Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#45 Menschenleben

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Was ist der Wert eines Menschenlebens? Halt, das ist eine verbotene Frage, schreien die Humanisten, der Wert kann nicht beziffert werden und ist folglich unendlich, daher müssen wir auch unendlich hart durchgreifen, um einzelne Todesfälle in einer Pandemie zu verhindern.
Diese naive Sicht geht davon aus, wenn man nur über genügend Rechenleistung verfüge, könne man alle Aspekte des Lebens berechnen. Der Tod ist eine binäre Frage, entweder sterben oder leben. Daher könnten wir die Pandemie auch durch die quantitativen Analysen der Virologen beherrschen.
Ich als materialistischer Metaphysiker gehe aber davon aus, dass sich von den wesentlichen Aspekte des Lebens nur einige Bruchstücke durch wissenschaftliche oder sonstige (poetische, künstlerische) Sprache übermitteln und verstehen lassen. Die Sprache erlaubt uns, ein bisschen an der Oberfläche zu kratzen und die Langeweile, in die uns dieses zwecklose Leben stürzt besser auszuhalten, weil die Aussendung und der Empfang von akustischen Sprachsignalen das Gefühl der Verlorenheit und Einsamkeit zu lindern vermag. Und das ist auch ein gutes Ergebnis und die Beschäftigung mit Wissenschaft ist sicher förderlich für den einzelnen und bringt uns auf lange Sicht voran.

Über den Wert und die Bedeutung von alledem, was wir unter dem Begriff Leben subsumieren, lässt sich auf wissenschaftliche Weise aber sicher keine Aussage treffen. Jeder einzelne kann nur versuchen, sich selbst und seinem Leben Wert zu verleihen, indem er seinen Begierden und Sehnsüchten kompromisslos folgt und sich von alten metaphysischen Wertvorstellungen löst. Entweder wir schmieden selbst neue Werte oder wir werden ewig die Sklaven der alten Wertproduzenten wie Religionen sein und uns noch auf Lange in deren metaphysischen Kämpfen verstricken. Wie ist aber das Verhältnis der heutigen Medizin zur Metaphysik? Laut Giorgio Agamben nimmt sie den Platz der großen Erlöserin ein in diesen nur vordergründig säkularisierten Zeiten.
Ihr Heilsversprechen: das nackte Leben soweit nur irgend möglich zu erhalten und den Tod hinaus zu zögern.
Für mich hat der Erhalt des nackten Lebens keine vorrangige Bedeutung, das kulturelle Leben ist alles.

»Die Medizin, einst angetreten, um Leiden zu lindern, läuft heute Gefahr, noch mehr Leiden zu schaffen.«

Dieser Satz von Giorgio Agamben, italienischer Philosoph, wendet sich gegen die seit knapp zwei Jahren herrschenden Panik-Epidemie, die auf alarmierenden Meldungen fußt und sich auf wahllose Faktenbruchstücke aus der Virologie beruft, ohne den größeren Zusammenhang aus Ökonomie, Soziologie oder gar Psychologie zu berücksichtigen. Wozu an die Wirtschaft denken, wenn es doch in der Virologie so klar und einfach zugeht: so und so viele Tote und hier ist ein Schaubild, das genau beweist und vorhersagt, wie sich die Zahlen entwickeln werden…
Diese Sichtweise verherrlicht die Wissenschaft und erhebt sie zur Heiligen Schrift, aus der wir die richtige Politik nur noch abzulesen hätten.
Das ist allerdings ein fataler Irrglaube und führt uns zurück ins Zeitalter der Mythen, in denen ein Orakel befragt wurde und sein Spruch nicht weiter hinterfragt oder kritisch beleuchtet werden musste, sondern Fakt war. So auch heute unser Umgang mit den von Virologen geäußerten Worten der Weisheit, die von der impliziten Annahme ausgehen, es gelte eine maximale Anzahl an pandemiebedingten Todesfällen zu verhindern. Diese Prämisse ist für einen Wissenschaftler der Virologie angemessen in seiner Arbeit, sie ist aber hinterfragbar und muss im politischen Prozess geprüft werden.
Wenn nun aber die politischen Institutionen, deren wir uns im freien Westen rühmen, seit einigen Jahrzehnten unübersehbar bankrott sind und Politik nur noch im Krisenmodus und Ausnahmezustand bewältigen können, dann muss um der politischen Debatte auszuweichen auf wissenschaftlichen Klärungsbedarf verwiesen werden.

