Tischlein, deck dich!

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#58 Aufstiegsverbrechen

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Paul Steinhardt: Wie die No-Border-Linke sich verrennt

Wohlstand für alle-Podcast über Migration

Marlon Grohn: Kommunismus für Erwachsene

Der Fortschritt in der Wissenschaft ist also einer der zahllosen anderen Gründe, warum es den absolutistischen Sozialismus braucht, der sich notfslls auch mit Militär und Geheimdiensten verteidigt, so wie es auch kapitalistische Staaten tun.

Diese Pandemie kann uns viel lehren, wenn wir nur genau hinschauen wollen, was schwierig ist, da es ein natürliches menschliches Bedürfnis ist, weiter im geistigen Dämmerschlaf der vorgetäuschten Gewissheiten zu schlummern und den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit eben nicht täglich aufs Neue zu suchen.

Die große apolitische Mehrheit will heutzutage nicht überlegen, was ökonomisch in Krankenhäusern schiefläuft, warum dort immer wieder Überlastungen vorkommen… Der Ist-Zustand wird essentialisiert, es gibt an der prinzipiellen Ausstattung mit Personal und Geld nichts mehr zu ändern, das wäre zu schwierig und mühsam durchzusetzen. Daher hat jetzt hat halt das Individuum die Pflicht, die medizinische Versorgung zu garantieren, indem er sich mit einem neuartigen Impfstoff möglichst schnell impfen lässt. Wer das nicht tut, ist im Zweifel schuld an Todesfällen und verschobenen Operationen. Ich muss also meinen Körper zur Verfügung stellen, um die Gesundheit meiner Mitmenschen zu garantieren, da die Politik dazu nicht mehr fähig ist und die Linken das widerspruchslos hinnehmen, ohne dagegen auf die Straße zu gehen, sondern lieber bereitwillig Ungeimpfte stigmatisieren und als Sündenböcke abstempeln, so wie es von der Regierung gewollt war, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen.

In der nächsten Folge wird eine Polemik im Zentrum stehen über einige ungerechte Zustände auf der Welt in der Verteilung von "Luxusgütern" wie medizinische Grundversorgung. Wir müssten mal überlegen, wie viele Millionen Menschenleben allein auf dem Gebiet der Medizin durch einen weltweiten Sozialismus gerettet werden könnten. Schon heute zeigt Kuba ja auf, was alles möglich ist, wenn man die Medizin dem Allgemeininteresse statt dem Profit unterordnet. Die Freiheit wird beim Aufbau des Sozialismus mal ein bisschen zurückstehen müssen und einzelne besonders gefährliche Proagandisten dieser barbarischen Weltordnung des entgrenzten Kapitalismus werden für einige Zeit gemeinnütziger Arbeit zugeführt werden, damit sie keinen größeren Schaden mehr anrichten können. Die Gleichheit dagegen ist derjenige Wert, den wir auf breiter Basis verwirklichen müssen.

Dieser Kampf ist umso notwendiger, als mit dieser Pandemie der Verfall der vormaligen bürgerlichen Freiheitswerte offenkundig wurde, was auf breite Zustimmung und Akzeptanz sowohl im konservativen, liberalen, grünen und linken Lager stieß. Die schwierige, verunsichernde Welt, in der wir leben, macht solche Einschränkungen und deren Hinnahme in Zukunft umso wahrscheinlicher. Die Freiheit wird also so oder so massiv eingeschränkt werden, diese Jahre waren nur ein Vorgeschmack darauf und wir haben jetzt noch die Wahl, ob wir diese Einschränkungen der persönlichen Autonomie zum Zweck des kommunistischen Fortschritts in Kauf nehmen oder sie einfach dem Gott des Kapitals opfern, dessen absolute Macht uns bald in einen autoritären Liberalismus führen wird, der seine eigene geistige Welt schlicht verleugnet, wie es im Text von Paul Steinhardt heißt.

Allein schon der Kampf für dieses Ziel wird unser revolutionäres Leben besser, aufregender und sinnerfüllter machen als die heutige Verwurstung im Dienst des Kapitals.

