Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#61 Licht aus

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Slavoj Zizek über seinen Urlaub

Das Buch "Das Kapital hasst alle" scheint nicht auf Deutsch vorzuliegen, warum auch, dort wird ja nicht an Revolution gedacht, hier die englische Version

Rede des Ex-Präsident Uruguays Pepe Mujica

Alternativlos mit der Journalistin Gaby Weber über Argentinien

Liebes Volk,

den Text, den ich zu Beginn dieser Folge erwähne (teils habe ich ihn im Fieber-Delirium verfasst), steht jetzt NICHT unter Folge 60, wie ich es sagte, sondern direkt unter DIESER Folge 61. Gleich hier im Anschluss publiziere ich ihn unter dem Titel „Phänomen“. Zuerst findet ihr aber noch die Lyrics zu meinem selbstgebastelten Rap, der mir beim Hören doch außerordentlich gefiel. Außerdem stelle ich den Text der argentinischen Hymne voran, da sie sehr würdevoll und erhaben ist. Viel Spaß mit dieser etwas konfusen Folge, die zwischen verschiedenen Themen und Ebenen oszilliert.

Argentinische Hymne

Hört, ihr Sterblichen, den heiligen Schrei: Freiheit, Freiheit, Freiheit Hört den Lärm zerbrochener Ketten, Seht auf dem Thron die noble Gleichheit.

Ihr würdiger Thron wurde schon geschaffen Durch die Vereinigten Provinzen des Südens Und die Freien der Welt antworten uns: Gesundheit für das große argentinische Volk!

Die Lorbeeren, die wir errangen, Werden ewig sein, Gekrönt von Glorie leben wir, Oder wir schwören, mit Glorie zu sterben.

Corona-Rap

Wir tragen jetzt Maske, sind solidarisch Das Erkennungsmerkmal der folgsamen Schafe Man blickt sich heute nicht mehr in die Augen Aber sagt: lächel doch trotzdem, wer kann das glauben?

Du glaubst, du bist einfühlsam Drum ziehst du dir noch mehr Schutzkleidung an Um bloß nichts aufzunehmen vom andern Ja nicht mal mehr raus soll man zum wandern Gesperrt ist der Ausgang ab abends, du musst schon im Bett sein Staatlich verordnet, das wird schon korrekt sein Und wer das Haus verlässt kriegt saftige Strafen Alles in Ordnung, bloß nicht lang fragen.

Der Rechtsstaat, ja wo ist er hin? Die Richter befolgen den Spin Die Medien sind für die Mächtigen ein zahmer, braver Gaul Einem von oben verordneten Lockdown schaun sie nicht ins Maul Sie blamieren die Würde ihrer Profession Wer glaubte, sie recherchierten, irrte sich wohl Verbreiten Panik und Hetze, seichte Geschwätze Wie bitter ist das, einfach das Letzte Die freie Presse, längst inkorporiert Mit Regierungssprech infiltriert

Die Wissenschaft schafft das Wissen ab Zitiert nur noch, was ihr passt Lässt sich einspannen für ne Politik Die auf Gesundheit nen Scheiß gibt

Wer anderes sagt, der wird denunziert Als Pseudowissenschaftler etikettiert Es wird Einigkeit suggeriert Man stellt sich als Gott dar, ganz ungeniert Angeblich ist jeder seriöse Virologe der Meinung Lockdowns wirken, stoppen Verbreitung Disput und Austausch von Widerspruch war mal Jetzt regiert die alternativlose Doktrin ohne Wahl

Perfekt angepasst für ein Volk, das nicht gern selbst denkt Und sich nicht traut, zu hinterfragen, was man nicht kennt Medizinische Daten sind nur für Experten Ja, mit der Haltung gehts in die Gesundheitsdiktatur, wetten Ich könnte noch ewig so rappen Aber meine Wut kocht über, ich muss mich selbst retten Jeder der klar denkt, sollte wegzappen Die Nachrichten ignorieren wos geht, einfach ins Bett gehn