(Der Text geht weiter in den Shownotes unterhalb der Episode wenn man auf das i-Symbol klickt)

#44 El Gran Gatsby

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¿Qué es la ética? En un estado de pandemia como ahora los gobiernos van justificando sus acciones basandose en la ética y en el bien de los ciudadanos. Parece natural asentir al discurso del bien, de que hay que salvar vidas y hacer todo lo posible por apaciguar la situación.
Pero para mí como alemán que siempre razonamos con la culpa y con la catarsis la cosa no es tan fácil. Porque al mismo tiempo que éste discurso de la ética nos quiere convencer de que todo está en orden, lo que se está ocultando es la brutalidad del sistema capitalista en el que vivimos.
Este sistema mata a millones de gente por año que no tendrían que morir (de hambre, de no tener acceso a servicios médicos, de guerras como en Afghanistan que se combaten únicamente por la lógica de nuestro imperialismo occidental y para garantizar a las ganancias de los fabricantes de armas) si llegaríamos a comportarnos de una manera más humana y estableceríamos una economía que satisface las necesidades de los muchos y no solo la codicia de los pocos que ya son super ricos.

Por estas deliberaciones llegué a pensar que hay que liberarse de la moral y de la ética. Aunque obvio uno va siguiendo las normas en la vida cotidiana lo que está bien y no lo quiero rehusar completamente pero sí hay que ser escéptico y tomar sus propias normativas, como por ejemplo en el ámbito del amor.

Para investigar la ética del amor, "El Gran Gatsby", una novela publicada en 1925 en los Estados Unidos, nos puede indicar algunas cositas.
Primero que sí es posible amar a dos personas al mismo tiempo. El deseo es algo salvaje que se apropia de nosotros y nos arrastra sin que nos demos cuenta de que no somos nosotros los que mandamos. Por eso es un poco ingenuo creer que la monogamía tiene que ser la respuesta definitiva para una relación amorosa. Sino es mejor acostumbrarse a la idea de la poligamia y de que uno puede sentir ganas de acostarse con varias personas pero al mismo tiempo también puede perseguir la búsqueda por el gran amor; el amor único que hace que los dos amantes lleguen a mezclarse completamente y a componer un sujeto amoroso unido, es decir los dos individuos se desvanecen y se construye ese nuevo sujeto del amor que incluye una perspectiva compartida hacia la vida, una percepción del mundo en la que está inscrita que somos dos los que lo perciben de tal manera.

Otro pensamiento importante que saqué de esa novela es que uno sí puede agarrarse a sus ilusiones de que podría ser posible revivir el pasado y por ejemplo retomar una relación amorosa como la del Gatsby con Daisy Buchanan que se terminó porque él tuvo que ir a Europa a luchar en la primera guerra mundial.
Años después, Gatsby da fiestas abundantes con la esperanza muy vaga de que una noche Daisy acudiera a una de sus fiestas y podrían reencontrarse los dos amantes perdidos.

Hoy en día diríamos que realmente su comportamiento es un poco insalubre porque se está quedando con esa ficción cuando la mujer querida ya no quiere verlo de nuevo y se casó con otro hombre, Tom Buchanan.
Para amar de una buena manera, la ideología de hoy en día nos dice que hay que ser racional, hay que saber lo que uno quiere y espera del otro. Y por eso está malo derrochar sus energías como lo hace el Gatsby en una imaginación de que se pudiera enganchar de nuevo con lo pasado. Para ser sano supuestamente uno tiene que enfocarse en el presente y buscar el amor allí.

Pero el Gatsby se queda con su castillo en el aire y su destino trágico en esa novela tal vez indica que esa fue su catarsis justificada por su inclinación hacia una perspectiva soñadora y poco realista frente a la vida.

Sin embargo yo no veo la cosa así y digo con toda franqueza que también soy soñador y no me conformo con el statu quo, ni en la política ni en el amor.

Usé demasiado el pretérito imperfecto ("hablaba" en vez de "habló") que no se debería usar en tantos casos pero en el caso de la luz verde que el Gatsby miraba estuvo buenísimo y expresó

#42 Te quiero

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Heute lese ich weiter in Alain Badious "Lob der Liebe". Folgendes Zitat, das ich schon in #41 vorgelesen habe, schwirrte mir dieser Tage durch den Kopf:
"Warum sagt man so oft: "Ich werde dich immer lieben"? Die Moralisten haben sich darüber natürlich oft lustig gemacht und gesagt, dass das in Wirklichkeit nie wahr ist. Erst einmal stimmt es nicht, dass das nie wahr ist. Es gibt Leute, die sich immer lieben und zwar viel mehr, als man glaubt oder sagt."
Es scheint also so zu sein, dass sich Menschen zwar enorm intensiv und lange lieben, es aber schwierig ist, diese Liebe in Worte zu fassen.
Ein "Ich liebe dich" kündigt Badiou zufolge immer ein "Ich liebe dich für immer" an. Denn durch diese simple Aussage soll der Zufall der Begegnung in die Ewigkeit getragen werden. Irgendwie muss das kontingente Element des Aufeinandertreffens fixiert werden. Der Mensch möchte dem Zauber und Glanz der frühen Phase einer Liebe Dauer und Hartnäckigkeit verleihen. Es soll nicht bloß ein vorüberziehendes Flackern gewesen sein, ein Aufleuchten, ein Blitz, der bald ausgeleuchtet hat, sondern etwas anderes. Und dieses andere deutet auf die Ewigkeit, selbst wenn man nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt und dem Materialismus anhängt. Die Liebe ist ein Denken, das aus dem Hin-und-Her (spanisch vaivén) unserer Welterfahrung eine Dauer und Einheit machen will, die auf die Ewigkeit zielt.

