#53 Holobiont
Nassim Nicholas Taleb: Antifragilität
Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft
Matthias Bröckers: Klimalügner
Eine solche Strategie existierte zum Beispiel in Schweden, das dieses Jahr extrem niedrige Corona-Todeszahlen vermeldet, nachdem man letztes Jahr mehr Todesopfer als Deutschland zu beklagen hatte, was wiederum noch kein Beweis für die Untauglichkeit des schwedischen Konzepts war.
Generell ist es vermessen und nur durch mangelnde Erwachsenheit und unreifen Umgang mit dem eigenen Dasein zu erklären, wenn man letztes Jahr das schwedische Modell kritisierte mit Hinweisen auf die erhöhte Mortalität dort - denn es ist logisch, dass es durch das Auftreten einer neuen Krankheit zusätzliche Tote geben wird und ein durch undurchdachte "ethische" Gefühlswallungen angefachter Wettlauf um eine Minimierung der Todesfälle in die Irre führt und katastrophale Nebenwirkungen anrichtet, zumal wenn die absoluten Zahlen zur Mortalität durch Corona so gering sind, dass sie sich kaum auf die Übersterblichkeit auswirken. Dieses Jahr zeigt sich aber, dass Schweden die Pandemie schon längst in den Griff bekommen hat, ohne dabei auf derart harsche, autoritäre Eingriffe in Grundrechte und das Grundvertrauen auf den demokratischen Staat zurückzugreifen wie hierzulande.
Schweden hat also nach heutigem Stand sowohl was das Medizinische als auch was das Soziale angeht, eine deutlich verträglichere Strategie gewählt, während hierzulande noch nicht mal die grundlegenden Konzepte der staatlichen Strategie bekannt sind, so dürften wohl immer noch einige an eine komplette Ausrottung des Virus glauben. Das wird nicht passieren und wir alle werden uns früher oder später infizieren, so wie es jedem denkenden Menschen eigentlich schon im Frühjahr 2020 hätte klar sein können. Das ist auch nicht schlimm, sondern stärkt unser Immunsystem und bereitet es für zukünftige Infektionen besser vor. Dass jetzt die Maßnahmen in Deutschland erhöht werden und heute ein Lockdown light in Kraft tritt, ist an Irrationalität nicht mehr zu überbieten. Denn jetzt steht mit Omikron eine deutlich weniger gefährliche Variante zur Verfügung, die bei Infektion sowohl für Geimpfte wie auch Nicht-Geimpfte die Immunreaktion gegen Corona verstärkt.
Hier hatte Kekulé darauf hingewiesen, dass er in jedem Fall eine vorhergehende Impfung empfiehlt, da sie die Schutzwirkung durch eine Infektion nochmals erhöht, klar ist aber, dass Impfungen allein keinen ausreichenden Schutz bieten, sondern nur eine wirkliche Infektion. Das war der Punkt, den ich in Folge 51 etwas unklar behandelt hatte. Dort sagte ich, die Infektion schütze besser als die Impfung, was für sich gesehen stimmt, wichtig ist hier aber Kekulés Hinweis, dass am besten eine Impfung plus Infektion schützt. Das sollte jeder Mensch wissen, dem es zurzeit tatsächlich noch um die medizinische Seite des Corona-Phänomens geht. Am grundlegenden Muster ändert das für mich allerdings nichts, der Einsatz der übertriebenen Anpreisung der Impfung als Mittel gegen die Corona-Opposition, um sie als unwissenschaftlich zu brandmarken, ist weiterhin ein Schandfleck und verbietet eigentlich jedem politisch denkenden Menschen, sich in dieser Situation impfen zu lassen, in der es nicht um die persönliche Gesundheit, sondern um den politisch instrumentalisierten Kampf zwischen den als Gut und Böse scheinbar so klar ausgemachten Fronten geht, der mithilfe von Methoden wie aus einem Apartheidsstaat geführt wird. Diese Methoden der Segregation und Totalüberwachung mittels Impfpass werden von jedem, der sich in diesen Tagen impfen lässt, indirekt gebilligt. Hier muss man aus meiner Sicht abwägen, ob man sich in diese schmutzige politische Strategie einspannen lassen will oder bewusst auf weiteres Impfen und Boostern verzichtet, auch um den Preis eines erhöhten persönlichen Risikos, schwer an Corona zu erkranken.
