Violet Bent...
Undrape
Violet Bent Over Backward
00:00:00 Deutsch: Saskia Sturmfrei und die Damen des Country-Clubs
00:21:47 English interlude: rambunctious
00:23:30 Deutsch: Interviews
00:31:35 English: self-set scales
00:36:44 Deutsch: enttäuscht
00:44:50 Tawdry English
Saskia Sturmfrei wurde schon in der Folge „Luisa Lorbaß“ behandelt, die ich am Vortag des Aufnahmetags der vorliegenden aufnahm.
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Literarische Maßstäbe
Interview
Mau
Herr Rohrkniff. Nun seien wir mal ganz ehrlich. Was Sie sich leisten… das ist unter aller Sau. Sie setzen die Maßstäbe mal um mal herab mit ihren Schweinereien. Das soll als Literatur durchgehen? Na, mag man sagen, ok, das mag ja noch angehen… wenn mans als eine Art Vorarbeit zum eigetnlich zu erledigenden Tun begriffe. Was Sie aber nicht tun. Sie schwadronieren und literarisieren immer nur vom Miteinander-Treiben, von zueinander ins Bette steigen… aber sie trauen sich nie heran. Selbst wenn das Bett einer holden Dame vor Ihnen stünde und sie selbst drin läge und mit den Armen einladende Bewegungen machte / winkte— Sie stiegen nicht hinein, ausgeschlossen, da bin ich mir sicher. So gut kennen wir Text-Exegeten Sie mittlerweile, wir konnten ja durch das literarische Fenster, das Sie letztens derart weit aufstießen, in ihren Innenbau hineinspähen.
Ja, ich sehs ja auch so, genau so wie Sie. Ich bin unter aller Sau. Vor allem bin ich sehr mau. Gehe grade so als Mensch noch durch — aber nicht als Mann. Dazu bräuchte es ja… oh Schauder. Ich denk lieber nicht dran.
Ja, ganz recht: dazu bräuchte es den AKT und den firmen Willen zu ihm, den Sie wohl niemals aufbringen werden, Sie sind ja zu beschäftigt und regelrecht süchtig danach, Ihre Seiten vollzuschmieren.
Exakt. Und in dieser Schmiererei liegt auch meine Angst begründet. Alles, was ich tue, richtet Sich an der obersten Maxime aus: bloß nie eine Frau berühren. Also mit den Augen - gerne. Und vielleicht tut es sogar gut, diese vorbeugende Arbeit des visuellen Abtastens zu leisten, nämlich um sich zu galvanisieren und mithin abzuhärten. Oder auch um sich satt zu sehen und zu spüren, ja, das war doch schön, jetzt hab ich genug erfahren und erlebt und kann wieder heim gehen.
Aber sich ins Bett zu legen… sich ganz nackt anschauen zu lassen, und gar befassen — das geht mir gegen den Strich.
Und warum tut es das, wenn doch jeder normale Mensch eingesteht, das sexuelle Vergnügen sei das höchste und hellste von allen?
Weil ich eben gern gegen die Welt und die in ihr herrschenden Gedanken anlebe. Darum ist es für mich also das niedrigste aller Vergnügen. Sicher, man könnte sich mal näherkommen und materiell berühren. Aber nur unter äußersten Sicherheits-Gesichtspunkten und nur nach Treffen aller nur erdenklichen Maßnahmen, die sicherstellen…
Ja, was wollen Sie denn sicherstellen?
Eben das. Was wir alle sicherzustellen gezwungen sind. Dass uns nicht der Strom oder der Wasseranschluss abgedreht wird. Dass wir weiterhin die Miete bezahlen können und mithin nicht rausgeworfen werden samt Sack und Pack auf die Straße. Um dies zu gewährleisten, muss ich wertvolle Dinge für den Tauschmarkt herstellen.
