#67 Der lange Hebel des Kapitals
Ja, liebe Leute! Ich hoffe, ihr habt gut gepempert oder seid gut gepampert, je nachdem.
Wie dem auch sei, diese Folge lade ich euch ein, euch von meinen Lachattacken und polemischen Anwandlungen nicht abschrecken zu lassen, sondern das Wunder der Podcast-Pamperung mit mir zu zelebrieren. Der Podcast breitet sich frei und ohne Hemmung durch kapitalgezwungene Erfordernisse aus. Damit ist er ein Bollwerk im Kampf gegen die Omnipräsenz und Allmacht des miefiegen goldenen Mammons. Mit diesen esoterischen Worten muss ich es dann auch schon gut sein lassen für heute. Ein andermal finde ich gewiss die Zeit, die vorgelesenen Texte zusammenzustellen und auf der Webseite zu veröffentlichen. Hasta la victoria siempre!
Hier nun habe ich mir die Muße genommen, die verschiedenen Texte, die ich vorlas, zusammenzustellen:
Der ganze lange Hebel des Kapitals
Ich glaube, was mir für Stefan am meisten leid tut, ist seine gepamperte Haltung: er ist sich ohne den Schatten eines Zweifels sicher, die Sanktionen würde Russland in die Knie zwingen. Wir sitzen am ganz langen Hebel des Kapitals. Wenn wir da zudrehen, den Hebel querstellen, dann gehen in Russland ganz schnell die Lichter aus. Das ist seine Sichtweise: 1989 hat sich sein Land zum Glück auf die richtige, die reiche Seite gerettet. Von dort aus kontrolliert man die Welt bis in den hintersten Winkel, ohne von den in diesen dunklen Winkeln herrschenden Elendszumutungen viel mitbekommen zu müssen. Wir sind gut gepampert, auch wenn diese übernatürliche Macht und Potenz uns ein bisschen unheimlich wird: mit einem Fingerschnippen können wir ganze Länder lahmlegen.
Ok, diese phallische Potenz geht etwas weit. Brachial mäht das Gemächt alles nieder, was ihm in die Quere kommt. Aber immerhin ist das doch besser als die materielle Armut wie in östlichen, südlichen Ländern. Niemand kann das leugnen. Und daher müssen wir eigentlich auch gar nicht mehr anfangen zu denken, zu podcasten, zu schreiben: denn der Schluss, es müsse alles beim Alten bleiben, steht ja schon fest.
Diese Russen werden sich auch noch einnorden, einfügen, eingleisen lassen, mit mehr oder weniger struktureller Gewalt, aber am Ende werden wir sie brechen. Das ist seine unausgesprochene Haltung. Auch wenn dieses Kapitalorgan etwas miefige, faulige Dämpfe ausdünstet, so lässt sich nichts grundsätzlich gegen seine Leistungsfähigkeit einwenden: daher machen wir weiter, glauben an die Reichweite der Verlockungen des materiellen Wohlstands noch bis in die hintersten Ecken der Welt. Dort ködern wir die "Untermenschen" mit glitzernden Produkten und versklaven sie als Laufburschen und Kanonenfutter unserer Globaldemokratie. Für die einen ist die Herrschaft des westlichen Volkes eben deutlich spürbarer und einschneidender. Sie dürfen unsere Handys kaufen, aber nicht an unserem Arbeitsmarkt teilhaben, wir brauchen sie als Konsumenten, wollen ihnen aber keine Stellung in der Kette der Produktionsmaschinerie anbieten, da hier schon die weißen Menschen stehen und auf ihren rechtmäßigen Plätzen beharren.
Klima: "Hysterie", Psychose, Wahnwelt
Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten. Selbst diejenigen, die wie die Babyboomergeneration nur ganz gut abgesichert und gepampert sein möchten (dass sich "nix mehr ändert und es genau so weitergeht"), sehen doch die Dringlichkeit der Klimakrise und sind nach eigener Auffassung bereit, dafür ungewöhnliche, über das bisherige weit hinausgehende Schritte zu unternehmen. Die Klimakrise (KK, auch als "Kaka" in Babysprache zu bezeichnen, wodurch sich die analerotische Fixierung einiger Aktivisten und linksgrünen Emanzipationsvertretern erklären ließe, die sich vom legitimen marxistischen Klassenkampf emanzipieren und in Richtung der grünen Marktwirtschaft abseilen möchten) ist real. Das ist unser Faktenfundament, von dem herunter wir auf die anbrandenden Volksmassen der ach so dummen Rechtsliberalen ("Klimawandelleugner") herunterspucken.