Phänomen

Wir alle sind Teil des Phänomens. Nicht nur des Corona-Phänomens, sondern vor allem des Lebens als solchem. "Ich ist ein Anderer", sagte schon der französische Dichter Rimbaud. Wir selbst als Individuen sind nichts, sondern erst durch die Anerkennung und Verstrickung im sozialen Spiel erlangen wir eine Existenz als nicht nur biologische, sondern primär soziale Wesen. "Die wahre Befreiung kann keine individuelle sein, sondern muss kollektiv zugleich alle anderen mit befreien", so in etwa drückte Marx (auch wenn ich das Zitat jetzt nicht verifizieren konnte) unsere Verstrickung in die Schicksale und Leben aller anderen Menschen auf diesem Planeten aus. Das ist auch meine Richtschnur in diesem Podcast. Um nicht als vorhersehbare Sprechpuppe zu enden, die nur die emotionalen Bedürfnisse einer kleinen Internet-Bubble befriedigt und ihnen die Welt so erklärt, wie sie auch schon vorher ahnten, dass sie funktioniert, musste ich meinen Podcast im Geheimen vorantreiben, in den unwirklichen Untiefen des Internets publizieren, ohne ihn je auf breiter Basis anzupreisen und Hörer zu suchen. Diese Bubbles sind nicht die wirkliche Welt, sondern nur eine Ablenkung von ihr. Das Sprechen über derart schwierige Themen erlegt mir auch so schon einen enormen inneren Druck auf, ohne dass mir irgendjemand Feedback geben würde. Wer so von morgens bis abends brennt und nicht von seinem Projekt lassen kann, selbst wenn er erkennt, dass es ihn zeitweise zermürbt und zerrüttet, solche Gedanken und Worte zu produzieren, der hat viel Einsamkeit und Abkühlung notwendig.

Immer wieder stelle ich mir die Aufgabe, ein wahres Bild der Welt zu konstruieren oder zumindest ein wahreres als gestern. Auch wenn das schwierig ist in einer Zeit, in der der Wert selbst der Wahrheit angezweifelt und beerdigt wird und man nur noch an täglich vermeldete Zahlen und Daten glauben mag, egal wie zweifelhaft und hektisch diese zusammengestellt sind.

Die Realität auf dieser Welt ist grausam, blutig und zynisch, so viel muss ich konstatieren. Ferner verweise ich darauf, dass es in unserer kollektiven Handlungsgewalt läge, die schlimmsten Barbareien und Ungerechtigkeiten zumindest zu versuchen einzudämmen. Das geschieht aber nicht, da wir im Liberalismus leben, der davon ausgeht, jeder sei seines eigenen Glückes Schmied, und wenn es weniger begünstigten Entwicklungsländern schlechter geht, dann sei das primär ihre eigene Schuld und Verantwortung, nicht unsere, die wir von ihrer Ausbeutung und Unterdrückung profitieren und sie sehenden Auges jedes Jahr anwachsen lassen. Zuletzt zeigte die Coronapandemie, wie weit die Schere in einer großen Krise auseinandergeht. Für Bill Gates und Jeff Bezos war diese Pandemie ein Goldrausch. Auf der anderen Seite sind Hunderte Millionen Menschen in Armut abgerutscht, was mit den von uns aus dem Globalen Norden als rational proklamierten Lockdown-Politiken sicherlich viel zu tun hat, die, und das ist das wirklich Unbegreifliche, noch nicht mal irgendeine wissenschaftliche Evidenz für sich haben, etwas zur Eindämmung der Coronapandemie beizutragen.

Die breite Akzeptanz dieser interventionistischen Politik, die tief in unseren Alltag und die normalen Lebensabläufe eingreift, lässt sich meiner Meinung nach nur mit der Sehnsucht nach einer großen, kollektiven Menschheitsaufgabe finden.

