Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#65 Gut gepampert

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Liebes Podcastvolk,
diese Folge ist speziell. Wie mir erst danach einfiel, tauchte der Ausdruck "gut gepampert" im Aufwachenpodcast auf, den ich ja vor einigen Jahren stets mit Feuereifer verfolgte. Stefan erklärte damit die Haltung der durchschnittlich sehr alten Fernsehzuschauer, die einfach auf allen Ebenen gepampert sein wollen und im Fernsehen die diesem Bedürfnis entsprechende Politik präsentiert bekommen. Auch hier habe ich Stefan also viel zu verdanken, der ein großes Vorbild ist und mir die Kraft gegeben hat, dieses waghalsige Projekt des freien Sprechens im Podcast anzugehen, ungefiltert und unverschämt ziehe ich daher weiter meine Kreise.

Dieser Titel drückt also aus, wie ich den Kontinent sehe, auf den ich vor zwei Wochen zurückgekehrt bin. Ein altes, lebens-ermüdetes, oft kurzatmiges Europa, das den politischen Weltkrisen nicht mehr richtig hinterherkommt und sie auch gar nicht so genau verstehen möchte. Ein durch amerikanische Nachkriegs-Aufbauprogramme gut gepamperter Kontinent, der jetzt nicht von seinen materiellen Besitztümern und Privilegien lassen möchte. Ein Kontinent, der bis zum Schluss am reaktionärsten und vernunftfeindlichsten sein wird und sich am liebsten abriegelt gegen die Weltenläufte des Fortschritts, der dann eben aus anderen Weltregionen zu uns getragen werden muss, wo die kommunistische Revolution erfolgreich sein wird. Doch auch hier ist noch nicht Hopfen und Malz verloren für revolutionäre Bestrebungen. Und sei es auch, dass man im Kleinen anfangen muss, zum Beispiel im Podcast, und genau analysiert, welche Vorbedingungen hierzulande zu finden sind, die bei der Entwicklung einer Revolutionstheorie zu beachten wären.

Kurz, es handelt sich bei diesem sozialen und geografischen Konstrukt Europa, auf das ich nur widerwillig zurückkehrte, um ein Gebilde, welches sich dem Lauf der Weltgeschichte hin zu neuen sozialistischen Synthesen aus dem Schoß der Atrozitäten des real existierenden Kapitalismus verzweifelt entgegenstemmt, weil es glaubt, dabei viel zu verlieren zu haben. Diese Illusion beruht auf der Verwechslung der materiellen mit den geistigen Gütern. Europa fühlt sich im Recht, weil es reich ist und nicht unterscheiden kann zwischen materiellem Wohlstand und geistiger Reife und Ausgeglichenheit.
Unsere Moralität müsse doch auch einigermaßen hochentwickelt sein, schlussfolgern wir einfältigen Europäer aus der hohen Entwicklungsstufe unserer Industrie und Staatsverwaltung.

Zurzeit zeigt sich glücklicherweise, dass immer weniger Länder der Welt diese Baby-Märchengeschichte glauben, die zwar als gutes Einschlafmittel dienen kann, aber keinen relevanten Beitrag zur intellektuellen Erfassung der Wirklichkeit liefert.
Länder wie China, Indien, Brasilien, Mexico etc, die auch über sehr viele Einwohner verfügen, schließen sich den von Hass und Vernichtungsfantasien genäherten "westlichen" Sanktionen gegen Russland nicht an. Sie erkennen, dass die Weltenläufte komplexer sind als das einfache schwarz-weiß Bild, welches die imperialistischen Medien vermittelt - obwohl diese Medien natürlich auch in diesen Ländern ihren Stempel aufdrücken wollen, haben sie damit glücklicherweise immer weniger Erfolg und werden zurecht als "Falschgeld" entlarvt von den geistig bereits weiter entwickelten Bewohnern dieser Länder, die ein höheres Niveau des Verständnis von politischen Weltzusammenhängen erreicht haben, da ihre Existenz nicht von der Verleugnung der von uns unterstützten Barbareien, Regime Changes und im speziellen Fall der Stärkung von Nazi-Truppen, welche einen tödlichen Hass auf die russophilen Bewohner der Ostukraine hegen, abhängt, da sie ihren Wohlstand, der sich zwar bescheidener ausnimmt, nicht an den Imperialismus gekoppelt haben, der bedingungslose ideologische Affirmation verlangt.

