Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#52 Nudità

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Das ist die Folge des Alias[ Fernsehpodcasts, ]auf die ich mich beziehe(https://alias-podcast.de/2021/11/26/fdw-philosophen-und-oppositionsclowns/)

Bei der Übersterblichkeit habe ich mich eventuell geirrt, diese Debatte hat aber für mich auch keinerlei Relevanz, es genügt, die ungefähren statistischen Daten auszuwerten, um die grundlegenden Charakteristiken und Gefahren von Corona zu ermessen. Ob in einem Zeitraum von ein paar Monaten eine Übersterblichkeit festzustellen ist, die mit Corona in Verbindung gebracht werden kann, ist irrelevant. Selbstverständlich werden durch die neue Gefährdung mehr Menschen sterben als sonst. Die Frage ist nur, ob das den Effekt der ausgefallenen Todesfälle an anderen Ursachen übersteigt, also andere Atemwegsinfekte, Bronchial- und Lungenkrankheiten, Influenza, etc., die von Covid aufgrund bspw. höherer Infektiösität oder anderer Faktoren verdrängt wurden. Die Antwort scheint ein leichtes Ja zu sein, aber das ist wenig überraschend und sagt uns nichts darüber, wie wir diese Pandemie bekämpfen sollten und ob wir nicht sogar diese übermäßigen Todesfälle im Lichte der leicht zu erklärenden allgemeinen höheren Risikolage durch ein neues Virus am Beginn und im Verlauf einer Pandemie einfach hinnehmen sollten, ohne sie weiter mit moralisierendem Blick zu bewerten. Das würde nicht heißen, diese Menschen zynisch zu opfern sondern einfach der nüchternen Strategie Rechnung tragen, vulnerable Gruppen zu schützen, ohne den weniger Gefährdeten oder jenen, die die Gefahr bewusst in Kauf zu nehmen bereit sind ihre Freiheiten im Alltagsleben allzu stark zu nehmen. Eine solche Strategie, wie sie bspw. in Schweden verfolgt wurde, hat dort zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieser Folge eine mit Österreich, dem Land der harten Lockdowns für Ungeimpfte gleichauf liegende Gesamt-Sterberate an Corona. Hier der Link zur Übersterblichkeit in Deutschland bei [Destatis] (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html)

In anderen Ländern wie Dänemark ist man mit beim Testen erheblich aktiver und stellt logischerweise auch deutlich höhere Inzidenzen fest in einzelnen Gebieten, die im Bereich von 2000 liegen. Dass es in Deutschland so viel anders aussehen sollte als in Dänemark, ist kaum anzunehmen, aber hierzulande wollen wir wohl gar nicht so genau Bescheid wissen, wo sich der "Feind", das Virus befindet, denn die Politik findet offenbar Gefallen daran, die Bürger zu gängeln, materiell durch Ausschluss und intellektuell durch Spaltung und Aufkündigung des Zusammenhalts in dieser Krise, wo wir Deutschen mal wieder so verängstigt und kopflos sind, dass wir vorher undenkbare Wege gehen müssen und jene, die als "wissenschaftsfeindlich" oder "Impfgegner" etikettiert werden, pauschal abstempeln, verunglimpfen und sie im selbstgerechten Duktus einer kleinen, aber lauten Minderheit der Geimpften als Untermenschen behandeln, deren Tod und Leiden auf den Intensivstationen uns nichts mehr anginge.

Die Inzidenz kann zwar eine gute relative Extrapolierung liefern, in welche Richtung sich die Entwicklung der Fallzahlen bewegt, ob die Welle exponentiell ansteigt, sich ihr Wachstum verlangsamt oder sie abflacht, über die absoluten Zahlen sagt sie uns aber so gut wie nichts und kann daher eigentlich keine Begründung für Maßnahmen wie Lockdowns sein, wenn wir derart blind dastehen und von einer großen Dunkelziffer ausgehen müssen - ich selbst habe mich erst ca. 4 mal getestet seit Pandemiebeginn und gehöre damit wahrscheinlich noch zur testaktiveren Hälfte der Bevölkerung. Hier in Baden-Württemberg galt in einigen Landkreisen bereits eine Ausgangssperre (teils nur für Ungeimpfte!), weil die Inzidenz über 500 gestiegen war. Das ist pure Willkür, zudem hatte es im Sommer auch noch geheißen, dass nun die Hospitalisierungsraten im Vordergrund stehen würden bei der Entscheidung über die Verhängung von Einschränkungen. Abgesehen davon, dass Ausgangssperren eine viel zu weitgehende, unverhältnismäßige und irrationale Reaktion auf die gegenwärtige Lage darstellen, ist der Staat also noch nicht mal fähig, konsistente Kriterien zu finden, nach denen er diese schwersten Grundrechtseingriffe verhängt.

