Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#45 Menschenleben

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Mesita, cubrite, mi podcast en castellano - Podcast auf Spanisch.

(Den Anfang des Textes sieht man auf der Website nur wenn man auf die "Startseite" geht.)

Exakt wie die Klimadebatte hat sich die Coronadebatte an diesem Punkt verrannt. Unterschiedliche politische Sichtweisen auf die Probleme und Zusammenhänge der Welt wurden als rein wissenschaftliche Erkenntnisprobleme behandelt. So sei das Problem der Klimadebatte die mangelnde Wissenschaftlichkeit der sogenannten Klimawandelleugner, ebenso bei den Impfzweiflern. Die Frage, wie man auf eine Pandemie (oder auf eine drohende und schon heute real einsetzende globale Klimaveränderung) reagieren sollte, ist aber nunmal eine rein politische Frage und keine wissenschaftliche. Keine noch so ausgefeilte Sutdie der Virologie wird uns eine definitive Antwort geben, was das richtige Handeln unter gegebenen Bedingungen ist. Sie kann uns lediglich über den Faktenstand dazu informieren, welche Bedingungen denn zu einem gegebenen Zeitpunkt vorherrschen, Infektionsraten, Todesraten, Ausbreitungsgeschwindigkeit ja, aber aus alledem wird sich niemals ableiten lassen, was politisch zu tun ist, wenn man es scheut, zu diskutieren und verschiedene Standpunkte und Prioritäten gegeneinander abzuwägen. Das Gefährliche an der Gegenwärtigen Situation sehe ich darin, dass die Leute die Lust verlieren, zu diskutieren und sich überhaupt noch über unterschiedliche Standpunkte auszutauschen. Gabs ja schon so oft bei Geburtstagsfeiern dass der Onkekl einen genervt hat mit seiner Impfgegnerschaft.

Daher hat sich der Großteil der sich humanistisch-egalitär gebenden linksaufklärerischen Medienelite darauf verlegt, den etwa 20-prozentigen ungeimpften Anteil der Erwachsenenbevölkerung als Gefährder des Allgemeinwohls zu brandmarken, Ungeimpfte willkürlich für erhöhte Todesfälle und überlastete Intensivstationen verantwortlich zu machen und damit im Großen und Ganzen der perfiden Taktik Merkels auf ganzer Linie nachzugeben, die Schuld zu individualisieren und die Verantwortung der Politiker für mangelnde Krankenhausfinanzierung, Ausstattung, Personal und Gehälter in der medizinischen und Pflegebranche auszublenden und etwa die Kapazitäten der Krankenhäuser als fixe, invariable Größe zu behandeln, an der die Politik nichts ändern könne.

Natürlich ist richtig, dass alles getan werden muss, um Überlastungen in den Krankenhäusern zu verhindern. Jeder Infizierte sollte die bestmögliche Behandlung bekommen, ganz eliminieren können wir das Virus aber nicht und es ist ein natürlicher Prozess, dass es sich durch die Bevölkerung frisst und dies für einige traurigerweise zum Tod führt. Aber das Dispositiv, Überlastungen der Krankenhäuser zu vermeiden, wird in der derzeitigen Diskussion als gleichbedeutend mit dem Dispositiv, Kontakte und mögliche Infektionen zu vermeiden, interpretiert. Nicht etwa gesellschaftlich, politisch müssten vor allem die regierenden Politiker ansetzen und die medizinische Versorgung auf die Bedürfnisse einer Pandemiesituation optimieren, sondern das Individuum ist mal wieder gefragt, durch private Heldentaten das große Rad der Politik zu drehen und unser aller Sicherheit und Gesundheit zu gewährleisten. Diese Ausflucht und Abwälzung aufs Individuum ist eine Schande in doppelter Hinsicht. Zum einen erlegt sie den Individuen einen unnötigen hohen Druck auf (du könntest deine Oma infizieren oder einfach irgendeinen zufälligen Passanten im Alltagsleben, insofern wäre man indirekt am Tod einer Person verantwortlich und sollte eigentlich für immer zuhause bleiben, um niemanden zu gefähren). Zum anderen befreit es die Politiker vom Handlungsdruck, da von ihnen nicht mehr wirklich erwartet wird, irgendetwas zur Pandemiebekämpfung beisteuern zu können. Das Märchen ihrer Handlungsohnmacht wird auch diesmal wieder geglaubt. Es herrschen Sachzwänge, wissenschaftliche Dogmen, unbezweifelbare Alternativlosigkeit des eingeschlagenen Pfades.

