Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#14 Gibt es ein Leben vor dem Tod?

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Die Sorge wegen dem Klimawandel zieht die jungen Menschen in Massen hinaus auf die Straße um gegen die schamlose Verschleppungstaktik der Bundesregierung zu protestieren.
Eine starkes Motiv der Klimaaktivisten ist die Hoffnung, auch in Zukunft noch einen bewohnbaren Planeten vorzufinden und unser Überleben zu sichern.

Mit dem antiken Philosophen Juvenal möchte ich hier die Frage aufwerfen, ob uns trotz der drohenden Klimakatastrophe unser Leben hier und heute nicht wichtiger sein sollte als das reine Überleben. Die Frage, ob es ein Leben vor dem Tod gibt, ist ernster als sie auf den ersten Blick scheint. Wofür leben wir gerne, was macht diese Welt so großartig?
Wenn wir diesen Fragen ausweichen wollen, dann verweisen wir gern auf ein Jüngstes Gericht in irgendeiner Form, wir leben im Glauben an das bessere Leben, das hinterher kommt.

Die philosophische Haltung des Materialismus lehrt uns seit der Antike, dass die Dinge schlimmer sind. Nicht nur gibt es womöglich gar kein Leben nach dem Tod; in unserer unerbittlichen Hetzjagd nach der Sicherung unseres menschlichen Überlebens auf diesem Planeten verderben wir uns womöglich schon das Leben hier und heute, weil wir nichts mehr ohne Hintergedanken an die Klima- und Umweltzerstörung genießen können.

Meine Haltung zu Fridays For Future ist sehr positiv und ich war beeindruckt von Leonie Bremer bei ihrem Auftritt im Aufwachenpodcast 419. Daher musste ich mich näher mit ihrer Arbeit in der FFF-Bewegung auseinandersetzen und habe eine Funk-Reportage angeschaut.

Ich hoffe, es wird in der Folge deutlich, wie viel Liebe und Unterstützung ich dieser Bewegung entgegenbringe, und dass meine kritischen Töne nur Anregungen sind, um weiter und radikaler zu denken.

Trotz dieser aussichtslosen Lage, in die wir uns als Menschheit da manövriert haben, gibt es noch Hoffnung, zumindest so lange es Menschen wie Leonie gibt, die sich nicht einfach mit einer privaten Meinung zur Politik begnügen, sondern ihre Position in die Gesellschaft hinaustragen und dort gegen alle Widerstände vertreten.

Wie Leonie mit Blick auf ihre Arbeit als Aktivistin sagt: "Ich finde es nicht schlimm, wenn man dann länger für das Studium braucht, weil man die Klimapolitik als Priorität im Leben sieht und die mal ein bisschen voranbringen will."

Anarchismus, Sozialismus, Veganismus, all das sind leere Labels, die wir uns anheften um zu verschleiern, wie wirkungslos das bloße Meinen ist.
Indem ich mich als Sozialist bezeichne, trage ich exakt nichts zu einer Veränderung der Politik bei, im Gegenteil, diese wird durch solche zahnlose Systemkritik nur in ihrer Behäbigkeit bestärkt. Es ist alles so schlimm, ja, aber wie es besser ginge, wissen wir auch nicht.
"Aktivismus" ist ein merkwürdiger Begriff, der sich scheinbar nahtlos in die Reihe der leeren Ismen einfügen lässt.
Ich behaupte, der Begriff Aktivismus sprengt die Kette der leeren Meinungslabels, denn er soll ein Verhalten, das eine echte Bedrohung für das Funktionieren des Systems darstellt, normalisieren und wieder in unsere Konsensordnung einfügen.
Aktivismus ist der Name für das Grauen, das die Eliten beim Gedanken ergreift, dass es hier jemand nicht mehr bei ironischen Seitenhieben auf die Politiker belässt sondern für echte Veränderungen in der Gesellschaf kämpft.
Wer bereit ist, so weit zu gehen und trotz der scheinbaren Handlungsunfähigkeit der Politik (There is no alternative - Margaret Thatcher) auf die Straße geht und versucht, den Diskurs zu verändern, der handelt heroisch.
Der Glaube an die eigene Erkenntnisfähigkeit trotz aller Schlechtigkeit in der Welt wird von den Klimaaktivisten perfekt verkörpert und wir sollten diesen Impuls auch auf andere Politikfelder übertragen.

