Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#95 Grassierende Sexualarmut

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Robert Pfaller: Wofür es sich zu leben lohnt. (Einleitung, 2. Abschnitt)

Peter Hacks: Diesem Vaterland nicht meine Knochen

Am Scheideweg

Wenn Liebe mir am Leben zehrt,
Lieb ich doch immer fleißig.
Undeutlich ist des Lebens Wert.
Den der Liebe weiß ich.
Ich hab geackert vierzig Jahr,
Es ward mir bös gedankt.
Nun soll es sein die Nachwelt gar,
Die sehr nach mir verlangt.

Die Nachwelt rollt an mir vorbei
In weiß und rosa Kissen.
Da hab ich den Verdacht, als sei
Sie heute schon beschissen.
Mein Denkmal auf der Hacksallee,
Von Zukunfts-Volk umwühlt -
Wenn ich diese Kinder seh,
Schwant mir, was es fühlt.

Ich lieb nicht schlechter, als ich schreib,
Bin ja dasselbe Wesen.
Der Unter- wie der Oberleib
Hat seinen Marx gelesen.
Und wann ich den Entschluss gefasst?
Mein Engel, als ich fand,
Wie gut du mich begriffen hast
Mit deiner Engelshand.


Hier finden keine Versteckspiele statt. Ich zeige mich offen, so wie ich bin. Nur ihr, liebe Zuhörer, erregt in letzter Zeit meinen offenen Missmut und meinen Groll, wenn ich euch das ins Ohr sagen darf.

Eure opportunistische, feige Haltung zu meinen feurigen Reden ist mal wieder typisch deutsch und der Grund, warum hierzulande der Ungeist der Servilität die gloriosen Ideen der französischen Revolution zurückschlug, besiegte und unterwarf, sodass man heute sagen kann, sie war wohl überflüssig und Nietzsche hat in seinem naserümpfenden Blick auf sie durchaus Recht behalten, da er den Unsinn darin sah, eine Revolution zu proklamieren, während das Volk noch im geistigen Dämmerschlaf der Unmündigkeit dahinvegetiert und lieber noch lebenslang in dieser geistigen Knechtschaft sich halten lassen möchte, als zu wagen, die strukturellen Grundlagen der Herrschaftsordnung, des Beziehungsgeflechts zwischen Herr und Knecht infrage zu stellen.

Dadurch nämlich, dass ihr mich nicht herausfordern und meinen Ideen nachspüren wollt, zeigt ihr euch ganz als treu ergebene Kinder des Vaterlandes. Ich aber will wie Hacks nicht meine Knochen auch noch diesem Vaterlande dahingeben (worauf es Stand jetzt leider hinausläuft), sondern das sozialistische Vaterland aufbauen, was sich nie in den Grenzen des heutigen BRD/EU-Staates machen lassen wird, da die EU letztlich „ein einziges Sozialismusverhinderungsprojekt ist“ (Grohn, Kommunismus für Erwachsene). EU und BRD sind strenggenommen Institutionen sind, die den einzigen Zweck haben, den Sozialismus zu verhindern, ihn den Leuten auszureden und als gefährlich zu brandmarken oder seine Vertreter gleich zu ermorden wie in der Nachkriegsgeschichte von Ländern wie Italien, Griechenland und weiteren geschehen.


Kommen wir hier zu der von Hacks beschriebenen Frage, welchen Weg wir an der Weggabelung einschlagen wollen ? Auf den Ruhm der Nachwelt hoffen? Oder auf die Anerkennung unseres geliebten Partners im Bett? Diese geht ja über das rein physische Liebesspiel hinaus. Nicht nur körperlich wird man begriffen, sondern vor allem auch geistig. Die eigene Person, seinen ureigensten Charakter so auszuliefern und sich durch Schreie, Stöhnen und Keuchen zu entblößen, die eigene Wildheit und Rohheit und Lust auf den anderen offen zu zeigen und auszuleben, ist ein sehr intimer Akt, der nicht rein biologisch erklärbar wird.

