Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#51 Lieber Wanderer...

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Das Video von Marc Friedrich, auf das ich mich beziehe, wurde von Youtube gesperrt. Das ist Zensur. Aber ok, daran ist man gewöhnt. Lieben Dank liebe linke Podcasterblase, die solche Gesetze zu Löschvorgängen von unliebsamen Inhalten gefordert habt.

Hier das Video bei Gloria TVI

Frederic Beigbeder: Neunundreißig Neunzig

Alain Badiou: Ethik

(Fortsetzung des Essayfragments)

Jeder, der jetzt noch das Regierungsnarrativ verteidigt, macht sich mitschuldig, wenn diese eine Ausrede hat und weiterhin auf die "Querdenker" und "Impfgegner" als Feinde zeigen kann, statt ihre Arbeit zu tun und die Kapazitäten in den Krankenhäusern zu erhöhen, wofür sie jetzt eigentlich schon zwei Jahre Zeit gehabt hätte. Woran mangelt es nur?

Hint: Am Willen. Wozu etwas verbessern, wenn die Mehrheit der Bevölkerung auch so ganz gut ruhiggestellt werden kann und sich resigniert von der Politik abwendet, die zwar anscheinend nichts machen kann, um das Personal im medizinischen Sektor zu stärken und zu entlasten, aber scheinbar doch noch seriöser ist als die Protestanten gegen diese infame Verschleppungspolitik. Das Spektakel der Virus-Ausbreitung, das uns Wissenschaftler wie Prof. Drosten in völliger Verkennung ihrer Rolle vorsetzen, wird durch die Medienhysterie und die Willenlosigkeit der Politik, ihre Unfähigkeit, ein einziges Ziel der Pandemiemaßnahmen zu definieren außer dem ungedachten, ungreifbaren "Schutz von Menschenleben", in eine "resignierte Zustimmung" verwandelt. So beschrieb der Philosoph Badiou schon vor knapp 30 Jahren den gängigen Politikmodus der westlichen Demokratien.

In erschreckender Weise konvergieren hier ein ethisch-humanitäres Paradigma, für das jeder Coronatote einer zu viel ist (für mich nicht, es ist einfach ein natürlicher Todesfall wie jeder andere, auch sonst bin sehe ich keinen Anlass zur Betroffenheit über die jährlich knapp 1 Million Tote in Deutschland, die zurecht anonym bleiben und mich nichts angehen, weil ich ihre Lebensumstände und Persönlichkeiten nicht kannte) und das neoliberale Effizienzparadigma, welches Verbesserungen beim Gehalt und den Arbeitsbedingungen der Krankenpfleger mit der Begründung ablehnt, damit greife man uns allen in den Geldbeutel und die Krankenkassenbeiträge würden sicherlich steigen, wenn wir es wagen sollten, den Pflegern und Ärzten eine Arbeitssituation frei von übermäßigem Stress, Bürokratie und Personalengpässen zu ermöglichen.

Somit bleibt als absurder Kompromiss zwischen der ethisch-verschreckten und der nüchtern-effizienten Haltung die unmäßige Fokussierung auf die Individualverantwortung: Impfen, weniger Kontakte, Masken, Testen, kein Zutritt für Ungeimpfte ohne Test in Bus und Bahn.

Der Bürger soll das Virus von sich fern halten, unabhängig davon, ob es für ihn persönlich überhaupt gefährlich wäre, und unabhängig von der Frage, ob eine Infektion ihm nicht einen deutlich besseren Immunschutz gegen künftige Erkrankungen an Corona bietet als die gängigen Impfstoffe. Der Bürger ist hier zum Glied im Räderwerk des großen Volkskörpers degradiert. Es geht nicht primär um den Schutz der individuellen Gesundheit, sondern er hat Sorge für die Volksgesundheit zu tragen durch angepasstes und "vernünftiges" (d.h. den Maßgaben der Regierung und den von ihr bestellten Wissenschaftlern folgendes) Verhalten. Die Wellen sollen gebrochen werden, indem man im Blut des Volkskörpers den Spiegel an Antikörpern durchgängig hoch hält. Das ist größenwahnsinniger Interventionismus in Phänomene wie die Verbreitung eines Virus und das Steigen und Fallen der Infektions-Welle, die wir eigentlich der Natur zuschreiben müssen und uns eingestehen sollten, dass wir noch sehr wenig darüber verstehen, geschweige denn in der Lage wären, sie in signifikantem Maße zu beeinflussen.

