hören! Was sie mir angetan hat, war der Gipfel, war eins der schlimmsten Dinge, die man mir je angetan hat… sie hat mich zerstört, und jetzt will ich einfach diesen Einschlag genießen, will mich nie wieder auf die Seite des Glückes wenden sondern das Leben in vollen Zügen von dieser Seite der Schlechtigkeit, Niedertracht und Liebes-Verzweiflung genießen. Jawohl, denn die Liebe hält ja sowieso nicht für ewig, warum sie also nicht gleich am Anfang zerstören? Das ist mein Plan. Ich wollte doch nur mit ihr reden, nur im Büro plaudern, in den Pausen, gemeinsame Arbeitspausen einlegen… aber durch ihr ganz klar dediziertes, ja sogar übertriebenes feminines Verhalten, zwingt sie mich, das Ganze unter einem erotischen Blickwinkel zu sehen. Und das, wo doch sowohl ich als auch sie zu der Zeit einen Freund bzw. eine Freundin hatten!
Und gut, dann sehe ich es eben so, aber sei gewarnt, meine Art zu lieben ist eben so, dass ich zerstöre.
Sie hat es durch ihre Nachrichten so hingestellt, als hätte ich ihr einen Antrag gemacht, hätte versucht, sie zu verführen. Durch ihr aufgescheuchtes, alarmiertes, stocksteifes, übertrieben sensitives Verhalten lässt sie es geschickt durch die Kraft ihrer Schauspielerei so aussehen, als hätte ich ihr nachgestellt, hätte mich an ihr vergriffen, vergangen oder sei zumindest im Begriff gewesen, dies zu tun, habe dies im Schilde geführt und hätte diesen Plan exekutiert, hätte sie mich nicht durch ihr Stopp-Schild aufgehalten. Aber nichts dergleichen, durch ihr gereiztes Auftreten führt sie ja erst diese Dimension ein, davor war doch gar keine Rede, auch keine unausgesprochene, angedeutete, davon, dass es um die Liebe ginge. Aber nachdem sie so störrisch und geknickt war, lag es auf der Hand. Sie deutete darauf mit ihrem weinerlichen, aufgesetzten Ressentiment gegen mich, diese Traurigkeit… ja, warum überhaupt? Sie ist wie ich, sie braucht das Spiel.

Aber mir wird so langsam schlecht, ich kann nicht mehr… Wenn ich mich schädige, dann auch, um ihr etwas wegzunehmen, etwas von diesem Körper und Geist, der ihr gehören sollte…

Aber genug davon, so ist meine Idee, ich will einfach schreiben, am besten Def… ist dieses Werk noch in progress? Es scheint ja.

Ich muss so langweilig sein, wie es geht, aber bitte doch nicht so irrational und selbstzerstörerisch. Also schau, es ist lustvoll, zu schreiben, irgendwie muss man da was machen. Egal… ob ein Absurdes Stück wie obiges für die Podcastvorlesungen oder anderes, gewichtigeres.
Langweilig, um bloß nicht ihren Freund zu übertrumpfen. Junge, was für ein Glück, dass er da ist. Jetzt kann ich in vollen Zügen lieben.

Meine Podcasts sind in Wirklichkeit seine Podcasts und er soll sie ihr als Geschenk überreichen, das möchte ich morgen in Folge 188 sagen.

— Das sind krude Überlegungen, Herr Rohrbiss, Sie können das gern äußern im Podcast, es steht Ihnen ja frei, alles zu tun oder zu lassen, wie es Ihnen grade einfällt. Aber meine Rolle ist es nur, Sie darauf hinzuweisen, dass Sie in den Augen und Ohren des Publikums sicher ein verschrobener, schrulliger Charakter sind, der sogar zum Stalking neigt, wie man dem Fakt entnehmen könnte, dass Sie Liliya ja auf Instagram nachstiegen…

— Also wenn das Stalking ist… natürlich bin ich neugierig, was sie da so postet und ihr instagram-Name bzw. Handle war nun mal das gleiche, was sie in Telegram verwendete, deshalb konnte ich sie leicht aufspüren. Also ich bin doch einfach unglücklich, allein zu sein und würde es begrüßen, käme sie zu Besuch oder meine Ex-Freundin oder sonst jemand, ja sogar über männlichen Besuch würde ich mich im Moment freuen, wo ich fühle, es steht nicht zum besten um mich, weder um meine körperliche Gesundheit, noch um meine geistige Verfassung, zudem wird es mir hier in der WG etwas eng, nachdem zu Monatsbeginn noch ein Algerier und eine Ukrainerin eingezogen sind — es ist einfach etwas wenig Platz hier, 8 Leute auf einem Fleck und ständig ist das Klo oder die Küche besetzt!