Eine Regierung, die nicht konsequent kostenlose Selbsttests zur Verfügung stellt, die man bei Symptomen anwenden sollte (unsymptomatisches Testen ist fragwürdig und führt zu vielen false positives) und stattdessen für den Zugang zu Bus und Bahn offizielle Schnelltests oder bei Flugreisen teure PCR-Tests verlangt, hat jede Glaubwürdigkeit verspielt und ist offensichtlich von sich aus nicht an der Bekämpfung und Eindämmung der Pandemie interessiert - wozu auch, denn je länger die Pandemie dauert, umso mehr kann sie ihre Ausnahme-Befugnisse ausbauen und ihre Macht auf der Verunsicherung und Angst der "schweigenden Mehrheit" gründen.

Dieser herbei fantasierten Mehrheit dankte auch der Bundespräsident in seiner Weihnachtsansprache und brachte ohne wissenschaftliche Begründung das Abflachen der Delta-Welle Anfang Dezember mit dem umsichtigen Verhalten dieser Mehrheit in Verbindung. Der Rückgang der Infektionszahlen ist nach allem, was die Virologie weiß, ein natürlicher Vorgang, eine Welle ist ein "selbstbegrenzendes Phänomen" wie Prof. Kekulé sagt. Niemand weiß, ob Verhaltensänderungen hier eine Rolle spielten. Aber zumindest die viel zu späten staatlichen Beschlüsse zur Reaktion auf die Situation diesen Herbst waren definitiv nicht der Grund für den Rückgang.

Die Worte des Bundespräsidenten sind also eine bewusste Irreführung, mit der er das Schuld-Spiel weiterspielen möchte und indirekt jenen, die sich nicht "umsichtig" verhalten (was immer das sein soll jenseits von Maskentragen und kompletter Isolation), den Schwarzen Peter für hohe Infektionszahlen, volle Intensivstationen und letztlich sogar Todesfälle zuschiebt.

Das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Menschen, der sich eine sinnvolle, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fußenden und vom Staat orchestrierten Pandemie-Eindämmung wünscht. Dieser Staat, der nicht in der Lage ist, Bewohner von Altenheimen zu schützen und dort frühzeitig tägliche Tests (im Idealfall PCR-Tests) und zusätzliche räumliche, organisatorische und personelle Kapazitäten bereitzustellen, der nicht in der Lage ist, Daten sinnvoll auszuwerten und öffentlich bereitzustellen, der sich aus Angst vor der verständlichen Wut derjenigen, denen man mit übertriebenen Erwartungen an den Impfstoff die Freiheit versprochen hatte, nicht mal traut, die Einkaufscenter während des Anstiegs der Delta-Welle kurz zu schließen wenn es denn so wichtig ist mit der Kontaktvermeidung, der im Übrigen auch seiner gesetzgeberischen Pflicht nicht nachzukommen gewillt ist, die Wirksamkeit von Maßnahmen (z.B. 2G, das geimpfte Menschen in trügerischer Sicherheit wiegt, oder die Maskenpflicht in Supermärkten, die zumeist ohnehin über gute Belüftungssysteme verfügen) wissenschaftlich zu erforschen um sie zu rechtfertigen und nur dann einzusetzen, wenn der Nutzen erwiesen ist, der sich stattdessen auf das Bauchgefühl des RKI-Chefs Wieler verlässt ("Wirksamkeit von Lockdowns ist seit Frühjahr bekannt"), dieser Staat, der uns alle dazu anhält, normal weiter zu arbeiten auch mit vielen täglichen physischen Kontakten in den zumeist schlechter bezahlten Branchen wie Logistikcentern, aber gleichzeitig unsere privaten Kontakte aufs Minimum zu reduzieren (warum bloß, möchte die Regierung etwa vermeiden, dass Menschen sich im Privaten kritisch austauschen über die herrschende Willkür-Tyrannei der faktenfreien Corona-"Bekämpfung"?), dieser Staat, der uns vorsorglich schon mal in Person des Bundespräsidenten darauf einstimmt, wir würden noch lange mit der Pandemie leben müssen, entgegen der Aussagen von führenden Virologen wie Prof. Kekulé, der eine deutliche Entspannung der pandemischen Lage im Laufe des Jahres 2022 voraussagt wegen einer hohen Grund-Immunität eines Großteils der Bevölkerung durch Infektionen und Impfungen, dieser Staat also hat zur Genüge gezeigt, dass er sich weder um die Qualität unserer Leben als politisch-kulturelle Wesen schert noch um unser biologisches Überleben sondern stattdessen die andauernde Coronakrise dazu nutzt, sich zu ermächtigen, neue Dispositive im sozialen Leben einzuführen und gleichzeitig eine Hetzjagd gegen einzelne Menschengruppen anzufachen, um vom eigenen Versagen abzulenken, das auch vor der so viel zitierten "Mehrheit" wohl nicht mehr lange verborgen bleiben kann.