Die Liebeserklärung scheint eine notwendige Etappe jeder Liebe zu sein. In ihr wird bekundet, dass für mich etwas passiert ist, das eine neue Perspektive der Zwei auf die Welt eröffnet hat und dass ich darüber nicht hinweg gehen kann und der geliebten Person meine Gefühle und Intentionen mitteilen muss.

"Die Verwandtschaft von Gedicht und Liebeserklärung ist weithin bekannt. In beiden Fällen bürdet man der Sprache ein enormes Risiko auf. Es geht darum, ein Wort auszusprechen, dessen Wirkungen im Dasein praktisch unendlich sein können. Das ist auch das Begehren des Gedichts. Die einfachsten Wörter laden sich dadurch mit einer fast unerträglichen Intensität auf. Seine Liebe erklären bedeutet, vom Bedeutungsereignis zum Anfang einer Wahrheitskonstruktion überzugehen. Es bedeutet, den Zufall der Begegnung in der Form eines Anfangs zu fixieren."

#41 ¡Ay!

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Lob der Liebe

Alain Badiou verteidigt die Liebe gegen das Sicherheitsdenken und den Skepizismus, die sie bedrohen. Die Liebe zu verteidigen ist ein philosophisches Unterfangen. Tinder und Co. wollen uns einimpfen, die Liebe sei ohne Risiko zu haben und rational kalkulierbar, aber die Liebe ohne Risiko ist ebenso eine Lüge wie der "Krieg ohne Tote".
Durch eine gute Ich-Psychologie, die streng nutzenorientiert, utilitaristisch vorgeht und den individuellen Profit sucht, kann man das Risiko auf das Gegenüber abwälzen, dann muss eben der Andere leiden, weil er nicht modern genug ist. Genauso wie wir das Kriegsrisiko auf die Afghanen abgewälzt haben.

Die andere Bedrohung, welche Badiou ausmacht, ist das liebesskeptische Komfortdenken, das uns aufruft, unverfroren zur Tat zu schreiten und zu genießen, ohne sich mit der schwierigeren Erfahrung der Liebe aufzuhalten und ohne zu glauben, es entspränge eine Verpflichtung aus dem gemeinsamen Erlebnis der geteilten Sexuallust, ein Wahrheitsprozess, durch welchen dem nackten, unhinnehmbaren Zufall der ersten Begegnung eine Dauer verliehen werden soll.
Dieses Unterfangen, dem kontingenten Beginn eine Dauer zu verleihen, würde meiner Ansicht nach bedeuten, dass der Moment der Begegnung aufgewertet würde zum PUNKT, der unserem Leben eine Wendung, eine Topografie verleiht, sodass wir rückblickend erkennen, am entscheidenden Kreuzungspunkt gestanden zu haben, als wir die geliebte Person trafen - auf der Arbeit, an der Uni, etc.

Badiou will die Liebe verteidigen, aber auch neu erfinden wie Rimbaud es forderte und bringt dafür das Abenteuer und das lustvolle Risiko in Stellung. Diesbezüglich habe ich mich in Folge 42, die auch schon aufgenommen ist, inspirieren lassen und eine Liebeserklärung exponiert, ohne sicher sein zu können, dass Reziprozität vorhanden wäre. Das ist meine Form der Liebe, die träumerische, verschwendende Verausgabung, die der Höflichkeit nahekommt, weil es ja auch einfach ein Akt der Höflichkeit gegenüber den Mitmenschen ist, offen für die Liebe zu sein falls jemand einen lieben wollte.

Folgenden Ausschnitt aus dem Interview fand ich besonders berührend, es handelt sich um ein Zitat von André Gorz aus "Brief an D. Geschichte einer Liebe":

"Du wirst zweiundachtzig. Du bist sechs Zentimeter kleiner geworden, du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo und immer noch bist du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe dich mehr denn je. Wieder trage ich eine verzehrende Leere in meiner Brust, die einzig die Wärme deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag."