Wie ineffizient und unethisch dieser Kompromiss ist, lässt sich leicht ermessen: Die wirtschaftlichen Schäden durch die Corona-Krise werden auf 2 Billionen Euro geschätzt. Ja, dann bleiben wir halt alle daheim, niemand darf an die Uni oder in die Schule, Millionen Menschen werden arbeitslos, Beziehungen zerbrechen aber Hauptsache der Krankenkassenbeitrag steigt nicht um 5 Euro.

Und die Frage, wie ethisch Apartheids-ähnliche Regelungen wie 2G sind, erübrigt sich eigentlich für einen halbwegs historisch informierten Menschen. Das ist der Großteil der Bevölkerung aber scheinbar nicht und lässt sich auch in der jetzigen Situation noch leicht zu Ressentiments auf von Regierung und Medien bereitgestellte Sündenböcke wie Impfverweigerer bewegen und möchte diese spüren lassen, dass sie auf der falschen Seite stehen und die Gesundheit der Mehrheits-Bevölkerung, die scheinbar extremen Wert auf die Vermeidung von Corona legt, massiv gefährden, weshalb man sie durchaus zur Impfung zwingen müsse. Ihr, diese Mehrheitsgesellschaft, seid die wahren Geisterfahrer und Gefährder unserer Gesellschaftsordnung, ihr habt die Verachtung verdient, den ich euch hier ganz offen und ungeniert entgegenbringe, denn dies ist nicht die Zeit, Spaltungen zu überwinden, sondern zu vertiefen. Wenn wirklich 70% des Volks mit diesen herrschenden Paradigmen (Impfpflicht, Segregation…) einverstanden sind, ist das in Ordnung, so richtig will ich das aber nicht glauben. Manche Kämpfe müssen ausgefochten werden, was hier geklärt wird, ist etwas extrem Wichtiges, das unsere politische Kultur auf Jahrzehnte hinaus bestimmen wird.

Wir sind Teil eines Phänomens, dessen Krisenhaftigkeit und Gefährlichkeit überhaupt nicht in den biologischen, sondern in den sozialen, gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie-Politik liegt. Ja, das biologische Leben könnte früher enden als gedacht, aber damit muss ein erwachsener Mensch eigentlich umgehen können und wichtiger ist das politische Leben: das nackte Leben ist nichts wert, wenn wir irgendwann im Faschismus leben, deshalb sollten wir eher früher mal dagegen kämpfen und aufstehen, auch gegen die Gefahr, dafür verleumdet und verunglimpft zu werden. Wie wird eine Welt aussehen, in der Gesundheit zur obersten Pflicht und Sorge wird, der sich der Einzelne im Dienst für die Gesamtgesundheit der Gesellschaft zu widmen hat?

Ich nehme Corona nicht ernst, das ist Fakt. Ja, ich erkenne an, dass es sich um eine neue Krankheit handelt. Aber ich sehe keinen Anlass, aufgrund dieser einzelnen Krankheit und der sich ergebenden Gefährdung jetzt meine Position zur Gesundheit insgesamt zu ändern. Und die war über die letzten Jahre so, dass ich früher viel zu viel auf die Gesundheit geachtet hatte und bemerkte, wie mir dieses Denken massiv schadete, sodass ich in den letzten Jahren verstärkt versuchte, mir nicht mehr so viele asketische Ziele zu setzen, welches Essen das Richtige sei, wie viel ich rauchen sollte etc und stattdessen die Qualität dieses Lebens an erste Stelle zu stellen und bewusst eine Verkürzung der Lebenszeit durch »Laster« wie Rauchen in Kauf zu nehmen.