#64 Realitätssättigung

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

„Am Ende dieser Woche fühlen wir uns erstmal gut regiert“, so lautete Stefans Resümee der Nachrichtenwoche in der letzten Ausgabe des Alias Fernsehpodcasts.
In Europa bricht ein Krieg aus und die deutsche Regierung konnte in den letzten Jahren nichts dazu beitragen, den Ukrainekonflikt zu entschärfen und die Opponenten zu ergebnisoffenen Verhandlungen zu zwingen, aber für den alteingesessenen Fernsehzuschauer Stefan ist das kein Grund, an der Kompetenz derjenigen deutschen Politiker zu zweifeln, die uns in diese Lage geführt haben.
Wir werden mit dem Atomkrieg bedroht, aber noch ist die alternative Realität der Abendnachrichten, die er fleißig schaut, noch nicht mit der wirklichen Realität auf einer Schiene, so etwa lautete seine Metapher, die beiden Gleise haben sich aber wieder deutlich angenähert in der letzten Woche.

Der Nachrichtendiskurs der etablierten Fake-News-Medienkonzerne hat sich irgendwie doch der Realität angenähert, die wir alle ganz klar fühlen, dieses Materielle, von dem wir wissen, dass es ohne es ganz schön schnell vorbei wäre mit uns. Kurzum, eine kritische Schwelle in diesem Ukrainekonflikt, der schon acht Jahre lang vor sich hin köchelt, wurde überschritten durch den Angriff Russlands und das, so scheint es die unwiderlegbare, jedem rationalen westlichen Menschen eigene Auffassung sein zu sollen, stellt einen unglaublichen Bruch mit den Prinzipien des Friedens dar, die von uns, den guten westlichen Mächten vertreten werden.
Diese Erzählung passt natürlich besser in ein Kinder-Märchenbuch als in einen realistischen Bericht über die politische Situation auf der Welt. Trotzdem ist sie nicht zu simpel, um von Stefan weiter für bare Münze genommen zu werden, bzw. immerhin hat diese Münze der Nachrichtenrealität an Wert gewonnen und sich der wirklichen Nützlichkeit für uns als daseiende und dieses Dasein (philosophisch, misstrauisch) hinterfragende Menschen deutlich angenähert.
Die zwei Schienen der Nachrichtenrealität und der für uns persönlich „wirklich“ relevanten Realität verlaufen nun Stefan zufolge näher beieinander als vorletzte Woche noch.
Was er beschreibt, konnte ich auch spüren, halte es aber trotzdem nicht für die Wirklichkeit sondern weiterhin für einen zu plumpen, nicht hinzunehmenden Fake, der unser aller Intelligenz beleidigt. Das ist das Problem mit den heutigen Massenmedien.