— Herr Rohrbiss, kommen wir nochmals auf Manita, ihre erste und letzte Freundin zurück. Mit ihr erlebten Sie ja die bürgerliche Liebe, das Gefühl des Verbürgerlichens, des pazifistischen Befriedigens aller vormaligen internen Konflikte, die ihrer Persönlichkeit so zu eigen sind und die teilweise Erfüllung des Traumes der Harmonie und Geborgenheit in der Umarmung mit der anderen.

— Ja, das stimmt freilich, aber sie möchte nichts mehr von mir wissen, bzw., sie ist wie Liliya, spielt ihre Spielchen, ich weiß nicht, um mich zu locken oder um mich abzuhalten… es ist mir egal. Solange mir die Frauen keine klareren Zeichen geben, genieße ich eben mein Junggesellenleben. Ich bin niemand, der es für nötig und schicklich befünde, jemandem nachzusteigen und nachzustellen, bis man die Liebe konzediert bekommt. Da ist mir das Stalker- oder Erotomanesein noch tausend Mal lieber, auch wenn ich bezweifle, mit welchem Recht man mich so nennen bzw. denunzieren dürfte.
Also um es klar zu sagen: ich steige euch gern auf instagram oder WhatsApp nach, aber das ist auch die Grenze. Wenn ihr mich nicht auch kontaktiert und zu erkennen gebt, dass ihr ein wirkliches, physisches Zusammentreffen zwischen uns wünscht, dann wars das, dann genieße ich eben meine imaginären schreiberischen Liebesallüren, jene Allüren und prinzessinnenhaften Theatervorstellungen, die mich so umtreiben, ich weiß gar nicht, warum.

