Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#95 Grassierende Sexualarmut

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Peter Hacks: Diesem Vaterland nicht meine Knochen

Am Scheideweg



Wenn Liebe mir am Leben zehrt,
Lieb ich doch immer fleißig.
Undeutlich ist des Lebens Wert.
Den der Liebe weiß ich.
Ich hab geackert vierzig Jahr,
Es ward mir bös gedankt.
Nun soll es sein die Nachwelt gar,
Die sehr nach mir verlangt.


Die Nachwelt rollt an mir vorbei
In weiß und rosa Kissen.
Da hab ich den Verdacht, als sei
Sie heute schon beschissen.
Mein Denkmal auf der Hacksallee,
Von Zukunfts-Volk umwühlt -
Wenn ich diese Kinder seh,
Schwant mir, was es fühlt.

Ich lieb nicht schlechter, als ich schreib,
Bin ja dasselbe Wesen.
Der Unter- wie der Oberleib
Hat seinen Marx gelesen.
Und wann ich den Entschluss gefasst?
Mein Engel, als ich fand,
Wie gut du mich begriffen hast
Mit deiner Engelshand.

#93 Coronologie

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Freedom of speech won’t feed my children

"Es ist immer dasselbe begriffslose Gejammer, immer soll an gesellschaftlichen Verheerungen die Technik oder Kunst schuld sein, nie die Gesellschaft."

Hass von oben, Hass von unten

"Und der unsterbliche Pöbel zeugt den unsterblichen Hass"
Fritz Mauthner, Hypatia

Diesen Satz stellt Marlon Grohn dem Unterkapital "Linker und rechter Hass" auf Seite 78 Kapitel seines Buchs voran. Er deutet für mich die organische Beschaffenheit der Gesellschaft an, die Abhängigkeit aller Individuen von den sie umgebenden und erziehenden Umständen.

#91 Ressentimentgeladen

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"Der westliche Macker" und seine anhängige Theorie kommt heute noch nicht auf den Prüfstand. Das kommt dann nächstes oder übernächstes Mal.

Da ich euch aber einen würdigen Text bieten will, nehmt doch als Editionsnotiz für heute eine burleske und etwas alberne Geschichte aus den Schweizer Bergen.

#90 Die östlichen Macker

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Ja, liebes hörendes und fahrendes Volk, liebe Podcastkonsumenten, die ihr euch meinen sprachlichen Stoff aneignet.

Es geht rasant weiter, daher ein kurzer Blick in mein eigenes Innenleben, ein rasendes Karussell der Seele, die jetzt durch so viele Publikationen und die Verfassung der dazugehörigen Editionsnotizen (Shownotes) in hellen Aufruhr versetzt ist.

Worüber ich dieser Tage am meisten nachdenke, ist das Gefühl des Beherrschtwerdens.

Die Felder stehen im Saft, die Ähren glänzen im fahlen Abendlicht und das satte Grün der Wiesen springt das entzückte Auge wollüstig an.

Und doch, es bleibt ein Zweifel. Was ist dieses Leben?

Beherrschung, Herrschaft und Untertanentum stehen alle in einem Zusammenhang.

#89 Nuancen-Fieselei

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89

„Der nächste Reichskanzler, mag sein Name nun Strauß oder Brandt sein, wird nur noch ein halbierter Tyrann sein.“

So Peter Hacks über die westdeutschen Verhältnisse, in denen er einen Bruch zu Beginn der 60er ausmachte, weil die Bourgeoisie nun alle Schalthebel der Macht in Militär, Geheimdienst und Wirtschaft übernahm. Deutschland war also nicht mehr der politischen Macht seiner obersten offiziösen Repräsentanten unterworfen wie etwa noch zu Zeiten Hitlers. „Ein Hitler ohne Deutschland ist kein Hitler“
Der parlamentarisch-politischen Elite der BRD entglitt zu dieser Zeit der Zugriff auf die wirkliche Macht und es zeigte sich wie von Marx prognostiziert die Einheit von ökonomischer und politischer Macht. Der moderne Staat hat nun den gleichen Zweck wie die Bourgeoisie, er steht an deren Spitze und versucht, ihre Interessen möglichst effizient und geräuschlos zu verteidigen und durchzusetzen.

Den Beginn dieses Zusammenfallens datiert Hacks auf das Jahr 1893, in dem seiner Analyse zufolge das erste deutsche Kartell entstand („Der sächsische Holzstofffabrikantenverband“).

Dies interpretiere ich gleichzeitig als Beginn der historischen Periode, die Hacks als „Imperialismus“ klassifiziert und die auf den zu Marx’ Zeiten noch unentwickelten kapitalistischen Staat folgt. Die bürgerlichen Staaten des 19. Jahrhunderts waren wie in Frankreich unter Louis Napoleon bis 1870 noch ein Instrument des Ausgleichs zwischen Bourgeoisie und den diffusen Interessen einer breiteren „demokratischen“ Volksmasse. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts hin fällt der Staat vollständig der Bourgeoisie als Beute zu.

Daraus resultiert dann auch die „Krise des Individuums“, das nun nur noch die Wahl hat zwischen „schmollen“ oder sich aufraffen und den „revolutionären Weg“ beschreiten.

Die Krise der modernen Poesie betrifft uns alle, nicht nur die Poeten. Denn in ihr wird offenbar, dass es nicht mehr reicht, die Welt beschreiben zu wollen. Innere, subjektive Gegebenheiten drängen nach außen und mischen sich mit der unförmigen, feindlichen Welt, die eben keinen Wert mehr auf Individualität legt. Zumindest in der ökonomischen Verwertung des Menschen liegt nun der Fokus auf der Standardisierung, der Einstampfung und Normierung des Menschen, der für die großen Industrien und Fabriken nutzbar gemacht werden muss. Und das Ökonomische bestimmt eben doch unser Handeln bis in die unheimlichsten Tiefen der „Seele“ oder der Persönlichkeit (und ist nicht nur ein weiteres Subsystem neben zahllosen gleichberechtigten anderen in der funktional differenzierten Gesellschaft, die sich in immer spezifischere System oder Codes aufspaltet, wie die Systemtheoretiker und Luhmannianer annehmen), da uns die schiere Angst, ohne das soziale System der ökonomischen Taschenspielerei des Kapitalismus - der sich als natürlicher, unhinterfragbarer Zustand geriert mittels der Postulierung von Gesetzmäßigkeiten, „Tatsachen des Lebens“ und ideologischer Verbrämungen der blanken Herrschaft des Stärkeren und ungebremsten Ausbeutung und Unterwerfung der menschlichen Gesellschaft unters Profitstreben - da

#87 Stalingrad

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So meine Tweetkette, die ich bald verlinke, derweilen staut sich der Podcastproduktionsstapel weiter.

1. Strophe
Auferstanden aus Ruinen
und der Zukunft zugewandt,
laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
und wir zwingen sie vereint,
denn es muß uns doch gelingen,
daß die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint.
2. Strophe
Glück und Friede sei beschieden
Deutschland, unserm Vaterland.
Alle Welt sehnt sich nach Frieden,
reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einen,
schlagen wir des Volkes Feind.
Laßt das Licht des Friedens scheinen,
daß nie eine Mutter mehr
ihren Sohn beweint.
3. Strophe
Laßt uns pflügen, laßt uns bauen,
lernt und schafft wie nie zuvor,
und der eignen Kraft vertrauend,
steigt ein frei Geschlecht empor.
Deutsche Jugend, bestes Streben
unsres Volks in dir vereint,
wirst du Deutschlands neues Leben.
Und die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint.

Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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