#12 Comandante El Gucce

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Ein letztes Bündel Informationen flackert auf im Weltall, dann verglüht die Erde. So könnte Michel Houellebecqs düstere Vision unserer Zukunft beschrieben werden. Er kritisiert unsere Wahrnehmung der Welt und von uns selbst als informationsfixiert. Den Zugang zum Sein haben wir verloren, es fehlt uns jeder Glaube an etwas Höheres als uns selbst.
Ein Ausweg aus dieser Sackgasse könnte der Moment des Innehaltens sein, so wie wir ihn gerade durch Corona gezwungenermaßen erleben.

#11 Guter Trump, böser Trump

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Die Philosophie Friedrich Nietzsches bietet abgründige Erkenntnisse über die heutigen Zustände.
Allerdings muss ich hier einen Fehler einräumen: das Wort "Herrenmenschen" ist ein Begriff der Nazi-Ideologie, den Nietzsche nicht benutzt hat und ich hätte meinen launigen Versprecher dazu besser einordnen müssen.
Aber gerade diese Gefährlichkeit, in falsche Gewässer zu geraten, macht Nietzsches Reiz auch aus.

#10 Manchmal ein großes Verlangen...

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Die Jubiläumsfolge von Tischlein deck dich (Nummer 3 wird irgendwann noch nachgeliefert) und im Zentrum steht das dunkle Begehren, sich von einer imposanten Person begeistern zu lassen. Donald Trump, der grandiose Showman, hat es noch einmal allen gezeigt, die dachten, jetzt hätten ihn die Wähler ja aber wohl wirklich »durchschaut«. Woher kommt das Begehren, ihn zu wählen?
Trump hat eine sehr beruhigende Funktion. Seine Impulse treiben ihn immer weiter, vorhersehbar und doch witzig und fast heroisch. Ein Staat braucht an der Spitze nichts mehr als einen solchen inhaltslosen Agitator.
Wir leben in der Postmoderne, das heißt, jeder von uns ist eine einzigartige Schneeflocke und bringt seine ganz persönliche, unersetzliche Perspektive ein.
Daher kann es konsequenterweise nicht die eine Wahrheit geben, sondern nur unendlich interagierende, in sich verschränkte Sichtweisen. Die Hoffnung, ein universelles Kriterium wie Vernunft oder Sachlichkeit könnte unser politisches Handeln leiten, ist in dieser Situation kategorisch zum Scheitern verurteilt. Es kann nicht die eine Vernunft geben, wenn es Milliarden Schneeflocken mit ihrer eigenen subjektiven Auffassung von Vernunft gibt. Aus diesem Grund sind alle Verurteilungen Trumps als dreister Lügner, Nichtsnutz, Betrüger etc. im besten Fall naiv. Eher schon deutet sich hier eine Realitätsverweigerung an, wenn nämlich angenommen wird, Trump sei die Ursache, nicht die Wirkung dieser postmodernen Ausweglosigkeit, und mit ihm würden sicherlich auch die bösen Fake News und Verschwörungstheorien verschwinden.
Unsere Kultur hat die Fähigkeit zum Humor, zum darüber-hinweg-blicken verloren.
Daran konnte auch Trump nichts ändern, doch zumindest hat er die Absurdität der gesellschaftlichen Widersprüche auf offener Bühne präsentiert, sogar im Weißen Haus selbst hielt nun verschwörungstheoretisches Denken Einzug.
Es gibt die Dimensionen A und B, denn so wie in No Agenda ausgeführt, haben sich die politischen Universen nach 2016 gesplittet. Keine kann die Sichtweise der anderen einnehmen, und so sollte es auch sein, statt diese Kluft hinter einem »seriösen«, »rationalen« Politiker wie Obama zu verstecken.
Denn die Form des Sprechens über Politik ist das Problem, nicht der Klimawandel oder ein unberechenbarer Präsident. Solange die Medienberichte so verlogen und selbstbezüglich bleiben wie jetzt, lohnt es kaum noch, ernsthaft politische Sachthemen anzugehen. Wir sollten uns stattdessen zurücklehnen und genau nachdenken.
Es liegt ja nichts daran, dass jetzt genau das richtige politische Programm im Weißen Haus umgesetzt wird; die Sonne geht auch so jeden Tag auf und mir reicht Trumps bloße Präsenz und Gravitas, um mich an seinem Anblick zu freuen.
Mit Nietzsche möchte ich diesen Anblick einfach einen kurzen Moment genießen:
"Aber von Zeit zu Zeit gönnt mir – gesetzt, daß es himmlische Gönnerinnen gibt, jenseits von Gut und Böse – einen Blick, gönnt mir einen Blick nur auf etwas Vollkommnes, zu-Ende-Geratenes, Glückliches, Mächtiges, Triumphierendes, an dem es noch etwas zu fürchten gibt! Auf einen Menschen, der den Menschen rechtfertigt, auf einen komplementären und erlösenden Glücksfall des Menschen, um deswillen man den Glauben an den Menschen festhalten darf!" (Zur Genealogie der Moral)
Viel Spaß mit der Folge...