Mit den Worten des Bundespräsidenten, der Staat könne "sich nicht an unserer Stelle die Schutzmaske aufziehen" ist wohl jedem Wohlmeinenden, der gehofft hatte, der Staat habe aus seinen Fehlern und Versäumnissen gelernt und sei nun bereit, seiner Verantwortung gerecht zu werden, aufgegangen, wie verachtend und heuchlerisch die Spitzenpolitiker auf uns alle herabblicken. Statt staatliches Versagen einzugestehen, werden Fehlentwicklungen den einzelnen Individuen angelastet, die angeblich nicht umsichtig genug gehandelt hätten. Das führt zu einer Vertiefung der bestehenden Spaltung, zu unsinnigen Schuldzuweisungen und demagogischen Hetzjagden bspw. auf Ungeimpfte, während die Politiker vom Schlage eines Steinmeiers ihre Hände in Unschuld waschen können.

Dies also muss ich euch ganz unverblümt mitteilen: wer jetzt, wo die Unfähigkeit, Untätigkeit und Unwilligkeit der deutschen Regierung jedem klar werden muss, der Augen hat, die Priorität immer noch darin sieht, sich weiter "umsichtig" zu verhalten und staatlichen Empfehlungen und Vorgaben zu folgen, trägt auch zum Anhalten der angespannten gesellschaftlichen Situation bei. Statt sein Verhalten anzupassen hat der Einzelne jetzt aus meiner Sicht die Pflicht, die Regierung zu hinterfragen und so den Staat endlich wieder daran zu erinnern, dass er die Hauptverantwortung für die Bewältigung dieser Pandemie trägt. Wer nun noch Freunde und Verwandte oder anonyme Gruppen wie Impfverweigerer verurteilt, die sich nicht in gleichem Maße an Vorsichtsmaßnahmen halten, hilft der Regierung, aber sicher nicht der Allgemeinheit, denn nur jene wird durch diesen individuellen Diskurs entlastet wird und wird keinerlei Handlungsbedarf mehr sehen, ihren eigentlichen Aufgaben nachzukommen.

Jeder sollte aufgeklärt sein, was man persönlich tun kann, aber das ist nach so langer Zeit sicher einigermaßen der Fall und man wird jetzt niemand mehr zu vorsichtigerem Verhalten bewegen indem man den Zeigefinger erhebt oder auf Twitter unter Hashtags wie #SchwereSchuld und #QuerdenkerSindTerroristen die Regierungskritiker direkt für vermeidbare Todesfälle verantwortlich macht. Das dient einzig der Bestätigung der erhobenen eigenen moralischen Position und verhärtet die Fronten, führt in der Folge zu einer Erosion der Wirksamkeit jener individuellen Vorsicht.

Statt sich jetzt also weiter zu fragen, was man persönlich tun kann, um das Virus nicht weiterzuverbreiten im unwahrscheinlichen Fall, dass man es mal hätte, muss man politisch aktiv werden, sich wenigstens im stillen Kämmerlein mal Gedanken machen, wie man zur herrschenden Politik steht und im Idealfall entschlossen auf die Straße gehen um gegen diese Unrechtspolitik anzukämpfen. Es ist nie zu spät, wir müssen jetzt diesen Kampf gegen diese Politik führen, gegen weitere symbolische, theaterhafte Restriktionen und moralische Verurteilungen von Einzelnen hin zum sinnvollen Einsatz von Ressourcen, um im Gesundheitssystem voranzukommen, die bekannten Probleme zu adressieren und in der nächsten Corona (oder sonstigen Infektions) -Welle besser dazustehen. Aber jetzt muss der Fokus auf dem Ende des fortgesetzten Unrechts der 2 und 3G-Regelungen und der Beendigung der Diskussion von partieller und allgemeiner Impfpflicht liegen. Diese unmenschliche und unwissenschaftliche (die Wirkdauer der Impfstoffe ist unklar, wir können uns sowieso nicht aus der Pandemie impfen und sollten den Impfstoff lieber für die Älteren oder auch zur Schenkung an Entwicklungsländer aufsparen, statt jetzt 20-Jährige zur Impfung zu zwingen) Politik ist nun der Hauptfeind, nicht mehr das Virus, das nie harmloser als jetzt war, wo die meisten geimpft sind und vor allem Ältere das in ihrem Fall sehr sinnvolle Angebot des Boosterns hoffentlich schon angenommen haben und wenn nicht davon Gebrauch machen sollten und dazu die Unterstützung von Verwandten und Bekannten bekommen sollten (Überzeugungsarbeit, Terminfindung etc.).