#63 Lendentuch

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Liebes Podcastvolk,

Was habe ich mich amüsiert über meinen Satz aus Folge 60, der sinngemäß ausdrückte: „Trump ist der legitime Verkünder der Fakehaftigkeit weiter Teile der Medien-Öffentlichkeit.“
Trotz aller charakterlichen Mängel und Fehler ist er doch ein glaubhafter Verkünder dieser Botschaft, dass die herkömmlichen Medienkanäle eine reine Propagandamaschinerie sind, die gut geölt ist durch die Schmier- und Werbegelder der Pharmaindustrie und sonstiger großer Konzerne sowie Hand in Hand arbeitet mit Regierungsinteressen und unter einer Decke mit dem politischen Establishment steckt.
Dies zeigt sich in Deutschland besonders krass, wo die meisten großen Medienhäuser Merkel am liebsten zur Heiligen erklärt hätten und auf jedes noch so sparsame Wort von ihr sehnsüchtigst warteten. Sie verhielten sich ihr gegenüber äußerst servil und lakaienhaft. Zudem wurde sie noch als die letzte Verteidigerin von Vernunft und Maß gehuldigt, während sie es doch erwiesenermaßen war, die erst die Neofaschisten der AfD hervorbrachte durch ihr Geschwurbel von der „Alternativlosigkeit“ der Euro-Rettung. Auch die Konflikte militärischer Art mit Russland oder Wirtschaftskriege gegen die südlichen EU-Mitgliedsländer wurden unter ihrer Ägide begonnen und von ihr bewusst am Köcheln gehalten.
Denn sie sah sehr klug, dass es ihr zugutekommt, die Welt in Chaos und Miseren versinken zu lassen. Je größer das Feuer des Weltbrandes sich ausnimmt, desto unerschütterlicher glänzt sie (zumindest in Deutschland) als einzig stabile Konstante im Zentrum dieses Sturms, als deren (Mit-) Verursacherin sie nicht erkannt wird aufgrund der Dümmlichkeit solcher regierungsergebenen und staatstragenden Journalisten wie etwa Hans Jessen.

Diese Massenmedien also, die breite Bevölkerungsteile gegen Trump aufstachelten, um so den Rest des politischen Systems als das Normale, Vernünftige dastehen zu lassen, sind Teil des Systems, das es zu zerstören und zu ersetzen gilt. Sie sind zum Großteil hoffnungslos durch den Glanz der Macht oder schlichte monetäre Zwänge korrumpiert. Trump kann hier sicher keinen politischen Beitrag leisten, dieses System umzustürzen, aber er spricht zumindest die hoffnungslose Überkommenheit des alten erbarmungslos und korrekt aus.

Trump wird schon dadurch die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen, dass er der Medien-, Politik- und Wirtschaftselite Angst macht durch sein unberechenbares Auftreten. Allein seinen Reden zu lauschen ist bessere Abendunterhaltung als das sonstige Fernsehprogramm, das in seiner Starrheit, blumigen Rechtfertigung des unhinnehmbaren Status Quo und langweiligen Verkürzung der politischen Geschehens kaum mehr auszuhalten ist, diesseits wie jenseits des Atlantiks.

Was Trump liefert, ist eine gute Show, und somit verbessert er ja schon das Leben seiner Anhänger, indem er ihnen eine alternative Unterhaltung und Abendbeschäftigung im TV anbietet, als den etablierten Fernsehgranden zuzuhören.
Natürlich hätte auch ich lieber Bernie Sanders im Weißen Haus gesehen oder beim nächsten Mal Alexandria Ocasio-Cortez falls sie schon alt genug ist, aber gegen Clinton oder Biden war und ist Trump definitiv die bessere Alternative.

#62 Die Verschwörung der Idioten

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Geliebte Hörerschaft, geschätztes Volk,

Ein Satz aus dem Text in Folge 60, der mir im Kopf herum ging, war jener: „Auch ganz klare Entscheidungen werden von den etablierten Politikern zuungunsten des Volkes getroffen.“
Das klingt ein wenig überspitzt, denn kann es wirklich jemals so klare Entscheidungen geben?
Doch, wurde mir dann klar, natürlich gibt es sie. Jedes Mal, wenn solche Politiker der Mitte und Mäßigung wie Merkel oder Obama eine Entscheidung zu treffen hatten, bei der die Interessen einer breiten Bevölkerungsmehrheit gegen partikulare monetäre Gewinnaussichten von Konzernen wie Daimler abzuwägen waren, entschieden sie pro Konzerne, zumindest in schätzungsweise 90% der Fälle. Dass dies nicht mal wirtschaftspolitisch fundiert ist, kommt noch hinzu.
Denn gesamtwirtschaftlich können ja andere kleinere Konzerne profitieren, auch wenn ein größerer leidet und Gewinne oder Marktanteile verliert. Merkel (und alle etablierten Politiker von Scholz über Kretschmann bis zu Habeck) verstehen sich als oberste Lobbyisten der mächtigsten deutschen Konzerne. Sie glauben, wenn es den großen Konzernen gut geht, muss es auch der Wirtschaft im Allgemeinen gut gehen. Ihr Verständnis von wirtschaftlichem Erfolg oder Misserfolg beruht auf dem Glauben an kleine und kleinste Maßnahmen, wie es Heiner Flassbeck ausdrückt, sie meinen, durch minimale Steuerungseingriffe und Begünstigung der heimischen Unternehmen die große Wirtschaft zu fördern und verkennen dabei die marktwirtschaftliche Grundkonstante des Strukturwandels, der schon immer dafür sorgte, dass in einem Sektor Arbeitsplätze verloren gehen, während sie bei anderen Unternehmen neu entstehen. Diese Politiker begreifen nicht mal das marktwirtschaftliche System, das sie lenken sollen. Aber wie auch, sie sind zu beschäftigt, über die Stöckchen der Medien zu springen und müssen nur das Spiel verstehen, das in DIESEM System gespielt wird, zur Abendunterhaltung der meist sehr betagten Fernsehzuschauer wie Oma Erna und Opa Enno, wie es im Aufwachenpodcast hieß.