Das "Aufstiegsverbrechen" (so mein Freudscher Verprecher in dieser Folge) des Liberalismus ist ein verbrecherisches Versprechen, von den gröbsten Gängelungen und Zumutungen dieser pyramidalen Weltordnung verschont zu bleiben, sofern wir uns nur treu in den Dienst des Kapitals stellen und die Karriereleiter zu erklimmen versuchen, während wir Elend und Ungerechtigkeit um uns herum ignorieren.

Im Verlauf der Folgen seit #45 habe ich immer wieder das Bedürfnis nach Einsamkeit und Ruhe als tieferliegende Ursache des esoterischen Coronaphänomens und der breiten Akzeptanz von bestenfalls pseudowissenschaftlich begründeten schweren Einschnitten ins normale Alltagsleben (und in die verfassungsmäßige Rechtsordnung, in die zivile Freiheit etc.) angeführt.

Mittlerweile gehe ich aber davon aus, dass die primäre emotionale Ursache das unbehagliche Gefühl ist, auf welch unermesslicher Barbarei und Grausamkeit unser normales Leben beruht. Systemische Gewalt und Missachtung von Menschenwürde haben im Jahr 2019 Ausmaße erreicht, die so wohl noch nie in der Menschheitsgeschichte gesehen wurden. Daher also die Sehnsucht nach einer großen Menschheitsaufgabe, die davon ablenkt, wie blutig und zynisch dieses System eigentlich ist und Entmenschlichung im unbegreiflichen Maßstab produziert.

Die aufgeheizte Debatte um den Klimawandel war der erste Versuch hierzu, hat aber nicht genügend Traktion bekommen, weil die Auswirkungen für uns in reicheren Ländern noch nicht in dem Ausmaß spürbar sind, das den maßlosen Alarmismus begründet hätte (und dass uns braune und schwarze Menschenleben weniger interessieren war auch schon vorher klar, daran ändert die zusätzliche Bedrohung des Klimawandels nichts).

Dann kam aber die Gelegenheit, das ganze Übel der Welt auf ein winziges Virus zu projizieren und wurde von vielen Seiten dankbar angenommen.

Statt sich ehrlicherweise zum Konservatismus zu bekennen, der einfach wegschaut und das eigene Leben in den Vordergrund stellt, muss man als Linksmoralischer so tun, als ließe sich die Problematik der Politik allein auf biologischem Feld austragen, sodass diesmal wirklich klar ist, wer Freund und Feind ist.

Um die übelsten Auswüchse dieser hypermoralischen Politik einzudämmen, sehe auch ich selbst mittlerweile für den Kampf gegen das Corona-Regime mehr politische Gemeinsamkeiten mit Libertären oder Konservativen, die bereit sind, über die Auswüchse der systemimmanenten Widersprüche im Kaputalismus hinwegzusehen und immerhin zu versuchen, relativ normal und unbehelligt weiterzuleben.

Die ganz große Mehrheit der Linken wird leider weiterhin die Weltrettung auf das Ziel der Virusfreiheit oder im Anschluss daran weitere willkürliche Gesundheitsnormen projizieren und sich diesen gruseligen Bio-Projekten verschreiben.

Jetzt ist die Maske runter. Der Liberalismus hat gezeigt, wie illiberal er sich entwickeln wird mit Zustimmung einer Mehrheit, denen die zahllosen Unrechtszustände auf der Welt auf die schöne Seele drücken. Diese Gutmeinenden können nicht so weiter leben im Bewusstsein, dass wir alle zu der Tragödie beitragen aber sie können sich auch nicht zur Unterstützung einer Revolution aufraffen, da sie am Ende doch nicht die grundsätzliche Gutartigkeit des Systems anzweifeln möchten, das sich mit hübschen demokratisch-liberalen Phrasen tarnt. Diese rücksichtslose Ignoranz und Ausblendung der sozialen Realitäten auf diesem Planeten ist natürlich von burgeoisen Medienangeboten teils eingeflößt, teils auch selbstverschuldet durch fortgesetzte Selbsttäuschung zum Zweck der Bequemlichkeit.