Ich möchte hier aber nochmal weiter ausholen, zum Rundumschlag. Mir scheint, gestern war ein gesegneter Tag, denn ich entdeckte beim Genuss der üblichen Portion Kaffee in meinem Lieblingslokal nach der Arbeit auf instagram eine Bilderstrecke mit meinem Schwarm Liliya und ihrem koreanischen Liebhaber. Das versetzte mir einen Stich, stachelte mich aber auch auf. Schon vor zwei Monaten hatte ich dort auf instagram nachgeschaut — es ist keineswegs so, dass ich ihr täglich nachsteige, sie postet dort ja auch nicht viel, nur ab und zu Urlaubsbilder, sondern nur alle ein oder zwei Monate schaute ich mal wieder vorbei auf ihrem Account, ansonsten bin ich auch selbst eigentlich gar nicht auf instagram unterwegs und nur aufgrund sozialen Drucks meiner Freunde legte ich mir überhaupt ein Profil an und postete im Herbst einige gelungene, aber auch schräge Urlaubsbilder aus Athen, auf denen meine exzentrische Ader klar hervortritt — und damals, vor zwei oder auch schon drei bis vier Monaten also informierte mich eine Bilderstrecke über ihren Aufenthalt in Madrid, der irgendwann im Frühling stattgefunden hatte. Ich fragte mich natürlich, mit wem sie dort gewesen war. Mit ihrer in München beheimateten internationalen Freundesgruppe? Aber zu dieser zählte vermutlich auch ihr koreanischer Liebhaber, warum also sollte sie nicht nur zu zweit mit ihm dort gewesen sein? Schwere Fragen. Jedenfalls ist der entscheidende Punkt, dass ich erst gestern ein Video dort entdeckte auf ihrem Profil, einen Zusammenschnitt der schönsten Madrid-Momente mit Manu-Chao-Musik im Hintergrund. Ich glaube, dieses Video war vor einigen Monaten noch nicht da oder aber ich hatte es übersehen.
Jedenfalls aber sah ich dort, wie zufällig im Hintergrund ihrer Videoaufnahme, einen jungen Mann mit etwas längeren Haaren, einem sehr ansprechenden Haarschnitt, der in der Popkultur vielleicht als Justin-Bieber-Schnitt bezeichnet werden könnte und den auch ich mir ab und an zuzulegen gestatte, vor allem, seit meine Ex-Freundin mir sagte, wie erotisch anziehend sie meine langen Haare fand. Freilich reden wir hier nicht über längere Haare im Sinne eines Frauenhaarschnitts, wie sie ja eher in den 60ern und 70ern für Männer in Mode waren.
Jedenfalls scheinen Liliyas Freund und ich einige Gemeinsamkeiten zu teilen. Dieser junge Mensch da im Video-Hintergrund, wie konnte ich mir sicher sein, dass es sich um ihn handelte, um ihren koreanischen Freund? Immerhin hatte er auch Ohrhörer eingesteckt und schaute auf sein Handy, schien leicht inkommodiert von dieser Sitaution, in der Liliya ihn wie beiläufig filmte.
Nun, ich bin mir dennoch ohne den Schatten eines Zweifels sicher. Zunächst einmal möchte ich herausheben, wie gut mir die beiden zu harmonieren und zusammenzupassen scheinen. Ja, ich wünsche euch viel Glück und Gelingen in eurer Liebe! Keine Missgunst möchte ich im Herzen tragen, sondern nur ehrliche Bewunderung und Dankbarkeit, dass es ja doch noch Menschen gibt, die sich zusammenfinden und lieben und so allein durch die Möglichkeit des Anblickens und Gewahrwerdens dieser Liebe in der äußeren Welt, wo auch ich sie sehen und ihr nachspüren kann, diese Außenwelt befruchten und beglücken mit dem Nektar ihrer neu entflammten Liebe. Ja, ohne euch zu sehen, würde ich selbst vielleicht nicht mal mehr wagen, zu denken, auch ich könne ein liebesbedürftiger Mensch sein und sollte mich auf die Suche nach diesem Glück der zweisamen Zusammenfügung machen. Aber allein dieser winzige Videoausschnitt machte mir alles klar. Der Koreaner, nennen wir ihn Hiku, mit seinem abgewandten, schüchternen Blick nach unten und dann schwenkt Liliya die Kamera bzw. es gibt einen Schnitt, jemand anders, vermutlich er, hält die Kamera und man sieht Liliya, wie sie ausgelassen einen Arm nach oben reckt und sich an der Überfülle der madrilenischen sonnigen Frühlingstage und des Hierseins mit ihrem Schwarm und Herzensbruder Hiku labt. Ja, da lernte ich sie nochmal ganz neu kennen, in dieser nur wenige Sekunden dauernden Pose. Denn zunächst mal kommt hier auch ihre Schüchternheit zum Ausdruck, sie ist es nicht so sehr gewohnt, viele Videos zu machen und auf Instagram hochzuladen, vielleicht daher merkt man ihr eine gewisse Nervosität an. Dann aber, als ihr Körper einmal in Bewegung gerät, da hält sie nichts mehr, da lächelt sie und ist das Selbstbewusstsein selbst, da dominiert sie den gesamten Platz, auf dem sich die beiden befinden, mit ihrer hochgewachsenen Figur, kerzengerade aufgeschossen und man bekommt den Eindruck, diese Frau ist ein explosives Energiebündel, angefüllt von einem Gemisch, das sie jederzeit über sich hinaus treibt, daher muss sie sich zurückhalten, um nicht zu weit zu gehen in dieser bürgerlichen Welt und gar noch die Grenzen des guten Geschmacks einzureißen. Aber hoffentlich wird sie sich ihrer Eleganz, ihrer Dynamik und souveränen Weltgewandtheit immer mehr bewusst, sodass sie noch impulsiver handeln oder den anfänglichen Impulsen, die in diesem Video-Ausschnitt nur kurz nachklingen, mehr Zeit einräumt zu ihrer Verwirklichung.
Jedenfalls steht für mich außer Frage, dass die beiden zusammenpassen wie ein Topf auf einen Deckel, dass sie sich gegenseitig stimulieren und emporheben können und Liliya ja schon heute so anhimmlungswürdig und voll Grazie ist, vor der man nur kapitulieren und die Waffen strecken kann; gleichzeitig ist Hiku auch voller Eleganz und natürlicher Bescheidenheit, Zurückgezogenheit, die ihm dennoch nicht den Glanz des neugierigen Entdeckers nimmt, der sich bewundernswert zurecht findet in einer ihm fremden Kultur hier in Europa. Ja, all dies interpretiere ich in ihn hinein, weiß ich auch nicht, wie lange er schon hier wohnt, aber eine gewisse Unsicherheit und noch nicht vollendete Assimilation der hiesigen Kultur lese ich aus seinen Gesten und Zügen heraus, was ich ihm ja nicht vorwerfe, bei Gott, nein, bin ja kein verdammter CSUler…. Das braucht eben Zeit und überhaupt ist es ja auch gar nicht erstrebenswert, ganz »deutsch« zu werden.
Die Achse Südkorea-Ukraine scheint also stabil. Und das freut mich, auch wenn es meinem persönlichen Narzissmus natürlich eine herbe Kränkung versetzt, das muss ich einräumen. Aber es ist doch besser, diese Regungen des Gemüts nachzuvollziehen, ihnen nachzuspüren und sie nicht gleich wieder beiseite schieben zu wollen.