Bei der Kritik des herrschenden Systems können wir also gar nicht zu reduktionistisch sein, denn es selbst funktioniert ja auch auf extrem simplizistische Weise: es geht um Profitgewinnung, um Kapital-Verwertung und Vermehrung, und hierbei ist der Mensch und seine Lebensgestaltung nur ein lästiges Nebenprodukt, dessen Bedürfnisse allenfalls akzidentell befriedigt werden durch die Verkaufsprodukte der Konzerne. Im Zentrum steht das Kapital und der moderne Bürger hat sich ihm unterzuordnen, muss es lobpreisen und seine Kraft zu bestätigen, indem er sich den gängigen Arbeitsmarktmechanismen unterwirft und darauf hofft, wenigstens genug zu verdienen, um für seine Familie einigermaßen sorgen zu können und von den Barbareien dieser Weltordnung unangetastet zu bleiben.
(Diese Hoffnung ist umsonst, niemand kann sich freimachen vom Leid des Nachbars oder des Nachbarvolkes, deren Darben fällt immer wieder auf unsere Glückseligkeit zurück und vergiftet unseren schönen Tag!)

Der linke Popul

#61 Licht aus

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Liebes Volk,

den Text, den ich zu Beginn dieser Folge erwähne (teils habe ich ihn im Fieber-Delirium verfasst), steht jetzt NICHT unter Folge 60, wie ich es sagte, sondern direkt unter DIESER Folge 61. Gleich hier im Anschluss publiziere ich ihn unter dem Titel „Phänomen“. Zuerst findet ihr aber noch die Lyrics zu meinem selbstgebastelten Rap, der mir beim Hören doch außerordentlich gefiel. Außerdem stelle ich den Text der argentinischen Hymne voran, da sie sehr würdevoll und erhaben ist. Viel Spaß mit dieser etwas konfusen Folge, die zwischen verschiedenen Themen und Ebenen oszilliert.

Argentinische Hymne

Hört, ihr Sterblichen, den heiligen Schrei:
Freiheit, Freiheit, Freiheit
Hört den Lärm zerbrochener Ketten,
Seht auf dem Thron die noble Gleichheit.

Ihr würdiger Thron wurde schon geschaffen
Durch die Vereinigten Provinzen des Südens
Und die Freien der Welt antworten uns:
Gesundheit für das große argentinische Volk!

Die Lorbeeren, die wir errangen,
Werden ewig sein,
Gekrönt von Glorie leben wir,
Oder wir schwören, mit Glorie zu sterben.