Es bleibt jetzt die Hoffnung, dass sich durch das Unrecht der Pandemiepolitik andere Revolutionäre gewinnen lassen, die bisher keine Linksradikalen waren, jetzt aber sehen, wohin uns der Ist-Zustand mit der unheiligen Allianz aus gefühlsduselig-humanistischen Linksliberalen ohne intellektuelles Gewissen und Mut zur Tat einerseits und kühl und zynisch kalkulierenden konservativ-neoliberalen Kräften andererseits treiben wird, wenn alles so weiterläuft wie bisher.

Es wird eine Verfestigung der bereits herrschenden "Anti-Politik" geben, des Dispositivs, bloß nichts von den politischen Entscheidungsträgern zu erwarten, sondern alles von den Individuen, die sich gefälligst impfen lassen müssen, Maske tragen, Abstand halten.

Diese Form der kognitiven Verweigerung der prinzipiellen Gültigkeit und Relevanz von politischen Konzepten, Überlegungen und Strategien nenne ich Anti-Politik. Diese liefert einen bequemen Ausweg, unsere Ratlosigkeit anhand komplizierter faktischer Gemengelagen und verstörend aussichtslosen politischen Mehrheitsverhältnissen in einen individuellen Heilsweg umzudeuten. Wir selbst können ja immerhin moralisch handeln (Maske tragen, Bio-Obst kaufen,…) und wenn die Welt trotzdem untergeht oder zu viele unnötig sterben dann waren ganz sicher die anderen Individuen schuld, die nicht im gleichen Maße moralisch korrekt und solidarisch handelten. Diese stumpfsinnige Verweigerung jeglicher Anerkennung, so etwas wie Politik würde überhaupt existieren oder könne sinnvoll zum Wohl aller eingesetzt werden, ist also die breit akzeptierte Utopie unserer Zeit, die sowohl Rechte wie Linke, Konservative wie Sozialdemokraten infiziert hat.

Allerdings musste ich den Episodentitel doch noch mal umändern von "Anti-Politik" zu "Aufstiegsverbrechen", da diese mir zufällig herausgerutschte Wortschöpfung sehr gut auf den Punkt bringt, was das Betriebssystem unserer Welt ist und warum alles so weiterläuft wie bisher, obwohl doch eigentlich die Barbarei und Unmenschlichkeit der bis in den hintersten Winkel der Erde herrschenden ökonomischen Gesetzmäßigkeiten von niemandem ernsthaft bestritten wird. Du selbst kannst dir immerhin eine Insel aus Wohlstand und Sicherheit erschaffen, wenn du einfach die Klappe hältst und brav mit marschierst und nicht weiter nachfragst, auf welchen ethischen Grundsätzen die fortgesetzte Ausbeutung und Missachtung der grundlegendsten Bedürfnisse eines Großteils der Erdenbewohner beruhen. Es wird schon seine Richtigkeit haben und selbst wenn nicht können wir jetzt auch nichts mehr tun, da jeder der in der Vergangenheit das Gute wollte wie Lenin oder Mao automatisch das noch viel Bösere schaffte. Diese lügnerische und bequemliche Position, die einer lächerlichen Sophistik entspringt, wird zum Glück jeden Tag mehr entblößt. Was soll an der Sowjetunion so totalitär gewesen sein? Man musste dort eben außergewöhnliche Maßnahmen anwenden um einen sozial-ökonomischen Fortschritt innerhalb einer Rekordzeit zu erzielen und nebenbei noch die Nazis zu besiegen. Fehler gab es sicher, nehmen sich daneben aber sehr klein aus. Dasselbe gilt für China, das wie kaum jemand bestreitet, fast allein für den Rückgang der Armut im globalen Maßstab der letzten vier Jahrzehnte verantwortlich war. Wie sollte man ernsthaft diesem Land Menschenrechtsverletzungen vorwerfen, während unsere Art der Arbeitsmotivation darin besteht, ein stetig wachsendes Reservoir an Verelendung und sozialer Spaltung im Weltmaßstab zu produzieren, damit die Arbeiter in den Industriestaaten nicht aufmucken, da sie ja sehen, wie viel schlimmer es auch noch kommen könnte? Wir sollten lieber vor unserer eigenen Türe kehren und der Terminus des Aufstiegsverbrechens liefert hierzu einen guten ersten Ansatzpunkt.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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