Sondern durch das Gefühl, verstanden zu werden von einem anderen, der sich redlich bemüht, auch wenn es schwierig scheint und zeitweise unüberwindbare Mauern der Verständigung sich zu erheben scheinen. Aber nicht nur der geliebte Andere liefert die soziologische Komponente im Sex und in der Liebe, sondern genauso die Restwelt, die uns umgebenden Menschen und sozialen Normen, Traditionen oder Verirrungen der Vernunft einer Generation, die sich wie die unsrige für aufgeklärt, frei und selbstbestimmt hält. So gibt es keine private Lust sondern die Lust trägt einen inhärent sozialistischen Zug, vor allem die sexuelle, welche die Vorlage der anderen Lüste ist. Nicht nur sozial, sondern sozialistisch, das Soziale zum Absoluten erhebend. Hier im Kapitalismus, wo wir eingesperrt, erniedrigt und überflüssig gemacht werden, lässt sich sowieso keine Lust richtig genießen, da einem die falschen Verhältnisse immer wieder den schönen Tag vergällen. Wie also ist der Weg zum Sozialismus und welche Probleme mit der Liebe werden auch in ihm weiter bestehen und bedürfen unabhängig vom überfälligen Ende des Kapitalismus dann noch einer Lösung?

Ein Recht auf Sex kann es nicht geben und ein solches zu proklamieren würde alledie pauperisierten Menschenwesen nur noch mehr deklassieren und demütigen, jene Klasse an nicht am Sexualverkehr teilnehmenden Menschen, denen die Bestreichelung der erogenen Zonen fehlt und der Mangel an intimer Nähe und Austausch zärtlicher oder neckischer Liebesworte in Verzweiflung stürzt.

Denn natürlich fragte man sich dann, ja wie schwach, abstoßend und unfähig muss ich denn sein, wenn ich auf andere Weise nicht zu Sex kommen kann als durch ein staatlich durchgesetztes "Recht auf Sex"?

Zudem bleibt die Frage, wie anders als durch staatliche Bezahlung von Sexarbeitern ließe sich derjenige Teil der Bevölkerung befriedigen, der auf dem "freien Markt" keine Chance auf einen gewinnversprechenden intimen Kontakt hat, selbst wenn dieser Markt durch staatliche Kontaktbörsen, Datingrunden und Festlichkeiten oder auch gemeinsame Arbeitseinsätze zum Zweck der geschlechtlichen Annäherung und Auskostung jener Phase des Umgarnens und Kennenlernens der zwei sich zu begehren beginnenden Liebessuchenden auf sozialistische, gesittete Weise ergänzt würde? Scheinbar ist das aber in der gegenwärtigen linken Blase ein heikler Punkt und Sexarbeit wird teils scharf verdammt und ihr emanzipatorisches Potential geleugnet. Aber hier wage ich mich zu weit vor, diese linken Grabenkämpfe kenne und schätze ich keinesfalls und rede hier nur ins Blaue hinein, was sich bei mir an halbgarem Material abgelagert hat aus den Debatten auf Twitter.

Mein Punkt ist folgender: es gibt ein Recht auf Revolution. Und dieses Recht muss nicht erst geschaffen werden, es ist uns allen bereits zu eigen. So wie Lenin das Recht auf Selbstbestimmung der Völker proklamierte und damit einen wichtigen moralischen Meilenstein in der antikolonialistischen Bewegung schuf, um den unterjochten Nationen die Möglichkeit des Aufbegehrens aufzuzeigen.

Die Grenze dieses Rechts liegt in der Macht der Medien und der Banken. Aber die Banken haben auch nur so viel Macht, wie die Medien ihnen zusprechen im verklärenden, mystischen Diskurs über die unantastbaren Grundlagen der Wirtschaft mit den Banken als heilige Wächter der monetären Ordnung, die uns nährt und schützt. Es reicht also aus, die Medienhäuser zu besetzen, dann können wir die Revolution - oder besser zu deutsch: den Umsturz - schon in Gang bringen.

Bleibt also, die heutige Rolle der Medien zu desavouieren, sodass am Tag X, wenn der Sturm der Medienmonopole erfolgt, jedem aufgeklärten Bürger klar ist, dass dies in seinem Interesse ist und nur zur Besserung der Verhältnisse führen kann. Wie aber ist die Hetzjagd gegen die Medienmonopole, deren Verbrechen unendlich sind und sich täglich neu reproduzieren und ihren Abdruck in unserer geschundenen Seele hinterlassen, am besten zu organisieren?

