Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#59 Iguazú, Misiones

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Rising Appalachia: Medicine

Liebe Hörer,

es gibt viel zu sagen in dieser Episode aus Misiones, einer Provinz im Norden Argentiniens, deren Name auf die dort einst missionierenden Jesuiten zurückgeht. Beginnen wir mit einer kleinen Einleitung zur Frage der „Schuldketten“, dem folgt dann jener Text zur Verteilung von Medizin und der generellen Schuldfrage, auf den ich mich in dieser Folge beziehen werde. Ich stellte ihn am Tag der Aufnahme fertig. Dort spreche ich davon, ihn als Beschreibung für Nr. 57 zu nutzen, allerdings wurde mir dann klar, dass es besser passt, ihn unter diese Folge 59 zu packen, da ich mich explizit darauf beziehe und seine Thesen aufgreife. Leider schweife ich dann immer wieder ein bisschen ab, die Hauptthese lege ich aber trotzdem in den ersten zwanzig Minuten ganz gut dar. An den Schluss stelle ich den Text über die gesamtpolitische Lage Prä-Corona und insbesondere die Trump-Kontroverse. Viel Spaß beim Lesen und Hören.

Einleitung

Wir können nicht durch die Welt gehen und gar keine Bakterien und Viren mehr ausstoßen oder aufnehmen, eine solche Abstinenz wäre sogar schädlich fürs Immunsystem. Wir sollten unser Verhalten nicht daran ausrichten, jede Eventualität einer Coronaweitergabe zu vermeiden. Denn alles Leben muss seine Energie aus Biomasse nehmen und damit andere Lebewesen und Pflanzen ihrer Lebenskraft berauben. Oder auch nur ihnen Luft oder Sonne und sonstige Nährstoffe wegnehmen oder sie zu unserem Zweck züchten und anzubauen. Aber diese seit Jahrtausenden bestehende Notwendigkeit können wir hinnehmen in Ermangelung von Alternativen. Unhinnehmbar sind allerdings das Niveau der Ausbeutung von Menschen durch andere Menschen. Das ist vermeidbar. Es gibt keinen validen Grund, warum wir nicht allen Menschen eine ordentliche Arbeit und einen Lohn von dem sie leben können, garantieren könnten. Der einzige Grund ist das nicht länger begründbare Festhalten an der wahnhaften Idee, der Kapitalismus könne Frieden und Wohlstand für eine Mehrheit bringen. Diese ideologische Chimäre verstellt uns den Blick auf die Realität, dass wir beim Stand der Technik und Wissenschaft längst den allergrößten Teil der Menschheit mit Nahrung, sauberem Wasser, Medizin und vor allem einer würdigen Arbeit versorgen könnten. Es braucht nur ein bisschen politische Anstrengung und Mut dazu. Weiterhin an diesem System festzuhalten, das tägliche Tote produziert, gleicht einem kollektiven Amoklauf, der nur deshalb weiterläuft, weil eine Mehrheit ihn implizit legitimiert und für vernünftig befindet, zumeist aus Furcht, als Kommunist gebrandmarkt zu werden, sobald man diese Dissonanz zwischen technischer Produktivkraft und sozialer Ungleichheit hinterfragt und sich ungläubig den Kopf kratzt, wie das eigentlich noch rechtfertigbar sein sollte.

Die einzige Lösung ist hier, sich vorsorglich gleich schon als Kommunist zu bezeichnen, um sich gegen künftige Angriffe der Reaktionäre zu immunisieren, die am Überkommenen festhalten wollen aufgrund ihrer schieren Not der geistigen Unbeweglichkeit und fehlenden Vorstellungskraft einer besseren Welt. Wer sich als Kommunist bezeichnet, hat schon Wichtiges erkannt und den ersten Schritt auf dem Weg zu seinem persönlichen Beitrag zur Großen Revolution getan, denn erstes und unverzichtbares Kampfmittel in dieser Menschheitsaufgabe des Umsturzes der Produktionsverhältnisse sind die Begriffe und Wörter, derer wir uns bedienen und sie sauber einsetzen müssen. Diese Aufgabe der kreativen Schaffung und intellektuellen Konzeption ist wichtig, allerdings dürfen wir uns dabei nicht zu sehr auf die zahllosen Ungeheuerlichkeiten und Brutalitäten dieser Welt beziehen, denn das wird eine Mehrheit nur in Schockstarre versetzen, sodass sie gar nicht mehr in der Lage ist, sich eine Veränderung vorzustellen, da alles ja noch viel schlimmer kommen könnte. Die dunkle Ahnung, wie ungerecht es auf der Welt zugeht, kann auch eine unheilvolle Triebfeder sein, sich für zweifelhafte Projekte einspannen zu lassen wie diese Pandemie zeigt.