Wo der Kommunismus und seine fortschrittlichen Projekte des letzten Jahrhunderts als menschenverachtend gebrandmarkt werden, blieb kein Raum mehr für politisches Nachdenken. Die Demokratie, wie wir sie betreiben, soll angeblich alternativlos sein. Jetzt stellt sich aber das Problem, dass die zahlreichen barbarischen Zustände auf der Welt nicht mehr wirklich effektiv verheimlicht und vor unseren westlichen Blicken ferngehalten werden können.

Auch das Reisen erfüllt hier eine zweifelhafte ideologische Funktion. Einerseits bereichert es das geistige Vorstellungsvermögen, andererseits erschreckt einen vieles auch derart, dass man zu eingeschüchtert ist, über radikale neue Lösungen auf politischem Feld auch nur zu denken. Immer wieder kehre ich von meinen Reisen mit dem Bewusstsein heim, dass wir in Europa noch unendlich gut dran sind und trotz aller Probleme immer noch glücklich sein können. Dieses Gefühl trägt leider in uns allen zu einem zähen Konservatismus bei. Wir wollen alles beim Alten belassen, weil wir ja vor Augen haben, wie viel schlimmer es noch kommen könnte, wenn wir wagten, grundsätzliche Gewissheiten und Glaubenssätze unserer politischen Verfasstheit als Gesellschaft anzuzweifeln. Davon kann auch ich mich nicht freihalten, aber man muss versuchen, selbständig zu urteilen und zu hinterfragen.

Die Missstände sind weder unbeabsichtigt noch zufällig sondern dienen einer spezifischen ideologischen Funktion, nämlich uns in den noch etwas zivilisierteren Ländern mit dem so eingeflößten Grauen zum absoluten Gehorsam zu bewegen und die Grundprinzipien unserer liberaldemokratischen Gesellschaftsordnung nicht mehr zu hinterfragen zu wagen. Daher müssen sie auch stetig erneuert und vergrößert werden, damit unser Erschrecken anhand der Zustände in Venezuela etwa nicht aufhört.

Die unglaublichen eingepreisten Brutalitäten dieser Weltordnung reichen von medizinischen Notständen und der Vorenthaltung einfachster Arzneien und Behandlungsmethoden, die schon längst zur Verfügung stünden, den Menschen in ärmeren Ländern aber nicht zugestanden werden, weil sie nicht dafür bezahlen können, über wachsende Lohnungleichheit, Arbeitslosigkeit und generelle wirtschaftlich-politisch Bedingungen, die wie hier in Argentinien zurzeit schon wieder die Jugend in Massen zum Auswandern treiben.

Damit ist nur ein kleiner Teil des Elends angesprochen, es sollte aber reichen, um zu ersehen, wie verlogen die Kritik an sozialistischen Regimen wie auf Kuba oder in der seligen UdSSR in Wirklichkeit ist. Dort lief sicher auch nicht alles gut, aber die Einschränkungen der persönlichen Freiheiten standen im Dienst des Wohlergehens einer Mehrheit der Bevölkerung. Dieses Ziel wurde durch die politischen Führer nie auf perfide Weise verraten, sondern allenfalls durch großteils unbeabsichtigte Fehlentwicklungen untergraben.

Auch Nassim Nicholas Taleb, den ich in Folge 51 und 53 noch mit Bewunderung für sein Werk "Antifragilität" zitierte, ist wohl in der Coronapandemie auf der Seite der Impfextremisten, die glauben, man sollte Podcaster wie Joe Rogan am besten komplett zensieren, damit sie durch ihre Infragestellung der Impfungen nicht Menschenleben gefährden.

