Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#85 Post-Podcast

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Flassbeck: Der begrenzte Planet…

Grohn: Hass von oben, Hass von unten

Der argentinische Norden ist aus unserer Sicht der globale und europäische Süden, da wo es heißer ist, läuft es mit der Wirtschaft schlechter.

Der Norden von Argentinien ruft und lechzt nach der Revolution

Zuletzt noch zur Situation hier im Norden Argentiniens. Diese Provinzen sind wirtschaftlich extrem abgehängt, die Spaltung ist wohl noch extremer als in Deutschland zwischen den Industriezentren und den ländlichen Regionen vor allem in Ostdeutschland. Und das bei einem deutlich niedrigeren Einkommensniveau selbst in den reicheren Provinzen im Süden und in Buenos Aires.

Die Wirtschaftskrisen der letzten Jahre haben diese Regionen im Norden besonders hart getroffen und die Situation, die man hier in den Straßen sieht, ist deutlich prekärer als bei meinem letzten Besuch vor zehn Jahren.

Es gab einige Kupfer-, Zink- und Silber-Minen, die zwar die Umwelt schädigen und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen mit sich brachten, aber immerhin für einige rare Arbeitsplätze in dieser abgelegenen Region sorgten. Doch nachdem diese schlossen, bleibt vielen nur noch, im Umfeld des Tourismus zu arbeiten oder auszuwandern. Diese Option ergreifen immer wieder die Gebildeten und diejenigen, die überhaupt genug Geld haben, sich das Ticket zu leisten und sich auf den Weg in Nachbarländer oder gleich nach Europa zu machen.

Es gibt wohl nur wenige Gründe für die Einheimischen, hierzubleiben:

  • kein Geld für ein Bus- oder Flugticket
  • keine Idee oder Perspektive, wohin man auswandern könnte, um Arbeit zu finden
  • man hat Kinder, die noch zur Schule gehen

Im 15. Jahrhundert kamen hier die Inkas an, die aus dem Norden vordrangen, dem heutigen Peru und Bolivien, und eroberten das Territorium des heutigen nordwestlichen Argentinien. Sie drängten den bestehenden einheimischen Kulturen ihre Lebensweise und Herrschaftsform auf, führten die Religion des Sonnenkultes ein - zuvor war Religion etwas zutiefst Persönliches, worüber man nur in Ausnahmesituationen redete. Die indigenen Völker hier waren just auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung, als die Inkas ihre Zivilisation übernahmen, soziale Bande zerstörten und teilweise Umsiedlungen vorantrieben. Dadurch bereiteten sie tragischerweise auch die Kolonisierung durch die Spanier im folgenden Jahrhundert vor, die es dadurch umso leichter hatten, vorzudringen, das Territorium und Bodenschätze an sich zu reißen und die einheimische Zivilisation zu entwurzeln. Dasselbe passierte den Inkas, die im 16. Jahrhundert ebenfalls auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung waren und ein ausgedehntes Reich aufgebaut hatten, das sie durch eine großes bürokratisches System verwalteten und durch Religion und Handel zusammenhielten.

Dann kamen die Spanier und zerstörten diese Kultur, wobei tragischerweise auch Millionen an eingeschleppten Infektionskrankheiten starben, die nicht endemisch waren und der die einheimische Bevölkerung daher schutzlos ohne Immunität ausgeliefert war. Allerdings denke ich nicht, dass wir Spanier oder Inkas für ihre Kolonisierungen moralisch verurteilen sollten. Das war damals eben der Gang der Dinge und sie glaubten, so den Fortschritt zu bringen sowie die einzig richtige Heilsreligion zu verbreiten.