Schuld und Gehorsam

Diese uneingestandene Lust und der dunkle, verborgene Antrieb zum Gehorsam gegenüber dem Ausnahmeregime des Gesundheitstotalitarismus erkläre ich mir aus der dunklen Ahnung, wie schuldig wir alle sind am Ist-Zustand dieser Welt, der Tag für Tag weiter perpetuiert wird und uns von den Massenmedien, Spitzenpolitikern und Podcastgrößen als alternativlose, wenn auch bedauerliche Auswirkungen dieser im Grunde doch ganz menschenwürdigen Weltordnung verkauft werden. Die "Missstände", die laut Marlon Grohn keine Missstände sind, sondern genauso gewollte und einkalkulierte systemimmanente Bedingungen des Funktionierens der kapitalistischen Maschinerie (das niedere Volk in den entwickelteren "westlichen" Ländern muss durch Angst und Ekel vor den sich ständig verschlechternden Zuständen im Globalen Süden zu Arbeit und resigniertem Gehorsam angehalten werden; das Elend dort ist dieser zynischen Sicht zufolge Bedingung der Disziplin hier) sind derart zahllos, dass jeder Mensch, der noch Augen und Ohren zum Sehen hat und sie sich nicht ganz bewusst im Stile der Konservativen zuhält zum Schaudern bringen und erschüttern.

Um die eigene Ohnmacht und Feigheit zu verbergen, die wir alle an den Tag legen, indem wir diese grausamen Maschinerien akzeptieren und durch unser tägliches Handeln und Konsumieren legitimieren, musste im Jahr 2020 eine neue, scheinbar nie dagewesene Bedrohung herbei fantasiert werden. Aus dem realen Phänomen eines neuen Virus, das in Umlauf kam (durch noch zu klärende Umstände, denen durchaus eine Verschwörung zugrunde liegen könnte, die schon längst aufgedeckt wäre, wenn es Journalisten noch gäbe, die diesen Namen verdienten und sich für den Ursprung des Virus interessierten, statt nur Angst und Schrecken mit düsteren Zukunftsprognosen und unfundierten Modellierungen zu verbreiten, die zwar nächste Woche schon widerlegt sind, die Glaubwürdigkeit der sie verbreitenden Journalisten und Wissenschaftler aber nicht ankratzen, weil wir alle den Satz hingenommen haben, dass die Wahrheit in dem falschen Diskurs besteht, der trotz seiner Falschheit und Widersprüche breit akzeptiert wird), aus dieser durchaus realen, wenn auch keineswegs übermäßig beängstigenden Bedrohung wurde eine globale Massenhysterie gezüchtet, was alle Beteiligten sowohl auf der Medienproduzenten als auch auf der Konsumentenseite gutzuheißen schienen.