Ich habe ja darauf hingewiesen, dass ich Impfungen durchaus für sinnvoll halte vor allem für Ältere, es allerdings im derzeitigen herrschenden gesellschaftlichen Klima weniger um die Gesundheit als um Rache und Vergeltung an zu Sündenböcken stilisierten Personengruppen geht, und man daher eigentlich Abstand nehmen sollte von einem individualmedizinischen Kalkül und eher hinterfragen müsste, wem man mit einer Impfung in die Karten spielt und welche zynische politische Strategie man damit auch noch unterstützt. Bei Rogan sollten aber auch generelle Impfskeptiker weiterhin ein offenes Mikrofon erhalten, denn die Meinungsfreiheit hört nicht dort auf, wo wir glauben, der Gesundheitsschutz und die saubere Gedankenkontrolle sei nun wichtiger. Die schlimmste Form der Desinformation ist definitiv bei den Regierungen weltweit zu finden, die ihr Ausnahmeregime mit der unhaltbaren Begründung des Gesundheitsschutzes Jahr um Jahr verlängern möchten.

Die deutschen Regierungsparteien fahren derzeit eine massive Desinformatinskampagne, indem sie für die Impfpflicht werben mit dem nachweislich falschen Argument, damit könnten wir zukünftige Wellen vermeiden und Corona sogar ganz loswerden. Die Daten aus Ländern mit knapp 100%-iger Impfquote sprechen eine klare Sprache, dort sind die Inzidenzen teils extrem hoch.

Warum eigentlich sind die Inzidenzen jetzt weltweit deutlich höher als vor der Einführung der Impfungen? Daten aus Schottland deuten darauf hin, dass Ungeimpfte ein geringeres Infektionsrisiko haben als Geimpfte (inklusive Geboosterter): https://twitter.com/holmenkollin/status/1483800600525611011/photo/1 Das würde heißen, auch wenn die Impfung vor schweren Verläufen schützt, müsste man diesen Schutz gegen die erhöhte Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren abwägen. Denn natürlich steigt auch mit jeder zusätzlichen Infektion das Risiko eines schweren Verlaufs, sodass insgesamt gleich viele Menschen wie vor den Impfungen schwer erkranken könnten. Dies sind keine Behauptungen, sondern nur meine laienhaften Überlegungen, die versierte Statistiker wie Taleb mal in ihre Haltung mit einbeziehen müssten.

Hier aber zu dem Haupttheorem, meiner These, warum ein umfängliches skeptisches Nachdenken für viele kluge Leute wie ihn oder die deutsche Podcasterblase nicht mehr möglich war seit Beginn der Pandemie vor etwa zwei Jahren. Diese Menschen, die unter der unerklärlicher werdenden Welt litten und sich etwa nicht erklären konnten, warum so viele Wähler für Trump oder den Brexit stimmten, brauchten eine neue mentale Aufgabe, die ihnen erlaubte, all die seltsamen und bedrückenden Vorgänge dort draußen auf der Welt mal beiseite zu schieben und wenigstens für die Zeit der Pandemie, die so lang es nur irgend ginge verlängert werden musste ("Flatten the curve" - aus "Two weeks to stop the spread" wurde "Two years but we need to keep going"), alles andere zu vergessen und erstmal nur die Bekämpfung des Sars-2-Virus als oberste Priorität anzusehen, die alle anderen Menschheitsprobleme in den Schatten stellt.

Libertäre wie Taleb wissen wohl irgendwo, dass ihre kruden liberalen Glaubenssätze und Lobhudeleien des Kapitalismus das Elend auf der Welt erst hervorbringen und perpetuieren. Aber da sie selbst davon ganz gut profitierten und wie er etwa als Trader einen guten Job ergattern konnten, müssen sie an dem wenig überzeugenden Märchen festhalten, dies sei ja für alle Menschen irgendwie möglich, wenn sie sich nur genug anstrengen würden. Ebenso die gutmeinenden Linksliberalen, die tief in ihrem Innern wohl wissen, dass kein einziges Problem gelöst werden kann in dem bestehenden institutionellen Rahmen unserer bankrotten Demokratien, aber weiter daran festhalten müssen, wie Tilo Jung etwa seine journalistische Arbeit damit zu begründen, er glaube an das Gute und daran, dass sich alles zum Bessern wenden ließe, wenn man nur immer weiter aufkläre. (Interview mit Dieter Nuhr: https://www.youtube.com/watch?v=hb0vkMqO0aE)

