Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#83 8. Mai - Tag der Befreiung

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  1. Mai, Tag der Befreiung

„Ich bin nicht wichtig“

„Habe geschrieben, für die Freunde.“

Zitat aus „Bartleby und Co“ von Enrique Vila-Matas, S.33 ff.:

„Ich bin niemand“, sagt Pepín Bello, wenn man im Gespräch mit ihm erwähnt, dass er als Initiator, Vordenker und Prophet die Generation 27 zusammengeführt hat und besonders den Freundeskreis, der er, García Lorca, Buñuel und Dalí in der Residencia de Estudiantes bildeten. In Das goldene Zeitalter schildert Vicente Molina Foix,wie er Bello an seinen wesentlichen Einfluss auf die klügsten Köpfe seiner Generation erinnerte, woraufhin dieser mit ehrlicher Bescheidenheit und ohne jeden Dünkel nur erwiderte „Ich bin niemand.“

[…]

„Ich habe zwar viel geschrieben, aber davon ist nichts mehr erhalten. Die Briefe und Texte, die ich zur Zeit der Residencia schrieb, habe ich verloren, weil ich sie für völlig wertlos hielt. Ich habe auch Memoiren geschrieben und sie dann vernichtet. Memoiren sind zwar eine wichtige Gattung, aber ich bin nicht wichtig.“

In Spanien ist Pepín Bello der nihilistische Schriftsteller par excellance, der geniale Archetyp des spanischen Künstlers ohne Werk. Bello ist in allen Künstlerlexika verzeichnet. Sein außergewöhnlicher Einfluss wird allgemein anerkannt, obwohl er kein Werk vorzuweisen hat. Er hatte Teil an der Geschichte der Kunst, ohne den Ehrgeiz, irgendeinen Gipfel zu erreichen:

„Ich habe nie mit dem Interesse zu veröffentlichen geschrieben. Ich tat es für meine Freunde, um mit ihnen zu lachen, nur so aus Spaß.“

Weitere Bücher:

Robert Laughlin: Der letzte macht das Licht aus.

Ludo Martens: Stalin anders betrachtet

Heiner Flassbeck: Der begrenzte Planet und die unbegrenzte Wirtschaft

Peter Hacks: Zur Romantik

Die Lyrics zu What I need findet ihr unter der letzten Folge, ich sollte sie auch auf Deutsch übersetzen für eine der zukünftigen, mir haben sie gefallen.

Maxime der Klimarevolution: unser Fokus sollte sein, alle Menschen in die Lage zu versetzen, so wie die westliche Mittelschicht von den ärgsten Sorgen befreit zu sein und sich den Luxus eines Umweltbewusstseins leisten zu können.

Diese Folge ist etwas unstrukturiert, zögerlich und wankelmütig. Mir ist die Ursache davon völlig klar aber das tut hier nichts zur Sache; der unangenehme Fakt bleibt, dass einige Pausen und Nachdenk-Momente entstanden, die ich auch in der Post-Produktion noch drin ließ und also nicht elidierte, was so viel heißt wie herausschneiden.

Daher sah ich mich herausgefordert, euch einen würdigen Text in den Shownotes zu hinterlassen, den ihr in den zahlreichen zumal Blätter-Pausen lesen könnt.

Von Beruf bin ich Informatiker und der Beruf macht im heutigen bürgerlichen System bereits die Person aus. Das Grundproblem der Informatik ist das Speichern und so ist dasselbe auch das Grundproblem meines persönlichen Denkens.

Ja, der gedeckte Tisch, der volle Korn- oder Informationsspeicher, das ist mein Gebiet.

Die vollen Speicher der Informatik.

Wie aufbewahren, wie sicher wegschließen und nicht Gefahr laufen, jeglichen innerten Wert des eingeschlossenen Dings zu verlieren?

Das ist zugleich das Shownotes-Problem. Ich habe viel gesagt, und viel verschwiegen durch die bisherige Nichtzugänglichmachung der Texte seit #75 (Mit Ausnahme von „Klima: Aufwachen oder No Agenda?“ in #81).

Dieses Nichtpublizieren ist mein schwarzer Punkt, der blinde Fleck der Erkenntnis, der Teil von mir, den ich euch noch nicht zeigen kann.

Ja gut, könntet ihr sagen, aber wir können die Texte ja trotzdem in den gesprochenen Podcasts nachhören.

Ha! Das ist nicht dasselbe. Das gesprochene Wort ist lächerlich, profan, das geschriebene hingegen ernst und heilig.

Die fehlenden vorgelesenen Texte, angefangen von „Deutschland“ über „Man wird ja wohl noch dran denken dürfen, die Welt zu retten?“ bis zu „Man muss ja kein Kommunist sein“ stellen also eine Art Hort der Dunkelheit in meinem Podcast dar.