Phänomen

Wir alle sind Teil des Phänomens. Nicht nur des Corona-Phänomens, sondern vor allem des Lebens als solchem.
"Ich ist ein Anderer", sagte schon der französische Dichter Rimbaud. Wir selbst als Individuen sind nichts, sondern erst durch die Anerkennung und Verstrickung im sozialen Spiel erlangen wir eine Existenz als nicht nur biologische, sondern primär soziale Wesen.
"Die wahre Befreiung kann keine individuelle sein, sondern muss kollektiv zugleich alle anderen mit befreien", so in etwa drückte Marx (auch wenn ich das Zitat jetzt nicht verifizieren konnte) unsere Verstrickung in die Schicksale und Leben aller anderen Menschen auf diesem Planeten aus.
Das ist auch meine Richtschnur in diesem Podcast. Um nicht als vorhersehbare Sprechpuppe zu enden, die nur die emotionalen Bedürfnisse einer kleinen Internet-Bubble befriedigt und ihnen die Welt so erklärt, wie sie auch schon vorher ahnten, dass sie funktioniert, musste ich meinen Podcast im Geheimen vorantreiben, in den unwirklichen Untiefen des Internets publizieren, ohne ihn je auf breiter Basis anzupreisen und Hörer zu suchen.
Diese Bubbles sind nicht die wirkliche Welt, sondern nur eine Ablenkung von ihr.
Das Sprechen über derart schwierige Themen erlegt mir auch so schon einen enormen inneren Druck auf, ohne dass mir irgendjemand Feedback geben würde. Wer so von morgens bis abends brennt und nicht von seinem Projekt lassen kann, selbst wenn er erkennt, dass es ihn zeitweise zermürbt und zerrüttet, solche Gedanken und Worte zu produzieren, der hat viel Einsamkeit und Abkühlung notwendig.

Immer wieder stelle ich mir die Aufgabe, ein wahres Bild der Welt zu konstruieren oder zumindest ein wahreres als gestern. Auch wenn das schwierig ist in einer Zeit, in der der Wert selbst der Wahrheit angezweifelt und beerdigt wird und man nur noch an täglich vermeldete Zahlen und Daten glauben mag, egal wie zweifelhaft und hektisch diese zusammengestellt sind.

Die Realität auf dieser Welt ist grausam, blutig und zynisch, so viel muss ich konstatieren. Ferner verweise ich darauf, dass es in unserer kollektiven Handlungsgewalt läge, die schlimmsten Barbareien und Ungerechtigkeiten zumindest zu versuchen einzudämmen. Das geschieht aber nicht, da wir im Liberalismus leben, der davon ausgeht, jeder sei seines eigenen Glückes Schmied, und wenn es weniger begünstigten Entwicklungsländern schlechter geht, dann sei das primär ihre eigene Schuld und Verantwortung, nicht unsere, die wir von ihrer Ausbeutung und Unterdrückung profitieren und sie sehenden Auges jedes Jahr anwachsen lassen.

#60 On a Clear Day

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Liebe Herde,

ich begrüße euch ganz herzlich zu dieser neuen Folge und hoffe, ihr habt einen schönen, klaren Tag. Geht doch mal raus an die frische Luft, und genießt die vermutlich kühle, schneidende Eiseskälte in Deutschland.

Herzlichst, euer Simon.

Text zu "On a Clear Day":

On a clear day I can see far ahead in front of me
The sky above imagines a God, but on another day I'm
And when I fall the hurt won't show up on me I only hope
And if I follow you along well then I'll rise up

And when the burning Sun falls in my eyes
Is when I come upon another sunrise
Well I will walk alone 'cause I'm not scared to die
On a clear day in the sunshine

And when I hear the angels sing down from up above
Well I won't fear a thing or hear the things I've done
Only know that you're in a place inside my heart
And no matter where I go, we will never part

And when the burning Sun it falls in my eyes
Is when I come upon another sunrise
Well I will walk alone 'cause I'm not scared to die
On a clear day in the sunshine