Die eigentlich offensichtliche Lösung ist, dass wir Linksradikalen, die ein bestimmtes Niveau der Aufklärung über die Zusammenhänge auf der Welt erreicht haben, zur Revolution vorschreiten müssen und dabei keine Rücksicht mehr auf die Bedenken verängstigter Konservativer und Linksliberaler nehmen dürfen, die selbst die Demokratie verachten und nur aus Angst und in Ermangelung von Mut und Kreativität, sich etwas anderes vorzustellen, an ihr festhalten. Doch diese radikale Lösung muss von den Gutgläubigen weiterhin als menschenverachtend und totalitär denunziert werden, letztlich wohl, weil sie sich ganz gemütlich eingerichtet haben in dieser Gesellschaft, die ihnen einen warmen Strom an sinnlosen, doch unterhaltsamen und ablenkenden Waren und Dienstleistungen garantiert und zugleich die lächerlich-wirkungslose Kritik a la Böhmermann toleriert, die ihren Protagonisten einen gehobenen sozial-moralischen Status innerhalb ihrer Bubble verspricht.

Diese Leute müssen also weiterhin kognitive Mauern bauen gegen meinen Einwand, die Folgeschäden durch die erhöhte Raucheranzahl, die wohl durch Lockdowns mit verursacht wurde (vgl. Folge 52 und 56), übertreffe den minimalen Nutzen bei der Verhinderung von Coronatoten durch eine verlangsamte Ausbreitung. Etwa 50.000 Menschen sterben jährlich an Lungenkrebs in Deutschland.(https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Lungenkrebs/lungenkrebs_node.html) Wenn wir also eine Zunahme der Raucher um 5% sehen, dann wird das in einigen Jahren auch zu vermehrten Lungenkrebstoten führen. Das ist nur eine der zahlreichen Nebenwirkung dieser undurchdachten Interventionspolitik. Weitere sind Zunahme psychischer Erkrankungen, steigende Fälle von Anorexie, häuslicher Gewalt, Menschenhandel, Armut (über 100 Millionen Menschen verarmten durch die politischen Auswirkungen der Coronakrise, was sehr leicht voraussehbar war), Rückschläge im Kampf gegen Epidemien wie bei Malaria, an der letztes Jahr 60.000 Menschen mehr starben als im Vorjahr, obwohl der Trend zuvor stetig nach unten ging.

Manchmal ist das Festhalten am Status Quo wirklich die menschlichere Option und man sollte komplexe soziale Systeme lieber nicht durch zumal unwirksame Interventionen wie Lockdowns stören.

Nassim Nicholas Taleb gehörte wohl auch der Glaubensgemeinschaft der NoCovid-Befürworter an. Wie genau die komplette Ausrottung vonstatten gehen sollte bei derart unzuverlässigen Tests und nicht sterilen Impfungen, wäre sehr wichtig zu erfahren. Hier hinterfrage ich als Kommunist auch die Strategie und offiziellen Zahlen aus China, wo diese Politik seit Beginn verfolgt wurde. Es ist interessant, dass diejenigen, die China seit jeher für seine Menschenrechtsverletzungen und autoritären Politikstil kritisieren, hier bei der chinesischen Covidstrategie extrem nachsichtig und bewundernd sind. Ich dagegen bewundere den chinesischen Weg zum Sozialismus und das dort herrschende legislative System, das näher an das Ideal der Demokratie heranreicht als unsere Parlamente, in denen nur noch ein alberner politischer Wettstreit inszeniert wird, ohne dass irgendjemand wirklich daran glaubte oder bestritte, dass die wahren Entscheidungsträger in den oberen Konzernetagen sitzen.