Ein Virus wie Corona, das bevorzugt die Alten und bereits vorher Geschwächten trifft ist im Grunde nur eine zusätzliche Beschleunigung des Sterbens für diejenigen, die auch vor Corona schon massiv erhöht gefährdet waren im Vergleich zur Gesamtpopulation. Die Wahrscheinlichkeit, zu sterben, erhöht sich für alle (es ist einfach ein neues Risiko in der Welt, eine neue potentielle Quelle des Todes zusätzlich zu den Tausenden anderen bereits vorhandenen), ja, aber in der Verteilung über die Population sehen wir, dass weiterhin diejenigen in überproportionalem Maße besonders vom Tod betroffen und gefährdet sind, die es schon vor Ausbruch der Pandemie waren. Das allein genügt für mich, um zu folgern, dass es sich bei Corona um eine »leichte« Erkrankung handelt. Politische Maßnahmen, um diese Menschen zu schützen, müssen beschränkt sein und nur da eingreifen, wo die Abwägung zwischen positiven und negativen Folgen des Eingriffs abzuschätzen und zu rechtfertigen ist. Von Anfang an aber mit dem Schutz der Gesamtbevölkerung zu argumentieren um Maßnahmen, die für alle und auf Jahre hinaus gelten (Home Office, Maskenpflicht), einzuführen, ist Wahnsinn und Ausdruck eines weit verbreiteten ängstlichen Fanatismus der Gesundheit.

Der Tod ist nicht das Schlimmste, was dem Menschen widerfahren kann. Er ist ein Unsterblicher und darf nicht mit der zugrundeliegenden biologischen Substanz seines Lebens gleichgesetzt werden. Die Wahrheiten sind wichtiger als das biologische Leben, das wir sowieso irgendwann zurücklassen. Aber die Kultur bleibt, die Zivilisation schreitet voran und die Individualexistenz ist nicht der letzte Fakt für uns, ganz egal wie man zur metaphysischen Idee eines Gottes oder Lebens nach dem Tod steht, denn zumindest für die Menschheit als Gesamtgebilde, dessen Teil ich bin, geht es ja nach meinem Tod noch auf absehbare Zeit weiter (auch wenn die apokalyptischen Debatten zum Klimawandel z.B. zeigen, dass wir längst von einem tief sitzenden Todeswunsch beherrscht werden und gar nicht mehr sicher sind, ob wir überhaupt noch verdient haben, als Menschheit zu überleben).

Es muss denkbar sein, dass eine Transformation der demokratischen Grundordnung in Richtung eines absolutistischen Staates, der die Biosicherheit an erste Stelle setzt, ein weit größerer Schaden an der Gesellschaft ist als 100.000 oder auch hypothetisch eine Million Corona-Todesfälle, die aus meiner vielleicht naiven Sicht einfach natürliche Todesfälle sind, an denen weder ein Mensch noch das Virus irgendwie Schuld hat.

Daher ist Skepsis und Weigerung gegenüber der Impfung berechtigt, es geht hierbei längst um einen politischen Kampf, der leider im eigenen Körper ausgetragen werden muss, da die Demokratie nicht mehr funktioniert und wir scheinbar nur so eine Wahl treffen können, die wirklich ein Zeichen setzt, indem wir uns nicht impfen lassen.

Diese Gesellschaft, in der wir leben, schließt mittlerweile ohne nennenswerten Widerstand der »Zivilgesellschaft« Ungeimpfte (bzw. »Nicht Genesene«, mein favorisierter Begriff, der aufs Gleiche hinausläuft) von weiten Teilen des öffentlichen Lebens aus oder zwingt sie durch die Hintertür zur Impfung, statt wenigstens grundehrlich eine allgemeine Impfpflicht einzuführen. All das wird mit bestem ethischen Gewissen betrieben, mit Verweis auf den Schutz von Menschenleben und mit bedingungsloser Unterstützung der linken Kräfte, soweit sie überhaupt noch in Spurenelementen vorhanden sind in Deutschland.

