Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#62 Die Verschwörung der Idioten

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Michel Houellebecq: Vernichten

The Beautiful Girls - And We'll Dance on the Ashes of What's Left

Berge - Meer aus Farben

Geliebte Hörerschaft, geschätztes Volk,

wie habe ich mich amüsiert mit der Beschreibung zur Folge 60, den ganzen Tag musste ich an diesen Satz über Trump denken und prustete manchmal laut los, während ich hier durch die Straßen spazierte: „Er ist der legitime Verkünder der Fake-haftigkeit breiter Teile der Medien-Öffentlichkeit.“

Dieser Satz spricht die simple Wahrheit aus, dass Trump, selbst wenn er als politischer Organisator nicht viel zustande brachte, doch immerhin diese Erlösung für Teile seiner Wählerschaft bereithielt: dem etablierten Konglomerat aus Politik und Medien zu verdeutlichen, welche Verachtung man für sie hegt und dass man nicht länger bereit ist, ihre Selbstinszenierung als Wahrer der zivilen Ordnung und Vollstrecker eines Allgemeinwillens zu glauben und diese Dreistigkeiten stumm zu akzeptieren.

Durch seine Reden verbessert er also schon allein das Leben seiner Anhänger, indem er ihnen Würde und Selbstachtung zurückgibt, Hass auf das Establishment zurückspeigelt, das selbst die abgehängten Arbeiterschichten ja auch hasst und verachtet und durch desaströse Wirtschaftspolitik in den finanziellen und moralischen Ruin trieb. Hier schafft er Abhilfe und leistet Großes als Alleinunterhalter der Massen, die so nicht mehr dem langweiligen TV-Programm zuschauen müssen, sondern durch Trump eine deutlich bessere Abendunterhaltung haben. Er verbessert also das Leben vieler Menschen, auch wenn er ökonomisch und materiell leider wenig zur Emanzipation der gedemütigten und von Arbeitslosigkeit oder Minijobs bedrohten Schichten beiträgt. Manchmal hilft ja aber auch schon ein anderer Blick, eine neue, selbstbewusste Perspektive, um sich besser zu fühlen.

Doch mehr zu Trump nächstes Mal, heute beschäftigen wir uns mit den Möglichkeiten einer wirklichen Revolution, welche die materielle Gesellschaftsbasis umstürzt.

Ein weiterer Satz aus dem Text zu Folge 60, der mir im Kopf herum ging, war jener: „Auch ganz klare Entscheidungen werden von den etablierten Politikern zuungunsten des Volkes getroffen.“ Das klingt ein wenig überspitzt, denn kann es wirklich jemals so klare Entscheidungen geben? Doch, wurde mir dann klar, natürlich gibt es sie. Jedes Mal, wenn solche Politiker der Mitte und Mäßigung wie Merkel oder Obama eine Entscheidung zu treffen hatten, bei der die Interessen einer breiten Bevölkerungsmehrheit gegen partikulare monetäre Gewinnaussichten von Konzernen wie Daimler abzuwägen waren, entschieden sie pro Konzerne, zumindest in schätzungsweise 90% der Fälle. Dass dies nicht mal wirtschaftspolitisch fundiert ist, kommt noch hinzu. Denn gesamtwirtschaftlich können ja andere kleinere Konzerne profitieren, auch wenn ein größerer leidet und Gewinne oder Marktanteile verliert. Merkel (und alle etablierten Politiker von Scholz über Kretschmann bis zu Habeck) verstehen sich als oberste Lobbyisten der mächtigsten deutschen Konzerne. Sie glauben, wenn es den großen Konzernen gut geht, muss es auch der Wirtschaft im Allgemeinen gut gehen. Ihr Verständnis von wirtschaftlichem Erfolg oder Misserfolg beruht auf dem Glauben an kleine und kleinste Maßnahmen, wie es Heiner Flassbeck ausdrückt, sie meinen, durch minimale Steuerungseingriffe und Begünstigung der heimischen Unternehmen die große Wirtschaft zu fördern und verkennen dabei die marktwirtschaftliche Grundkonstante des Strukturwandels, der schon immer dafür sorgte, dass in einem Sektor Arbeitsplätze verloren gehen, während sie bei anderen Unternehmen neu entstehen. Diese Politiker begreifen nicht mal das marktwirtschaftliche System, das sie lenken sollen. Aber wie auch, sie sind zu beschäftigt, über die Stöckchen der Medien zu springen und müssen nur das Spiel verstehen, das in DIESEM System gespielt wird, zur Abendunterhaltung der meist sehr betagten Fernsehzuschauer wie Oma Erna und Opa Enno, wie es im Aufwachenpodcast hieß.