Ja, auch 25-Jährige können schwer an Corona erkranken und sogar sterben, auch für sie ist aus Erwägungen zur persönlichen Gesundheit eine Impfung sinnvoll, um schwere Verläufe zu vermeiden. Allerdings belasten sie statistisch gesehen die Intensivstationen insgesamt in derart vernachlässigbarem Ausmaß, dass hier das Argument, sich aus Solidarität impfen zu lassen, definitiv nicht zieht. In dieser Altersgruppe, der ich angehöre, ist es also wie ich in Folge 51 meinte, durchaus sinnvoll, sich Gedanken zu machen, ob man die eigene Gesundheit nicht hinten anstellt und stattdessen lieber den politischen Kampf führt, der sich dieser Tage perverserweise in der Frage einer Impfung ausdrückt. Wer sich nicht impfen lässt, setzt ein Zeichen, dieser absolutistischen Gesundheitspolitik entgegen zu treten und sich auch durch die zum Großteil medial heraufbeschworene, in geringem Maße aber auch reale Gefahr des Todes nicht davon abhalten zu lassen, sein politisches Leben und seine Würde höher zu schätzen als das reine Überleben. Ein Leben, indem man wie in diesem Moment indirekt durch 3G zu einer Impfung gezwungen wird, ist kein gutes Leben mehr und die Ideologie, die uns an diesen Punkt geführt hat, an dem die Bevölkerung diese Willkür bereitwillig erduldet, muss mit aller Entschlossenheit bekämpft werden. Dabei ist völlig egal, wie gut diese Impfung schützt. Das nackte Leben darf niemals zu diesem höchsten Wert werden, demzuliebe wir alle Prinzipien opfern, die sonst unser ziviles Leben reguliert haben. Ein Eingriff, der im Bereich einer "medizinischen Zwangsbehandlung" liegt, als die eine Impfpflicht von einzelnen Juristen bezeichnet wird, ist eine nicht hinnehmbare Grenzüberschreitung und allein deren Diskussion in diesem Herbst wird einen unermesslichen Schaden im Bewusstsein von Millionen Menschen verursacht haben, die zuvor davon ausgingen, das Recht auf körperliche Unversehrtheit umfasse auch die freie Entscheidung, sich impfen oder nicht impfen zu lassen, zumal mit einem vorläufig zugelassenen Impfstoff, der keinerlei Aussicht auf eine Ausrottung des Virus bietet. Siehe hierzu den hervorragenden Podcast "Corona im Rechtsstaat": https://ping.podigee.io/82-neue-episode

Es darf nie wieder so weit kommen, dass Teilnahme am öffentlichen Leben von einer Impfung oder Genesung abhängt wie zurzeit. In dieser Situation ist der Kampf gegen die herrschende Gesundheits-Verabsolutierung die erste Priorität für mich, nicht mehr der Schutz meines Lebens oder auch des Lebens meiner Mitmenschen. Wenn es nur durch die Verweigerung einer Impfung möglich ist, noch ein politisches Signal zu setzen, das wahrgenommen wird, dann muss es eben so sein. Über eine Impfung werde ich erst wieder nachdenken, wenn es wirklich um den Schutz der Gesundheit geht, nicht um ein Zeichen der Unterwerfung unter den hegemonialen Diskurs des "wissenschaftlichen" Impf-Absolutismus. Zuerst wünsche ich mir, dass wir einen Konsens darüber erreichen, Mittel der Segregation wie durch 2G niemals wieder in einer vergleichbaren Epidemie einzusetzen; noch nicht mal wenn die Behauptung einer deutlich verminderten Transmission bei Geimpften stimmen würde, wäre dies aus meiner Sicht angemessen. Erst wenn diese politische Diskussion um die Verhältnismäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit vorangekommen ist, bin ich wieder bereit, über gesundheitliche Maßnahmen nachzudenken.

Nun aber kommen wir zum eigentlichen Manifest, das ich vor einigen Tagen verfasste unter dem Eindruck des Schwindels, der mich erfasste angesichts der derzeitigen Lage, in der ich mich weiter entfremdet von diesem Land fühle als jemals zuvor:

Liebe Impfextremisten, liebe verlässlichen Coronabürger, die ihr glaubt, „wir alle wollen doch heil rauskommen aus der Pandemie“ und mich mit eurem gefühlsduseligen Moralismus mit in Geißelhaft nehmt: ich muss hier kurz Stellung nehmen um euch zu erklären, warum ihr mir im Moment egal seid, vorsichtig ausgedrückt und ich offener gesprochen eine tiefe Wut und Verachtung für die naive Ideologie hege, der ihr so brav folgt.