Und diese Dinge, Sie erraten es leicht, sind meine Texte. Damit denen aber der letzte Schliff, die absolute Verwegenheit und die feine Würze nicht abhanden kommt, muss ich an anderer Stelle kürzen. Bei meinen Intim-Vergnügungen nämlich. Fiele ich auch nur ein einziges Mal in das Bett einer dieser vielbeschworenen holden Damen hinein… oh je, es wäre um mich geschehen, ich wär verloren.
Was wäre dann geschehen?
Ganz einfach, meine Spitze bräche ab, der literarische Schleifhammer verlöre seine Wirkmacht.
Denn ohne dass man unglücklich liebt und jemanden anschmachtet, lässt sich nichts Rechtschaffenes produzieren auf literarischem Gebiete, zumindest ist das meine Lehre. Und um ihr treu zu sein, liebe ich nicht, höchstens in Geda
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sn
210 — Ich bin Imperialist!
Sehr empfehlenswert:
Karl Marx: Revolution und Kontrerevolution in Deutschland https://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1851/deutsch/index.htm
210
Die letzte Folge war etwas schwer verdaulich. Das liegt am behandelten Thema; denn die Fragen der Sexualität werfen einen immer auf die eigene Identität zurück und auf den subjektiv-libidinösen Standpunkt, den man innehat.
Eine Infragestellung bestehender Geschlechterverhältnisse artet daher leicht aus in eine vermeintliche Infragestellung der persönlichen Identität - oder wird von Rezipienten so wahrgenommen, was auch mit dem bösartigen Kontext zu tun hat, in dem wir uns alle zu bewegen gezwungen sind innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft. KRitik ist darin oft gleichbedeutend mit Vernichtung der Person; die Menschen werden zum Duckmäusertum erzogen und trauen sich nicht, kleinste Unzufriedenheit öffentlich zu äußern, weil im Zweifel die große Keule droht, die absolute Sanktion des Arbeitsplatzverlustes und damit der Existenzvernichtung innerhalb dieser Gesellschaft.
Daher war die letzte Folge eine Ausnahme, in der ich all meinen Mut und meine Energie zusammennahm, um diesen Punkt auszudrücken: die Benachteiligung der Frauen durch die Zuweisung einer anscheinend privilegierten, komfortablen Situation, sich zurückziehen, bedeckt halten zu können und auf die Avancen des Mannes zu warten.
Aber Schluss damit; in dieser Folge konzentriere ich mich wieder auf die objektiven Gegebenheiten und die leninistischen Maßstäbe zu einer materialistischen Erfassung und Analyse der Weltdinge.
Das ist mir nicht perfekt gelungen, die Folge steht unter dem Einfluss einer gewissen Reiselethargie und des bedrückenden Gefühls, als weißer Europäer Herr der Welt zu sein und sich die afrikanischen Volksamssen Untertan zu machen durch meine ererbte imperialistische Machtposition.
Dieses ungerechtfertigte Privileg, das auf Gewaltanwendung, monopolistischer Ausbeutung, Erpressung, Plünduerung und Mord basiert, muss natürlich abgeschafft und überwunden werden. Erst dann, in einer erblühenden sozialistischen Gesellschaft, kann es überhaupt die Möglichkeit für dauerhaftes Glück geben, sowohl auf Reisen wie auch daheim bei der Arbeit.
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So liebe Leute, oben findet ihr einen vor einiger Zeit eingetippten Text, hier unten möchte ich aber auch nochmal ausholen.
Die letzte Folge scheidet meinen Podcast entzwei. Das wurde mir mit der Publikation klar.
Schon bei der Aufnahme und am Vortag spürte ich damals, dass etwas ganz Besonderes darauf wartete, ausgedrückt und mithin geboren zu werden. Ob ich diesem Gedanken so recht zur Geburt verhelfen konnte, weiß ich gar nicht, aber es fühlte sich auf jeden Fall schwierig an, diese Folge aufzunehmen und sich zuvor oder danach zu ihrem gesprochenen Inhalt in ein Verhältnis zu setzen. Und das ist doch schön, so etwas zu spüren nach 200 Podcastfolgen, dass es immer noch Themenkomplexe gibt, in die einzudringen schwerfällt oder schon fast so, als wolle man lieber wieder umkehren und den Versuch aufgeben.