Bei der Kritik des herrschenden Systems können wir also gar nicht zu reduktionistisch sein, denn es selbst funktioniert ja auch auf extrem simplizistische Weise: es geht um Profitgewinnung, um Kapital-Verwertung und Vermehrung, und hierbei ist der Mensch und seine Lebensgestaltung nur ein lästiges Nebenprodukt, dessen Bedürfnisse allenfalls akzidentell befriedigt werden durch die Verkaufsprodukte der Konzerne. Im Zentrum steht das Kapital und der moderne Bürger hat sich ihm unterzuordnen, muss es lobpreisen und seine Kraft zu bestätigen, indem er sich den gängigen Arbeitsmarktmechanismen unterwirft und darauf hofft, wenigstens genug zu verdienen, um für seine Familie einigermaßen sorgen zu können und von den Barbareien dieser Weltordnung unangetastet zu bleiben. (Diese Hoffnung ist umsonst, niemand kann sich freimachen vom Leid des Nachbars oder des Nachbarvolkes, deren Darben fällt immer wieder auf unsere Glückseligkeit zurück und vergiftet unseren schönen Tag!)

Der linke Populismus muss also rhetorisch kräftig zulangen, will er die gegenwärtige Demütigung und Ausbeutung der Arbeiterklasse auch nur annähernd angemessen darstellen. Im Übrigen haben ja auch die Liberalen haben keine ausgefeilten Konzepte und elaborierten Fortführungen von Hayeks Theorien zu bieten, sondern krakeelen von Freiheit und Liberalisierung des Arbeitsmarkts, was kompletter Schwachsinn ist, aber nett klingt. Niemand verlangt von ihnen, zuerst Schumpeter, Hayek und von Mises komplett zu lesen, bevor sie ihren armseligen Freiheitsbegriff – der letztlich nur auf die Kapitalfreiheit hinaus läuft - weiter verkünden. Nicht einmal, die Geschichte der kapitalistischen Barbareien des 20. Jahrhunderts zu studieren und die mörderischen Machenschaften seiner institutionellen Handlanger wie CIA etc. aufzuarbeiten, wird von denjenigen verlangt, die dem Kapitalismus weiter treu die Stange halten, aber wir Linken sollen dagegen für alle eventuellen Fehler der Sowjetunion verantwortlich sein und immer sauber differenzieren oder uns gar distanzieren, bevor wir weiter an die grundrichtigen Ideen und Praktiken Lenins und Stalins anknüpfen? Dieser Doppelstandard ist offensichtlich einer kapitalhörigen akademischen Geschichtsschreibung und massenmedialen Indoktrination geschuldet, die selbstverständlich immer dasjenige System rechtfertigen werden, auf dessen materielle Zuwendungen sie angewiesen sind und Alternativen dazu eher feindlich betrachten. Wir dürfen also nicht verängstigt sein, als Vulgärmarxisten, kommunistische Spinner oder Träumer bezeichnet zu werden, sondern müssen entschlossen und selbstbewusst unseren Weg gehen und uns aufraffen, überhaupt mal den Gedanken der Revolution zu fassen zu wagen.