Dieser Tage beschäftige ich mich auf intellektueller, philosophischer, wissenschaftlicher Ebene mit der Pandemie, oft polemisierend. Es ist aber nötig, zu definieren, was eigentlich mein Ziel ist und an wen sich die Podcasts dieser Coronaphase (#45- ca #60) richten. Nicht an euch (wie ich vielleicht in den ersten Folgen noch naiverweise mit Blick auf eine angeblich nötige Versöhnung meinte), sondern an diejenigen, die sich bereits seit Längerem oder Kürzerem ihrer Opposition zu den herrschenden Dogmen des Corona-Ausnahme-Regimes bewusst geworden sind. Die Spaltung der Gesellschaft muss meiner Meinung nach vertieft werden. Seit Monaten ist mit 3G die Spaltung rechtlich verankert anhand des hirnlosen, unwissenschaftlichen Antagonismus zwischen Impflingen und Impfverweigerern.

Nun müssen wir die Gesellschaft aber anhand der richtigen Achse spalten: diejenigen, die in der gegenwärtigen faschisierten Situation daran festhalten, es ginge in erster Linie um den Schutz der Gesundheit und die Rettung von Menschenleben (vor Corona) auf der einen Seite und auf der anderen diejenigen, die erkannt haben, dass die herrschenden Gesetze zumindest einen Vergleich, wenn auch keine Gleichsetzung mit dem Faschismus, Rassentrennung, Apartheid durchaus hergeben und die Tatsache, dass solche Politiken auch nur gedacht werden können, ein immens viel größerer Schaden an unserer Gesellschaft ist, als eine bestimmte Anzahl von Todesopfern an einem natürlichen Phänomen wie einer Virus-Infektion. Gegen das Virus können wir wenig tun; die Eingriffe gehen im Grunde von einer Allmachtsphantasie aus, die nicht wahrhaben will, dass wir trotz Technik und Wissenschaft die Ausbreitung einer Epidemie nur wenig vorhersagen und kontrollieren können.

Eine interessante Randfrage ist hier die Wirksamkeit von Maßnahmen wie Masken und Lockdowns, aber auch das interessiert mich in der jetzigen Situation eigentlich nicht mehr. Wir sehen so oder so, dass die Coronaextremisten ("NoCovid"-Fraktion, die jahrelang noch auf eine völlige Ausrottung des Virus hoffte, eine Hypothese, die auch meiner Laien-Intuition direkt widerspricht) auf dem Rückzug sind, ihre Besorgnis sich langsam in Bestürzung und Unsicherheit über die eigene Rolle und die der bisher so vertrauenswürdig scheinenden Wissenschaft verwandelt. Die Frage, ob wir jahrelang mit (FFP2-)Masken rumgelaufen sind ohne wissenschaftliche Klarheit zu haben, in welchen Settings das wirklich etwas bringt zur Pandemieeindämmung – oder wenn es etwas bringt warum man auch im Sommer außerhalb der leicht vorherzusehenden Infektionssaison im Herbst und Winter unbedingt die Maskenpflicht beibehalten müsse, was sicher zu einer Abstumpfung und verminderter Vorsicht im Herbst führt – wird sicherlich eine interessante für die nächsten Jahre sein, die man sich in Ruhe aus der Ferne anschauen kann.

Zurück zum heutigen Thema: jetzt geht es darum, die Gesellschaft auf die richtige Weise zu spalten. Eine einfache Versöhnung darf es in der jetzigen Lage nicht geben. Das wurde mir klar, als ich beim Wiederhören meiner Folgen dieser Wochen erkannte, wie sehr ich mir im Grunde wünschte, von euch verstanden zu werden, aber diese Herangehensweise ist absurd: ihr habt im Moment einfach jeden Respekt verwirkt, ich möchte mich nicht unbedingt physisch aber doch intellektuell sehr, sehr weit von euch distanzieren.

Dass mich das in die Nähe von Rechtsextremen bringen sollte, ist eine infame Unterstellung; auch über die Instrumentalisierung von Splittergruppen wie Querdenkern wird in der Nachbetrachtung viel zu reden sein, durch üble Hetze wurde normalen demokratischen Protesten die Legitimität abgesprochen und deren Teilnehmer in Verbindung mit Rechtsextremen gebracht, was ein weit größerer Schaden an der Demokratie ist, als alles, was Querdenker, AfD etc. in der Pandemie angeblich angerichtet haben.