Hier bündelt sich alle negative Energie und aus der Dunkelheit bricht ein neuer Born der Erkenntnis aus, sodass sich alle Gegenteile aufheben und der tätige Geist zur letzthin gültigen Synthese fortschreitet, unbeirrt durch das Unterholz und Dickicht der Sprache hindurch.

Diese einleitenden Worte sind vielleicht läppisch und verdunkeln nur den Zugang zu meinem eigentlichen Gegenstand. Nämlich der Frage, ob ein Mensch von Natur aus überhaupt nach Glück strebt? Oder ob vielmehr erst die Gesellschaft mit ihren Imperativen ihn dazu befähigt, Glück anzustreben und anzunehmen, zu genießen, wie Robert Pfaller behauptet?

Natürlich behauptet er ebenso firm, wenn auch implizit, dass unsere heutige Gesellschaft zunehmends unfähig wird, den Individuen diese Glücks-Imperative bereitzustellen, auch hier wurde im Liberalismus privatisiert und dem Markt überlassen, was eigentlich die politische Triebökonomie betrifft, die nach fortschrittlichster Methode staatlich reguliert sein sollte.

Im Idealfall natürlich im Anschluss an eine bolschewistische Revolution.

Somit stellt sich schon die Frage, naja, also wie ist das dann mit Juvenals Spruch: Betrachte es als größte Schande, um des reinen Lebens willen die Gründe des Lebens zu verlieren, welchen auch Marx zitiert in „Das Elend der Philosophie“.

Alles was man vom heutigen bürgerlichen Staat erwarten kann, ist der Erhalt des nackten Lebens. Wenigstens unser biologisches Dasein, unsere vitalen Funktionen werden sie uns doch wohl noch lassen, so denkt man (der durch die von der Bourgeoisie ins Werk gesetzte Meinungs- und Persönlichkeitsproduktion hervorgebrachte westliche Mensch mit kleinbürgerlichem Mindset) naiverweise. Diese Naivität führt in hohe Erwartungen, was dieser Staat denn in Bezug auf den Klimawandel, soziale Ungleichheit, systemische Gewalt, Rassismus etc. machen kann, die in keinem Fall berechtigt sind.

In einer der nächsten Folgen werde ich diesen Punkt aufs Eindrücklichste verdeutlichen: die Bundesregierung hätte lieber ein totes Volk als eines, das ihrer Macht entgleitet. Ihre Haltung unterscheidet sich nicht wesentlich von der Hitlers, der zuerst seine Truppen in Stalingrad, dann am liebsten noch sein ganzes Volk geopfert hätte, statt sie an den Feind zu verlieren.

Mit diesen trübsinnigen Worten muss ich euch dann auch langsam allein lassen. Nach jeder dunklen Nacht erstrahlt doch wieder ein neuer Tag „und es muss uns doch gelingen, dass die Sonne schön wie nie über Deutschland scheint“, wie es in der DDR-Nationalhymne hieß.


Nach einigen Tagen des Verdauens der Publikation dieser unförmigen Folge, kann ich hier noch ergänzende Überlegungen anbringen, die den vorhergehenden Text etwas vertiefen und die Frage der Dialektik in der Lust aufgreifen. Diese wird ja von Robert Pfaller so behandelt, dass in unserer zeitgenössischen Kultur die „Öffentlichkeit“ seit fünfzig Jahren verschwunden ist und dies einen herben Schlag für die Fähigkeit zur Kultivierung von Lust, ambivalenten Genüssen und Praktiken für die Individuen darstellt. Denn der Mensch braucht ein höheres Ideal, eine Struktur und Form, an der er sich aufrichten und durch welche er seine ihm eigenen Lustmöglichkeiten überhaupt wahrnehmen kann.

  • Der Mensch strebt von Natur aus nicht nach dem Glück
  • Die kapitalistische Gesellschaft versucht das Glücksstreben, das er trotzdem noch entwickelt, zu unterbinden, da es ihren Zwecken entgegensteht und er sich schwach und ausgeliefert fühlen muss, um fürs Kapital maximal verwertbar zu sein.
  • Der moderne Mensch denkt also, wenigstens das nackte Überleben noch als Wert ansetzen zu können, der ihm ein Surrogat des Glücks sein könnte.
  • Das ist in zweierlei Hinsicht ein Irrweg: einerseits gibt der bürgerliche Staat nichts auf unser Leben, so wie ihm auch das von kritischen Journalisten wie Assange, Faschismusopfern oder Minenarbeiter in Peru, Textilangestellte in Asien, Kriegsparteien in Afrika, sowie das Leben der vom deutschen Exportnationalismus arbeitslos gemachten Franzosen, Italiener etc. schlicht und einfach egal ist. Diese Menschen können sterben und sie sollen sterben, wenn es nach der bürgerlichen Gesellschaft und ihrem Feigenblatt des liberalen Staates geht. Erst vom sozialistischen Staat kann die Wahrung grundlegendster menschlicher Standards erwartet werden, wie etwa die Möglichkeit für jeden, am wirtschaftlichen Produktionsprozess teilzuhaben, ohne sich auf dem Arbeitsmarkt als Ware feilbieten und anschließen als Lohnabhängiger versklaven zu lassen.