Anders ist die Situation aber heute, wenn wir diesen Entwicklungsländern weiterhin dümmlichen, zigfach empirisch getesteten und widerlegten Liberalismus predigen: freier Devisenhandel, deregulierter Arbeitsmarkt, kein Protektionismus, "freier" Handel (was stets nur den entwickelten Ländern zugute kommt; auch Deutschland konnte sich im 19. Jahrhundert nur deshalb industriell entwickeln, weil man scharfe protektionistische Schranken aufbaute, um die erst entstehende Industrie zu schützen und nicht direkt der deutlich weiter entwickelteren Konkurrenz aus England auszusetzen) wenig Sozialkosten, Lohnkosten senken, Staatsausgaben einschränken etc.

Denn wir müssten heute eigentlich wissen, dass dies nicht der Weg zum Fortschritt sondern zurück ins tiefste geistige Mittelalter der unantastbaren Dogmen und blind geglaubten Wirtschafts -"Gesetze" ist. Indem wir dies weiter predigen und weiter zuschauen, wie es für diese Länder keinen Ausweg aus der Armut für große Bevölkerungsteile gibt und eine immer größere soziale Spaltung entsteht, laden wir eine horrende moralische Schuld auf uns. Denn heute müsste jedem denkenden Menschen klar sein, dass dieses zynische Wirtschaftssystem ausgedient hat und nur durch drastische Veränderungen zu zähmen ist.

Es kann einfach nicht sein, dass wir an dem Glauben festhalten, der Kapitalismus sei das bestmögliche Wirtschaftssystem. Sicherlich, einige profitieren auch hier in Argentinien davon und zu ihren Gunsten wird weiterhin die Propaganda verbreitet, die liberale Manipulation, die uns weismachen will, wir alle könnten zu potentiellen Gründern und Selfmadeunternehmern werden.

Auf globaler Ebene leiden diese Länder aber natürlich deutlich mehr als wir unter den weltweit geltenden Wirtschaftsbeziehungen und es ist eine Schande, ganze Generationen aufzugeben und ihnen keine Arbeit in ihrer Heimat anbieten zu können.

Menschliche Kreativität, Erfindungskraft, Kollektivgeist und Arbeitsdrang wird vergeudet, weil wir weiterhin das Märchen von der Entwicklung durch Kapitalismus erzählen müssen. Wenn er einen Weg aus der Armut und Unterentwicklung zeigen könnte, dann hätte er ja mittlerweile genug Zeit gehabt, die Länder in Südamerika, Afrika oder Asien zum Aufholen und Anschluss an unser Lebensniveau zu führen.

Wie kann es ernsthaft noch so weitergehen mit dem naiven Mantra, es sei aber gerecht, dass der Reiche seinen Reichtum anhäufen dürfe? Wie kann es weiter geglaubt werden, nur so, durch die große Motivation, auch reich wie Jeff Bezos oder Steve Ballmer werden zu können, ließe sich Innovation hervorbringen? Es ist ein illusorisches, wahnhaftes Konstrukt, das von der Gutartigkeit und Nützlichkeit des kapitalzentrierten Systems für uns Menschen ausgeht und vor allem von Kleinbürgern propagiert wird, die mit einem lächerlichen Minimallohn für ihre Bemühungen abgespeist werden, sich aber glücklich in ihrer Rolle fühlen, dem Kapital immer wieder seine Ehrbarkeit und Unantastbarkeit zu bescheinigen.

Die Kapitalisten lachen sich wohl heimlich kaputt und fragen sich, warum sich die Masse der ausgebeuteten Arbeiterschicht nicht erhebt? Sie selbst hätten wohl nichts dagegen einzuwenden, denn sie lieben den Kampf, das Spiel ums Ganze und würden sich eine Herausforderung sehnlichst wünschen, bei der sie sich mit Zähnen und Klauen verteidigen müssten gegen die revolutionären Anwandlungen der Volksmassen. Stattdessen bekommen sie ihre Gewinne heutzutage staatlich abgesichert und werden mit aller Kraft von den Politikern, die sich kaum noch von direkten Lobbyisten unterscheiden lassen (Habeck über Covid-Patente: https://twitter.com/TiloJung/status/1486361152464556032 ), protegiert, was ihnen auch schon langweilig werden dürfte. Aber die schafsköpfige Herde vor allem der linksliberalen Journalisten und Politiker bleibt zahm und ängstlich und ist ganz zufrieden, wenn sie ab und an ein Bröselchen aus der gütigen Hand des Kapitalisten aufsammeln dürfen. Mehr wagen sie sich nicht zu erträumen. Sie sind verängstigt, geknickt, gebrochen. Man fragt sich, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, dem Spruch des mexikanischen Revolutionärs Zapata zu folgen: lieber stehend sterben, als weiterhin knieend zu leben.