#40 Agalma

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Los primeros 24 minutos están en castellano y me dio muchísima gana hablar ese lenguaje hermoso. Aunque en realidad exageré cuando dije que era una persona muy mala, ahí estábamos en el ámbito de la cómica digamos; pero hablando del amor uno nunca puede completamente distinguir lo cómico y lo serio/trágico.
Ésto lo aprendí de Pláton en su obra "El simposio" que vamos a seguir leyendo cuando haya acabado con el pequeño libro de Badiou sobre el amor. Lo que dice Badiou en su "Elogio del amor" está también muy conmoviente y lo pueden escuchar en los episodios 41 y 42. Vuelvo al castellano en el principio del número 42 con un discurso que también es un poco inusitado y fuera de lugar...
En el 41 lamentablemente no hablé español. Si no quieren escuchar las partes en alemán si no lo entienden usen las marcas de capítulos que son como capítulos del podcast donde ven cuando empieza las partes en español y en alemán.

Was kann ich sagen? Die Folge spricht für sich selbst, denke ich.
Benutzt die Kapitelmarken, dann seht ihr genau, wo eine Stelle auf Spanisch anfängt und aufhört, falls ihr die Sprache nicht könnt und den Teil überspringen wollt. Heute fange ich bei Minute 24 auf Deutsch an.

Um die Folge zu verstehen, ist ein Ausspruch von Jacques Lacan hilfreich: "Es wird nicht jeder verrückt, der es werden will."

Durch die Folge ist mir klar geworden, dass ich in mir vielleicht einfach dieses Bedürfnis habe, verrückt zu werden, aber es fehlt dazu wohl die Anlage. Das ist ein sehr wichtiger Punkt von Lacan. Zu definieren, was Verrücktheit (Wahnsinn, Psychose) ist, fällt nicht so leicht, wie man denken könnte. Ein normatives Bild des "Normalen" voranzustellen, führt in die Irre. Das führt zu ebenjenem pathologischen sozialen Gefügigkeit und Anpassung, die ich in #39 geißelte und gegen die einen die Lacan-Lektüre immunisieren kann. Jedenfalls scheint mir diese Selbstanalyse hier im Podcast weiterhin ganz befreiend, auch wenn leider noch die Deutung durch euch, meine Hörer*innen fehlt.

#39 La Concha

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Cada vez voy hablando un poco más en castellano para acercarme a la meta de un podcast entero en español. Estás son las partes en castellano hoy:
- 00:00 hast 04:00
- 53:50 hasta 1:04:40 (con clips del podcast argentino "La Concha")
- 2:32:28 hasta el fin

También pueden encontrar eso en las marcas de capítulo (abajo del player en el browser o en sus Apps de podcasts) en que permiten saltar de una parte a otra.

Heute im Programm: freie Assoziation abwechselnd auf Spanisch und Deutsch.

Tod und Liebe stehen in einem engen Verhältnis. Der Moment der Zeugung kann genauso abstoßend und vulgär sein durch das Hervortreten der rohen organischen Materie wie der Moment des Sterbens und Verwesens.

In der Mitte des Podcasts bei etwa 01:10:00h lese ich drei Gedichte des andalusischen Dichters Federico García Lorca vor, in denen vor allem der Tod, die Verzweiflung und Einsamkeit besungen werden. Scheinbar haben diese Gedichte nichts mit der Liebe zu tun, für mich sind sie dennoch der Schlüssel dazu. Denn wie die "abwesende Seele" besungen zu werden wünscht sich vielleicht jeder Mensch von seinem Liebhaber erkannt und gelobt zu werden. Lorca schrieb dieses Gedicht in Erinnerung an seinen Freund, den Stierkämpfer Ignácio Sánchez Mejías, der beim Stierkampf umkam.
Auch ich sehne mich weiterhin nach meiner wahren Hälfte und kann nicht anders als tief getroffen von Lorcas Worten weiter zu podcasten, um für irgendjemanden diesen besonderen, klaren Geist darzustellen, der von Lorca besungen wird und der ein Unikat ist: "Es wird lange dauern, bis ein so luzider Andalusier erneut geboren wird, wenn überhaupt".
Das Gedicht gibt uns heute auch eine traurigen Blick auf Lorcas eigenen Tod im Spanischen Bürgerkrieg, ermordet von den Falangisten (Faschisten) bei Viznar mit vielen anderen zusammen und "vergessen in einem Haufen verendeter Hunde".

Alma ausente

No te conoce el toro ni la higuera,
ni caballos ni hormigas de tu casa.
No te conoce el niño ni la tarde
porque te has muerto para siempre.

No te conoce el lomo de la piedra,
ni el raso negro donde te destrozas.
No te conoce tu recuerdo mudo
porque te has muerto para siempre.