Marx Zitat „Kritik des Gothaer Programms“, Abschnitt 2:

„Seit Lassalles Tode hat sich die wissenschaftliche Einsicht in unsrer Partei Bahn gebrochen, daß der Arbeitslohn nicht das ist, was er zu sein scheint, nämlich der Wert respektive Preis der Arbeit, sondern nur eine maskierte Form für den Wert resp. Preis der Arbeitskraft. Damit war die ganze bisherige bürgerliche Auffassung des Arbeitslohnes sowie die ganze bisher gegen selbe gerichtete Kritik ein für allemal über den Haufen geworfen und klargestellt, daß der Lohnarbeiter nur die Erlaubnis hat, für sein eignes Leben zu arbeiten, d.h. zu leben, soweit er gewisse Zeit umsonst für den Kapitalisten (daher auch für dessen Mitzehrer am Mehrwert) arbeitet; daß das ganze kapitalistische Produktionssystem sich darum dreht, diese Gratisarbeit zu verlängern durch Ausdehnung des Arbeitstages oder durch Entwicklung der Produktivität, {10} größere Spannung der Arbeitskraft |26| etc.; daß also das System der Lohnarbeit ein System der Sklaverei, und zwar einer Sklaverei ist, die im selben Maß härter wird, wie sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit entwickeln, ob nun der Arbeiter bessere oder schlechtere Zahlung empfange. Und nachdem diese Einsicht unter unsrer Partei sich mehr und mehr Bahn gebrochen, kehrt man zu Lassalles Dogmen zurück, obgleich man nun wissen mußte, daß Lassalle nicht wußte, was der Arbeitslohn war, sondern, im Gefolg der bürgerlichen Ökonomen, den Schein für das Wesen der Sache nahm. Es ist, als ob unter Sklaven, die endlich hinter das Geheimnis der Sklaverei gekommen und in Rebellion ausgebrochen, ein in veralteten Vorstellungen befangener Sklave auf das Programm der Rebellion schriebe: Die Sklaverei muß abgeschafft werden, weil die Beköstigung der Sklaven im System der Sklaverei ein gewisses niedriges Maximum nicht überschreiten kann! Die bloße Tatsache, daß die Vertreter unsrer Partei fähig waren, ein so ungeheuerliches Attentat auf die in der Parteimasse verbreitete Einsicht zu begehn - beweist sie nicht allein, mit welchem Leichtsinn, sie bei der Abfassung des Kompromißprogramms zu Werke gingen!

Anstatt der unbestimmten Schlußphrase des Paragraphen, "die Beseitigung aller sozialen und politischen Ungleichheit", war zu sagen, daß mit der Abschaffung der Klassenunterschiede von selbst alle aus ihnen entspringende soziale und politische Ungleichheit verschwindet.“

Der Arbeitslohn wird stets das Minimum dessen sein, was der Arbeiter zum Überleben braucht. Mag sein, dass partikulare Verbesserungen gewerkschaftlich erkämpft werden – für Deutsche, Europäer, gut Ausgebildete… – aber niemals für alle, sondern gesamtgesellschaftlich erzeugt die kapitalistische Logik eine immer breitere Schneise der Verwüstung.

Die Akkumulation des Kapitalisten ist unproduktiv, er legt sein Geld auf die Bank, statt wieder der Wirtschaft zuzuführen. Daher sind die Eigentumsverhältnisse der grundlegende Hemmschuh der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. Die Produktivkräfte können erst im Sozialismus nach erfolgter Verstaatlichung der Produktionsmittel, entfaltet und befreit werden.

Das bürgerliche System dagegen tendiert durch die inhärenten Widersprüche dazu, große Krisen und Kriege zu erzeugen. Für uns Kommunisten ist das eine große Chance, denn dass es eben nicht seine Richtigkeit hat mit dem heutigen liberalen Staat kann jeder sehen, der Augen hat, aber etwas dagegen unternehmen werden die Menschen erst, wenn dieser Zustand unerträglich wird. Rationalität war noch nie ein Kriterium, anhanddessen die Menschheit alte gesellschaftliche Verhältnisse überwunden hätte. Der Sog der Tradition ist stets stark.