Aber ich schweifte ab, nur hier zur Vervollständigung noch der Hinweis, warum ich mir so sicher war, dass gerade er, Hiku, Liliyas Lover sei. Das Material aus Madrid gab mir keinen eindeutigen Hinweis, aber nun sah ich gestern eine neue Bilderstrecke oder wie nennt man das eigentlich auf instagram, da gibts so komische Funktionen wie »Reels«, die ich überhaupt nicht durchblicke und die sich ja allein vom Namen her schon suspekt anhören, weshalb ich immer Twitter bevorzugte, das Textuelle ist doch das Wahre, vielleicht wird Hiku mir hier zustimmen, da er seine Brötchen auch in einer Branche verdient, die mit dem geschriebenen Text zu tun hat. Das nämlich fand ich heraus, als ich über seinen Profilnamen stolperte, der in dieser neuen Bilderstrecke auf Liliyas Account versteckt war. Ja, nur ganz kurz blitzte er auf, Hiku mit seinem Profilbild samt Namen. Irgendwie war er über ein Bild gelegt, was vielleicht eine eingebaute Funktion bei Instagram ist… aber wie dem auch sei, ich merkte mir natürlich den Namen, die restlichen Bilder waren weniger interessant, irgendwelche Urlaubsfotos, immerhin war Liliya wie es schien nun in einer größeren Freundesgruppe unterwegs, weil es ein schönes Gruppenbild gab, auf dem ich Liliyas Gestalt nur verschwommen im Hintergrund erkannte, alles in allem aber doch eine recht launige, schöne Ausfahrt für diese junge Freundesgruppe, so schien es mir.

Dieses Profil also, das hinter diesem Namen und Bild stand, machte mich sicher, dass es sich um exakt ihn handelte. Streng genommen habe ich nicht viele Hinweise, Liliya erzählte mir im Herbst nur, sie sei eben mit einem Südkoreaner zusammen, der auch irgendwo bei München wohne. Aber alles in allem. Wow. Endlich fühle ich auch mal ein Fitzelchen Eifersucht.

— Warum erzählen Sie mir das alles, Herr Rohrbiss? Sie scheinen ja wie fixiert, fast wie eine wissenschaftliche Ausarbeitung und Experimentierbeschreibung legen sie uns hier die Fakten über Liliyas Privatleben vor, die doch niemanden was angehen außer sie und Hiku…

— Aber ich als Schreiber muss mich nun mal bei meinen Mitmenschen und ihren Lebensgeschichten bedienen, das ist unweigerlich so, behaltet das immer im Hinterkopf liebe Freunde und Verwandte, in diesem Sinne bin ich inkontinent, wort- und sprachinkontinent, es wird nie was wirklich geheim bleiben, was ihr mir anvertraut — natürlich würde ich jetzt nicht medizinische Details über meine Ex-Freundin oder meine Verwandten ausplaudern. Aber das ist die Grenze, die Biologie, der Körper ist doch was Heiliges, daher werden alle auch so schnell gereizt, steht er zur Debatte, siehe die Corona-Zeit. Aber alles Nicht-Biologische, also was nicht eine spezielle Eintrübung und Deformation der Biologie betrifft sondern nur allgemeine Merkamle Geschlechtsorgane, die geschlechtliche Lust, darüber werde ich nach freiesten Prinzipien spekulieren und fabulieren, die Fantasie mit realen Bruchstücken mischen und so meinen alchemistischen Zaubertrank anrühren, jene literarische Mischpoke, für deren Zusammenrührung ich die ganze mir zur Verfügung stehende Zeit und Kraft aufwenden möchte. Auch über Individuelles schreibe und rede ich freilich, über Gesichtszüge, die ästhetisch schön erscheinen können, habituelle Gesten und all das Zeugs eben, das sich kaum umgehen lässt, denkt man an eine bestimmte Person und möchte etwas von ihr widergeben.
Aber nie über medizinische Gebrechen, das ist die einzige Grenze, die ich respektieren kann. Denn wenn man krank ist, dann gehts einem übel, das fühle ich selbst heute, wo ich mich erneut niedergestreckt, kränklich, schwach und unnütz fühle.