Die Geschehnisse dieser Monate und Jahre werden mir noch auf lange Zeit Stoff zum Schreiben und Nachdenken geben, hier lasse ich euch aber teilhaben an meinen Erlebnissen gestern auf einem Spaziergang in Stuttgart. Es war wirklich enttäuschend, dort so wenige Menschen zu sehen, allerdings liegt das auch an hausgemachten organisatorischen Defiziten der Bewegung. Bitte überlegt euch doch, ob ihr nicht auch mal vorbeischauen und es euch mit eigenen Augen anschauen wollt. Im Folgenden meine Beschreibung des gestrigen Abends:
Widerstand gegen Corona-Willkürpolitik Stuttgart, 27. Dezember 2021
Eindrücke von dem heutigen unangemeldeten Spaziergang in Stuttgart: Die Veranstaltung, die auf Telegramm als Spaziergang oder Schweigemarsch angekündigt war, begann um 18 Uhr am Marktplatz. Ich traf pünktlich ein und war etwas enttäuscht über die Teilnehmerzahl von nur etwa 30 Leuten. Es füllte sich noch ein bisschen, maximal 50 waren dann dort in Grüppchen oder einzeln versammelt. Es standen etwa 8 große Polizei-Kastenwagen auf dem Marktplatz bereit. Etwa 10 Minuten nach 6 gab es eine Durchsage, wir sollten uns in die Mitte des Platzes begeben, dort hätten wir die Erlaubnis, uns zu versammeln, ein Aufzug sei nicht genehmigt, außerdem müssten Masken getragen werden (von den sonstigen zahlreichen Fußgängern in der Innenstadt trugen ca. 90% keine Maske). Eine blonde Frau schien bereit, die Führung zu übernehmen und meinte, wir sollten loslaufen »es bringt ja nichts«. Ich war verunsichert, war das erste Mal dabei, folgte der Gruppe aber, der sich nicht alle anschlossen. Meiner Schätzung nach reduzierte sich die Teilnehmerzahl dadurch schonmal um die Hälfte. Auf dem Weg im Zickzackkurs durch die Gässchen der Innenstadt wurden es immer weniger. Wir waren ohne Vorwissen definitiv nicht als Demozug zu erkennen. An der Außenwirkung gäbe es sicher einiges zu verbessern. Die Polizei begleitete uns streckenweise und leuchtete uns mit Taschenlampen an. Dann wurden wir sogar gefilmt, was eine Teilnehmerin als illegal bezeichnete, da wir dasselbe auch nicht mit den Polizisten machen dürften. Mir machte es nichts aus und ich versuchte, in die Kamera zu lächeln. Dann bogen wir auf die Königstraße ein, wo extrem viele Leute unterwegs waren. Wir liefen in der Mitte und waren auf ca. 20 Personen geschrumpft. Eine Teilnehmerin hatte telefonischen Kontakt zu einer anderen organisierten Versammlung, die weiter unten auf der Königstraße sein sollte, und mit der wir uns treffen sollten. Dazu kam es aber nicht, da wir kurz vor der Höhe des Schlossplatzes von einer Reihe bewaffneter Polizisten angehalten wurden. Ihr Einsatzleiter war recht jung, etwa um die dreißig und erklärte uns, wir hätten die Möglichkeit, zum Marktplatz zurückzukehren und dort zu bleiben, dabei müssten wir aber Masken aufsetzen. Ansonsten müsse er den Aufzug hier auflösen. Mangels einer führenden Person in unserer kleinen Gruppe konnten wir