Zum einen muss erstmal der grundlegende Bias dieses Corona-Absolutismus hinterfragt werden: Menschenleben, die geschädigt werden durch Lockdowns, Home Office, fehlende zwischenmenschliche Wärme aufgrund von Masken, sind genauso wichtig wie die Leben der von Corona Betroffenen. Hier muss man offensichtlich eine Rechnung aufmachen, wie viel Schaden und wie viel Nutzen angerichtet wird durch eine bestimmte Maßnahme. Das traut man sich aber nicht, weil der »Tod« als Absolutum im Raum steht, neben dem es nichts Schlimmeres geben könne und der alle anderen Gesichtspunkte vernachlässigbar erscheinen lässt, was auf eine fehlende Erwachsenheit im Umgang mit dem eigenen Leben hindeutet. Wir sind unfähig, den Tod zu denken, aber fatalerweise gleichzeitig derart von ihm fasziniert, dass wir jetzt Ende 2021 immer noch wie gebannt auf Todeszahlen und Inzidenzen schauen, so als müssten wir jetzt alle täglich unser Leben danach ausrichten, wie wir möglichst wenig Schaden anrichten, damit am anderen Ende der Kette Menschen nicht sterben, wenn ich aus dem Haus gehe und etwa unvernünftigerweise im Bahnhof keine Maske trage.

Dieses totalitäre Gesundheitsdenken, das uns auffordert, uns jeden Tag schuldig zu fühlen, weil wir potentiell das Virus verbreiten und andere Menschen schädigen, richtet nach meinen sicher nur groben und ungefähren Abschätzungen ein Vielfaches an psychischem Leid an verglichen mit dem Leid der von Corona Betroffenen, das gelindert werden sollte.

Von dieser Schuld kann man sich nie komplett befreien, stets nur partiell durch Tests, Vorsicht, Kontaktvermeidung, rationales Abwägen. Einen solchen Druck den Individuen aufzuhalsen ist nicht nur unmenschlich, sondern führt absehbarerweise auch dazu, dass ein großer Teil der Bevölkerung nach ein paar Monaten dieses herrschenden Diskurses, der vom Dogma der Virusvermeidung ausgeht, komplett abschaltet und empfohlene Vorsichtsmaßnahmen gar nicht mehr beachtet oder ihnen sogar direkt entgegen wirkt (»Coronaparties«, deren moralischer Status für mich immer noch unklar ist, sie könnten durchaus auch ein legitimes demokratisches Mittel des Widerstands gegen die aufziehende Gesundheitsdiktatur sein).

In dieser Situation hat sich also längst das Paradigma der Biosicherheit durchgesetzt, dem der Einzelne genügen muss und durch staatliche Sanktionen zu einem vernünftigen Verhalten angeregt werden soll. Die Etablierung dieses Paradigmas ist ein schwerer, noch nicht absehbarer Schaden an unserer Gesellschaft und eine skandalöse Verhöhnung der vorgeblichen »Werte« des Grundgesetzes. Bei einer ersten Betrachtung muss hierbei konstatiert werden, dass die »Menschenwürde« so interpretiert wird, der Staat habe alles dafür zu tun, um für einzelne gefährdeten Menschen die Überlebenswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Stattdessen wäre das erste Gebot der Menschenwürde, einen würdigen Tod (der Tod ist das einzig sichere für uns alle, hier hätte die Politik also anzusetzen statt beim Überleben, das immer nur aufgeschoben sein kann in jedem einzelnen Fall) im Kreis der Angehörigen zu ermöglichen, was 2020 für viele Altenheim-Bewohner nicht möglich war, da sie über Monate weg isoliert wurden, was wohlgemerkt die Todeswelle in den Heimen im Herbst 2020 nicht verhinderte. Diesen Leuten und ihren Angehörigen wurde die Chance eines würdigen Todes genommen, weil man vor lauter Panik irrationale Maßnahmen wie Isolation ergriff und auf sinnvolle Maßnahmen, wie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Pfleger und Aufstockung des Personals in den Heimen, verzichtete.