— Herr Rohrbiss, ich gebe Ihnen ja nur gute Ratschläge. Können Sie mit der Betrachtungsweise etwas anfangen, dass es ja auch nur zu Ihrem Besten wäre, wenn Sie den Weg der Mäßigung und Normalität einschlagen würden, sich in ihrem Lieben wieder etwas mehr an den sozialen Standards und Normativen zu orientieren? Niemand kann lange außerhalb der Gesellschaft, der wärmespendenden Gemeinschaft leben…

— Nein, ich möchte aber nur noch eines zu Protokoll geben hier, nämlich die ozeanische Schuld, die ich gegenüber meiner ersten Geliebten, Manita, empfinde. Also sie, Manita, hätte doch alles verdient, den besten, fürsorglichsten Mann. Nur ist die Welt heute leider nicht zum Besten eingerichtet. Und ich mache mich schuldig, jetzt mit Hiku wird es mir ganz klar: allein schon, weil ich mehr Eifersucht gegen ihn empfinde als gegen Manitas neuen Liebhaber. Diese Empfindung der Eifersucht ist proportional zur Wahrnehmung der Kuriosität, also diese Divergenz zwischen meiner Neugier auf Liliya und Manita… was ja aber nur den Umständen geschuldet ist, da ich Liliya noch nicht so genau kenne, sie eine Unbekannte, eine lockende Nymphe in meinen Augen ist. Aber ich würde doch nur gern die Liebe verstetigen, verewigen und vor allem die heute grassierende Rede von der männlichen Bindungsangst, der Weigerung, sich festzulegen und eine ernste, exklusive Beziehung einzugehen, widerlegen. Nicht alle Männer sind so schweinisch, dass sie nur an den Sex denken und nur möglichst viele Frauen nacheinander vögeln wollen, um die Länge ihrer Liste, des umgangssprachlich »Body Count« genannten Zählers aller bisherigen Sexualkontakte, wachsen zu sehen. Nein, ich jedenfalls will die große Liebe und will mich ganz in sie hinein investieren, alle Zeit und Mühe und auch Selbstkasteiung, Hinterfragung, Optimierung gar im Vorfeld dieser Liebesbeziehung leisten, um wirklich reif und würdig zu sein.
Aber ich weiß nicht, ob es reicht, ob Manita verstehen wird, dass mit all den Podcasts doch auch sie gemeint ist, dass nicht etwas Individuelles für mich die Liebe bestimmt sondern das Allgemeine, aber dass sie immer einen singulären Platz in meinem Herzen einnehmen wird und man aus praktischen Gründen sich ja beschränken muss und überlegen, wie viele Menschen man überhaupt lieben könnte, wobei ich eben definitiv mehr als eine, aber sagen wir, um eine Zahl zu nennen, weniger als fünf ansetzen würde. Und da wird Manita immer den ersten Platz einnehmen, es ist mir am wichtigsten, mit ihr in Kontakt und Austausch zu sein und das sind wir ja auch immerhin über WhatsApp, was im Grunde auch schon reichen kann, zumindest in meinem Falle eines vergeistigten Literaten, dessen gesamte Existenz auf das Wechselspiel von Geist und Körper angelegt ist, da er in dieser Dialektik ein sich wiederholendes Grundmuster des Lebens erkannt zu haben scheint.

————————————————

Michel Houellebecq, Elementarteilchen, Zitat:

»Auch Bruno war in der elften Klasse im Gymnasium in Meaux, aber in einer Parallelklasse. Er sah seine Mutter selten. Zweimal hatte er die Ferien in der Villa verbracht, die sie in Cassis bewohnte. Sie nahm viele junge Leute in ihrem Haus auf, die auf der Durchreise waren und per Anhalter durchs Land zogen. Diese jungen Leute waren das, was die Boulevardblätter Hippies nannten. Tatsächlich arbeiteten sie nicht; während ihres Aufenthalts in der Villa kam Janine, die ihren Vornamen geändert hatte und sich Jane nennen ließ, für ihren Unterhalt auf. Sie lebten folglich von den Einnahmen aus der Klinik für Schönheitschirurgie, die ihr Exmann gegründet hatte - also letztlich von dem Wunsch gewisser wohlhabender Frauen, gegen die Verfallserscheinungen anzukämpfen, die die Zeit mit sich bringt, oder gewisse Unvollkommenheiten der Natur zu korrigieren. Sie badeten nackt in kleinen Felsbuchten. Bruno weigerte sich, seine Badehose auszuziehen. Er fühlte sich kalkweiß, winzig, abstoßend, dick. Manchmal nahm seine Mutter einen der Jungen mit ins Bett. Sie war schon fünfundvierzig; ihre Schamlippen waren dünner geworden und hingen etwas herab, aber ihre Züge waren immer noch hinreißend. Bruno wichste dreimal am Tag. Die Scheiden der jungen Frauen waren zugänglich, manchmal waren sie nicht einmal einen Meter entfernt; aber Bruno begriff vollkommen, dass sie ihm verschlossen blieben: die anderen Jungen waren größer, gebräunter, kräftiger.
Viele Jahre später sollte Bruno feststellen, dass die Welt der Kleinbürger, die Welt der Angestellten und mittleren Beamten toleranter, liebenswürdiger und aufgeschlossener ist als die Welt der Aussteiger, der am Rande der Gesellschaft lebenden jungen Leute, die damals durch die Hippies verkörpert wurden. "Ich kann mich als ehrbarer Angestellter verkleiden und von ihnen akzeptiert werden", sagte Bruno gern. "Dafür brauche ich mir nur einen Anzug, eine Krawatte und ein Oberhemd zu kaufen - das ganze für 800 Franc im Schlussverkauf bei C&A; eigentlich brauche ich nur zu lernen, wie man eine Krawatte bindet. Dann ist da allerdings noch das Problem mit dem Auto - das ist im Grunde die einzige Schwierigkeit im Leben eines Angestellten; aber das ist zu schaffen, man nimmt einen Kredit auf, man arbeitet ein paar Jahre, und dann schafft man es. Dagegen würde es mir nichts nützen, mich als Aussteiger zu verkleiden: dafür bin ich weder jung, noch schön, noch cool genug. Ich habe Haarausfall und nehme leicht zu; und je älter ich werde, um so ängstlicher und empfindlicher werde ich und um so stärker leide ich darunter, wenn man mir mit Abweisung oder Verachtung begegnet. Kurz gesagt, ich bin nicht natürlich genug, oder mit anderen Worten, nicht Tier genug - und dabei handelt es sich um ein unüberwindbares Handikap: Was immer ich sage, tue oder kaufe, nie wird es mir gelingen, diese Schwäche zu überwinden, denn sie hat die rohe Gewalt einer natürlichen Schwäche.«

Schon bei seinem ersten Aufenthalt wurde Bruno klar, dass die Hippies ihn nie akzeptieren würden; er war kein schönes Tier, würde nie eins sein. Nachts träumte er von weit geöffneten Scheiden. Etwa zur gleichen Zeit begann er, Kafka zu lesen. Beim erstenmal empfand er ein Gefühl der Kälte, des heimtückischen Frosts; mehrere Stunden, nachdem er den Prozess zu Ende gelesen hatte, fühlte er sich noch erstarrt, benommen. Er wusste sofort, dass diese verlangsamte, von Schmach und Schuld gekennzeichnete Welt, in der sich die Wesen in einer kosmischen Leere begegneten, ohne dass je eine Beziehung zwischen ihnen möglich schien, genau seiner Geisteswelt entsprach. Die Welt war langsam und kalt. Doch es gab eine warme Sache, die die Frauen zwischen den Beinen hatten; aber zu dieser Sache hatte er keinen Zugang.«

https://books.google.de/books?id=G-4mBQAAQBAJ&pg=PT61&lpg=PT61&dq=houellebecq+elementarteilchen+doch+es+gibt+eine+warme+sache,+die+die+frauen+zwischen+den+beinen&source=bl&ots=TdyeNDc4-Z&sig=ACfU3U16VWE0MQveeu84QJwHpGKbLzI5ZQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjfruj1v_v7AhUAiP0HHdL_CcAQ6AF6BAg2EAM#v=onepage&q=houellebecq%20elementarteilchen%20doch%20es%20gibt%20eine%20warme%20sache%2C%20die%20die%20frauen%20zwischen%20den%20beinen&f=false


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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