Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

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Enrique Vila-Matas: Bartleby und Co.

Ludo Martens' Stalin-Buch

Meinen eigenen Text über Griechenland findet ihr in den Shownotes unter Folge 70 auf der Webseite dieses einzigartigen Tischlein, deck dich!-Podcasts.

Diese Website ist sozusagen 'Social Nidia' für mich, eine Sphäre, in der ich geschützt und sicher bin und wohin ihr gerne auch kommen dürft, um mir zuzuhören und eure Kommentare dazulassen.

Kurz einige literarische Querverweise:

Yanis Varoufakis' Bücher waren Grundlage meiner historisch-politischen Analyse, insbesondere 'And the weak suffer what they must?' (deutsch 'Das Euro-Paradox). Lest Varoufakis! Peace! (Anspielung auf den Aufwachenpodcast-Spender, der jahrelang diese Aufforderung in den Verwendungszweck packte)

Die Schwachen müssen eben ertragen, was sie von den Starken aufgebürdet bekommen. Daran gibt es nichts zu ändern, höchstens garniert man noch schön oben drauf den Überbau mit ein paar humanistischen Floskeln, die Menschenrechte, das Völkerrecht, jaja, aber sicher doch, dafür stehen wir, aber wir können ja auch nicht ganz auf unsere brachiale Stärke verzichten, welche uns die Magie des Kapitals zuteil werden lässt. Tja, Pech gehabt, jetzt müssen wir um jeden Preis die schwächeren Länder daran hindern, aufzusteigen und in eine Position zu kommen, wo sie uns auf Augenhöhe begegnen könnten, eigene Forderungen stellen und sich unseren Plänen entziehen könnten.

Das ist die zynische Logik, an der die Staaten des globalen Nordens immer weiter festhalten werden, wenn man ihrer Gewalt keine Gegengewalt entgegenstellt. Das wird aber nicht gehen, solange die Geschichtsbücher und bürgerlichen Historiker sich weiter daran berauschen, den Kommunismus als das größte Übel des 20. Jahrhunderts abzustempeln und den Imperialismus unserer verachtenswerten westlichen Welt als eventuell bedauerlichen, aber wohl leider alternativlosen Endzustand der menschlichen Entwicklung darzustellen. Daher ist es sehr wichtig, die Geschichte der sozialistischen Länder genau zu studieren und zu analysieren, inwiefern die Pläne, Konzepte und Politiken der wenigen revolutionären kommunistischen Parteien des 20. Jahrhunderts, die tatsächlich in eine Machtposition gelangten, auch heute noch gute Anleitungen und Bauteile für unsere heutigen politischen Kämpfe enthielten. Hierbei sich nicht vom verlogenen Diskurs des westlichen Humanismus irritieren zu lassen, ist unmöglich, aber deshalb muss man solche Bücher wie von Martens oder Varoufakis lesen.

Die heutigen demokratischen Humanisten werden nicht müde, jeden einzelnen Mauertoten der DDR zu beweinen und die (in Teilen sicherlich realen) Exzesse der politischen Säuberungen von Partei und Militär in der Sowjetunion der 30er Jahre zu beklagen. Mit dem immensen emotionalen Gewicht dieses lächerlichen, revisionistischen Geschichtsbildes bewaffnet, schicken sie sich an, heutige revolutionäre Bestrebungen zu diskreditieren, Vertreter sozialistischer Ideen zu stigmatisieren und somit die weltweite Verknechtung, Enthirnung und Erniedrigung des Großteils der Menschheit weiter zu rechtfertigen.

Das ist natürlich schade, dagegen muss etwas getan werden. Allerdings ergibt sich in Fragen der Geschichte immer das Problem, dass wir nie so genau Bescheid wissen können, was denn nun "wirklich" vorgefallen ist: Zeugnisse aus Dokumenten oder von Zeitzeugen sind lückenhaft, jeder historisch interessierte Mensch ist bereits voreingenommen durch seine politische Konditionierung. Hier bricht sich das Problem des "Fake" also in seiner reinsten Gestalt Bahn.

