Rimbaud, Das poetische Werk, Matthes und Seitz, Schreckschräubchen
Dr- Mohamed Abdel Aziz,
Reise durch die Welt der arabischen Poesie, Band IV, Pausenapfel
Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Von den drei Bösen
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Liebe Leute,
Die letzte Folge war ja wild. Generell gab es viele Aufs und Abs in meinem Podcastleben. Herr Rohrbiss ist ja nur eine Fiktion, eine Persona, so wie auch Lana del Rey eine Maske ist, hinter der sich die bürgerliche Person Elizabeth Grant verbirgt. Aber wer kann schon sagen, was Schein und was Wahrheit ist? Wenn man so in seiner Rolle aufgeht wie Lana und als Person, die Kunst macht, als Kunstfigur also, etwas so Eigentümliches, Unverwechselbares und Charakteristisches darstellt wie sie, dann fühlt man dieses glanzvolle Kunstleben vielleicht als das eigentliche Leben, als das wirkliche Sein, neben dem die bürgerliche Existenz nur eine schale Maske der nützlichen Belanglosigkeit ist. Ich weiß es nicht und möchte keinesfalls andeuten, mich mit solchen weit entwickelten Künstlerpersönlichkeiten vergleichen zu können.
Meine Gedanken sind auf eine abschüssige Bahn geraten, ohnehin kann man im Leben ja selten steuern und rollt meistens grad so dahin, wie man angeschubst wurde.
Da muss man schon hart kämpfen, um überhaupt mal eine eigene Entscheidung zu treffen, neben den hundert fremden, denen man sich anpasst und fügt und sie assimiliert und bald als die eigenen ausgibt.
Jedenfalls werde ich jetzt nach Marokko reisen; nicht nach Argentinien, wie manche naseweise Hörer vielleicht schon mutmaßen mochten nach der letzten Folge.
Vor einer halben Stunde checkte ich in ein Hotel am Frankfurter Flughafen ein, von wo aus morgen früh zu unchristlicher Stunde mein Flugzeug abheben und den Bug Richtung Süden ausrichten wird.
Was ich mir von dieser Reise verspreche? Das ist ganz klar und steht für mich außer Frage; es ist dies das Einzige, was überhaupt zählt im Leben und ich habe mir vorgenommen, mir mit dieser Reise eine spirituelle Erfahrung zu schaffen, die mich emporkatapultieren wird in unerhörte Höhen der Erleuchtung. Und zwar möchte ich mir einfach antrainieren, mal ein bisschen ausdauernder zu sein wenn es daran geht, Blickkontakt zu halten oder aufzunehmen. Wie oft sehe ich im Alltag eine interessante Person - vorzugsweise eine Frau, sodass die erotische Komponente noch hinzukommt und die Neugier anstachelt - und schaffe es doch nicht, sie so anzublicken, wie ich es mir eigentlich wünsche. Wäre das nicht eine Grenzüberschreitung, eine Verletzung von Normen und Geboten? So mag man sich fragen; aber all diese Zweifel sind nur Rationalisierungen für die Feigheit. Somit bleibt als Ziel, gerade und ungeniert zu schauen, wenn auch nicht zu starren. Aber es wird ja wohl noch nicht verboten sein, mal genauer hinzuschauen und einen zweiten Blick zu wagen, wenn einem gewisse Merkmale und Eigenheiten auffallen, herausstechen und gar gefallen an einer wahrgenommenen anderen Person.
Damit ist der Rahmen klar skizziert. Ob ich neben diesem eigentlichen Anspruch und Gipfelziel auf der Reise auch noch Zeit haben werde, zu podcasten? Ich weiß es nicht, aber liebe Leute, macht ihr doch derweil Podcasts; vor allem euch Arbeiter in den Saftläden, Cafés oder Supermärkten und Bäckereien fordere ich auf, eure Talente zum Sprechen oder zu was auch immer zu entdecken und zu realisieren. Wenn man nicht gefordert wird, schrammt man dran vorbei, weil da nämlich gar kein Ziel ist, daher fordere ich euch ja und bekräftige mit klarer Stimme, dass, sollten aus den Kreisen meiner Hörer und Leser tatsächlich solche proletarischen Podcasts entstehen, ich mir diese gern und geduldig anhören würde.
Die heute gesendete Folge ist die letzte, die ich noch auf Lager hatte, somit halte ich endlich mal wieder nichts zurück, meine Hinterhand ist leer und ich erwarte euer Urteil oder eure Reaktionen.
Man stellt sich das Große immer als viel zu groß vor, dabei wäre doch schon