Es geht um die Denunzierung ihrer Beförderung des bornierten, veralteten "Liebeskonzepts". Dieses ist ein bourgeoises Herrschaftsinstrument, so müssen wir enthüllen.

Das Recht auf Revolution kann nur heißen, auch diejenigen eigenen Charakterfehler und Eigenschaften, die einem unangenehm, hinderlich oder peinlich sind, dem System als deren Verursacher zuzuschreiben und die Schuld und Verantwortung dafür ganz von sich zu schieben. Schuld kann ich nur sein, wenn ich dieses System, in dem ich lebe (nennen wir es kurz und knapp "Sidil"), nicht zu verändern und radikal umzugestalten versuche. Daher war also Stalin ganz sicher nicht schuld, an keiner einzigen der Schandtaten, die man ihm zur Last legt, während all die vorgeblich linksradikalen DKP-Mitglieder, die keine Revolution zustande brachten und nur die Legitimation verleihende Antithese zum BRD-Unrechtsstaat bildeten, ganz sicher schuld an sehr vielen Gewohnheitsverbrechen und Grauenssituationen, die sich täglich auf der Welt wiederholen aufgrund der Bravheit und Zahmheit von uns hier im freien Westen, wo wir eigentlich frei sind, uns jedes Recht, vor allem das auf Revolution, zu nehmen im Gegensatz zu den materiell deklassierten Bewohnern des Globalen Südens, die in der überwiegenden Mehrzahl noch nicht mal die ökonomische Basis für ihr Leben haben, die es bräuchte, um anzufangen, politisch zu denken und die uns umgebenden Verhältnisse infrage zu stellen.

Impotenz, Unlust oder soziale Ängste, die noch die kleinste Kontaktaufnahme zu Kommilitonen oder Kollegen verhindern, sollten also als Ausdrücke der geistigen Herrschaft über uns begriffen werden, welche sich aus der materiellen Herrschaft - der Einbindung ins Lohnsklavensystem - ergibt. Sind wir so weit, dann gibt es nichts mehr, was den Gedanken der Revolution aufhalten kann. Vielleicht traut man sich noch nicht, ihn offen auszusprechen - aber daran ist wiederum das System mit seinen Zwängen und impliziten Denkverboten schuld. Es bleibt, sich heranzubilden. Nicht nur marxistisch, sondern vor allem auch stalinistisch.

Aber auch Nietzsche sollten wir studieren und nicht wie in der DDR als bedenklich, da angeblich den Faschismus vorbereitend, zurückweisen. Ich beginne mich zu fragen, ob nicht der Untergang der DDR mit genau diesen Borniertheiten der Kulturpolitik zu tun hatte. Dass sich zahlreiche Schriftsteller stundenlang über die Frage unterhalten, ob man nun Samuel Beckett's "Warten auf Godot" in der DDR verbieten sollte oder doch eher erlauben und hoffen, dass sich der darin enthaltene Defätismus nicht auf die Gesellschaft auswirkt (siehe Hacks: Marxistische Hinsichten), zeigt einerseits, dass im Sozialismus die Kunst noch was zählt und ernst genommen wird, also auch als potentieller Feind des Staates begriffen wird, was sie nur ehrt und ihren Rang erhebt. Andererseits wirken solche Debatten zusehends kindisch und es wird so nur der Eindruck erzeugt, in dem verbotenen Werk liege ein geheimer Schatz an mystischen Wahrheiten, welche die Regierung ganz für sich haben möchte und dem Volk vorenthielte. Kurzum befördern solche Debatten also noch die innere Aushöhlung der sozialistischen Ideologie und lassen es so erscheinen, als gäbe es außerhalb der Grenzen des sozialistischen Vaterlandes eine unglaubliche, immense Freiheit, ein Reich der multiplen Optionen, wo Milch und Honig nicht nur fließen, sondern sich von selbst aufs Brot schmieren.