Die Moral können wir uns heute nur individuell denken. Ich bin es doch, der durch verminderte Kontakte etwas zur Bekämpfung des Virus beitragen kann. Warum aber sollte es aber überhaupt ein sinnvolles Ziel sein, ein Virus zu bekämpfen? Das klingt für mich nach einem ziemlich absurden Kampf, den Agamben als Bürgerkrieg beschreibt, da der Feind, das Virus, in jedem von uns lauern kann. Ein Virus ist neu auf der Welt. Es breitet sich durch die Bevölkerung aus, ob man will oder nicht. Man kann sich natürlich zuhause einschließen und hoffen, dass es irgendwie vorbeigeht, vielleicht durch die Impfungen. Aber der Schutz der Impfungen lässt mit der Zeit nach, was passiert dann, müssen wir uns jetzt alle sechs Monate impfen? Und wer da nicht mitmachen will, wird vom öffentlichen Leben ausgesperrt? Meine Position wäre stattdessen zu sagen, die Impfquote spielt keine so große Rolle. Virologen wie Prof. Alexander Kekulé nennen das Konzept der Herdenimmunität einen Irrglauben. Was also bringt der zusätzliche Druck auf Ungeimpfte und die Hoffnung auf eine höhere Quote? Zumal mittels Maßnahmen wie 2G, die nur als protofaschistischer Versuchsballon zu bezeichnen sind, mithilfe dessen die Bevölkerung darauf eingestimmt werden soll, in Zukunft Diskriminierung, Stigmatisierung und Ausschluss bestimmter Personengruppen mit einem Achselzucken zu akzeptieren, sofern nur der Verdacht im Raum steht, besagte Personengruppe verhielte sich irrational und »unwissenschaftlich«.

Unwissenschaftlich ist der behördliche und mediale Umgang mit Daten zur Pandemie, wenn etwa tagesgenau Todesfälle und Testzahlen gemeldet werden, so als sei ganz selbstverständlich, dass die Daten immer in Echtzeit übermittelt werden und hier kein Bias vorläge. Dass etwa die gemeldeten Fälle auf jeden Fall mit der Anzahl der durchgeführten Tests in Verbindung gesetzt werden müsste, ist klar, sonst wird im Zweifel nur eine erhöhte Testtätigkeit registriert, deren Anstieg nichts über die Infektionsrate in der Gesamtbevölkerung aussagt. Selbst wenn die Daten zu 100% akkurat wären bliebe immer noch der Zweifel, ob die tägliche Nennung einiger Kennziffern wirklich irgendwen weiterbringt in seinen Überlegungen zum persönlichen oder politischen Pandemiemanagemant oder es sich bei der Aussendung und Rezeption solcher Kennzahlen nicht vielmehr um einen Kultus handelt, mithilfe dessen sich die Anhänger der Religion der Wissenschaft ihres Glaubens versichern. Die Speerspitze dieser Religion identifiziert Agamben als die Medizin, die sich im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Pragmatik befindet. Im Feiern dieses Kultus können wir also Erklärungen finden für die gegenwärtige Situation, in der die Panik wieder ansteigt, befeuert durch renditesüchtige Medienunternehmen.