Der gewaltigste Fake der bürgerlichen Geschichtsschreibung ist die Beschreibung des Stalinismus als einer brutalen, unmenschlichen Herrschaftsform. Im Einklang mit der antikommunistischen Propaganda der bürgerlichen Staaten in den 1920er und 30er Jahren sowie der dann einsetzenden faschistischen Hetze gegen den Kommunismus muss die heutige Geschichtsschreibung dieses Stalin-Bild also weiter hochhalten, auf dass niemand es wage, an Revolution auch nur zu denken. Die niedergeworfenen Völker des Globalen Südens sind somit effektiv ihrer schärfsten Waffe beraubt. Der revolutionäre Marxismus ist nur noch ein Skelett, wenn man seine Verwirklichung durch die Bolschewiki abzieht.

"Es muss wohl so sein", denken sich also die Unterdrückten der Erde, "besser, wir fügen uns und gehorchen den Regeln und dem Diskurs des Nordens. Vielleicht fällt dann ja doch auch mal was für uns ab…"

Durch diesen Trick haben die imperialistischen Staaten ihre Opfer also dazu gebracht, die Wurzel ihrer Misere bei sich selbst zu sehen und zu glauben, die materielle Überlegenheit des Westens ergäbe sich nunmal aus einer überlegenen geistig-moralischen Haltung.

Die von Varoufakis zitierte antike griechische Weisheit behält also auch heute noch ihre Gültigkeit: "The strong do what they can and the weak suffer what they must." (der melische Dialog von Thukydides)

Lassen wir aber die Politik hinter uns und kommen wir zur Philosophie, die streng getrennt ist von der Wissenschaft (und die Wissenschaften erst einordnet, ihnen einen Platz zuweist und sie nutzbar macht) und für die somit die Fragen von "Fake" oder Wahrheit eine weniger peinliche, etwas offenere Note besitzen.

Hier meine Wahrheit: Robert Pfaller's 'Wofür es sich zu leben lohnt' ist ein Buch, für das es sich zu leben lohnt… es sind diese kleinen Glücksmomente, wenn ein philosophisches Konzept Konturen annimmt und man zu verstehen beginnt, welch subtile Botschaft der Philosoph in seine Zeilen gesteckt hat, diese Perlen, die das Grau des Einheitsalltags zerreißen und unsere erstarrte Seele bearbeiten wie eine Axt das vereiste Meer (Anspielung auf Franz Kafkas Zitat:"Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns").

Ich kann euch nur empfehlen, es zu lesen, denn ein solides Grundverständnis von Pfaller wird für die weiteren Tischlein, deck dich - Vorlesungen vorausgesetzt.

Aber auch wenn euch das zu viel ist und ihr zu faul seid, lade ich euch herzlich ein, weiter teilzunehmen am esoterischen Austausch der Podcastenergie zwischen Hörer und Sprecher-

Denn es ist wahr: es sind zu viele Theorie-Berge und Philosophie-Brocken, die vor uns aufgetürmt werden, uns einschüchtern und disziplinieren sollen, uns von dort bedrohen, von der Riege der akademischen Wissenschaftsverwaltung.

Dort ist man gelehrt, und empört sich gern über Nebenbuhler, die kein akademisches Renommé hätten (siehe Jung & Naiv mit dem akademischen Philosophen Daniel-Pascal Zorn, der sich einbildet, sein universitäres Prestige erhebe ihn über den zigfach bekannteren Richard David Precht).

So ist es überall das Gleiche: die zwei Brüder zanken um ein Spielzeug, Länder zanken um Einflussgebiete und Schriftsteller um Anerkennung unter ihresgleichen, ebenso wie Wissenschaftler und Philosophen.

Es ist alles so einfach! Diesen emblematischen Satz werde ich die nächsten Folgen über noch einige Male anführen, ihr solltet ihn euch einprägen und schon vorsorglich seine simplizistische Stoßrichtung kritisch hinterfragen.

Aber was kann ich machen, ich bin gefangen in meiner männlichen Position, finde Freude daran, einfach meine Kraft rauszulassen wie ein Stier und nicht groß an die Konsequenzen meines Tobens zu denken. Bald schon werden die nächsten Rasereien beginnen und mit Folge 80 geht es auch mit dem Klimathema weiter, nachdem ich mich in den folgenden Episoden bis Nr. 79 etwas vergaloppieren werde und überallhin ausschere.

Bis dahin verbleibe ich euer wild galoppierender Podcaststier.


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Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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