Ja, meine lieben Schäfchen. Hier beglücke ich euch mit Folge 102 von meinem Tischlein, deck dich – Podcast.
Der Tisch ist mir sehr wichtig, sowie uns allen. Was auf ihn kommt, bestimmt, wie wir uns fühlen. Nicht nur die erlesenen Speisen und saftigen Leckerbissen, sondern auch die guten Bücher finden dort ihren Platz und wollen von uns begutachtet werden.
Hierbei ist ein materialistisches Vorgehen unabdingbar, wer die guten Stücke und materialisierten Glücksversprechen nicht würdigt, kann kein Revolutionär sein, der den Volksmassen den Zugang zu bisher elitären klassistischen Zirkeln vorbehaltenen Genüssen zu bahnen gewillt ist.
Mag es sich nun bei diesen glücksverheißenden Dingen um materielle Objekte wie Drogen, Kulturprodukte wie Lieder, Bücher usw. handeln oder andererseits (aber warum andererseits?) um ideelle Objekte wie die abstrakte Idee des Reisens oder der Liebe.
All diese Dinge sind schwer, es ist schwer, sie sich anzueignen, weil sie etwas Wertvolles sind. Wie nun schaffen wir eine Grundlage des ökonomischen, sozialen Zusammenlebens, in welcher derjenige, der reist, seine Reise unbeschwert genießen und das Fremde würdigen kann und sich nicht aus Ansicht der in anderen weniger begünstigen Ländern herrschenden Verhältnisse übergeben möchte? Wie vermeiden wir, dass der Reisende nicht aus Ekel ganz handzahm und gefügsam genüber dem Regime daheim an den Tag zu legen insufliert bekommt mittels ideologisch-materieller Herrschaft der Bourgeoisie über das Weltgefüge?
Wie die Ungleichheiten vermindern, abschwächen, ins richtige produktive Verhältnis umleiten, sodass jede und jeder dort produzieren kann, wo ihr oder sein Talent liegt?
Ebenso soll der Lesende seine Lektüre genießen können und nicht anhand der wie etwa von Marx beschriebenen Kapitalverbrechen vor Zorn erbeben müssen oder vor sich vor Ekel krümmen über die in der schönen Literatur dargestellte moralische Verkommenheit, Degeneration und Heuchelei der bürgerlichen Gesellschaften, wie es für ihre Zeiten etwa Flaubert in Frankreich, Roberto Arlt oder Júlio Cortázar in Argentinien, Roberto Bolaño für Chile und Mexiko, Theodor Fontane in Deutschland und viele weitere zu einem wie auch immer gearteten Realismus, einer künstlerischen Wiedergabe der realen sozialen Lebensverhältnisse neigenden Schriftsteller taten.
Aber vielleicht ist ja auch genau das der Sinn des ganzen ökonomischen Spiels. Die Verleger haben die Hoheit über die Produktionsmittel, ihnen kommt es gelegen, wenn der Leser beim Lesen erzittert und sich wonnevoll räkelt und weiter fleißig Bücher kauft, statt zu versuchen, die beschriebenen Fehler und Widersprüche der Gesellschaft durch revolutionäres politisches Handeln zu beseitigen. So ist es wohl, denn die Zweifelnden und Zaudernden werden stets in der Mehrzahl sein. Nur zu gut kenne ich an mir selbst die Trägheit und Hemmnis, noch den einfachsten naheliegendsten Akt zu vollziehen, den man sich vorgenommen hatte.
So wird es logischerweise fürs Gesellschaftsganze noch viel schwieriger sein, Verkrustungen und eingespielte Gepflogenheiten zu überwinden. Hier ist viel ideologische Arbeit notwendig, die nach erfolgter Revolution von postrevolutionären Künstlern wie etwa Hacks in der DDR geleistet wird.
Ein halbwegs gut geschriebenes Buch ist schon die Revolution für die heutigen geistigen Verhältnisse. Wer diese ideelle Arbeit leistet, der wird auch materielle Früchte ernten, die aber sozialistische sein müssen, da sie sonst ungenießbar sind.
So ist der Dichter genauso willkommen wie der Macher, Organisierer oder Handwerker, alle zusammen müssen wir den Weg zum Kommunismus beschreiten, die gesittete Gesellschaft konstruieren.
Hiermit sind wir am Ende angelangt, es gibt nicht mehr zu tun, als zur Tat zu schreiten. In keinem Augenblick zweifelnd, sich seiner Absichten und Pläne bewusst und vertrauensvoll.
Der Artikel worin Thomas Fischer die „Identitäre Schnapsdebatte“ kommentiert. (https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/cannabis-legalisierung-recht-auf-rausch-kommentar-a-b34b491a-f754-4e8e-b9ee-d6c4cb03294d )
Ein Lied, das mir letztens erst von Youtube vorgeschlagen wurde, trifft den Grundton der letzten beiden Episoden ganz gut: [Alles wird gut – Kummer] (https://www.youtube.com/watch?v=e3qLmEfjXfs )
Ja, letztlich kann ich nur sagen, weinerlich und stolz drauf zu sein.