El otoño vendrá con caracolas,
uva de niebla y montes agrupados,
pero nadie querrá mirar tus ojos
porque te has muerto para siempre.

Porque te has muerto para siempre,
como todos los muertos de la Tierra,
como todos los muertos que se olvidan
en un montón de perros apagados.

No te conoce nadie. No. Pero yo te canto.
Yo canto para luego tu perfil y tu gracia.
La madurez insigne de tu conocimiento.
Tu apetencia de muerte y el gusto de su boca.
La tristeza que tuvo tu valiente alegría.

Tardará mucho tiempo en nacer, si es que nace,
un andaluz tan claro, tan rico de aventura.
Yo canto su elegancia con palabras que gimen
y recuerdo una brisa triste por los olivos

Abwesende Seele

Nicht kennen dich Stier und nicht Feigbaum, nicht Rosse, nicht Emsen deines Hauses.
Nicht der Nachmittag kennt dich, das Kind nicht, denn gestorben bist du für immer.
Nicht kennt dich der Rücken des Steines, nicht der schwarze Atlas, darin du zerfällst. Nicht kennt dich dein stummes Erinnern, denn gestorben bist du für immer.
Der Herbst wird kommen mit Muscheln, mit Nebeltraube, sich scharenden Bergen, doch niemand will sehn deine Augen, denn gestorben bist du für immer.
Denn gestorben bist du für immer, wie alle Toten der Erde,
wie alle Toten - vergessen
in einem Haufen verendeter Hunde.
Dich kennt niemand. Nein. Doch ich sing dich.
Ich sing dein Profil, deine Anmut, für später.
Die bedeutende Reife deiner Erkenntnis.
Deine Sehnsucht nach Tod, der Geschmack seines Mundes. Die Melancholie deiner tapferen Freude.
Lang wird es dauern bis zur Geburt, wird je er geboren, eines Andalusiers, so lauter, an Abenteuer so reich.
Seine Feinheit sing ich mit Worten, die seufzen,
und gedenk einer traurigen Brise in den Oliven.

#38 Zybele

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Heute geht es schwungvoll weiter, nachdem die letzte Episode mich ganz schön erhitzt hat.
Zunächst blicke ich noch einmal auf Rimbauds Gedicht "Sonne & Fleisch" zurück.
Folgender Abschnitt daraus ist mir wichtig:

"- Und dieser FEtisch, dem du soviel Unschuld verliehen,
der unsern lehm vergöttern sollte,
die FRAU -
damit der MANN seine arme Seele belichten könnte,
um langsam steigend
in unendlicher liebe seinen
irdischen kä/fig zu verlassen &
zur Schönheit=des=Tages
vorzustoßen -"

Die Schönheit des Tages verfolgten also die Menschen der Antike, während wir uns heute nach der ewigen Schönheit der einzigartigen Subjekte, die eine Liebesbindung eingehen, sehnen.

Die Fragen, die sich die Menschheit stellt, sind heute vielleicht immer noch die gleichen wie in der Antike, auch wenn das Leben an Qualität verloren hat, was es durch die Medizin an Quantität (Lebensdauer und Bevölkerung) gewann:

"was erblickt man wenn man
endlos steigt & steigt?
führt ein hirte diese sternherde
durch die schrecken aller räume?"

Sokrates opferte sich dem Ziel einer wissenschaftlichen Erkenntnis, ohne Garantie für den Wahrheitsgehalt seines Sprechens. Er setzte auf die Macht des Diskurses und verwendete das Werkzeug der Sprache, um das Schöne vom Hässlichen, das Wahre vom Unwahren zu trennen. Einzig die diesem Diskurs innewohnende Sicherheit - die Faszinationskraft des Sprechens - dient ihm als Stütze. Der Diskurs muss sich immer wieder neu erzeugen, ohne Rücksicht auf die lebendigen Wesen, die ihn artikulieren. Das menschliche Dasein fällt dem Signifikanten zum Opfer. Das Wort, der Bedeutungsträger, verschlingt dasjenige, was der Mensch darin zu verstecken versuchte. Das natürliche Sein hat der Mensch durch den Eintritt in die Sprache für immer verspielt. Nun muss er sich selbst zum Gott aufschwingen und die Gesetze des Universums setzen. Aber ist er dazu fähig?
Oder lenkt ihn die Bannkraft des wissenschaftlichen Diskurses von der eigentlichen irdischen Macht, der Liebe, ab?
Der Mensch muss so tun, als wisse er Bescheid. Eingegliedert in das moderne Räderwerk der funktional differenzierten Gesellschaft - Recht, Schule, Wirtschaft, Politik, Kunst, etc. funktionieren je unabhängig voneinander - hat er kaum noch eine Chance, zu überleben, ohne dass ihn die Technologie und Gesellschaft nährten.
Diese Ohnmacht gegenüber dem Staat, Konzernen, Ideologien deuten wir uns schnell um und machen daraus das Zeichen größter Freiheit: von antiken Mythen befreit liefern wir uns voll dem Fahrtwind der Wissenschaft aus und glauben, heute seien wir endgültig einige Schritte weiter im Verständnis dessen, was das menschliche Leben bedeuten könnte, als zu allen anderen Zeiten.
Wie Michel Houellebecq es formulierte (vgl. #12) hat sich in unser Hirn die Idee eingebrannt, das Verständnis von "Existenz" verändere sich mit rasender Geschwindigkeit, gar minütlich im Rhytmus der Nachrichtenticker.
Dabei ist doch die Existenz immer noch die gleiche wie vor 2 Jahrtausenden. Der Mensch blüht schnell auf und verwelkt noch schneller, schreibt Rimbaud. Dazwischen macht er sich Gedanken über die Transzendenz - Gott, Moral, einen Lebenszweck - um Schutz zu suchen vor den wilden Begierden und zweideutigen Gelüsten, die ihn beim Verweilen in der materiellen Welt (Immanenz) ergreifen.