uns nicht wirklich auf eine einheitliche Haltung gegenüber der Polizei verstsändigen, das war ein Schwachpunnkt, der dringend gebessert werden muss. Einzelne Teilnehmer versuchten, mit den Polizisten zu diskutieren, blieben dabei freundlich und appellierten an die eigene Urteilskraft der Einsatzkräfte, wo hier denn die Verhältnismäßigkeit liege. Nach und nach wurden wir immer enger eingekesselt von etwa 20 Einsatzkräften. Einige Demoteilnehmer verabschiedeten sich, da sie einer Kontrolle wohl entgehen wollten. So schrumpften wir weiter auf etwa 10 bis 15 Leute. Die ganze Zeit strömte eine unglaubliche Masse an Menschen an uns vorbei. Die ganze Sache war eine reine Schikane, wir machten einen zugegeben unangemeldeten Aufzug, waren aber nicht mal als Demozug zu erkennen in der Menschenmasse der Einkaufenden und Konsumwütigen. Die bewusste Strategie der Polizei war es, uns zu spalten und immer kleiner werden zu lassen, indem man einzelnen ermöglichte, zurückzukehren oder sich von der schwer definierbaren Menschengruppe abzusetzen. Nach etwa 20 Minuten waren wir dann komplett eingekesselt. Einige Teilnehmer sträubten sich dagegen, als von der Polizei verkündet wurde, sie wolle nun die Personalien feststellen. Ich hielt meinen Ausweis bereit, es dauerte aber noch etwa 10 Minuten, bis ich dran kam. Einige diskutierten und meinten, der Polizist habe ihnen versprochen, nur die Personalien aufzuschreiben und dann würden sie ihren Perso zurückbekommen. Stattdessen mussten nun angeblich auch noch die Personalien überprüft werden und der Ausweis wurde gescannt oder ähnliches. Nach und nach beruhigte sich die Lage und ich wurde aufgefordert, mich zu entfernen. Zwar hatte ich einen Platzverweis erhalten, der Polizist meinte aber beschwichtigend, ich solle bitte einfach aus dem Kessel gehen, damit sie besser feststellen können, wer jetzt noch überprüft werden müsse, es reiche aber auch, wenn ich mich zwei Meter zur Seite stellte. Dort stellte ich mich also hin und wurde von einer Frau angesprochen, die die Demo knapp verpasst hatte. Sie war schon länger dort aktiv, hatte eine solche Polizeikontrolle aber noch nie erlebt. Wir sprachen eine Viertelstunde, während derer die restlichen Teilnehmer abgearbeitet wurden und sich danach zerstreuten. Auch die Polizei verschwand dann.
Mein Fazit ist, dass große, gut organisierte Demos zwar eine bessere Außenwirkung erzielen würden, diese kleinen »Spaziergänge« aber auch viele gute Ansatzpunkte bieten, staatliche Ressourcen zu binden und die einzelnen Individuen in der Polizei zu einem Nachdenken über ihre Rolle zu veranlassen. Der Einsatzleiter schien mir sehr freundlich und es war ihm schon ein wenig peinlich, mir einen Platzverweis aussprechen zu müssen. Meine Vermutung geht dahin, dass die Befehle zum Eingreifen politisch von oben vorgegeben wurden und die Polizisten selbst nicht wirklich von der Sinnhaftigkeit ihres Einsatzes überzeugt waren.