Warum trete ich dem scheinbar vernünftigen Schutz der Gesundheit so entschlossen entgegen? Weil wir alle wissen, dass niemand seinem persönlichen Ideal der Gesundheit gerecht werden kann. Der eine nimmt sich vor, häufiger joggen zu gehen, der andere weiß eigentlich, dass er nach ärztlichem Rat aufs Rauchen verzichten sollte, jemand anders ist trotz entschiedener ärztlicher Empfehlung zu faul, zur Physiotherapie zu gehen.

All das ist völlig normal und kein Versagen der Individuen im Umgang mit ihrer Gesundheit, sondern der normale Lauf des Lebens, das endlich ist, und zu dessen früherem Ende wir natürlich als größtenteils impulsgetriebene, unvernünftige Wesen in vielen Fällen beitragen. Ob die Gesundheit im Sinne eines möglichst langen, schmerzfreien Lebens, überhaupt ein Wert sein sollte, ist aus meiner Sicht höchst zweifelhaft. Einen Konsens in dieser Frage zu postulieren, ist die erste Lüge der Pandemie-Politik, auf der alle anderen aufgebaut wurden. Ich habe kein Interesse daran, meine Gesundheit zu verbessern und weise staatliche Einmischung entschieden zurück. Es handelt sich bei meinem persönlichen Umgang mit der Gesundheit vielleicht um das letzte Feld, über das ich noch frei verfügen kann, nachdem mein soziales Leben bereits in unglaublichem Ausmaß durch den Kapitalismus und den von ihm auferlegten Zwang zur Profitgenerierung reguliert wird.

Auch der Verweis auf den Schutz der Gesundheit meiner Mitmenschen ist nach fast zwei Jahren Pandemie nur noch lächerlich. So eine Argumentation lässt sich bei unklarer Faktenlage zu Beginn einer Pandemie eventuell über ein paar Monate rechtfertigen, mit Blick auf die geringe Schwere der Corona-Erkrankung ist sie mittlerweile aber nur noch schändlich zu nennen, zumal in einer Welt der entgrenzten Konkurrenz, in der weltweit jährlich Millionen Menschen an den Folgen unserer Art zu wirtschaften sterben. Von dieser Wirtschaft profitieren wir hier in Europa einigermaßen, auch wenn uns der sinnlose Konkurrenzwettlauf innerlich auszehrt und psychisch extrem belastet, immerhin haben wir noch die materiellen Güter auf der Seite. Bei 30 Millionen Menschen, die jährlich an Hunger sterben, überhaupt noch zu wagen, das Wort Ethik und die Frage der »Menschenleben« in den Mund zu nennen, ist purer Zynismus und offenbart die Geisteshaltung dieser Gesellschaft: Weiße Leben sind wichtig, deutsche Leben müssen mit allen Mitteln geschützt werden selbst dort, wo sie offensichtlich schon am Ende ihrer Biografie angelangt sind wie bei den Altenheimbewohnern. Andere Leben von Menschen mit anderer Hautfarbe, Kultur und Geschichte sind uns scheißegal. Wir leben in den engen Grenzen unseres Landes und unserer Moral. Der weltweite Wirtschaftseinbruch trifft selbstverständlich die schwächsten Länder am härtesten, wo ohnehin schon eine hohe Arbeitslosigkeit und inhumane Wohnverhältnisse für einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung herrschten. Dass in Deutschland 100.000 Menschen an Corona sterben, ist einer Pandemie geschuldet, deren Entwicklung wir trotz der herrschenden Technik-Manie nicht steuern und vorhersagen können. An diesen Todesopfern hat kein Mensch Schuld, weder Querdenker noch inkompetente Politiker, die auf sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der besonders Gefährdeten verzichten (dieses Jahr wurde z.B. das Boostern der Ältesten vergessen, obwohl die Erkenntnisse über das Nachlassen der Impfwirkung lange vorlagen, stattdessen boostern sich jetzt 30-Jährige in Massen, bei denen der medizinische Nutzen sehr gering oder inexistent ist), sondern es ist der natürliche Lauf des Lebens.