Die Dialektik im Akt des Verbietens sollte also nicht übersehen werden, so viel darf man schon erwarten zumindest vom marxistisch fundierten Staate. (Das gilt, wie wir in #100 sehen werden, insbesondere für den Drogenkonsum. Auch hier wird das Phantasma des unbändigen, transgressiven Genießens erst durch die rigide Prohibitionspolitik seit Beginn des 20. Jahrhunderts erzeugt.)

Das System, in dem wir leben, kann gesprengt werden, wenn wir erstmal die individuellen Fesseln sprengen und Sex nicht mehr als das ganz eigene, uns gehörende begreifen, das uns glücklich und ganz machen soll, sondern als ein Lust-Zusammenhang, der alle Gesellschafts-Mitglieder umfasst, auch und gerade die Schichten, die alleingelassen und hoffnungslos sind.

Deren Leid und Verzweiflung ist präsent auf Schritt und Tritt und auch die glücklich Verliebte kann sich von der sie umgebenden sozialen Realität nicht frei machen, sondern empfindet jedes einzelne Gefühl in diesem Moment nur deshalb, weil sie die Gesellschaft so geformt hat, dies und das zu empfinden, kultivieren, jenes abzulehnen und eben ein paar Dinge für wahr und unumstößlich zu halten. So entsteht der Verstand und unser Wahrnehmen der Welt, das aber weder objektiv noch subjektiv ist sondern eine sich ergebende Wechselfülle von Wirkungen der Gesellschaft ("soziales Netz") auf uns und den Rückwirkungen unserer Reaktionen darauf wiederum, die affirmieren oder negieren, was sie als Gesellschaftsrealität reinbekommen.

Samuel Becketts Werke, die ich nicht kenne und die vermutlich auch nicht interessant sind, enthalten aber doch diesen Grundton der Verzweiflung, Klage und Vergeblichkeit. Das finde ich ein sehr schönes Programm, das die heutige Situation der Entfremdung in den Schlafzimmern und der Liebesflauten zum Ausdruck bringen kann. Auch wenn Beckett es vielleicht falsch umsetzte.

Mir ging es aber um Nietzsche, der in jener Beckett-Debatte auch erwähnt wurde. Um zum Ende meiner Gedanken zu kommen: auch Nietzsche hatte Probleme mit den Frauen und man muss ja gar nicht seine private Lebensgeschichte zurate ziehen, um das zu vermuten, ein Blick in seine Philosophie genügt vollauf. Sein Fehler lag darin, dass er es ablehnte, die Gesellschaft für individuelle Probleme und Leiden verantwortlich zu machen und zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Stattdessen wollte er nur freie Geister züchten, die irgendwie den autoritären Zwängen der neuen ungeistigen Zeiten des aufkommenden Kapitalismus widerstehen, was selbstverständlich nicht geht oder nicht reicht. Wie Georges Bataille schreibt, liegt aber im Kampf des Proletariats gegen die Unterdrücker und Herren über die Produktivkräfte ein Heroismus, dem man sich schwer entziehen kann, der einen ergreift schier wider Willen.

So ist mein Programm, zu versuchen, die Produktivkräfte als sexuelle Produktivkräfte zu begreifen und die herrschende Klasse als jene, welche über die Liebestheorien herrscht und uns einredet, es könne keine polygame Gemeinschaft der Liebesteilung geben, alles müsse weiter privat organisiert und festgezurrt sein in monogamen Beziehungen und darin stattfindende "Seitensprünge" seien eben auf die moralischen Verfehlungen und Unvollkommenheiten der Individuen zurückzuführen, und nicht etwa auf ein System, das sie regelrecht dazu drängt und animiert, im Verbotenen des außerehelichen Geschlechtsverkehrs (oder außerhalb der festen Beziehung stattfindenden) die mystische, ganz andersartige Substanz zu erblicken.

Hier setzt wieder mein Begriff der Dialektik ein. So wie bei staatlichen Literatur-Vorgaben (oder deren Ausbleiben im Westen, was zu Verödung und Verblödung unterm pluralistischen Schwall der Publikationen führt), Verbot und Stigmatisierung von Drogenkonsum oder dem geschlechtlichen Begehren, überall ist das soziale Netz des Genießens im Spiel, überall genießen wir nur so und auf genau diese Weise, weil andere auf andere und ebenso bestimmte Weise genießen, die wir vielleicht ablehnen, kritisch sehen oder bewundern. So will sich unser Geschmack immer demjenigen Geschmack unserer Freunde anpassen, der uns erlaubt, uns mit ihnen zu verständigen und als Teil einer Gruppe zu fühlen, wie Robert Pfaller hellsichtig analysiert (Zweite Welten, letzter Teil).