Allerdings dürfen wir auch nicht in die Falle gehen, allzu billig von „denen da oben“ und denen „unten“ zu sprechen, sondern müssen uns weiterhin auf die objektiven marxschen Kategorien der Arbeiterklasse und Bourgeoisie berufen. Zur Arbeiterklasse gehören diejenigen, die noch nicht genug Kapital angespart haben, um davon und von dessen Zinsen (die auf der Ausbeutung der Arbeiter beruhen und durch ihren Schweiß erwirtschaftet werden) bis an ihr Lebensende ihr gutes Auskommen hätten. Der extrem kleine Rest, der genug hat, um für immer davon zu leben, gehört zur Bourgeoisie, auch wenn man selbst noch als Unternehmer oder Angestellter weiter arbeiten mag. Der Kampf zwischen diesen Klassen muss nun also vonseiten des Proletariats entfacht werden (von der anderen Seite läuft er ja schon seit geraumer Zeit, wie etwa Warren Buffett ganz ehrlich zugibt) und in der Vernichtung der Bourgeoise kulminieren – ihrer Vernichtung als Klasse, nicht der einzelnen Menschen, die sie konstituieren. Wir werden den Reaktionären und Kapitalisten also ihr Kapital wegnehmen und dafür sorgen, dass sie in Zukunft nicht mehr in solch ausbeuterische Machtpositionen gelangen, die ihnen die Unterdrückung breiter Volksschichten erlauben. Einzelne Reaktionäre, denen wir eine revolutionsfeindliche Gesinnung und entsprechende Taten nachweisen können, müssen für längere Zeit ins Gefängnis oder in Arbeitslager gesteckt werden, die Todesstrafe ist aber aus meiner Sicht nicht wieder einzuführen. Diese Maßnahmen werden den Weg zu einem sehr viel humaneren und freudvolleren Zusammenleben der Menschen bahnen als dies heute der Fall sein kann selbst für die Begünstigten am oberen Ende der Pyramide, denen ja irgendwann auch mal das Steak im Hals stecken bleibt, wenn sie daran denken, was für eine Barbarei und ungerechte Ausbeutung auf der Welt im Gange ist, woraufhin sie sich allenfalls durch intellektuellen Betrug beruhigen können, indem sie sagen, der Kapitalismus sei aber doch noch humaner als die Alternativen und der einzige Fortschrittsgarant.

Manche Reformisten sind sich sogar nicht zu blöde, zu behaupten, das Ende des Kapitalismus werde auch das Ende der Welt sein. Kapitalismus sei, wenn es mit Geld funktioniere. Dass es aber ein wesentlicher Unterschied ist, ob Geld wie in der Sowjetunion zwar als Zahlmittel zum Warenaustausch eingesetzt wird, aber die Produktion weitestmöglich politisch organisiert wird auf Basis wissenschaftlicher sozialistischer Leitlinien, oder ob sich alles wirtschaftliche, politische und kulturelle Leben nur um den schnöden Mammon dreht wie bei uns im „freien“ Westen, das fällt ihnen nicht auf. Den Kapitalismus zu überwinden, ist kein Projekt, das innerhalb einer Generation abgeschlossen sein kann, aber es zählt, sich überhaupt auf den Weg zu machen und die richtigen Schlüsse aus der Erkenntnis der Unhaltbarkeit dieses Wirtschaftssystems zu ziehen. Das wurde in der Sowjetunion, der DDR oder auf Kuba getan, und auch wenn man dort noch nicht beim perfekten System ankam, war es doch ein entschieden ethischerer Weg, als sich auf die dämliche Option des Reformismus einzulassen, obwohl dieses vorsichtige, feige, die eigenen Überzeugungen verleugnende Rumdoktorn am bestehenden System bereits seit geraumer Zeit als Beitrag zur Verschlimmerung erkannt worden sein müsste, wenn man sich nicht immer wieder geistig verrenkt und verbiegt, um gedanklich bloß nicht in Richtung Revolution abzubiegen, denn hier in der noch relativ gut mit Kapital bestückten BRD hat man es doch ganz lauschig und glaubt, sich selbst eine Insel gegen die sich aufschaukelnden Wellen der Entrechtung und Entwürdigung weltweit erhalten zu können.