Meine Hypothese lautet, dass der Erfolg dieses anhand wissenschaftlicher und medizinischer Fakten nur schwer nachzuvollziehenden Phänomens auf diesem unguten Gefühl der Mitschuld an der Weltbarbarei besteht. Zumindest für die Zeit des Ausnahmezustands, in der wir alle uns angeblich vereinigen müssen im Kampf gegen das Böse (das Virus), sind alle anderen Probleme zurückgestellt und es geht erstmal nur darum, diese eine klar begrenzbare und definierte Problemlage zu überwinden. Dieses Dispositiv wurde von vielen wohlmeinenden Menschen gern aufgenommen, da sie sich auch nicht mehr zu helfen wussten, was nun gut, was böse sei auf dieser Welt, ob der Kommunismus böse war, der angeblich künstliche Hungersnöte erzeugte und sie als Waffe gegen politische Gegner einsetzte (so zumindest die bürgerliche Geschichtsschreibung, die ich in #54 widerlegt habe; Kritiken hierzu würde ich gerne hören, wo ist diese Geschichte, die uns scheinbar so evident frei Haus die Gewissheit liefert, die emanzipatorischen, revolutionären Projekte des 20. Jahrhunderts hätten zum Großteil in einem Alptraum geendet?), oder eher der Kapitalismus, der ganz ohne politische Eingriffe rein durch Marktmechanismen die Menschen in unfassbarem Ausmaß verhungern und verelenden lässt. Ich kann euch nur empfehlen, zu reisen und sich diese wunderschöne Welt anzuschauen, aber auch die sozialen Verhältnisse in den Ländern und Städten anzusehen, die man bereist. Nur so kann man ein Bild der Welt gelingen, von zuhause vom Bildschirm aus wird das schwierig; Zahlen und Diagramme können kein eigenes Sehen und Urteilen ersetzen. Dieses wohlüberlegte, eigenständige Urteilen und Nachdenken ist meiner Ansicht nach deutlich wertvoller als etwa ein individualmoralisches klimapolitisches Kalkül, das besagt, man sollte möglichst aufs Fliegen verzichten, um selbst seinen Beitrag zum Schuldberg gering zu halten, wenn wir wissen, dass dieser Berg der moralischen Schuld weiter und weiter wachsen wird völlig unabhängig von einzelnen Menschen mit guten Intentionen (die ich provokant als "Gutmenschen" bezeichnete in #56), wenn wir nicht als geistiges, politisches und physisches Kollektiv durch Demos, Organisation und Agitation die systemischen Probleme an der Wurzel angehen und auf globaler Ebene umsteuern.

Es stellt sich hier die Frage, wenn man es ernst meint mit der leicht ausgesprochenen Parole, jedes Menschenleben sei gleich viel wert, wie lässt sich unterscheiden zwischen realen medizinischen Problemen und Notsituationen und solchen, die nur medial inszeniert sind, eventuell um die Interessen von mächtigen und reichen Konzernen und Einzelpersonen zu befördern. Nur inszeniert und herbei fantasiert ist ein medizinischer Notstand, der sich in weiten Teilen auf Fälle von 80 oder 90-Jährigen gründet, die mit mehreren Vorerkrankungen an Corona sterben. Wenn jemand in diesem Alter und bei zahlreichen sonstigen Komorbiditäten stirbt, ist das im Einzelfall sicherlich auch sehr tragisch, doch eine gesamtgesellschaftliche politische Ausnahmesituation kann hierdurch niemals begründet werden, wie ich in #51 unerbittlich formulierte. Maßnahmen müssten natürlich getroffen werden, aber beschränkt bleiben auf das Ziel der spezifischen Schutzvorkehrung und Linderungsprozeduren für diese wirklich gefährdete Gruppe, z.B. bessere Vergütung des Pflegepersonals, tägliche hochwertige Coronatests für das Personal, zusätzliche Personal- und Raumkapazitäten, um Infizierte wirksam zu isolieren, die Entwicklung von Medikamenten und die Erforschung der Nutzbarkeit von bestehenden Pharmazeutika wie Ivermectin. Vieles weitere wäre hier zu tun, wenn es der Politik wirklich um Gesundheitsschutz ginge, stattdessen beutet sie das Leiden und den Tod dieser Menschen aber schamlos aus, um Einschnitte in Grundrechte und Bewegungsfreiheit für uns alle auf Jahre hinaus zu verhängen. All das ohne dass überhaupt geklärt wäre, was die Einschränkungen der gesunden und weniger gefährdeten Bevölkerung genau bringen zur Verhinderung von übermäßigen Todesfällen in den vulnerablen Gruppen. Brechen wir wirklich die Welle durch unser Verhalten oder bricht sie sich einfach von selbst und wir glauben nachträglich an unsere Allmacht und Wirkung auf dieses Naturphänomen?

