#65 Gut gepampert
Liebes Podcastvolk,
diese Folge ist speziell. Wie mir erst danach einfiel, tauchte der Ausdruck "gut gepampert" im Aufwachenpodcast auf, den ich ja vor einigen Jahren stets mit Feuereifer verfolgte. Stefan erklärte damit die Haltung der durchschnittlich sehr alten Fernsehzuschauer, die einfach auf allen Ebenen gepampert sein wollen und im Fernsehen die diesem Bedürfnis entsprechende Politik präsentiert bekommen. Auch hier habe ich Stefan also viel zu verdanken, der ein großes Vorbild ist und mir die Kraft gegeben hat, dieses waghalsige Projekt des freien Sprechens im Podcast anzugehen, ungefiltert und unverschämt ziehe ich daher weiter meine Kreise.
Dieser Titel drückt also aus, wie ich den Kontinent sehe, auf den ich vor zwei Wochen zurückgekehrt bin. Ein altes, lebens-ermüdetes, oft kurzatmiges Europa, das den politischen Weltkrisen nicht mehr richtig hinterherkommt und sie auch gar nicht so genau verstehen möchte. Ein durch amerikanische Nachkriegs-Aufbauprogramme gut gepamperter Kontinent, der jetzt nicht von seinen materiellen Besitztümern und Privilegien lassen möchte. Ein Kontinent, der bis zum Schluss am reaktionärsten und vernunftfeindlichsten sein wird und sich am liebsten abriegelt gegen die Weltenläufte des Fortschritts, der dann eben aus anderen Weltregionen zu uns getragen werden muss, wo die kommunistische Revolution erfolgreich sein wird. Doch auch hier ist noch nicht Hopfen und Malz verloren für revolutionäre Bestrebungen. Und sei es auch, dass man im Kleinen anfangen muss, zum Beispiel im Podcast, und genau analysiert, welche Vorbedingungen hierzulande zu finden sind, die bei der Entwicklung einer Revolutionstheorie zu beachten wären.
Kurz, es handelt sich bei diesem sozialen und geografischen Konstrukt Europa, auf das ich nur widerwillig zurückkehrte, um ein Gebilde, welches sich dem Lauf der Weltgeschichte hin zu neuen sozialistischen Synthesen aus dem Schoß der Atrozitäten des real existierenden Kapitalismus verzweifelt entgegenstemmt, weil es glaubt, dabei viel zu verlieren zu haben. Diese Illusion beruht auf der Verwechslung der materiellen mit den geistigen Gütern. Europa fühlt sich im Recht, weil es reich ist und nicht unterscheiden kann zwischen materiellem Wohlstand und geistiger Reife und Ausgeglichenheit.
Unsere Moralität müsse doch auch einigermaßen hochentwickelt sein, schlussfolgern wir einfältigen Europäer aus der hohen Entwicklungsstufe unserer Industrie und Staatsverwaltung.
Zurzeit zeigt sich glücklicherweise, dass immer weniger Länder der Welt diese Baby-Märchengeschichte glauben, die zwar als gutes Einschlafmittel dienen kann, aber keinen relevanten Beitrag zur intellektuellen Erfassung der Wirklichkeit liefert.
Länder wie China, Indien, Brasilien, Mexico etc, die auch über sehr viele Einwohner verfügen, schließen sich den von Hass und Vernichtungsfantasien genäherten "westlichen" Sanktionen gegen Russland nicht an. Sie erkennen, dass die Weltenläufte komplexer sind als das einfache schwarz-weiß Bild, welches die imperialistischen Medien vermittelt - obwohl diese Medien natürlich auch in diesen Ländern ihren Stempel aufdrücken wollen, haben sie damit glücklicherweise immer weniger Erfolg und werden zurecht als "Falschgeld" entlarvt von den geistig bereits weiter entwickelten Bewohnern dieser Länder, die ein höheres Niveau des Verständnis von politischen Weltzusammenhängen erreicht haben, da ihre Existenz nicht von der Verleugnung der von uns unterstützten Barbareien, Regime Changes und im speziellen Fall der Stärkung von Nazi-Truppen, welche einen tödlichen Hass auf die russophilen Bewohner der Ostukraine hegen, abhängt, da sie ihren Wohlstand, der sich zwar bescheidener ausnimmt, nicht an den Imperialismus gekoppelt haben, der bedingungslose ideologische Affirmation verlangt.