Doch selbst wenn man nur einen Sozialstaat wie zu Zeiten Helmut Kohls oder eine Vollbeschäftigung und kontinuierliche Lohnsteigerungen wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders wieder erreichen wollte, muss man zur Kenntnis nehmen, dass dies nur mit der Drohung der Revolution im Hintergrund überhaupt durchsetzbar ist und das Kapital sonst keinerlei Intentionen hat, sich auf Kompromisse einzulassen. Nur in der Blütezeit der Sowjetunion, als in den 50er Jahren selbst denkbar schien, dass deren Wirtschaftssystem dem westlichen überlegen sein könnte, blühte der Kapitalismus auf und gab sich plötzlich arbeiterfreundlich, was auch zu hohen Wachstumsraten führte. Laut Heiner Flassbeck ist diese Zeit der Nachkriegsjahre, der „Treinte Gloriuese“ wie es in Frankreich heißt, der dreißig goldenen Jahre, aus seiner Sicht gar kein Kapitalismus gewesen. Denn das Kapital habe nicht im Zentrum gestanden, aufgrund „schlafender“ Börsen, die wenig Kapital umsetzten und vor allem dank des Bretton-Woods-Systems, das Wechselkurse zwischen den weltweiten Währungen politisch festgelegte. Wo die Börsen und Devisenmärkte also nicht nach Belieben die Währungen auf- und abwerten und damit vor allem Entwicklungsländer immer wieder in die Knie zwingen und ohne deren Verschulden in Handelskrisen schlittern lassen, da ließ sich ganz gut wirtschaften, ohne dass dem Kapital eine Funktion als Pseudogott und letzter Instanz zukommt, wie dies heute, nach dem Niedergang der Sowjetunion der Fall ist. In der Eurokrise war ja immer wieder die Rede vom „Vertrauen der Märkte“, das man sich erarbeiten müsse, somit entschieden die Finanzmärkte über Wohl und Wehe der Nationen laut dieser heutigen rein ideologischen, nicht durch wirtschaftliche Notwendigkeit begründeten Doktrin. Das zeigt, dass wir heute unzweifelhaft wieder im Kapitalismus angekommen sind, wo der quasireligiöse Diskurs der herrschenden Politik und Wirtschaftswissenschaft nicht mal mehr versteckt, sondern offen als alternativloses Faktum proklamiert wird. Wir alle müssen uns unter den Gott des Marktes unterwerfen, und wer seine Macht anzweifelt, wird dies tief bereuen, wie uns die Beispiele Griechenlands, Italiens, etc. lehren sollen.

Diese Ideologie hat sich bereits zu tief eingegraben, sie kann nur noch revolutionär aufgehoben werden, an Reformen innerhalb des demokratischen Parlamentarismus ist hier beim besten Willen nicht mehr zu denken. Es hilft also nichts, wir in der BRD haben extrem profitiert vom Umstand, dass auf der anderen Seite der Mauer das Alternativsystem versucht wurde aufzubauen und die USA uns also aufpäppeln und von den Wohltaten des Kapitalismus überzeugen mussten. Diese Zeiten sind endgültig vorbei, heute müssten wir schon selbst eine Revolution durchführen, um sozialen Fortschritt zu erreichen und können uns nicht auf den weltweit positiven Effekten der russischen Revolution ausruhen.

Die Riege der fröhlich-optimistischen Reformisten ist wohl deutlich schlimmer als naive Utopisten wie Tilo Jung, der schon einiges Richtige erkannt hat und in seinem Weg nur noch ein bisschen an der Hand genommen und begrifflich unterrichtet werden muss in der richtigen Art des kommunistischen Klassenkampfs. Solche Leute aber, die wie Stefan im Aufwachenpodcast anlässlich der Kandidatur des linksradikalen Jean-Luc Melénchons zu den französischen Präsidentschaftswahlen verkünden, „nur weil die Revolution auf dem Wahlzettel steht, heißt das ja noch nicht, dass es richtig ist, sie zu wählen“, haben damit wohl ihre intellektuelle Bankrotterklärung geliefert. Nicht mal wenn die Revolution so einfach wählbar wäre – was sie nie sein wird, wir werden dieses parlamentarische System stürzen, uns schon selbst die Hände schmutzig machen und die Hirne rauchen lassen müssen, um auszutüfteln, wie wir es stattdessen organisieren, denn auch ein Präsident Melenchon oder Sanders in den USA oder eine Kanzlerin Wagenknecht würden bestenfalls Makulatur betreiben können und sich gegen den gewaltigen Druck der geballten Kapital-Macht nur sehr eingeschränkt durchsetzen–, wären sie bereit, dafür ihr Kreuzchen zu machen. Diese „Realisten“ können so gefährlich sein wie ein Reaktionär, da sie den Leuten das Märchen verkaufen, durch schrittweise Verbesserungen sei der Kapitalismus zu zähmen. Dadurch pflanzt sich das epische Unrecht der Diktatur des Kapitals natürlich nur noch weiter unhinterfragt fort bis in die ferne Zukunft.

