Diese Folge ist speziell. Die Entscheidung, sie zu veröffentlichen ist ein Akt des Wahnsinns, der mir jetzt schon im Magen rumort, bevor ich ihn vollbracht habe und während ich spüre dass ich mich trotz aller Bedenken nicht dagegen wehren kann, diesen Schritt zu tun. Zu berührend sind meine freien Assoziationen, die sich vor und nach der Lektüre des heutigen Textes entfalten. Dieser Text selbst ist es aber, der problematisch ist.
Als Arbeitstitel wählte ich wie erwähnt "Rio", da es um eine Südamerikareise gehen soll, die in Rio de Janeiro kulminiert, ihren Gipfel- und Auflösungspunkt findet. Dort nämlich soll eine sozialistische Kommune entstehen, auf der fortgeschrittensten kommunistischen Ideologie basierend und dem freien Austausch und Verkehr zwischen den Individuen verpflichtet, die in der Arbeit für das höhere Konstrukt ihres kleinen sozialen Staates eine sinngebende Aufgabe und Beschäftigung finden.
Das Vorspiel zu dieser revolutionären Vereinigung findet sich im heutigen Textfragment beschrieben: die rastlose Lia durchquert den Kontinent und verstrickt sich in ihre revolutionären Theorien und in ihren Hass auf das ferne Europa und seine Probleme, Gepflogenheiten, Werte und Sicherheiten. Dieses Europa, das Lia einfach nur mit Pech und Schwefel übergießen würde, wenn sie könnte, muss dennoch auf andere Weise als auf ökonomischem Gebiet bloßgestellt und attackiert werden.
An diese Einsicht knüpft der Sexkommunismus an, den Lia unter dem blitzartigen Eindruck von Waldemar, dem Klimaaktivisten entwickelt. Unter höchstem Druck und mit dem Rücken zur Wand findet sie keinen anderen Ausweg aus ihrer schwärmerischen Verliebtheit und erotischen Sehnsucht als diese Theorie der Teilung der erotischen Werte und Reichtümer mit allen sozialen und sexuellen Wesen zu erfinden und in die Welt zu bringen.
Somit zeigt sich hierin einmal mehr, dass nur gewaltige und schier aussichtslose Probleme uns dahin bringen können, uns so sehr unter Druck und hilflos den Weltenläuften ausgeliefert zu fühlen, dass wir eine Lösung finden und unseren Geist frei und kreativ schweifen lassen müssen, damit er uns durch seine Zauberkraft einen Weg weise, diese unhaltbare Situation der Entwürdigung aufzulösen und zu transzendieren. Das ist die Kraft des reinen Denkens, die nur in einem weiblichen Gehirn voll zur Entfaltung kommen kann, da wir Männer durch niedere Instinkte und unseren kindischen Spieltrieb die meiste Zeit gebunden sind und unsere intellektuelle Kapazität nicht auszuschöpfen vermögen.
Daher also war es alternativlos, die Hauptfigur feminin zu gestalten, auch wenn es mir sicherlich an der ein oder anderen Stelle schwer fällt, sie realistisch zu zeichnen und auszuschmücken mit meiner extrem begrenzten, simplizistischen männlichen Auffassung vom Leben.
Zum Abschluss bleibt mir kaum mehr zu sagen als dass ich euch wünsche, eure erogenen Zonen mögen immer ausreichend, zufriedenstellend und fruchtbar bewirtschaftet und gepflegt werden.
Bis dahin verbleibe ich euer schamloser Podcaster-Simon.