Dagegen muss schon hinterfragt werden, ob die Chinesen das Auftauchen dieses Virus nicht für eigene politische Zwecke und eine noch versteckte Agenda nutzten, selbst wenn es nicht von ihnen selbst hergestellt, sondern nur in Wuhan lanciert wurde.

Jede Regierung hat wohl ihre eigenen Gründe gefunden, auf dem Angstgefühl ihrer Bevölkerungen einen Ausnahmezustand zu gründen, außer sehr wenige Gegenbeispiele wie Schweden, Texas, South Dakota oder neuerdings Dänemark, das Vereinigte Königreich, die Schweiz und Spanien, die anhand der Omikron-Daten schon zu sehr viel realistischeren Gefahreneinschätzungen kamen und die Maßnahmen langsam aufheben. Mein Interesse gilt aber dieser Forschungsfrage, inwiefern das Gefühl der Mitschuld und der Ratlosigkeit anhand herrschender Gräuel und Ungleichheiten auf der Welt eine Triebfeder für die Akzeptanz des neuen Biosicherheits-Dispositivs in vielen unterschiedlichen Bevölkerungsschichten war.

Hier ist meine These, dass ein Virus eine extrem simple und leicht zu begreifende Herausforderung bietet, der man alles unterordnen kann. Denn wir leben in einem Zeitalter, das an nichts mehr glaubt außer an Geld, das nackte Überleben (wozu man Geld braucht) und eben die Physik, die Königin der Wissenschaften, die noch über der Biologie und Medizin thront und von der wir uns auch noch die Lüftung höchster spiritueller Rätsel und Geheimnisse erwarten, siehe etwa die Rede vom "Gottesteilchen" wie das Higgs-Boson in vielen Medien genannt wurde, die mythische Erzählung vom "Urknall", dem Ursprung allen Seins, die zwar durch physikalische Theorien garniert ist, sich aber zurzeit mit den verfügbaren empirischen Mitteln auch noch nicht wirklich schlüssiger verifizieren lässt als die Geschichte von Adam und Eva im Alten Testament. Ein Virus, das durch die Luft schwirrt und auf seltsamen Bahnen seinen Weg in unsere Atemwege finden könnte, liefert hier die ideale Bedrohung, die eine politische Herausforderung hervorbringt, in der sich endlich mal die alten ideologischen Gräben überwinden lassen, da man nicht mehr groß diskutieren, sondern einfach dem Diktum der Virologen folgen muss.

Das ist eine unglaubliche Erleichterung und schafft eine Verschnaufpause von der hektischen und beängstigender werdenden Welt. Irgendwann muss es aber doch wieder einen Rückweg in die Normalität geben, wobei fraglich ist, für welchen Bevölkerungsanteil das überhaupt erstrebenswert ist und ob nicht eine Mehrheit gerne für immer in dieser kognitiven Ausnahmesituation weiterleben würde.

Selbst kluge und ansonsten regierungskritische Podcaster etwa aus dem Alternativlospodcast haben diese aufgebauschte, zum Großteil nur medial herbei geredete Bedrohungslage bedenkenlos als real und die unfundierten sowie verfassungswidrigen Maßnahmen als alternativlos akzeptiert, wobei deren Extralegalität jedem kritischen Denker spätestens mit dem zweiten Lockdown im November 2020 offenkundig werden musste.