Dass durch die Folgen unserer irrationalen Virusbekämpfung aber weltweit etwa 100 Millionen Kinder in extreme Armut abgerutscht sind, ist ein Ergebnis dieser Politik, das wir sehr wohl hätten steuern und vorhersagen können. Diese Menschenleben zählen genau gleich viel wie ein deutsches Leben. Zudem wurde in den Ländern des Globalen Südens auf die Rezepte des Nordens zum wissenschaftlichen Vorgehen in einer Pandemie vertraut. Diese Länder beschließen Lockdowns mit mehrmonatigen kompletten Ausgangssperren, weil sie sich an uns orientieren. Dass ein Lockdown statistisch signifikant die Welle bremst, muss nach den vorliegenden Daten aus aller Welt stark in Zweifel gezogen werden. Es scheint eher um die Jahreszeit zu gehen, wenn es Herbst wird, kommt die Coronawelle. Außerdem spielt die Geografie offenbar eine wichtige Rolle und es lässt sich feststellen, dass manche Regionen stärker betroffen sind, und wir z.B. auch dieses Jahr im Nordosten der USA in New York hohe Fallzahlen sehen wie voriges Jahr schon, während der Südosten geringer betroffen ist. Es fehlt wohl nicht mehr viel, und meine These, die Virusausbreitung lasse sich eher durch das Klima beeinflussen als durch Maskentragen und Kontaktvermeidung, wird in der jetzigen Debatte als Verschwörungstheorie eingestuft.

Was mich wirklich ärgert, sind die Vorbildwirkungen unserer Politik auf die ganze Welt. Die südamerikanischen Länder wie Peru und Argentinien, die extreme Isolationsmaßbnahmen verhängten, orientieren sich am Diskurs des Nordens und nehmen schwerste wirtschaftliche Einbrüche hin in Ländern, in denen es kein vergleichbares Sozialhilfe-System gibt. Ob diese Maßnahmen die Pandemie überhaupt eindämmen oder durch vermehrte Kontakte zuhause sogar noch befeuern, muss erst noch in der wissenschaftlichen Forschung geklärt werden. Es zeigt sich aber bereits heute, welche Schäden das ungerechtfertigte Vertrauen auf die scheinbar rationalen Europäer anrichtet. Im reichen, gesättigten Europa gab es sicherlich regionale Überlastungen der Krankenhäuser, von einem Notstand, der die Möglichkeiten des Krankenhaussystems sprengen würde, konnte aber zu keinem Zeitpunkt die Rede sein. Aus purer Angst und Irrationalität sperren wir uns ein und denken nicht daran, was wir tun könnten, um die Auswirkungen der Pandemie in den Gebieten der Welt zu lindern, die mangels eines landesweit funktionierenden medizinischen Systems tatsächlich von massiven Überforderungen und lebensbedrohlichen Engpässen betroffen sind. Hint: Freigabe der Impf-Patente…

Nicht einen Moment beziehen wir solche Überlegungen mit ein, sondern sind fixiert auf den Schutz unseres »Volkes«, dessen Teil ich angeblich bin. Ich bekenne mich aber dazu, dieses Volk abzulehnen, mich ihm zu entziehen, meinen Körper und meine Person nicht zur Verfügung zu stellen für dieses Regime der Gesundheit, der sterilen Vollkasko-Sicherheit und des weißen Wohlstandes.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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