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„Der nächste Reichskanzler, mag sein Name nun Strauß oder Brandt sein, wird nur noch ein halbierter Tyrann sein.“
So Peter Hacks über die westdeutschen Verhältnisse, in denen er einen Bruch zu Beginn der 60er ausmachte, weil die Bourgeoisie nun alle Schalthebel der Macht in Militär, Geheimdienst und Wirtschaft übernahm. Deutschland war also nicht mehr der politischen Macht seiner obersten offiziösen Repräsentanten unterworfen wie etwa noch zu Zeiten Hitlers. „Ein Hitler ohne Deutschland ist kein Hitler“
Der parlamentarisch-politischen Elite der BRD entglitt zu dieser Zeit der Zugriff auf die wirkliche Macht und es zeigte sich wie von Marx prognostiziert die Einheit von ökonomischer und politischer Macht. Der moderne Staat hat nun den gleichen Zweck wie die Bourgeoisie, er steht an deren Spitze und versucht, ihre Interessen möglichst effizient und geräuschlos zu verteidigen und durchzusetzen.
Den Beginn dieses Zusammenfallens datiert Hacks auf das Jahr 1893, in dem seiner Analyse zufolge das erste deutsche Kartell entstand („Der sächsische Holzstofffabrikantenverband“).
Dies interpretiere ich gleichzeitig als Beginn der historischen Periode, die Hacks als „Imperialismus“ klassifiziert und die auf den zu Marx’ Zeiten noch unentwickelten kapitalistischen Staat folgt. Die bürgerlichen Staaten des 19. Jahrhunderts waren wie in Frankreich unter Louis Napoleon bis 1870 noch ein Instrument des Ausgleichs zwischen Bourgeoisie und den diffusen Interessen einer breiteren „demokratischen“ Volksmasse. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts hin fällt der Staat vollständig der Bourgeoisie als Beute zu.
Daraus resultiert dann auch die „Krise des Individuums“, das nun nur noch die Wahl hat zwischen „schmollen“ oder sich aufraffen und den „revolutionären Weg“ beschreiten.
Die Krise der modernen Poesie betrifft uns alle, nicht nur die Poeten. Denn in ihr wird offenbar, dass es nicht mehr reicht, die Welt beschreiben zu wollen. Innere, subjektive Gegebenheiten drängen nach außen und mischen sich mit der unförmigen, feindlichen Welt, die eben keinen Wert mehr auf Individualität legt. Zumindest in der ökonomischen Verwertung des Menschen liegt nun der Fokus auf der Standardisierung, der Einstampfung und Normierung des Menschen, der für die großen Industrien und Fabriken nutzbar gemacht werden muss. Und das Ökonomische bestimmt eben doch unser Handeln bis in die unheimlichsten Tiefen der „Seele“ oder der Persönlichkeit (und ist nicht nur ein weiteres Subsystem neben zahllosen gleichberechtigten anderen in der funktional differenzierten Gesellschaft, die sich in immer spezifischere System oder Codes aufspaltet, wie die Systemtheoretiker und Luhmannianer annehmen), da uns die schiere Angst, ohne das soziale System der ökonomischen Taschenspielerei des Kapitalismus - der sich als natürlicher, unhinterfragbarer Zustand geriert mittels der Postulierung von Gesetzmäßigkeiten, „Tatsachen des Lebens“ und ideologischer Verbrämungen der blanken Herrschaft des Stärkeren und ungebremsten Ausbeutung und Unterwerfung der menschlichen Gesellschaft unters Profitstreben - da