Dies zeigt für mich, inwieweit wir schon in der "Matrix" leben. Man interessiert sich für Verschwörungen aus vergangenen Zeiten, mag aber in der Gegenwart lieber immer weiter an die Vernunft und Weisheit der herrschenden Politiker glauben. Oft wurde im Alternativlos-Podcast der Zeitungs-Bias angesprochen: man liest etwas über ein Themenfeld, über das man selbst sehr gut informiert ist - z.B. die Informatik - und stellt fest, dass die Nachrichten dazu grob runtergebrochener Unfug sind. Dann blättert man aber weiter zur nächsten Sektion und glaubt, dort würde wohl schon alles mehr oder minder stimmen und diese seriösen Medien-Institutionen würden ja wohl keine breitflächigen Falschinformationen verbreiten. Obwohl man anhand eigener Erkenntnisse in speziellen Wissenschaftsfeldern weiß, dass die in Zeitungen verbreiteten Nachrichten großteils unterkomplexer Schwachsinn sind, der nur dem extrem eingeschränkten geistigen Vermögen sowohl der Leser als auch der Redakteure Rechnung trägt, will man weiterhin glauben, es gäbe schon noch eine Instanz, die uns alle irgendwie beschützt und zwischen Richtig und Falsch stets ganz sorgfältig abwägt.

Corona ist relativ zu anderen Phänomenen, die das Überleben der Weltbevölkerung oder auch nur unserer nationalen Bevölkerung bedrohen, ein recht kleines Problem. Der Lebensstil des Durchschnittsbürgers mit ungesundem Essverhalten, diversen Süchten, Rauchen, Handy- und Internethörigkeit sowie zunehmende Vereinzelung stellt ein vielfach höheres Risiko für einen verfrühten Tod und eine verminderte Lebensqualität dar als die Bedrohung durch dieses Virus und eventuelle Langzeitschäden.

Nun aber zum wirklichen Problem, das uns alle betrifft, die soziale Spaltung, in die uns ein außer Kontrolle geratener Kapitalismus führt. Ich selbst gebe zu, auf vielen Feldern noch ziemlich infantil zu sein. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie die Lebens-Perspektiven für Leute aus weniger begünstigten Herkunftsverhältnissen aussehen. Meine Privilegien sind durch den Einfluss meiner Eltern, meine Nationalität und Klassenzugehörigkeit festgeschrieben. In uns allen schlummert der Drang nach Faulheit und danach, sich oft mies gelaunt und träge zu fühlen. Nur durch die systemischen Leitplanken, die mir durch meine privilegierte Position zur Verfügung gestellt wurden, schaffte ich es einigermaßen, ein selbständiges Leben zu führen und eine Arbeit zu finden.

Aber wie soll es für die Milliarden an Menschen aussehen, die nicht so reiche Eltern haben oder einen Staat, der ihre Bildung finanziert? Was ist, wenn man bereits mit 12 arbeiten und die Familie versorgen muss? Oder wenn man in Umgebungen mit hoher Kriminalität und ohne Aussicht auf legale Arbeit aufwächst? Sind diese Leute wirklich selbst schuld, zu Kriminellen zu werden, oder sind sie die Opfer eines juristischen Systems, das für viele bereits bei Geburt den Knast vorsieht und diese Ausgrenzung weiterhin in Kauf nehmen will? (Hier etwa ein Text, der einen Überblick über die soziale Lage in Brasilien gibt, auf den ich kürzlich stieß im Zuge meiner weiteren Reiseplanung: https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/vertretungen-und-reisehinweise/brasilien/reisehinweise-fuerbrasilien.html)

Diese Überlegungen zeigen, dass es den sozialistischen Staat braucht, der uns alle an die Hand nimmt und zu einem erfüllten Leben anleitet, in dem wir unsere Talente ausleben und einer sinnvollen Arbeit nachgehen können. Der Liberalismus hat in den letzten beiden Jahren offenbart, wie autoritär er sein kann, wenn nur eine breite Mehrheit sich verängstigt oder eingeschüchtert fühlt. Dieses autoritäre Regierungsmuster wird sich wie leicht absehbar ist anhand von sich verschärfenden Wirtschafts-, Flüchtlings- oder Klimakrisen in Zukunft weiter verfestigen. Diese Krisen machen einer breiten Mehrheit so viel Angst, dass sie irrationalste Lösungen akzeptieren werden, die ihnen von demagogischen Politikern aufgetischt werden.