#9 Geschlecht und Schicksal

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Diese Folge ist nichts für schwache Mägen und zarte Nerven. Ich hoffe ihr habt gut gefrühstückt bevor ihr diese Folge hört, denn wer die Behauptungen Weiningers verdauen will, braucht eine solide Grundlage. Hier müssen wir alle unsere physischen Kräfte anspannen, nur dann kann auch der geistige Inhalt von Zizeks genialen Interpretationen einverleibt werden. Der Geist gleicht am ehesten noch einem Magen, sagte schon Nietzsche und er sollte recht behalten: diese Folge wird den ein oder anderen Magen revoltieren lassen aufgrund des offensichtlichen Sexismus und der schonungslosen Vulgarität.
Aber es bringt nichts, vor unserem Schicksal davonzulaufen; die Sexualität durchdringt uns bis in die tiefsten Schichten und daher müssen wir sie genauer untersuchen. Hier genau hinzuschauen, das muss die Aufgabe des Philosophen im 21. Jahrhundert sein.

#8 Der gordische Liebesknoten

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"Dieser Welt mangelt es an vielem, außer an zusätzlichen Informationen."
Ich lese aus Michel Houellebecq's Roman "Die Ausweitung der Kampfzone".
Die Sehnsucht nach Liebe senkt ihre Wurzeln in ganz erstaunliche Tiefen. Der Mensch wartet auf sie, auch wenn er von Enttäuschungen zermürbt ist und realistisch gesehen längst alle Hoffnung hätte aufgeben sollen.
Woher das Begehren durchsickert, ist nicht zu sagen. Feststellen lässt sich zum Glück immerhin, dass die Liebe existiert, da man ihre Wirkungen beobachten kann.

Folgendes Gedicht lese ich am Anfang vor:

Die reglosen Momente, die man fast verstohlen erlebt,
Und die kleinen Tode, kleinen Autodafés;
Es ging auf zwei Uhr und in der Stadt war es heiß,
Es wimmelte von Bustiers an den Tischen vor den Cafés

Und alles machte sich zur Fortpflanzung bereit:
Menschliche Verhaltensweisen, gebleckte Zähne, gezwungenes Lachen
Die fortwährende Unmöglichkeit zu handeln
Bruchstücke des Lebens, eträumt, doch bald schon wieder uninteressant.

Die Menschen liefen zwischen den Mauern der Stadt hin und her:
Fluten auf dem Boulevard, tragbare Telefone;
Sorge, ob die Verbindung steht, feindseliger Einsatz des Blicks:
Alles funktioniert, alles kreist, und meine Nerven liegen blank.

#7 Kommst du noch mit auf einen Tee?

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Heute meinen wir, alles sei Information und es käme nur darauf an, möglichst effektiv und präzise zu kommunizieren. Aber trotzdem gibt es fiktive Fragen, wie die Frage "Kommst du noch mit auf einen Tee?" zweier möglichen Liebhaber nach einem angenehm zusammen verbrachten Abend. Jeder weiß, dass es sich um eine fiktive Frage handelt und in Wahrheit ein sexuelles Angebot dahintersteckt, nach diesem schönen Abend nun auch die Nacht im Bett zu teilen. Die Illusion, es ginge wirklich nur um das gemeinsame Genießen eines Heißgetränks muss aufrechterhalten werden, damit die Realität der gemeinsamen Nacht möglich wird.
Dieses Paradox und viele weitere werden uns in diesem Podcast beschäftigen. Wie kann verschweigen in Wirklichkeit offenbaren sein? Und vor allem: kann ein Podcast denn Sünde sein?

#6 Disko und Opernball

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Ich habe seit jeher gefunden, dass wir einander nah sind, wie Früchte von demselben Ast. Diese Angst, die du spürst, ich spüre sie auch.
-Michel Houellebecq

Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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