Auf der anderen Seite des verabscheuten Objekts (Drogen, polygame Liebe,…) steht die Alterität, das ganz Andere, das Jenseits des Acheron könnte man mit Bezug zu Hacks' Gedicht "Die Elbe" aus #94 sagen.

Diesen Begriff verbinde ich vor allem mit Simone de Beauvoir und ihrem Buch "Das andere Geschlecht". Die Frau ist das grundlegend Andere, nicht nur für den Mann sondern für die Gesellschaft als gesamte, die ja auf dem Bild des Mannes als Normalität aufgebaut ist. So genießt der Mann in der Liebe gleichsam, in der Frau das Jenseitige, das vollkommen entgegengesetzte Prinzip zu sich selbst, die Alterität zu erkennen. Er glaubt, so schlecht, schlicht und getrieben zu sein, dass ihn nur die Frau retten kann. Was wiederum der Mann für die Frau darstellt, ist mir ein Rätsel und würde ich gerne aus weiblicher Quelle erfahren. Bleiben wir aber beim Begriff der Alterität und stellen fest, dass nur in der Revolution als dem Denken des grundsätzlich Anderen sich unser Drang nach Andersartigkeit wirklich entfalten und erschöpfen kann. Die Jagd nach der dunklen Substanz hier, diesseits des Umsturzes, ist auf allen Feldern zum Scheitern verurteilt. Aus dieser deprimierenden Ausganslage sollte sich die nötige Kraft und Motivation gewinnen lassen für den kommenden Umsturz.

Als Geleitwort lasst mich nur noch anfügen, dass meiner Einschätzung nach die zwei Ideale "Freiheit" und "Gleichheit" aus der heroischen Zeit der französischen Revolution verbraucht sind und nicht direkt wieder beschworen werden können, ohne dass man sich in die Kämpfe des letzten Jahrhunderts verstrickt. Umso glänzender brilliert daher der dritte Wert, die "Brüderlichkeit". Machen wir uns auf zur neuen Zeit der Brüder- und Schwesterlichkeit, die zwar nicht alle Individuen gleich oder frei macht, aber alle diesen fundamentalen Daseinszug spüren lässt, ihre Einordnung ins soziale Geflecht, die Tatsache, dass wir alle menschliche Brüder und Schwestern sind.

Hier noch ein lesenswerter Artikel zur Sexarbeit in Österreich

Und zuletzt noch ein kleiner poetischer Versuch, den ich letztens verfasste:

O Geliebte
Ich bin dir bös
Stets wendetest den Blick von mir
Unglaubend meinen begehrenden Liebespfeilen

Warum könnte ich nicht lieben?
Du schienst mir vorzuwerfen
Zu stille sei ich einem Ozean verwandt
Und stille begegnest du mir
In mein Herz deine grünen Augen gebrannt
Verwandt… mit dir
Oh weh, die ehelichen Bande,
Die elterlichen Sanktionen
Die Traditionen, obskuren Institutionen
Machen mich müde und meinen Mut verschlissen
Nie mehr möcht ich lieben,
Wenn das das Ziel sein soll.
Bürgerliche Lügen, Vorwände, Täuschungen
Man sitzt da und sagt: ich lieb nur noch dich
Doch beim nächsten Sturm, beim nächsten
Flatternden Herz wankt das Gemüt
Die Zweifel schäumen wie das Meer
Und du glaubst, untreu zu sein nur im Denken
So will ich nicht leben.

Wenn ein schöner Apfel mich reizt, will ich ihn plücken
Monogame Beziehung soll mich nicht hemmen
Deren Glück wäre reine Illusion, für mich nicht zu stemmen
Mich zu belügen, ich tats
Glaubte an die eine Liebe, die eine Freude
Mit dieser Frau
Und jetzt bezahle ich schwer
Zahle meine Schulden ab
Bald schon ruft das Schuldgefängnis


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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