Dies kann vielleicht auch ein fruchtbarer Ansatz für ein neues Ideal von Männlichkeit sein.
Liebe Arbeiterklasse, liebe Parteifreunde, liebes Volk
Heute wende ich mich in privater Mission an euch, meine Öffentlichkeit, die mir dabei hilft, meine inneren Kämpfe verständlich zu machen und in kommunizierbare Formen zu übersetzen.
Ohne euch wäre dieser Podcast unmöglich. Eure treue Hörarbeit ist die Grundlage meiner immer neuen Lust am Sprechen. Mögt ihr bislang auch träge und verschüchtert geblieben sein, indem ihr meine herzlichen Einladungen zum fröhlichen Kommentieren und Weiterführen der ideologischen Grabenkämpfe in den Kommentarspalten permanent ignoriert und nonchalant überhört.
Diese Tatsache aber ist erklärbar, denn Kommunikation ist schwierig und wird immer schwieriger im gegenwärtigen reaktionären politischen Umfeld.
In diesem nämlich existiert der Große Andere, in Gestalt des liberalen, autonomen, selbstbewussten Marktteilnehmers, unser ideelles Double, das uns bedrängt und vorhält, was man noch alles aus der Biografie hätte machen und herausholen können, wenn man nur verstände, die eigene Freiheit auf produktive, effiziente Weise zu nutzen.
„Der Große Andere existiert nicht“, so lehrt hingegen Slavoj Zizek, der mich stark beeinflusst, auch wenn ich in letzter Zeit kaum noch auf seine Texte zurückgriff, die dessenungeachtet ihre Arbeit in mir vollzogen und zuweilen im geistigen Magen rumoren.
„Die Frage, die dieser Podcast zu klären versucht, ist, ob der Große Andere existiert“, so beschrieb ich schon früh in den 20er Folgen irgendwann die historische Mission meines Podcasts.
Nun bin ich weit gekommen, muss aber konstatieren, bei der Beantwortung dieser Frage gefährlich nahe an die Klippen der Idee geraten zu sein, mein Podcast stelle diesen großen Anderen für mich da, hierin könne ich ganz ich sein und er bzw. das Publikum nehme mich sicherlich ganz getreu und wahrheitsgemäß auf. Aber was solls, vielleicht ist diese Idee doch nicht so weitab.
Der Begriff der sozialen Normativität wirft ein erhellendes Licht auf die Transitivität der menschlichen Handlungen, Motive und Selbstauffassungen: diese gehen von einem auf den anderen Menschen über, ohne dass sich die Individuen überhaupt darüber bewusst sein müssen, dass sie in einem sozialen Zusammenhang genießen, handeln, ihre Anschauungen gleichsam als Antwort auf die zurschaugestellten Anschauungen des Anderen, des Gegenübers, Freundes, Konkurrenten, Mitmenschen entwickeln.
So wie Eva Illouz diesen Begriff verwendet (das genaue Zitat konnte ich leider noch nicht finden), beschreibt sie, inwiefern man sich nach einer Liebesbeziehung sehnt, weil man andere dabei beobachtet, wie sie die Liebe leben und dabei glücklich und zufrieden scheinen. Es geht darum, diese anderen so wahrzunehmen, dass es sie zugleich befriedigt und ihnen wichtig ist, etwa eine Liebesbeziehung zu führen, oder dies auf eine bestimmte Weise zu tun.
Der Schmerz, der entsteht, wenn wir in einer Liebesbeziehung Enttäuschung und Scheitern erleben, rührt daher, dass wir das Verhalten der anderen so beurteilen, dass es diesen scheinbar leichter fällt, das Ziel der Liebe zu erreichen und dass ihnen dies für ihr Leben ungemein wichtig ist.
Auf diese Weise also schafft das Soziale, der Raum, in dem wir anderen begegnen und Ähnlichkeiten sowie Unterschiede wahrnehmen, die Kategorie der Normativität.
Wenn man also heutzutage über die Massenmedien mit erotisierenden Werbeclips, sowie pseudotherapeutischen Tips zu Sexualität, Verführung, Romantik bombardiert werden, fühlt man sich leicht mal „oversexed“, was an sich noch kein Problem darstellen würde, käme nicht die andere Seite der Medaille hinzu, nämlich das materielle Fehlen von körperlicher Liebe, Zärtlichkeit und psychischer Intimität mit einem realen Geliebten im Schlafzimmer – mithin die Pauperisierung breiter Bevölkerungsschichten, was sich in dem Attribut „underfucked“ ausdrückt.