Diese Coronapandemie ist also in weiten Teilen ein reines Medienphänomen, und hierbei möchte ich mal nicht die Debatte "AN oder MIT Corona" bemühen. Beschränken wir den Blick hypothetisch mal auf die Menschen, bei denen wir unterstellen, sie seien wirklich hauptursächlich AN Corona gestorben. Auch dann muss berücksichtigt werden, dass Corona teilweise nur andere Erkrankungen und Infektionskrankheiten verdrängt hat, an denen diese oder vergleichbar viele andere Menschen in anderen Jahren ohne Corona gestorben wären. Wir blicken hier einfach ganz genau hin, weil es eine dunkle Lust dabei gibt, die Coronatoten ganz genau zu zählen; was das aber für eine gesamtgesellschaftliche Relevanz haben soll, bleibt unklar. Jedes Jahr sterben Menschen an verschiedensten Ursachen, Alte dabei häufiger als Junge, Kranke häufiger als Gesunde, an alledem ändert Corona wenig bis nichts. Massiv erhöhte Todesraten gibt es schlicht nicht zu verzeichnen. Anhand dieser Fakten sollte jeder mündige Mensch selbst entscheiden, ob er das Theaterspiel namens Pandemie noch ernst nehmen und seinen Beitrag im medizinischen Sinne leisten will, oder eher auf ein politisches Ende dieses unwürdigen Zirkus hinarbeiten möchte und beispielsweise auf die zahlreichen Demos gehen.

Nun aber zum viel wichtigeren Punkt, nämlich den Todesursachen, die wirkliche Notstände sind und nicht auf medial-politischer Inszenierung beruhen. Jedes Jahr sterben Hunderttausende vor allem afrikanische Kinder unter 5 Jahren an Malaria, hier könnten wir vermutlich leicht durch die längst entwickelten Behandlungsmethoden helfen und Todesfälle verhindern; ähnliches gilt für die weiter schwelende HIV-Pandemie, die wir hierzulande schon fast besiegt haben und uns wohl deshalb so fühlen, als hätten wir gelernt, mit HIV zu leben, denn es trifft ja fast nur noch schwarze Menschen. Es leben in Deutschland 90.000 Menschen mit HIV und jedes Jahr stecken sich ca. 9000 neu an, was auch zu viele sind, aber zeigt, dass der Großteil des Problems auf anderen Kontinenten zu suchen ist, wo keine vergleichbaren Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen; insgesamt sterben sowohl an Malaria als auch an HIV jedes Jahr etwa je 600.000 Menschen, die genauso wertvoll, einzigartig und schützenswert sind wie deutsche oder europäische Menschen, zumindest, wenn wir die hohlen Phrasen von den Menschenrechten ernst nehmen würden. In Südamerika gibt es auch hervorragende, teils bessere Krankenhäuser als in Europa, die allerdings nur einem winzigen Bruchteil der Bevölkerung zugänglich sind, die sich eine private Krankenversicherung leisten kann. Für den Rest der Bevölkerung gilt, dass schwere Erkrankungen oft jahrelang unentdeckt bleiben und gravierende Folgeschäden oder den Tod nach sich ziehen, einfach weil die Ärzte und Behandlungsmethoden dort nicht auf dem Stand sind, der für uns hier schon Standard ist. Wir könnten etwas tun, um zu helfen, um die medizinische Versorgung dort zu verbessern, nicht nur bei den Ärmsten in ländlichen Regionen, die komplett von medizinischer Grundversorgung abgeschnitten sind sondern auch in der Mittelschicht, die sich auf die mangelhaften öffentlichen Krankenhäuser verlassen muss. Die Mängel und Probleme dort sind real. Meine eigene Einsicht in diese Problemlagen ist begrenzt, aber ich glaube zumindest, wir könnten viel verbessern, indem wir die dortigen Medizinstudenten zu uns einladen würden, um sie besser auszubilden. Nicht um sie in unserem eigenen Land zu gebrauchen, sondern damit sie heimkehren und dort an der Verbesserung der Gesundheit ihrer Heimat und ihres Volkes arbeiten. Viel könnte getan werden, wenn wir nicht nur die privaten Ärzte dort gut ausbildeten sondern auch beim Rest dafür sorgten, dass sie ordentliche diagnostische Fähigkeiten erlernen so wie es dem Standard des neuesten Standes der Medizin entspricht. Zusätzlich könnten wir natürlich Material wie etwa Beatmungsgeräte schenken, damit es bei der nächsten Pandemie nicht wieder zu unzähligen vermeidbaren Todesfällen wie in einigen besonders durch Corona betroffenen Ländern kommt. Aber auch ohne Pandemie sterben täglich Menschen, die keine ausreichende Behandlung erhalten, einfach weil sie es uns nicht wert sind, dass unsere Ärzte und Pharmakonzerne ihnen Aufmerksamkeit schenken, da dort kein großes monetäres Kapital zu holen ist. Die Misere hat unfassbare Ausmaße, die Ungerechtigkeit der Verteilung von medizinischen Leistungen war wohl niemals in der Geschichte der Menschheit himmelschreiender. Verschließen wir weiter die Augen davor? Ja, ganz sicher, und eine Schattendiskussion wie diejenige der Coronapandemie wird uns dabei sogar noch helfen, unsere schmutzige Mittäterschaft an so vielen unnötigen Todesfällen zu verheimlichen. Aber ich wollte wenigstens diesen Einspruch dagegen formulieren, es ist das Mindeste, was man machen kann, sich selbst Gedanken zu machen und sie aufzuschreiben, das ist mehr als nichts, das sollten wir alle tun, auch wenn wir uns hilflos fühlen und nicht glauben, etwas ändern zu können.