Was ich brauche - Jon und Roy

Ich habe mein ganzes Geld ausgegeben, um zu versuchen, ein gutes Gefühl andauern zu lassen.

Bier kaufen, so aufrichtig finde ich.

Wenn ich herumlaufe und über dieses fehlende Glied nachdenke.

Ich habe mein ganzes Geld ausgegeben, um zu versuchen, ein gutes Gefühl andauern zu lassen.

Bier kaufen, so aufrichtig finde ich

Wenn ich herumlaufe und über dieses fehlende Glied nachdenke

In meinem Dasein hier bin ich wohl müde

Schlafmangel macht mein Gehirn taub und Worte stumm

Augen hängend, dunkel, blutunterlaufen, schwer zu sehen

Schwer zu lächeln, auf einer Party einen Witz zu machen

Schenke all den hübschen Mädchen ein halbherziges Lächeln

Weißt du, der Typ, bei dem du darüber nachdenkst, wie du aussiehst, wenn du es tust

Lesen Sie es in einem Buch nach, Zeitverschwendung

Wie ein mit Süßigkeiten überzogener Valentinsgruß

Erfahrung ist das, was ich für ein gequältes Gehirn bekommen habe

Mangelndes Wissen habe ich dafür, dass ich diesen Schmerz fühle

Was sage ich, Stress wegen irgendeiner Bullshit-Aufgabe

Oh, entspann dich einfach und lass die guten Zeiten andauern

Bitte überreden Sie mich nicht

Denn was ich sehe, muss ich sehen

Und ich starre die ganze Zeit

Also greife ich nach meinem Kühlschrank

Knacken Sie ein Bier, um Spaß zu haben

Was ich brauche, ist in der Sonne stehen

Jedes Mal, wenn ich ausgehe, versuche ich, Spaß zu haben

Das ist alles, worum es geht, tanzen, ach so betrunken auf meinem Höhepunkt

Sich mit Mädchen treffen, die ich noch nicht einmal eine Woche kenne

Dumm genug werden, die dümmsten Dinge zu sagen

Über die Trottel lachen, die die lächerlichsten Dinge tun

Sich über Mädchen mit Stöcken in ihren sexy Ärschen lustig machen

Ich wurde abgewiesen, enttäuscht und stehen gelassen

Es gibt jedoch eine Sache, und das ist, dass ich ein Heuchler bin

Weil ich an genau der gleichen Scheiße teilnehme

Sich über Dinge lustig machen, die ich selbst mache

Oh, nun, ich habe Spaß, genieße das

Reichtum, denke ich, aber

Bitte überreden Sie mich nicht, denn was ich sehe, muss ich sehen Und ich starre die ganze Zeit, also greife ich nach meinem Kühlschrank, knacke ein Bier, nur um etwas Spaß zu haben, was ich brauche

Was ich brauche, ist das Ding, das mein Herz höher schlagen lässt

Und was ich in dir sehe, entzündet meine Seele

Ich hoffe, du empfindest dasselbe für mich

Und ich werde es einen Tag lang spüren, wie eine Nadel in meinem Arm

Und ich werde genauso schreien, obwohl es nicht schadet

Aber ich habe diese Dinge kennengelernt, die mich belasten. Ich brauche dich


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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