Jetzt muss diese Realität nur noch jeder einsehen und merken, dass wir eine deftige Klimaausnahme machen müssen, bevor der Alltag einfach so weitergehen kann wie immer.Parallele zu Corona: Es geht um die Toten. Wir wissen ja, dass Leute sterben (werden), wenn alles so weiterläuft wie bislang. Die Politik muss eingreifen, ist dazu aber mangels Hirnbesitz und geistiger Ausleuchtung in den Oberstübchen der herrschenden Politikerkaste nicht in der Lage, was langsam auch für das einfache Volk sichtbar wird. Diese Politiker können nur entweder den marktwirtschaftlichen Status Quo so wegverwalten und immer weitermachen damit, weil hier ihr Einsatz sowieso nur noch am Rande gefragt ist und alles von den Industriekapitänen und Aktienfonds geregelt wird.Oder sie können den homöopathischen Ausnahmezustand ausrufen wie bei Corona, der zwar nichts an der eigentlichen Problemlage (Pandemie, KK,…) ändert, aber der breiten Volksmasse das heimelige Gefühl gibt, jetzt sei alles anders und so müsse es sein anhand der so andersartigen "Fakten", welche die Andersartigkeit unserer postmordenden Epoche belegen.
Es ist unheimlich, zu wissen, dass etwas mit dem Klima nicht stimmen könnte, definitiv. Ein Unwohlsein, ein Schuldgefühl breitet sich aus, da unsere Fabrikschlote qualmen und die Flugzeuge donnern und weiter die Atmosphäre mit unguten Molekülen vollmachen.Funktion: Verdrängung. Es geht uns recht gut - materiell gesehen. Anderen nicht. Dass das seine Richtigkeit hat, darf von jedem hirnbesitzenden Menschen bezweifelt werden. Aber wie verdrängen wir, dass das System nur aufgrund unserem täglichen passiven Gehorsam so weiterläuft?Hier kommt die Vergiftung der Atmosphäre ins Spiel. Das Klima ist jetzt dieses wahnsinnig große und wichtige Projekt. Das kommt zuerst, nachher denken wir wieder an die gerechte Verteilung der Arbeit. Zuerst das Harte, Physikalische, Molekulare. Wenn wir das gelöst haben, schreiten wir zum Sozialen, so die verkehrte Auffassung der Klimarevolutionäre.
Bei weiter stagnierenden Volkswirtschaften in den Südländereien der Welt und weiterer Divergenz des Wohlstands und Besitzes wird es unumgänglich sein, mehr solcher gewissensberuhigender Ablenkungsprojekte auszupacken. Mit der Pandemie hat es ja schon geklappt, die Moleküle regieren unser Leben.
Übersprungener Teil aus 60: Trump und seine derben Flegelfinger
Obwohl also Trump eigentlich der legitime Verkündiger der Fake-haftigkeit breiter Teile der etablierten Medienöffentlichkeit war, musste man ihn für seine Derbheit hassen und nun umso mehr dem Establishment vertrauen. Diese kognitive Dissonanz konnte einem Gutteil der linksliberalen Herde nicht guttun. Sie möchten natürlich eigentlich nicht mit dem Establishment in einen Topf geworfen werden, müssen sich aber wegen Trump nun zu dessen Ehrenrettung aufschwingen. Aber wo liegt eigentlich Trumps Fehler? Der gutgläubige Linke stellt es sich so vor, dass man nur ausreichend fest an die „Wissenschaft“ glauben müsse, um ein guter moderner Mensch zu sein. Diese hat also den alten Gott der christlichen Religion ersetzt. Doch erst die Pandemie bot die optimale Gelegenheit, es Trump so richtig heimzuzahlen, bzw. seinen Unterstützern und allen, die sich nicht bei drei von den Horrorprognosen einer (Klima-) Wissenschaft einschüchtern ließen, die als alleinige Vertreterin der Vernunft präsentiert wurde, aber selbstverständlich im offiziellen Diskurs immer nur auf einer kleinen Minderheit selbst der einzelnen Fachwissenschaften wie der Virologie beruhte.
Aber immerhin, hier ist kein Widerspruch mehr geduldet – wir haben doch in den USA gesehen, wo es hinführt, wenn ein Präsident die heiligen Hallen der Wissenschaft durch seine plumpen, flegelhaften Schmutzfinger schändigt. Daher muss jetzt ja wohl klar sein, wo es nicht nur in abstrakter Zukunft wie beim Klimawandel um Lebensrettung geht, sondern hier und heute, dass wir uns alle auf die Linie der Wissenschaft vereinigen, einschwören und Quertreiber konsequent ausschließen und diffamieren, was zwar nicht den besten zivilisatorischen Standards entspricht, aber in diesem Moment der großen Krise definitiv angebracht ist, da es hier endlich mal zuallererst um die dringliche Eindämmung der großen Gefahr, der Seuche geht.
Kommentare
Neuer Kommentar