Nichtsdestotrotz liegt auf der Hand, dass wir eine viel bessere Organisationsstruktur brauchen, eine Widerstandsplattform, die sich klar links positioniert und gegen Rechtsradikalismus abgrenzt. Nur das wird der schweigenden Mehrheit, die längst den Wahnsinn der Coronapolitik erkannt hat und sich nur vom pauschalen Rechtsextremismusverdacht, der Bewegungen wie dem Demokratischen Widerstand entgegengebracht wird, abhalten lässt, mit auf die Straße zu gehen. Hier ist viel Potential. Leider kann ich selbst dann nicht mehr so intensiv daran mitwirken in den nächsten Wochen, weil mein Ekel vor diesem Land und der scheinbaren Mehrheit, die diese Zustände hinnimmt, ins Unerträgliche gewachsen ist und ich schnell ein Flugticket ins Ausland gebucht habe. Meine guten Wünsche und Hoffnungen ruhen auf den zahlreichen Menschen, die weiterhin friedlich demonstrieren gehen, bis wir die Stimmung zum Kippen bringen. Viele glauben nicht an eine Veränderung der öffentlichen Debatte und sind sehr niedergeschlagen. Es tut mir sehr leid, das zu sehen aber ich habe das starke Gefühl, dass sich die Debatte sehr zu unseren Gunsten verändert haben wird, wenn ich zurückkehre, es gibt viele Punkte, die dafür sprechen: Omikron als Exit-Strategie aus der Pandemie, die offensichtliche überzogene Forderung nach einer Impfpflicht, die unvorhergesehene Notwendigkeit des Boosterns, einzelne Richter, die sich 2G entgegenstellen, all das gibt Anlass zur Hoffnung. Nichtsdestotrotz ist es eine Schande und das schwärzeste Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte, was hier im Zusammenhang mit der Pandemie passiert ist und die Aufarbeitung dieser kriminellen Spaltung, Demagogie und Menschenverachtung sollte uns noch auf Jahrzehnte hinaus beschäftigen, wenn wir es ernst meinen mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Ach Deutschland, du armes, verdrießliches Land, wenn du nur sehen könntest, wie viel Schönheit es auf der Welt gibt. Aber du bist manchmal so starrsinnig, lässt dich nicht wieder abbringen von einer einmal gefassten Linie. Im Moment ist der Antagonismus in der Gesellschaft scheinbar der zwischen den vernünftigen, umsichtigen Bürgern, die sich impfen, testen, maskieren und den Wissenschaftsfeinden, die unser aller Überleben gefährden. In der Welt, in der ich lebe, ist aber zunächst mal Fakt, dass die Regierung bewusst Menschen in Altenheimen nicht ausreichend schützte, die Krankenhäuser wohl bewusst überlasten WOLLTE in der Pandemie - siehe Spahns Gesetz, wonach nur noch Stationen mit mehr als 80-prozentiger Auslastung Zuschüsse bekommen, was zum weiteren Bettenabbau anreizt - um weiter ihr Narrativ der bösen Volksgefährder aus den Reihen der »Querdenker« spinnen zu können. Wer das einfach hinnehmen möchte hat meinen Respekt nicht verdient. Wer gegen diese Regierungspolitik auf die Straße geht und zusätlich auch noch die individuellen Schutzmaßnahmen beachten möchte, ok, das ist sehr umsichtig. Wer allerdings glaubt, der Regierung freie Fahrt lassen zu müssen und sich nach Maßgabe der Mächtigen nur noch um sein individuelles Verhalten kümmert, hat meine Verachtung sicher und bedroht aus meiner Sicht unser aller Leben als freie Menschen in einem demokratischen Staat. Wer sich nach dem Irrsinn der letzten Jahre nicht mehr an Vorsichtsmaßnahmen hält, ist zu entschuldigen, vor allem, wenn er wenigstens intellektuell für sich diese Politik kritisch hinterfragt und im Idealfall demonstrieren geht. Wir müssen aus der Pandemie lernen, dass wir in erster Linie soziale und politische Lebewesen sind, und die Reduktion aufs Biologische eine Finte ist, mit der wir auf den von oben befohlenen Kurs gebracht werden sollen: wer hätte denn etwas einzuwenden, wenn es um den Schutz von Menschenleben vor dem Tod geht? Niemand mag sich gerne vorstellen zu sterben, deshalb ist man eher bereit, es mal nicht mehr so genau zu nehmen mit den vorher geltenden und als unantastbar beschworenen rechtsstaatlichen Prinzipien. So eine Dichotomie zwischen reinem Überleben und politischem Leben darf es nie wieder geben, es hängt beides zusammen und wir dürfen nicht akzeptieren, aufs Biologische reduziert zu werden, wo nur noch unser physisches Verhalten zählt.
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