Nun zum Kern der Sache, warum ich so wütend auf euch bin und eigentlich nicht mal mit euch reden möchte im Moment, keinerlei Dialogbereitschaft verspüre: ihr seid es, die ihr euch zu erklären hättet, falls ihr noch einen Rest Selbstachtung im Blut habt. Wie stellt ihr euch den weiteren Verlauf der Pandemie vor, wann ist mit dem Ende von Regelungen wie 3G, Impfpass und Impfstatuserfassung am Arbeitsplatz zu rechnen? Wie werdet ihr die offensichtlich immensen psychischen Schäden bei uns allen durch zerbrochene Freundschaften, Streit etc. aufwiegen gegen das Gut des biologischen Lebens, das ihr so dringend retten wolltet? Wird es eine Gesamtbetrachtung geben, wie unser aller Gesundheit beeinträchtigt wurde durch die Pandmie-Politik und ob hier eine gewisse Verhältnismäßigkeit gewahrt wurde?

Aber darüber könnt ihr euch ja Gedanken machen. Was ich nur noch ausdrücken will, ist die Legitimität meiner Wut auf euch:

Wir haben eine Pandemie, also ein politisches Problem, das wir durch politische Überlegungen und Strategien in den Griff bekommen könnten. Statt sich hierauf zu konzentrieren wurde dieses Jahr aber massiv die persönliche Gesundheit eines jeden zum entscheidenden Maßstab gemacht, wie weit wir in der „vernünftigen“ Pandemie-Eindämmung vorankommen. Millionen Menschen wurden zu einer Impfung durch die Hintertür gezwungen, durch sozialen, medialen und juristischen (2G/3G) Druck. In anderen Ländern klappte es übrigens auch ganz ohne Stigmatisierung und man erreichte ähnliche (UK) oder deutlich höhere (Skandinavien) Impfquoten, auch weil die Bevölkerung dort (zurecht) ein höheres Maß an Vertrauen in die Strategien der Regierung hatte.

Ihr habt diesen Irrsinn der persönlichen Schuld, Gängelung und Überwachung auch schon letztes Jahr durch Aufrufe zum Maskentragen und Kontaktvermeidung zur persönlichen Frage gemacht, an die ich mich zu halten hätte und zudem eine saubere, dem übergeordneten Ziel der Virusbekämpfung dienende Gesinnung haben müsse, damit ihr mich noch als euch gleichgestellten Mitmenschen akzeptiert.

Aber was dieses Jahr im Zusammenhang mit den Impfungen geschah, ist eine traurige Verhöhnung der egalitären Grundprinzipien einer demokratischen Gesellschaft, die auch mit der hypothetischen Verhinderung von 10, 20, 30 Millionen Todesfällen niemals, nie, nie, nie zu rechtfertigen und hinzunehmen ist.

Ich bin gesund, unter 30 und habe jetzt eine Impfung hinter mir, von deren medizinischen Nutzen für mich ich nicht überzeugt bin. Auch, dass man damit andere schützen würde, ist meiner Ansicht nach eine glatte Lüge. Transmission ist nach der Impfung zu 100% (und wenn es 90% wären würde das auch nicht viel ändern; die Studien hierzu scheinen widersprüchlich zu sein und erlauben also meiner Ansicht nach die Aussage, dass kein Beweis vorliegt, Transmissionen würden durch die Impfung in signifikantem Maß verhindert) weiterhin möglich, nur das EIGENE Ansteckungsrisiko mindert sich sowie die Gefahr, einen schweren Verlauf zu bekommen im Fall einer Erkrankung.

Der einzige Blickwinkel, unter dem noch halbwegs zurechtgebogen werden könnte, man würde durchs Impfen nicht nur sich selbst schützen (was offensichtlich der Fall ist und ich gern hervorhebe, um Impfzweifler zu ermutigen, über ihren Schatten zu springen und besonders gefährdete über 60 Jährige Verwandte doch noch zu überzeugen, sich zu impfen), ist, dass man eine eigene Infektion verhindert, um auch andere nicht anzustecken (oder auch dass man das Risiko einer eigenen Hospitalisierung verringert und so die medizinischen Ressourcen, deren Reduktion mitten in der Pandemie vom Gesundheitsminister hingenommen wurde, weniger beansprucht; auf diesen gruseligen Gedankengang gehe ich aber nicht ein). Das "Risiko" (das nicht für alle Alterkohorten gleichmaßen ein wirkliches Risiko ist) einer Infektion ist durchs Impfen deutlich niedriger, so zumindest die Studien, die bei Kekulé zitiert wurden. Was aber wohl auch wahrscheinlich ist, ist dass man als Geimpfter eher einen unsymptomatischen Verlauf hat und weiter rausgeht und andere ansteckt. Als vorsichtiger Ungeimpfter, der bei Coronasymptomen daheim bleibt, könnte man also sogar noch mehr seine Mitmenschen schützen denn als Geimpfter. Die Frage des Selbstschutzes durch Immunität als Genesener umgehe ich hier und stelle sie nur als Fragezeichen in den Raum. Darf man eigentlich nicht zuerst an die eigene Gesundheit statt an die Volksgesundheit denken und sich lieber infizieren, um besseren Immunschutz zu erhalten, daher auch lieber ungeimpft bleiben?