Was sollte falsch sein an der Strategie, das Virus sich mehr oder minder kontrolliert ausbreiten zu lassen und die von ihm geforderten Todesopfer als natürliche Todesfälle zu sehen und nicht politisch auszuschlachten? Zumal wenn der Impfstoff wie sich zeigt weder Schutz gegen neu entstehende Virus-Varianten bietet noch die Übertragung des Virus durch Geimpfte verhindert, stellt sich die Frage, was sonst für ein Ausweg aus der Pandemie bleiben soll. Außer den Kopf in den Sand zu stecken und von Menschenleben zu schwadronieren, die man angeblich nicht abwägen dürfe gegen andere Güter.

Diejenigen, die sich durch eine Impfung schützen wollen, hatten nun Gelegenheit, dies zu tun und selbstverständlich ist vor allem bei Risikogruppen und Älteren noch viel Aufklärungsarbeit nötig, um den ein oder anderen vielleicht doch noch zur Impfung zu bewegen. Aber einen landesweiten Lockdown oder gar völlig irrationale Ausgangssperren (was soll groß passieren, wenn man an der freien Luft spazieren geht, es ist längst erwiesen, dass Infektionen zum Großteil in geschlossenen Räumen stattfinden) halte ich für nicht zu rechtfertigen. Angeblich sei es aber notwendig, um vor allem die ältere Bevölkerung in den Altenheimen zu schützen. Dazu kann ich nur eins sagen. Diese Damen und Herren hatten bereits ein langes und erfülltes Leben. Sicher sollten bisher ungekannte Anstrengungen unternommen werden, um sie zu schützen, dazu könnte man massiv die Kapazitäten erhöhen in den Pflegeheimen, mehr Wohnungen bereitstellen um infizierte Heimbewohner zu isolieren, mehr Personal etc. Aber eine gesamtgesellschaftliche Kategorie kann die Überlebensrate in dieser Bevölkerungsgruppe nicht sein. Dazu wiegen die Interessen der Jüngeren, sich endlich wieder sozialen Veranstaltungen widmen zu können, viel zu schwer.

Die Realität in deutschen Altenheimen ist, dass dort ausländische Freiwillige arbeiten, die teilweise über den Bundesfreiwilligendienst rekrutiert werden und einen nur schändlich zu nennenden Hungerlohn von 400€ erhalten. 400€, so viel ist der deutschen Gesellschaft die Pflege und Gesundheit ihrer Ältesten wert. Und natürlich hat auch Corona die Politiker nicht dazu angeregt, etwa Maßnahmen zur Verbesserung der Pflegesituation einzuleiten. Stattdessen werden Ungeimpfte niedergemacht und bewusst von der Politik instrumentalisiert, damit sich die berechtigte Wut der Bevölkerung über die Situation an einem wehrlosen Sündenbock auslassen kann.

Zurück zur Situation in den Pflegeheimen. Leider muss gesagt werden, dass deren Insassen verantwortlich sind für diese Situation, da sie mehrheitlich jahrzehntelang die regierenden Parteien CDU, SPD, Grüne und FDP wählten, die uns in diese Situation geführt haben, in der für die meisten Menschen kein Altern in Würde möglich ist sondern sie industriell abgefertigt und der einsetzenden Demenz überlassen werden (die Lösung für das Demenzproblem kann man sich heute übrigens ebenso nur als eine rein medizinische vorstellen, durch neue Medikamente und nicht etwa durch veränderte Politik oder mehr Einfühlsamkeit im privaten Umgang mit diesen Menschen). Es wäre jetzt folglich nicht angebracht, von Seite der Jüngeren alles zu tun, um die Älteren zu schützen. Jene hatten schon Gelegenheit, den größten Teil ihres Lebens zu leben und jetzt steht das Interesse der Jüngeren im Vordergrund, die Lebenszeit, die uns bleibt, sinnvoll zu gestalten. Wir müssen uns viel eher die Frage stellen, wie heute überhaupt noch ein Leben möglich sein kann, das diesen Namen verdient, als die Frage, wie wir noch ein paar Jährchen mehr ans nackte biologische Leben dranhängen können durch bewusst gesundes Verhalten, ganz unabhängig von der Pandemie gilt das auch für Gesundheitstrends beim Essen, Schlankheitsideale, etc.

