#8 Der gordische Liebesknoten
"Dieser Welt mangelt es an vielem, außer an zusätzlichen Informationen."
Ich lese aus Michel Houellebecq's Roman "Die Ausweitung der Kampfzone".
Die Sehnsucht nach Liebe senkt ihre Wurzeln in ganz erstaunliche Tiefen. Der Mensch wartet auf sie, auch wenn er von Enttäuschungen zermürbt ist und realistisch gesehen längst alle Hoffnung hätte aufgeben sollen.
Woher das Begehren durchsickert, ist nicht zu sagen. Feststellen lässt sich zum Glück immerhin, dass die Liebe existiert, da man ihre Wirkungen beobachten kann.
Folgendes Gedicht lese ich am Anfang vor:
Die reglosen Momente, die man fast verstohlen erlebt,
Und die kleinen Tode, kleinen Autodafés;
Es ging auf zwei Uhr und in der Stadt war es heiß,
Es wimmelte von Bustiers an den Tischen vor den Cafés
Und alles machte sich zur Fortpflanzung bereit:
Menschliche Verhaltensweisen, gebleckte Zähne, gezwungenes Lachen
Die fortwährende Unmöglichkeit zu handeln
Bruchstücke des Lebens, eträumt, doch bald schon wieder uninteressant.
Die Menschen liefen zwischen den Mauern der Stadt hin und her:
Fluten auf dem Boulevard, tragbare Telefone;
Sorge, ob die Verbindung steht, feindseliger Einsatz des Blicks:
Alles funktioniert, alles kreist, und meine Nerven liegen blank.
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