Der herrschenden Klasse gelingt es, die alten Verhältnisse als unabänderlich hinzustellen und das Unabänderliche als das Ordentliche, Sittliche, was wiederum als das Vernünftige, dem gesunden Menschenverstand entsprechende maskiert wird.

Daher also der verklärende Blick, mit dem der Marxist in die dunkel dräuende Zukunft mit der Möglichkeit weiterer Weltkriege schaut. Weltkriege rütteln alles durcheinander und sind nicht zu unserem Nachteil. Nach dem ersten Weltkrieg entglitt ein Sechstel des Erdballs dem Zugriff des Imperialismus, nach dem zweiten gar schon ein Drittel oder mehr, leicht auszurechnen ist also, dass der dritte Weltkrieg endgültig Schluss mit dem Imperialismus macht und die gebeutelten Volksmassen seine Unbrauchbarkeit erkennen und nicht so schnell verlernen, so wie ja auch heute trotz Konterrevolution in Osteuropa und Russland ein Grundstock an revolutionärem Bewusstsein und Verständnis der Notwendigkeit einer Überwindung der alten Zustände existiert.

Aber damit habe ich ja nur den ersten zeitgenössischen Irrtum abgehandelt, die Annahme, die heutige Gesellschaftsformation scherte sich um das Überleben der sie zusammensetzenden Individuen.

Viel schlimmer wiegt, dass sie uns kein würdiges Leben aufzeigen kann. Es gibt keine Lust, keine Disziplin, sich einem gesellschaftlich vorgegebenen Ideal, Prinzip, Ritual oder was auch immer zu beugen sondern nur narzisstischer Individualismus, der uns ratlos zurücklässt. Bin ich das wirklich? Wo fühle ich mich als ich? Letztlich nur durch die Wahrnehmung der anderen. Wo die anderen ausgeschaltet, in ihre Privat-Spaces zurückgedrängt sind, gibt es also auch kein Ich mehr, zumindest keines, auf das sich zeigen und stolz sein ließe. Sondern nur noch deformierte, vom Markt kaputtgemachte Wracks, die darin ihr Heil suchen, über Social Media ein gesundes und nachhaltiges Leben vorzugaukeln und nicht merken, dass dort überhaupt kein realer sozialer Raum ist, wo sie diesen vermuten, in der Anonymität des Internets.

Abschließend muss ich nochmals auf Juvenals Spruch zurückkommen. Die Dialektik, die er aufzeigt zwischen nacktem Leben und Inhalt/Wert des Lebens scheint die tiefgreifende Revolution Immanuel Kants in der Erkenntnistheorie vorwegzunehmen. Um eine Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt, persönlichem Befinden und Weltwirklichkeit, einzuführen, brauchte es erst die Vorarbeit der Römer, denen zuerst der Unterschied klar wurde zwischen dem reinen biologischen Überleben, der Fortpflanzung und Erhalt unserer Körperzellen einerseits und der Lust an diesem Leben, der Kultur mithin andererseits.

Wie könnten wir den Marxismus weiter entwickeln, indem wir die reine biologische Tätigkeit des Menschen zurückstellen hinter seine geistige Berufung zu einem freien, gebildeten Leben? Das scheint unmöglich wegen der oben genannten Übermacht der Bourgeoisie und ihrer Apparate zur Erzeugung von Deutungshoheit.

Trotzdem muss ich daran festhalten: ja, es ist gut, dass jemand lebt und darin sollte er auch von einem sozialistischen Staat unterstützt werden, der ihm Hilfestellung und Leitplanken für die Integration ins sozial-ökonomische Geflecht gibt. Andererseits ist diese reine Sorge ums Leben noch weit entfernt davon, das wirkliche Leben sein zu können. Vielmehr liefert die Überwindung der allzu brutalen individuellen Zukunftsangst im Sozialismus den Ausgangspunkt, um auch geistig freier und unbeschwerter leben und denken zu können.

Mein Diktum lautet: der Aufbau der sozialistischen Gesellschaft ist die Menschheitsaufgabe, mithin der Inhalt und Sinn unser aller Leben (für die nächsten paar hundert Jahre). Erst wenn dies gelungen ist, wenden wir uns wieder der Frage zu, was der Mensch denn eigentlich auf diesem Erdball macht und wie er etwas Schönes, etwa Kunst machen kann. Bis dahin ist jede Kunst revolutionäre Kunst, denn sie erhebt sich, sei sie auch politisch noch so reaktionär, eben doch aus dem zähen, breiigen Dunst der Gegenwart, der das Grau in Grau des industriell gefertigten Menschseins einfach akzeptiert und zum Gipfel der menschlichen Erfahrung verklärt. Der Mensch ist aber zu mehr berufen.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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