Corona ist von der Mortalität vergleichbar mit der herkömmlichen Grippe, das ist ein seit Langem von Virologen wie Prof. Drosten bestätigter wissenschaftlicher Fakt. Nur ist eben der Unterschied der Tödlichkeit in den Altersgruppen viel ausgeprägter. Doch auch die ältere Generation wie etwa der 79-jährige Agamben möchte vielleicht den Rest ihrer Zeit hier auf der Erde lieber in Gesellschaft ihrer Liebsten verbringen, statt abgeschottet zu sterben und das von der medialen Doktrin in geschmackloser Weise auch noch als Akt des Mitgefühls, der Rücksichtnahme und »sozialen Distanzierung« verkauft zu bekommen.

Die Pandemie war sicher hilfreich, um die Frage zu erötern, an welchem Punkt wir gesellschaftlich stehen. Wir müssen konstatieren, dass uns nichts mehr wichtig oder heilig ist außer dem nackten Überleben. Für einen Großteil der Bevölkerung scheint die Nachricht, dass das Leben endlich ist und der Tod auf jeden von uns wartet, eine verblüffende Neuigkeit gewesen zu sein. Das zeigt, inwiefern sich die Bürger immer mehr der infantilisierenden Politik anpassen, die sie seit Jahrzehnten nur noch als Kinder behandelt, die vor jedem bösen Wort, jeder kleinen Schwade an Tabakrauch, dem Duft gegrillten Fleisches, obszönen Witzen usw. geschützt werden müssten. So müssen wir denn auch gegen eine grippeähnliche Erkrankung geschützt werden mit beispiellosen Isolationsmaßnahmen, die den Rahmen der Verfassungen unserer westlichen Länder bei weitem überschreiten - aber das ist selbstverständlich keine Neuigkeit, nach den Kriegen im Kosovo, Afghanistan usw. wissen wir ja eigentlich schon, dass das Grundgesetz das Papier nicht wert ist, auf dem es geschrieben steht.

»Die gesamte politische Diskussion ist aus meiner Sicht vom falschen Ende her aufgezogen« sagte ich sinngemäß. Ich weise die Prämisse schlicht zurück, dass ein deutsche Menschenleben mehr wert sei als ein nigerianisches oder mongolisches. Es ist kein valider Ansatzpunkt für politisches Denken, zu sagen, wir müssen zuerst uns, unser Land, unsere Bevölkerung, unsere Vorrechte und Privilegien schützen. Auch wenn wir in der Realpolitik immer nur wenig und langsam etwas für die Marginalisierten dieser Welt erreichen können, muss der langfristige strategische Fokus unserer politischen Überlegungen doch auf der Gesamt-Weltbevölkerung bleiben und wir als Linke und Kommunisten dürfen nicht der konservativen Wertvorstellung nachgeben, es sei legitim, zuerst an das eigene Volk zu denken. Insofern muss ich mir schon die Augen reiben, wie wirtschaftliche Zusammenhänge auch von Kommunisten in der herrschenden Situation beiseite gelassen werden und sich darauf versteift wird, jedes einzelne deutsche Leben zähle und sei zu schützen. Sicherlich, aber hat nicht ein südamerikansiches Leben das gleiche Recht, geschützt zu werden? Und war nicht absehbar, dass der globale Einbruch unserer vernetzten Wirtschaft, den wir in Europa durch Arbeitslosengeld noch mehr oder minder sozial abfedern können, in den Ländern Südamerikas oder Asiens zu einem massiven Anstieg der Armut, Verelendung und im schlimmsten Fall zu vermehrten Todesfällen durch Unterernährung etc führen würde? Deutsche Touristen in aller Welt sorgen nicht nur für Arbeitsplätze und Wohlstand sondern retten im Zweifel auch Menschenleben, das ist ein Zusammenhang, über den man zumindest mal einen Moment nachdenken könnte.