Auf das Feld der Drogen (im erweiterten Sinne: Konsummittel) übertragen, bedeutet dies, dass allein die massenmediale Stilisierung von Drogen zum Signum
Peter Hacks: Marxistische Hinsichten
„Die wissenschaftliche Gesellschaft und ihr Herr Nachbar"
Versuch über C.M. Wielands Politische Schriften
Das Volk stört
Marlon Grohn: Kommunismus für Erwachsene
Ja, liebe Leute. Mit atemberaubender Wucht rasen wir auf die Hundert zu. Hier gibts nicht mehr viel zu sagen, nur noch zu genießen. Wundert euch nicht, dass es oftmals ein bisschen hoch her geht oder ich auch „polemische“, „hasserfüllte“ Abschnitte einschiebe. Unter Bolschewiken ist ein rauer Umgangston normal, wir sind am möglichst raschen Umsturz interessiert, nicht am höflichen Debattieren und Argumentieren.
Stalin zu rechtfertigen und den Begriff des Stalinismus zu erklären, bleibt eine der wichtigsten und dringlichsten Aufgaben heute. Ohne diesen Begriff können wir keine Revolution machen, müssen also gar nicht erst anfangen zu denken. Entweder man versuchts oder man lässt es. Aber sich auf den Geschichtsfälschungen der Faschisten, Imperialisten und Trotzkisten auszuruhen, wird sicher keine systemdestabilisierende Wirkung entfalten und jeden revolutionären Versuch scheitern lassen.
Man stelle sich vor, wir haben Erfolg mit der Revolution und dann wirft uns jemand an den Kopf: „Das ist aber stalinistisch!“ Was dann? Wenn wir die bürgerliche begriffslose Moral akzeptieren und wirklich glauben, hinter dem Schleier des leeren Signifikanten „Stalinismus“ verberge sich etwas Unrechtmäßiges, Mörderisches, Beklagenswertes, dann können wir an der Stelle schon einpacken. Selbstverständlich wird jede Revolution ihren Gegnern genau diesen Anlass bereiten, die Stalinismuskeule auszupacken, daher ist es im Vorfeld schon mal angebracht, diese genauer zu untersuchen und die grundrichtigen, objektiv begründeten Politiken des Stalinismus als das zu erkennen, was sie der historischen Wirklichkeit nach sind: die Kraft des Fortschritts, der entschlossene Weg zum Aufbau des Sozialismus ohne Rücksicht auf dessen Feinde und Bedenkenträger.
Michel Houellebecq: Die Ausweitung der Kampfzone – genau darum muss es heutzutage gehen und darum ist Houellebecqs Buch so wichtig, so schmerzhaft es auch sein mag. Es geht um die Verlagerung der Kampfzone in unserem Innern, wo der uns durch liberale Paradigmen auferlegte Kampf des Individuums um Selbstbehauptung in einer sich verdüsternden Welt tobt hin nach außen, ins Objektive, Gesellschaftliche. Dort muss der innere Schmerz hingetragen werden, die Verzweiflung auf andere übertragen werden, um die Bewusstseine zu spalten und diejenigen herauszusieben, die zum Umsturz befähigt sind.
Versuch über den Medienmenschen Homo mediarum
Hacks: Marxistische Hinsichten
Hinter dem Schleier der Medienmaja hört, was ist, zu sein auf. Die Dinge verlieren ihre stoffliche Beschaffenheit.
Aber es ist nicht das Nichts, was sich hinter dem Schleier versteckt, dahinter wird weiterhin die Welt versteckt gehalten. Die Medien haben einen Inhalt und ein Ziel. Die Gesamtheit ihrer Botschaften ist angeleitet und dient einem Interesse.
Die Große Lüge besagt, dass es mit dem Zustand der Gesellschaft seine Richtigkeit und seine Unabänderlichkeit habe. Das ist ein so irrsinniger Satz, dass er anders, als auf dem Umweg über die Medien, sich nicht sagen ließe.
(Paraphrasiert aus dem Gedächtnis)
Ja, liebe Leute. Diese Folge sticht hervor. Falls ihr keine Zeit habt, so viele Episoden zu hören, empfehle ich euch diese. Hier stelle ich eine Liste der besten vergangenen und kommenden Folgen auf
100 Köstlicher Balsam – Drogen, Liebe, Sex
96 Medien-Maja – Hacks: Ästhetik, Medien
89 Nuancen-Fieselei – Hacks: BRD, DDR
79 Affection – Cortazar: Rayuela
76 Home Run – 2. Weltkrieg
69 Der Heilige Revolutionäre Bund – Natur, Klima, Revolution
67 Der lange Hebel des Kapitals – Witz und Weltgesetz, Welttragik
65 Gut gepampert – Alternde Gesellschaft, altbackene Politik
59 Iguazu, Misiones – Gesundheit, Schuld, Globalismus
39 La Concha – Liebe, soziale Hemmung
14 Gibt es ein Leben vor dem Tod? Klima
9 Geschlecht und Schicksal – Geschlechterverhältnisse
6 Disko und Opernball – Ich habe seit jeher gefunden, dass wir einander nah sind, wie Früchte von demselben Ast. Diese Angst, die du spürst, ich spüre sie auch.
-Michel Houellebecq