Besser, meint Rimbaud, die Liebe wäre noch immer Göttin und der Mensch jagte ihr nach statt der Vernunft:

Der mensch ist könig, der mensch ist gott!
aber die LIEBE: das große ver=sprechen!
ach! besser, der mensch zehrte
noch immer an deiner brustwarze,
königs=mutter aller götter & menschen:
ZYBELE!
besser, er hätte die unsterbliche
ASTARTE
nie verlassen, die vorzeiten
aus der
unendlichen klarheit der blauen fluten stieg
blume des fleisches
von der welle beduftet
und ihren rosen=nabel zeigte
wo der gischt=schnee fällt
und diese göttin mit den großen schwarzen
KRIEGER=augen brachte im baum
die nachtigall & in den herzen
die liebe zum singen!

#37 Sonne & Fleisch

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Heute müssen wir einen kleinen Umweg in unserem Diskurs über die Liebe einschlagen und uns der Poesie zuwenden, insbesondere dem Werk von Arthur Rimbaud (1854-1891).

Was wollte uns Rimbaud sagen? Nichts, denn wenn er etwas sagen hätte wollen, hätte er ein Tonband hinterlassen.

Tauchen wir also ein in den über-sinnlichen Fluss seines Textkörpers und geben wir uns seiner Sprachgewalt hin, die eine rhytmische Trance erzeugt.

Ich interpretiere das Gedicht "Sonne & Fleisch" als einen verzweifelten Schluchzer, der den verflossenen Zeiten der Antike nachtrauert, als den Menschen noch ein ungehemmterer Zugang zur Sexualität möglich war.
Rimbaud schreibt: "Ich sehne mich nach den Zeiten antiker Frische, nach geilen Satyrn und tierischen Faunen, nach Göttern, die - vor Liebe rasend - in die Baumrinden bissen".

Die Fantasieprodukte der griechischen Mythologie sind keineswegs alberne Märchen ohne Bedeutung sondern erfüllten eine tragende Funktion für die Gesellschaft, die so ihren Individuen den Zugang zur eigenen Lust ermöglichte. Die Lust ist etwas, was vom Menschen als schmutzig erfahren wird, daher braucht er das Gerüst der Gesellschaft, um sie zu bejahen und sein Begehren zu verfolgen.

Im heutigen Liberalismus, der von der naiven Prämisse ausgeht, jede Schneeflocke sei ihrer eigenen Lust Schmied und müsse sich nur ins Private zurückziehen, wo sie ihre ganz befreite, individuelle Privatmarotte ausleben könne, haben wir leider keine solchen Vorbilder aus der Mythologie mehr. Folglich mangelt es an allen Ecken und Enden in unserer mentalen Triebökonomie. Wir sind, wie Robert Pfaller treffend schreibt "oversexed and underfucked".
Einem ständigen Strom der grellen Sexualität aus Medien, Internet etc ausgeliefert, finden wir den Zugang zur Lust nicht mehr und bleiben lieber allein und unbeschmutzt von der zwiespältigen Sphäre des Sexuellen.
"Das Grelle hat die Funktion, eine vernünftige Beleuchtung zu verhindern" schreibt Pfaller sehr hellsichtig.
Durch die grellen Eindrücke aus Pornos und das exzessive Gebaren der Popstars können wir keinen angemessenen Blick mehr auf unsere eigenen Möglichkeiten der Triebbefriedigung lenken sondern werden von dieser zeitgenössischen, narzisstischen Kultur frigide und neurotisch gemacht.