Trump und die Spaltung zwischen Wissenschaftstreuen und unwissenschaftlichen Gefährdern der Menschheit

Schämen muss ich mich: erst im Sommer 21, mehr als ein Jahr zu spät, wirklichen inneren Widerstand gegen die Politik der Corona-Verabsolutierung entwickelt zu haben. Das geschah im Zusammenhang mit der Impfung und meiner persönlichen Frage, ob ich mich impfen müsse. Entscheidend schien mir die Verminderung der Transmissionen; mich selbst zu schützen empfand ich zu keinem Zeitpunkt als notwendig und angemessen in Anbetracht der politischen Lage. Es zeigt sich die Technik- und Biologiegläubigkeit am Thema der Impfungen. Wenn die verfügbar sind, müssen wir sonst nichts mehr tun, denn wir haben ja schon das technische Wundermittel. Wozu noch groß nach Schutzkonzepten für die Vulnerablen fahnden, wenn wir die Wunderwaffe bereits haben und jetzt nur noch möglichst alle dazu nudgen (zwingen, manipulieren, einschüchtern, drohen, segregieren, stigmatisieren) müssen, sich impfen zu lassen? Zudem bietet diese "wissenschaftliche" (besser gesagt pharmakologische, es gäbe ja auch andere Ansätze einer sinnvollen Pandemie-Strategie aus den Sozialwissenschaften, der Epidemiologie, Ökonomie, etc.) Lösung eine gute Methode, die Menschen, die sich auf Zuruf sofort dem Diktum der "Wissenschaft" beugen und sich eine Injektion geben lassen, von denjenigen Zweiflern zu unterscheiden, die erst nochmal abwarten wollen und skeptisch sind, welche Eigenschaften der angepriesenen Impfung sich denn wirklich als zutreffend herausstellen. Hier bot sich die Gelegenheit zur Rache an all jenen, denen man in den vergangenen Jahren die Schuld für das zunehmend aufgeheizte politische Klima zuschieben konnte, in erster Linie die Rechten und Trump-Unterstützer.

Es ist so eine Art elitentreuer Tribalismus, die dem Trump-Wähler unterstellt, er handele irrational und basiere seine Entscheidung auf wissenschaftsfeindlichen und realitätsverweigernden Einschätzungen. Aber wie es mit Clinton oder Biden ernsthaft eine Hoffnung auf Verbesserung des Lebens der Menschen, die sie wählen sollen, geben könnte, ist wohl selbst dem einfältigsten Linken irgendwann auch mal zweifelhaft geworden. Somit hilft nur, die Trump-Wähler weiter zu beschuldigen und zu stigmatisieren: sie seien schuld an dieser Situation, wo ein solcher Clown zur Wahl stehe und folglich auch die Herausforderer nicht mehr optimal agieren und ihre Konzepte präsentieren können.