Ihr habt es zur Sache meiner persönlichen Gesundheit gemacht, mir Eingriffe in meinen Körper vorgeschrieben und mit erhobenem Zeigefinger dahin genudged, das aus eurer Sicht richtige zu tun. Ihr habt die Politik in meinen Körper getragen. Ihr habt mich nicht nur persönlich, sondern physisch angegriffen. Um klar zu sein, ich gehe nicht von gravierenden Nebenwirkungen und Langzeitschäden durch die Impfstoffe aus, aber es geht ums Prinzip, dass ihr mich nicht wissenschaftlich vom medizinische Nutzen überzeugen konntet und lieber auf Zwang, üble Demagogie und Statistikfälschung setztet (wie zuletzt in Hamburg und Bayern).

Ihr habt mich im intimsten Bereich angegriffen, sorry, ich will einfach im Moment erst mal klar kommen und verstehen wo ich überhaupt stehe, nicht schon wieder Harmonie verbreiten, will nicht eure Sicht hören, von der ich mich jetzt lange genug habe einschüchtern lassen durch irrwitzigen Moralismus, der sich auf Todesfälle bezieht und sie in schäbiger Weise instrumentalisiert.

Aus meiner Sicht durchaus diskussionswürdig wäre ein komplettes Ende der Anti-Corona-Maßnahmen, deren Wirksamkeit auch von Prof. Kekulé bezweifelt wird, der davon spricht, nur 10% der Maßnahmen seien tatsächlich sinnvoll und wirksam gewesen. Wenn 90% der Maßnahmen eher nichts bewirken oder sogar noch Schaden anrichten, müssen wir überlegen, ob wir hier nicht die Reißleine ziehen müssen und diese theatralischen Einschränkungen und Vorschriften komplett abschaffen. Denn jetzt muss es um Schadensbegrenzung gehen, der Schaden im Zusammenhalt der Bevölkerung, im Glaube an die Demokratie, in die Wehrhaftigkeit der Demokratie auch in Krisen, ist unermesslich beschädigt und eine größer werdende Oppositionsbewegung auf der Straße will sich mit diesem unbegrenzten Ausnahmezustand nicht mehr abfinden. Und auch jene Rechtsextremen haben natürlich auch ein Recht, für ihre Grundrechte auf die Straße zu gehen und den Verfall der demokratischen Institutionen (Justiz, Parlament, Exekutive, Medien) zu beklagen, auch wenn man nicht gemeinsam mit ihnen demonstrieren sollte und auch sie bekämpfen muss, da sie die demokratische Grundordnung ähnlich schnell und ungeniert abbauen würden wie das jetzige Gesundheits-Regime, wenn sie an die Macht kämen.

An ihrem heutigen Aufwind sind sicher nicht wir wenigen Linken schuld, die sich ebenfalls energisch in den Kampf gegen die herrschende Coronapolitik stellen, nicht an der Seite der Faschisten sondern mit der großen Mehrheit der demokratischen Opposition in der Zivilgesellschaft, die aus Konservativen, Liberalen oder sonstigen politisch interessierten Menschen besteht. Sondern diejenigen, die seit knapp zwei Jahren der Regierung trotz multiplem frappierendem Versagen die Stange halten und Kritik an der Willkürherrschaft der Inzidenzen als „Schwurbelei“ oder Rechtsextremismus verleumden.

Diese amorphe Masse, die sich auf einen obskuren, undurchdachten, plan- und ziellosen Konsens zur „Rettung von Menschenleben“ beruft, ist die eigentliche Bedrohung, die Melange aus Mainstream-Medien, den Regierungsparteien inklusive CDU, die dies bis vor Kurzem war, und vermeintlichen Intellektuellen muss gebrochen werden, sie stellen die Bedrohung unserer Demokratie da, nicht die Kritiker des Ausnahmezustands.