Aber die "fleischliche Lust", wie das Christentum formuliert, ist doch etwas Wunderbares, zu deren Erfüllung es gar nicht so viel braucht. Nur ein wenig Offenheit für die Chance und für das gewagte Spiel, das sich zwischen zwei liebenden Wesen entfalten kann.

"Hunger" heißt das zweite Gedicht von Rimbaud, das ich vorlese. Es ist eine einzigartige Mischung von Poesie und Prosa und enthält laut den Herausgebern den Bauplan für eine "objektive" Poesie der Zukunft, die sich vom Subjekt abwendet, das wir heutzutage so heilig halten.
Ein kleiner Auszug aus "Hunger":

Sie hat uns wieder.
Wer? - Die Unendlichkeit.
Das Meer, das mit
der Sonne kreist.

Mein grenzenloses Herz!
Leb deinen Traum,
trotz einsamer Nacht
und brennender Tage.

Geschmeichel der Menschen
Gemeiner Drang
Die Stricke reißen,
Du fliegst dich frei...

Auch ich habe mich beim Sprechen freigeflogen hoffe ich und gehe meinen Weg, ohne auf das Geschmeichel der Menschen zu hören.
Zum Abschluss lese ich noch etwas von Georges Bataille, dem französischen Philosophen, der 1945 sein Werk "Nietzsche und der Wille zur Chance" vorlegte. Darin geht es um den Schmutz, die Besudelung, den sich der Mensch beim Sexualakt zuzieht.
Dieser Schmutz lässt sich nicht ganz tilgen, aber vielleicht kann er sublimiert werden, sodass durch das Schmutzige und Obszöne der nackten Körper die höhere Dimension der spirituellen Vereinigung zweier Wesen hindurch scheint.

#36 Würdest du heute mit mir ausgehen?

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Wo waren wir stehen geblieben? Richtig, bei Platons Gastmahl und heute lese ich die Rede des Aristophanes über die Herkunft der menschlichen Wesen.

"Ich glaub, ich mag die Art
Deswegen hab ich sie gefragt
Würdest du heute mit mir ausgehen?"

Diese Verse singt Henning May von AnnenMayKantereit heute zur Einstimmung. Sie sind eine gute Grundlage für das Spiel der Liebespraxis, in das man nur mit Überwindung und Mut eintreten kann.

Ich von meiner Seite kann aber weiterhin nur Liebestheorie liefern und so befassen wir uns mit dem platonischen Text, der folgenden interessanten Mythos enthält:
Die Menschen waren urpsrünglich kugelrund und hatten vier Arme, vier Augen etc. und kugelten sich herum wie wenn man Räder schlägt. Doch da sie Zeus zu stark erschienen, spaltete er sie entzwei, sodass sie zerschnitten waren und dadurch nicht mehr so frevelhaft. Nach einigen anatomischen Anpassungen, die Apollon, der Gott der Heilkunst, vornahm, konnten die Menschen wieder einigermaßen normal leben. Doch nun sehnten sie sich nach ihrer verlorenen Hälfte und umklammerten blind jede andere Hälfte, die sie fanden. Doch wenn sich zufällig einmal die zwei ursprünglichen Hälften trafen, konnte die ewige Liebe entstehen und sie wollten nicht mehr voneinander lassen:

"Und – wenn zu ihnen, – während sie dasselbe Lager teilten, Hephaistos mit seinen Werkzeugen hinanträte und sie fragte: »Was wollt ihr Leute denn eigentlich von einander?« und, wenn sie es ihm dann nicht zu sagen vermöchten, sie von neuem fragte: »Ist es das etwa, was ihr wünscht, möglichst an demselben Orte mit einander zu sein und euch Tag und Nacht nicht von einander zu trennen? Denn wenn es euch hiernach verlangt, so will ich euch in eins verschmelzen und zusammenschweißen, so daß ihr aus zweien einer werdet und euer ganzes Leben als wie ein Einziger gemeinsam verlebt, und, wenn ihr sterbt, auch euer Tod ein gemeinschaftlicher sei, und ihr dann wiederum auch dort im Hades einer statt zweier seid. Darum seht zu, ob dies euer Begehr ist, und ob dies euch befriedigen würde, wenn ihr es erlangtet«"
Aristophanes behauptet, dem würden alle Menschen zustimmen.

Die Kreisform ist vollkommen und das Universum muss auf Basis der Kreisform funktionieren, dachten die antiken Gelehrten. Heute wissen wir dank Kepler, dass sich die Planeten auf Ellipsen bewegen. Für das ptolemäische Weltbild mit der Erde im Mittelpunkt haben wir nur ein müdes Lächeln übrig.