Viel wichtiger als das dürfte aber die Symbolwirkung der deutschen Politik auf den Rest der Welt sein. Deutschland wird als rationales, wenn auch überkühltes Land angesehen, dem man in kritischen Situationen vertrauen könnte, außerdem ist Deutschland allein nach Wirtschaftsleistung eines der wichtigsten Länder der Welt; es ist schon nicht ganz unbedeutend, wie wir hier mit einem neuen, die ganze Welt überraschenden und überfordernden Phänomen umgehen. Eine massive Investition ins Gesundheitswesen durch den Staat hätte hier - so erlaube ich mir zu träumen - eine gewisse globale Signalwirkung haben können, wenn man es hinbekommen hätte, den dafür notwendigen Druck aufzubauen. Druck auf die Politik, der vonseiten der Bevölkerung, die über den desolaten Zustand der Pflegeheime und die Überlastung von Ärzten und Krankenpflegern durch Personalmangel, Zeitdruck und Bürokratie durchaus aufgeklärt ist, auch aufgebracht hätte werden können, wenn es die dazu nötigen Vermittlungskanäle zwischen Gesellschaft und Politik, genannt Medien, in diesem Sinne noch geben würde (stattdessen gibt es freilich die freie Prostitution des Hauptstadtjournalismus, der in der grassierenden Panik seine große Stunde sieht und im Machtzuwachs der Politik eine Chance, auch sein eigenes Lichtlein heller brennen zu sehen).

Aber nicht nur auf Weltebene sondern auch bei uns in Europa ist Corona selbstverständlich ein Problem, das mal wieder die Unterschicht ausbaden muss. Höheres Infektionsrisiko bei kleinem Wohnraum ist ein Faktor, der die Klasse der Geringverdiener härter trifft als die saturierten oberen Schichten, die Unersetzlichkeit des Arbeitens vor Ort in einigen Niedriglohnsparten (Bäckerei, Amazon-Verteilungscenter, Krankenhaus) ein anderer. Während sich die in jeder Hinsicht bequem abgesicherte Ober- und Mittelschicht ins Home Office verabschiedet, kann der Rest der Gesellschaft sehen, wie er sich gegen das Virus schützt und bekam vor Kurzem dazu selbst noch das Angebot kostenloser Tests gestrichen, was kompletter Irrsinn ist, wenn es doch angeblich darum gehen sollte, möglichst viele Infektionen zu erkennen um die Virus-Weitergabe zu verhindern. Letztere Maßnahme zeigt für mich ganz klar den Punkt, an dem wir stehen: statt gegen ein Virus zu kämpfen (was an sich schon ein absurdes Unterfangen wäre, aber ok) geht es mittlerweile um die Schikanierung und Bekämpfung von einzelnen Menschengruppen mit falschen Ansichten. Diese verabscheuungswürdige Politik zeigt ganz klar die Stoßrichtung, in der sich die Demokratien in Krisenzeiten (die uns ökonomisch erst noch bevorstehen könnten) bewegen: es ist ein Kampf gegen einzelne Menschengruppen, ein Rattenrennen, ein Treten nach unten wird von oben angestachelt, um die härter werdenden Verteilungskämpfe nicht auf die Agenda der Politik und der medialen Diskussion setzen zu müssen und sich weiter schamlos bereichern zu können, während man der Bevölkerung einen Sündenbock zum Fraß vorwirft.

Bill Gates hat sein Vermögen durch die Pandemie extrem vermehrt, das ist Fakt, ebenso Jeff Bezos und sonstige Multimilliardäre. Die Verschwörungstheorien zu seinen Verstrickungen mit Corona sind mir nicht im Detail bekannt und interessieren mich nicht übermäßig. Was mich aber interessiert ist die Frage: wer lebt eigentlich in einer irrealeren Welt, der Verschwörungstheoretiker, der aufgrund von Indizien, wenn auch nicht Fakten, daran glaubt, dass Gates alles von langer Hand geplant hat um sich zu bereichern oder der besorgte, gutmeinende Zeitungsleser, der glaubt, von seiner Regierung immer nach bestem Wissen und Gewissen informiert und geschützt zu werden?


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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