Hier noch einige abschließende Überlegungen:

Das korrekte Zitat aus Marlon Grohns Werk „Kommunismus für Erwachsene“, das ich in dieser Folge 62 verwendete, lautet: „Wir dienen dem Volk, indem wir es verachten“, soweit ich mich richtig entsinne. Das bringt hervorragend zum Ausdruck, wie wir die breiten Volksmassen anpacken müssen: als demokratisches Pack und blökende Schafs- bzw. Lemmings-Herde, die von ihren elektronischen Devices hypnotisiert, (vorgeblich) glücklich und unbesorgt auf den Abgrund zusteuern. Die intime Kenntnis meiner eigenen Psyche bestätigt mir diese Diagnose leider nur allzu unverkennbar. Man möchte im Zweifel doch lieber an der eigentlich schon durchschauten Illusion der Gutartigkeit des kapitalistischen Systems und der ethisch korrekten Gesinnung seiner obersten Repräsentanten und Technokraten festhalten, statt sich einzugestehen, dass man dieses System umstürzen müsste und davon wenig zu befürchten und viel zu erhoffen hätte. Man möchte doch nicht der erste sein, der aus der Reihe tritt und zugibt, was alle eigentlich spüren, dass nämlich diese Art zu wirtschaften und zu leben nicht mal im Ansatz Sinn macht und noch nicht mal uns wenige Begünstigte im „Westen“ zu einem erfüllten Leben anleiten kann. Man glaubt lieber, dieses vorgeblich effiziente System garantiere doch immerhin unsere Versorgung mit allem Lebensnotwendigen und daher zittert man innerlich vor Angst und Ungewissheit beim Gedanken, die große Sicherheit aufzugeben, die uns im Austausch gegen das Festhalten an den unerschütterlichen ideologischen Grundlagen unserer marktkonformen Demokratie zusteht.

Es ist ja natürlich auch schwierig, von innen heraus den Kapitalismus zu unterminieren, wo man doch selbst noch so unverkennbar von ihm abhängt und das ganze Leben gar nicht führen könnte ohne die Wohltaten der Technik, des Transportwesens und der Medizin, um nur einige Beispiele zu nennen. Aber all dies sind eigentlich nicht die Domänen des Kapitals, sondern unsere als freie und selbstbestimmte Menschen, die auch in der Lage sein sollten, die Grundlagen der wissenschaftlichen Errungenschaften selbst durch kollektive Organisation zu managen, ohne dafür auf das Antriebsmittel des kapitalistischen Gewinnversprechens zurückzugreifen, der Aussicht auf Profite, ohne die der Mensch angeblich gar nicht zur Arbeit motiviert werden könne. Wenn dies wirklich die Natur des Menschen wäre, dass er nur durch Gier und blanke Not zur Arbeit getrieben werden kann, dann wäre es besser, auf der Stelle Schluss zu machen mit der Menschheit und den kollektiven Suizid zu wagen, denn eine solch widerwärtige Spezies hat das Überleben nicht verdient. Allerdings handelt es sich bei dieser Vorstellung natürlich nur um die Illusion, die uns die herrschende Kapital-Elite einpflanzen will, um unseren Gehorsam zu erzwingen.

Daher ist weitere klassenkämpferische Arbeit nötig, insbesondere aufgrund der Sorge um die Mitmenschen und die Menschheit als Ganze, diese liebenswerte Spezies, um die kollektive Befreiung von den uns unterdrückenden Machtapparaten zustande zu bringen. Die Revolution hat gerade erst begonnen.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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