Der Kreis bzw. die Kugel bildet in Platons Text eindeutig eine Metapher für die Verschmelzung der geliebten Wesen zu einem wieder zusammengefügten Ganzen, das für sich vollkommen und glücklich ist.
Könnte es sein, dass die kommenden Generationen auf unsere Zeit mit derselben Verwunderung zurückblicken werden wie wir auf die Griechen mit ihrer Astronomie, und sich wundern, wie wir Heutigen die Liebe für eine solch vollkommene, unabänderliche, harmonische Idee halten konnten?
Ich glaube ja. Die Liebe als ewige Idee ist gar nicht mal so schön, sondern schön sind die Menschen, zu denen man Liebe empfinden kann. Allerdings hat uns die Sehnsucht nach der Verschmelzung vielleicht paralysiert, sodass man nicht den kleinsten Schritt wagen kann in Richtung eines Anderen, der einem zufällig begegnen könnte, wenn man offen für die Chance der Liebe ist.
Denn Aristophanes bringt auf den Punkt, was wir Modernen fühlen: es muss die eine, singuläre Person sein, für die wir alle anderen vergessen können, weil sie die "wahre Hälfte" ist, diejenige, mit der wir ursprünglich zusammen eine Kugel bildeten.
Daher ist es Zeit, nochmals hinter Platon zurückzugehen und zu durchdenken, ob seine Lobhudeleien auf die Liebe nicht eher ironisch gemeint waren. Eventuell lässt sich die Liebe eher als eine Seuche beschreiben, eine Krankheit, ein Drang, sich zu überschreiten und in den Armen des Geliebten zu verlieren. Das Begehren ist kein Gutes, sagt Lacan, und warum sollte es das auch sein? Vielleicht gibt es darin eine negative, dunkle Lust...

#35 Lisa

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"Das was wir Gesicht nennen, eignet keinem Tier sondern nur dem Menschen und drückt seinen Charakter aus" (Cicero)

Heute geht es endlich weiter mit Tischlein, deck dich! Auf verschlungenen Wegen nähern wir uns gmeinsam Platons Text "Das Gastmahl" sowie Jacques Lacans Seminar "Die Übertragung", in dem Lacan Platons Text auf seine einzigartige Weise interpretiert.

Wie weit sind wir heute eigentlich, an welchem Punkt stehen wir? Ja, der Triumphzug der Wissenschaft lässt sich nicht leugnen, die Medizin erlaubt uns modernen Menschen, den Horizont des Todes ganz auszublenden und den Tod zu einer Frage der Technologie zu machen.
Die Ausbildung des logos (Sprache), des wissenschaftlichen Diskurses, hat in unserer Zeit eine gefährliche Schlagseite in Richtung der Naturwissenschaft bekommen, wir vertrauen der Physik blind, ohne zuerst zu fragen, wofür wir ihre Ergebnisse brauchen und welches Leben wir uns wünschen, ein Leben, dem die Wissenschaft dann zu dienen hätte. Stattdessen passen wir unsere Lebensführung an den momentanen Stand der Technik an.
Der naturwissenschaftliche Fortschritt geht also leider nicht Hand in Hand mit dem Fortschritt des philosophischen Nachdenkens über das Leben. So würde ich behaupten, dass wir heute noch nicht einmal so weit sind, die Genialität des platonischen Werks auch nur annähernd zu begreifen, geschweige denn ihm eine ebenbürtige Philosophie zur Seite zu stellen. Letztlich scheint der Spruch von Alfred North Whitehead richtig, dass die gesamte abendländische Philosophie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht.
Daher nähern wir uns seinem Universum und dem Universum von Sokrates, der Platons Lehrmeister war.
Der Liebesgott Eros soll im "Gastmahl" gelobt und die Wirkungen der Liebe beschrieben werden. Aber wer könnte über dieses allzu ernste Thema reden ohne ein wenig abzuschweifen und witzige Anekdoten einzuflechten? Mein Anspruch ist es, die Liebe von ihrem Sockel zu holen, auf den wir moderne Menschen sie gestellt haben. Wie Lacan sagt, machen diese Leute, die verliebt sind, einen merkwürdig ernsten Eindruck. Aber das muss nicht sein, ich rufe zur fröhlichen Liebe auf, zur augenblickshaften Aufwallung der pathetischen Gefühle, die eben nicht gerechtfertigt und begründet werden muss durch eine höhere Idee der "Liebe". Die Seele ist auch gar nicht so schön (wie in #23 gesagt), bleiben wir daher mal in der materiellen Welt, die doch eigentlich für alle Menschen die Ressourcen bereitstellt, um ein erfülltes Leben zu führen. Hierfür wäre freilich erstmal eine kommunistische Überwindung der herrschenden Zustände vonnöten. Um Politik soll es heute aber nicht gehen, Lacans Psychoanalyse bleibt unpolitisch und kann uns helfen, auch hier im falschen Leben die richtige Liebe zu finden.

Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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