Und nun, nach diesen herben Jahren der Trump-Regentschaft und der folgenden überraschend knappen Wahlniederlage 2020 (evtl durch Einfluss von Pfizer) bot sich im Jahr 2021 die Gelegenheit, sich zu rächen an jenen, die vermeintlich durch ihr unsauberes, unwissenschaftliches Denken die ganze Misere herbeigeführt hatten. Eine Impfung war der perfekte Schlüssel, um herauszufinden, wer logischen, medizinisch eindeutig ratsamen Empfehlungen zugänglich war und wer sich weigerte, sträubte und folglich nur »Impfgegner« sein konnte. Wer sich hier quer stellte, gefährdete durch sein egoistisches uneinsichtiges Verhalten also Menschenleben und nun stand endlich die wahre Front gut gegen böse gegenüber, die im Jahr 2020 noch gefehlt hatte, weil Kritik und Widerstand an der Regierungspolitik den Splittergruppen wie Querdenkern überlassen blieb, das war kein wirklich signifikanter Sündenbock, auf den man alle Probleme abwälzen konnte, sondern nur ein kleiner bedauernswerter Haufen von Verschwörungserzählern…

30% der Deutschen, die sich nicht impfen lassen wollen (oder 20% der Erwachsenen) sind aber etwas anderes… scheinbar (viele sind auch in gesellschaftlichen Randgruppen zu suchen, die so oder so weniger am öffentlichen Leben teilnehmen und nicht durch 3G zu überzeugen sind) Hier war also die Front endlich eröffnet: diejenigen, die sich spritzen ließen, hatten immerhin unter Beweis gestellt, der Wissenschaft zugänglich zu sein. Immerhin, das wurde als Zeichen gedeutet, dass sie auch sonst verlässliche Coronabürger waren und auf Abstand und Maske achteten. Sie waren ehrenhaft und durften ein paar kleinere Freiheiten wieder zurückgewinnen, sie hatten ihren Einsatz für die Volksgesundheit gebracht, indem sie sich eine Injektion geben ließen.

Dieser biologische Reduktionismus richtet natürlich Folgeschäden an im Vertrauen auf Impfungen etc…

Ich war Impfungen eigentlich zugetan, wusste wie wichtig sie in den Tropen sein konnten… Aber dass man mir vorschreiben will, wann ich mich impfen lassen muss, um noch als normaler Mensch mit gleichen Rechten bei der Arbeit und im sonstigen Leben teilzunehmen, war der Gipfel. Der Bogen wurde aber noch weiter überspannt mit Impfpflicht etc. Es ist schade, dass ich so lange brauchte, den Unrechtsstaat als das zu denunzieren, was er schon lange war; erst wo er mich persönlich angriff… Hier hört der Spaß auf. Die ganze Pandemie war ein Theater, aber plötzlich werde ich gezwungen - nur mehr oder minder sublim, eher durch die Vorder- als Hintertür - mich impfen zu lassen und habe ich das einmal getan wird schon verlautbart, dieses einmalige Zeichen meiner Wissenschaftstreue reiche aber noch nicht aus sondern ich benötige eine Auffrischung nach 6 Monaten… nun darf man ins Land zurückkehren, wird aber nur als Geimpfter von der Quarantäne ausgenommen, wobei dieser Status nach Belieben aberkannt werden kann, wie man jüngst am Beispiel des Johnson & Johnson-Impfstoffs sah. Ob man geimpft ist, weiß man erst, wenn man morgens die Website des Paul-Ehrlich-Instituts öffnet und dort seinen Impfstoff noch verzeichnet findet.

Das ist interessant. Zugang zum Arbeitsplatz ohne zusätzliche Schikane der Testung, quarantänefreie Rückkehr ins Heimatland, all das drängt einen also zur Impfung statt uns zu sagen, ja triff eine selbstbestimmte Entscheidung für deine Gesundheit. Hier also muss ich als genereller Impfbefürworter sagen nein, ich möchte mich nicht mehr in diese schmutzige politische Strategie einbinden lassen und lieber auf das Impfen gegen Sars-Cov-2 verzichten solange solche Praktiken wie 3G noch angewandt werden.