Das war eben nicht nur eine Folge wie jede andere, in der ich freimütig spreche und mir nach und nach weitere Kräfte zuwachsen, so wie auch in der vorigen Folge aus Marokko, Nummer 208. Sondern mit dieser Folge wollte ich all-in gehen und mein Denken definieren. Ob es gelungen ist, ich weiß nicht, aber einige Themen und Figuren ziehen sich dann ja doch überraschend geradlinig bis hin zu meinem heutigen Schaffen. Ich wünschte so sehr, ich könnte alles sagen, was es zu diesem Thema zu sagen gibt, oder ich könnte für immer auf die Liebe verzichten, wenn ich dadurch nur das Gefühl hätte, niemandem mehr wehtun zu können. Aber letztlich gibt es keinen Weg dorthin, wo einen die Geschlechterspaltung gar nicht mehr beträfe. Mann/Frau, das ist die ursprüngliche Spaltung, die die Welt, wie wir sie verstehen, definiert. Aber genug davon. Leider kann man wohl nie genug geben, weder in der
Liebe Leute!
Heute präsentiere ich euch eine Folge, die ich erst kürzlich auf dem Nachhauseweg nach der Arbeit aufnahm. Am Feldrand spazierte ich dahin. Dies und die Ideen zu Luisa Lorbaß und Saskia Sturmfrei machen diese Episode so einzigartig. Die Handlung von „Konsum und Liebe“ hingegen ist eher ausgelutscht, wie mir beim Sprechen klar wurde, und die Idee datiert ja schon von vor einigen Jahren, ihr könnt Teilabschnitte aus meinem damals begonnenen und im Podcast vorgelesenen Romanfragment beispielsweise in Folge 100 und Folge 136 nachhören.
Die Idee der Handlung von Saskia Sturmfrei ist überragend, phänomenal. Dennoch spüre ich, dass der Klang und die Macht des Namens Luisa Lorbaß noch weit über die Vorgenannte hinausreicht. Daher war auch der Name der heutigen Folge eine leichte Wahl.
Ich nahm viele andere Folgen auf in den letzten Tagen und Wochen, fühlte aber noch einen Widerwillen gegen ihre Publikation. Zum einen, weil ich damit tagesaktuelle politische Geschehnisse wie den Ukrainekrieg behandle und mich damit vor dem bürgerlichen Staat juristisch angreifbar mache.
Viel schwerer wiegt aber, dass ich zum anderen über reale Personen aus meinem Leben sprach und die Gefühle für sie zu einem literarischen Potpourri vermengte, wie es so meine Gewohnheit ist. Das tat ich auch noch in wechselnden Sprachen und mit ebenfalls alternierenden, changierenden Liebesobjekten, an die ich meine sprachlichen Gunstbezeigungen richtete.
Dieses Verbrechen - und die Liebe ist ein Verbrechen, zumindest fühlt sich der Ausdruck persönlicher Gefühle wie ein solches an - muss nun aufgehoben und überwunden werden durch die kraftvollen Fantasiegebilde, deren schemenhafte Konturen ich heute Abend vorstellte und deren Namen wie ohrenbetäubende Donnerhalle widerklingen: Saskia Sturmfrei und Luisa Lorbaß.
Hier bin ich im reinen literarischen Fantasieren und wahrscheinlich sollte ich die Arbeit an diesen Werken intensivieren, wohingegen jene an literarischen Gebilden zugunsten einzelner Frauen aus meinem Leben oder mit teils fiktiven, von jenen Frauen inspirierten Protagonisten wie „Lana“, „Lara“, „Manita“, „Lila“ usw. aufzugeben und abrupt fallenzulassen wäre. Das wäre eine Überlegung wert. Luisa und Saskia sind zu hundert Prozent fiktional und das macht ihre Stärke aus.