Mein Vorschlag des kompletten Endes der Maßnahmen und Alltagseinschränkungen ist nicht zynisch, denn spätestens jetzt wird einem denkenden Menschen klar, dass die größere Bedrohung von diesem staatlich gelenkten Machtapparat zur Durchsetzung der Virusvermeidung auf allen Ebenen ausgeht und eine größere Gefahr für unser aller Leben ist als das Coronavirus. Ich würde einzelne Maßnahmen, deren Begründung unmittelbar sinnvoll scheint, zumindest für die Erkältungssaison bis Frühling noch beibehalten, darunter vielleicht das Verbot größerer Events mit mehreren Tausend Menschen, über solche Dinge könnte man reden. Aber viel wichtiger ist an diesem Punkt ein deutliches Signal der Entspannung und Entschuldigung an die Ungeimpften, die in den letzten Monaten unduldbare Schmähungen, Stigmatisierungen und Exklusion vom öffentlichen Leben erleiden mussten. Was hier geschah ist deutlich schlimmer als die über 100.000 Coronatoten, deren Tod dem Lauf der Natur geschuldet ist, den wir nicht direkt beeinflussen können, während diese Maßnahmen wie aus einem Apartheidsstaat direkt von uns Bürgern und den von uns gewählten Politikern implementiert wurden.

Auch wer meinen weitgehenden Forderungen nicht zustimmt, sollte sich die Frage stellen, wie er/sie zu meinem Antagonismus steht: ist in diesem Moment der Schutz von biologischen Leben vor dem Coronavirus die oberste politische Aufgabe, oder der Schutz unser aller politischen Rechte als Bürger in einem freien demokratischen Land? Anhand dieser Frage muss die Spaltung der Gesellschaft durchgeführt werden. Ich bezweifle nicht die Gefährlichkeit des Virus, vor allem für Ältere und Risikogruppen, bitte aber auch um Verständnis, dass aus meiner Position als Unter 30 Jähriger mein subjektives Gefahrempfinden vor Corona mittlerweile gleich null ist und ich nicht weiter meine persönlichen Grundrechte einschränken will, um das Versagen der Politiker auszugleichen, die nun schon fast 2 Jahre Zeit gehabt hätten, die Krankenhäuser für eine Pandemie zu rüsten. Da stattdessen die Zahl der Intensivbetten um 20-30% zurückging, kann ich nicht umhin, zu konstatieren, dass die Betonung der individuellen Verantwortung durch Maskentragen, Kontakbeschränkungen etc. nur den Druck von den Politikern nimmt, ihre eigentliche Arbeit zu tun, und sie stattdessen lieber Ungeimpfte diffamieren und gesetzlich verankert drangsalieren, während sich die Situation in den Krankenhäusern verschärft, weil die Pfleger aus dem unerträglichen, durch unmenschlichen Stress unnötig belastendem Berufsalltag fliehen und sich der Pflegenotstand von Jahr zu Jahr verschlimmert. Jeder, der in dieser Situation am Narrativ der Regierung festhält und weiterhin Maske tragen möchte, entlastet die Politiker von diesem Druck, den wir aufbauen müssten, um sie zur Erhöhung der Krankenhauskapazitäten zu zwingen und so Menschenleben zu retten. Es kann jetzt nur darum zu tun sein, möglichst viele Menschen auf die Straße zu bekommen, um gegen die unmenschliche und verfassungsfeindliche Regierungspolitik aufzustehen.

Das Verfassungsgericht hat den diktatorischen Maßnahmen der letzten Jahre grünes Licht gegeben, zurecht aus meiner Sicht, wenn es sich als "demokratisches" Gericht im Sinne einer Haltung der durch private Medienunternehmen gezüchteten Mehrheitsgesellschafts-Illusion versteht, welches jeden Wink der herbeifantasierten Mehrheit umzusetzen hat, auch wenn er Grundrechte und Minderheitenrechte stark und unverhältnismäßig einschränkt.

Aber dass die Mehrheit es gutheißt, bedeutet nicht, dass es verfassungsgemäß oder gar moralisch akzeptabel ist.

Ich möchte keinen Alarmismus verbreiten, bin aber realistisch und geneigt, zu sagen, weite Teile der Justiz, des Parlaments, der reichweitenstärksten Print-, Online, und Fernsehmedien folgen blind einer in sich widersprüchlichen Regierungspolitik, die wohl selbst schon lange nicht mehr weiß, was die Ziele der Pandemiepolitik sind und wie sie das verbreitete Unsicherheitsgefühl und die in weiten Teilen der gesunden Bevölkerung unbegründete Angst vor Corona wieder eindämmen wollen.

Das ist nicht mein Problem, auch nicht, ob es diese Regierung ist, die sich dem Problem stellen muss, oder wir durch Proteste ihre Ablösung erzwingen können, sondern einfach, auf der Straße Präsenz zu zeigen und jedem der 80 Millionen Deutschen klar zu machen, dass es nicht nur Faschisten sind, die gegen diese zynische Politik etwas einzuwenden haben und dass es für jeden legitim und angebracht ist, sich zu überlegen, ob er diesen friedlichen Widerstand unterstzützen möchte.

LG


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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