Aber wie viele sind oder waren denn wirklich so verängstigt anhand von Corona? Möglicherweise hat sich eine schweigende Mehrheit auch einfach dem offiziellen Narrativ gefügt, aus Angst, als Volks- und Gesundheitsfeinde stigmatisiert oder als Querdenker ausgegrenzt und verleumdet zu werden. Meine These ist, dass 90% der Menschheit schwerwiegendere Probleme als die auch reale Bedrohung durch eine Covid-Infektion haben.

Viele davon trauen sich aber nicht, das zu äußern, vor allem die Entwicklungsländer wie Argentinien folgen blind dem offiziellen scheinbar so wissenschaftlich fundierten Narrativ des Nordens. Sie sperren ihre Bevölkerungen monatelang ein, nehmen Wirtschaftseinbrüche in Kauf in der leider vergeblichen Hoffnung, durch diese Folgsamkeit endlich ein bisschen Respekt und anschließende Aufbauhilfe des Nordens zugestanden zu bekommen. 10% sehen tatsächlich Corona als das einschneidende Problem, dessen Aufbauschung wir die gravierenden Einschnitte in unser Normalleben zu verdanken haben. Viele dieser Leute sind Influencer in den Redaktionsstuben der Fernsehkanäle und Zeitungen und wurden sich wohl über die letzten Jahre ihrer Mitschuld an der herrschenden, sich verschlimmernden Weltbarbarei bewusst.

Man konnte ja noch so oft Trumpwähler als dumme Rednecks stigmatisieren, aber irgendwann musste man doch zur Kenntnis nehmen, dass sie ihm auch 2020 noch die Treue hielten und ihn mit überwältigenden Zahlen im Amt bestätigen wollten. Was war es nur, was so viele Menschen dazu trieb, ein Weiter-so mit etablierten, seriös auftretenden Politikern wie Hillary Clinton und Joe Biden mehr zu fürchten als die teils unvorhersehbaren Ausbrüche und egomanischen Selbstglorifizierungen eines Trump? Irgendwas stimmt nicht mit dieser Welt, aber um lieber nicht die soziale Situation weiter analysieren zu müssen, versteifte man sich auf die rein physikalisch-biologisch-medizinische Bedrohung.

Die Tatsache, dass PCR-Tests und Masken immer noch nicht kostenlos verfügbar sind, zeigt ganz klar, dass der Staat diese Pandemie nicht ernstnimmt als gesundheitliche Bedrohung, sondern einzig zum Zweck seiner Machterweiterung ausnutzt - niemand hörte den Politikern noch gern zu oder glaubte an die Relevanz ihrer Reden Ende 2019, durch Corona können sie sich immerhin in dem Gefühl sonnen, weithin erwartete und beachtete Entscheidungen zu verkünden.

Wie kann man anhand dieser Fakten noch weiter gehorsam der individualmoralischen Pandemie-Linie folgen? Es lässt sich nur durch psychologische Verleugnungseffekte erklären, man will nicht wahrhaben, dass es gar keine riesige Gesundheitsbedrohung gibt, da sich viele schon zu sehr in dieses Dispositiv des Ausnahmezustands, in dem wir alle zusammen stehen müssen, hinein gesteigert haben. Auch wenn die Psychologie oft zu kurz greift für politische Erklärungen, ist sie hier doch angebracht, da die Corona-Hypnose sich nur so erklären lässt, durch Menschen, die viel zu hektische und voreilige Schlüsse ziehen aus dem falschen Grundgefühl eines grundsätzlichen Vertrauens gegenüber Pharmakonzernen, Regierungen, Medien und Wissenschaft.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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