3G ist deutlich schlimmer als eine generelle Impfpflicht. Diese würde klipp und klar artikulieren, worum es geht: wir wollen dir klarmachen, dass du als Impfverweiger im Unrecht bist, eine falsche und gefährliche Entscheidung triffst und dann eben zum richtigen Umgang mit deinem Körper gezwungen werden musst. Aber 3G artikuliert: ja, du kannst schon ungeimpft bleiben, aber dann ist es legitim, dass wir der mehrheitlich geimpften Bevölkerung eine Methode bereitstellen, wie sie sich von dir unterscheiden kann, denn es geht nicht an, diese beiden Klassen von Menschen zu vermischen, die einen, die einen Beitrag leisten, die anderen, die anhand dieses einen kleinen Merkmals ihre grundsätzliche Feindschaft zur kollektiven Pandemieeindämmung bewiesen hätten. Darum also das tägliche Ritual des Testens, das dem Ungeimpften auferlegt ist und eigentlich recht kleinlich, banal und wirkungslos im Sinne einer wissenschaftlich begründeten Pandemie-Eindämmungsstrategie ist.

Diese herrschende Gesetzeslage ist das eigentliche Problem, das die Diskussion einer Impfpflicht schon fast als Ausweg und Erlösung von der etablierten Impf-Klassengesellschaft erscheinen lässt.

Zurück zur Überlegung, wie Trump und das allgemeine politische Klima der letzten Jahre (Brexit, Flüchtlings-»Krise«, EU-Zerfall, Verfall der alten Gewissheiten und Strukturen wie Nato, die laut Macron bereits hirntot ist etc.) die verängstigte, ihrer selbst unsicher gewordene liberale Herde (Wähler von CDU, CSU, Grüne, FDP, SPD, etwa 80% der wählenden Bevölkerung) in diese Situation der so leicht möglichen Hypnotisierung durch eine Virus-Bedrohung 2020 brachte.

Jedem musste eigentlich klar sein, dass einfache Erklärungen, wie »Wir müssen den r-Wert einfach wieder unter 1 bringen, dann ist alles vorbei« nichts mit der Wahrheit zu tun haben konnten, aber selbst ich ließ mich von solchen Big-Data-Scharlatanen einschüchtern und dachte, ja ok, das klingt ja ganz gut, wenn es doch so einfach ist…

Es musste einfach wenigstens diesmal, wo wir uns mit einer so evidenten physikalisch-biologischen Bedrohung auseinandersetzten, eine klar zu erfassende Antwort geben; wenigstens hier mussten die Feinheiten und Unsicherheiten der Trump-Diskussion überwunden werden. Die Trump-Unsicherheit beschreibe ich in dem lähmenden Zweifel, ob ich Recht haben könnte mit meiner leichten Begeisterung oder ob nicht doch die (links-)liberale Herde recht haben musste mit ihrem Diktum, er sei ein Rassist, Xenophober, Frauenhasser und why not gleich Faschist. Das sind ernste Vorwürfe, die sich aus meiner Sicht nie belegen ließen. Die überdrehte liberale Herde aber musste immer noch einen sensationalistischen Vorwurf drauflegen, je unsicherer sie ihrer eigenen Position wurde. Diese Unsicherheit kulminierte mit dem Biden-Sieg beim Super Tuesday. Da man an Verschwörungstheorien nicht glauben wollte betreffs Wahlmanipulation musste jedem linken Menschen klar werden, dass die Menschheit verloren war; wer vier Jahre nach Hillary lieber Joe als Bernie ins Rennen schickt, dem ist nicht mehr zu helfen, diese Gesellschaft ist verloren. Dieses Ereignis im März bedeutete vielleicht einen tiefen Einschnitt für viele. Nun war klar, es brauchte eine Ablenkung, ein neues Kampffeld, auf dem die Politik ersatzweise ausgetragen werden konnte, denn mit den Diskussionen der letzten Jahre kämen wir auf absehbare Zeit nicht weiter.

Hier konnte es nur noch das Virus richten: wo etwas so klares, physisches, unbestreitbares in der Luft lag, da musste endlich mal die ganze Menschheit geeint werden, da konnte zumindest begrenzt auf ein Themenfeld und für diese Zeitspanne eine Einheit im Denken und Fühlen vieler sonst der Politik nur mit Apathie begnender Menschen hergestellt werden.


Kommentare


Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.

Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

Abonnieren

Follow us