#59 Iguazú, Misiones

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Liebe Hörer,

es gibt viel zu sagen in dieser Episode aus Misiones, einer Provinz im Norden Argentiniens, deren Name auf die dort einst missionierenden Jesuiten zurückgeht.
Beginnen wir mit einer kleinen Einleitung zur Frage der „Schuldketten“, dem folgt dann jener Text zur Verteilung von Medizin und der generellen Schuldfrage, auf den ich mich in dieser Folge beziehen werde. Ich stellte ihn am Tag der Aufnahme fertig. Dort spreche ich davon, ihn als Beschreibung für Nr. 57 zu nutzen, allerdings wurde mir dann klar, dass es besser passt, ihn unter diese Folge 59 zu packen, da ich mich explizit darauf beziehe und seine Thesen aufgreife. Leider schweife ich dann immer wieder ein bisschen ab, die Hauptthese lege ich aber trotzdem in den ersten zwanzig Minuten ganz gut dar.
An den Schluss stelle ich den Text über die gesamtpolitische Lage Prä-Corona und insbesondere die Trump-Kontroverse.
Viel Spaß beim Lesen und Hören.

Einleitung

Wir können nicht durch die Welt gehen und gar keine Bakterien und Viren mehr ausstoßen oder aufnehmen, eine solche Abstinenz wäre sogar schädlich fürs Immunsystem. Wir sollten unser Verhalten nicht daran ausrichten, jede Eventualität einer Coronaweitergabe zu vermeiden.
Denn alles Leben muss seine Energie aus Biomasse nehmen und damit andere Lebewesen und Pflanzen ihrer Lebenskraft berauben. Oder auch nur ihnen Luft oder Sonne und sonstige Nährstoffe wegnehmen oder sie zu unserem Zweck züchten und anzubauen.
Aber diese seit Jahrtausenden bestehende Notwendigkeit können wir hinnehmen in Ermangelung von Alternativen.
Unhinnehmbar sind allerdings das Niveau der Ausbeutung von Menschen durch andere Menschen. Das ist vermeidbar. Es gibt keinen validen Grund, warum wir nicht allen Menschen eine ordentliche Arbeit und einen Lohn von dem sie leben können, garantieren könnten. Der einzige Grund ist das nicht länger begründbare Festhalten an der wahnhaften Idee, der Kapitalismus könne Frieden und Wohlstand für eine Mehrheit bringen. Diese ideologische Chimäre verstellt uns den Blick auf die Realität, dass wir beim Stand der Technik und Wissenschaft längst den allergrößten Teil der Menschheit mit Nahrung, sauberem Wasser, Medizin und vor allem einer würdigen Arbeit versorgen könnten. Es braucht nur ein bisschen politische Anstrengung und Mut dazu.
Weiterhin an diesem System festzuhalten, das tägliche Tote produziert, gleicht einem kollektiven Amoklauf, der nur deshalb weiterläuft, weil eine Mehrheit ihn implizit legitimiert und für vernünftig befindet, zumeist aus Furcht, als Kommunist gebrandmarkt zu werden, sobald man diese Dissonanz zwischen technischer Produktivkraft und sozialer Ungleichheit hinterfragt und sich ungläubig den Kopf kratzt, wie das eigentlich noch rechtfertigbar sein sollte.

Die einzige Lösung ist hier, sich vorsorglich gleich schon als Kommunist zu bezeichnen, um sich gegen künftige Angriffe der Reaktionäre zu immunisieren, die am Überkommenen festhalten wollen aufgrund ihrer schieren Not der geistigen Unbeweglichkeit und fehlenden Vorstellungskraft einer besseren Welt.
Wer sich als Kommunist bezeichnet, hat schon Wichtiges erkannt und den ersten Schritt auf dem Weg zu seinem persönlichen Beitrag zur Großen Revolution getan, denn erstes und unverzichtbares Kampfmittel in dieser Menschheitsaufgabe des Umsturzes der Produktionsverhältnisse sind die Begriffe und Wörter, derer wir uns bedienen und sie sauber einsetzen müssen.
Diese Aufgabe der kreativen Schaffung und intellektuellen Konzeption ist wichtig, allerdings dürfen wir uns dabei nicht zu sehr auf die zahllosen Ungeheuerlichkeiten und Brutalitäten dieser Welt beziehen, denn das wird eine Mehrheit nur in Schockstarre versetzen, sodass sie gar nicht mehr in der Lage ist, sich eine Veränderung vorzustellen, da alles ja noch viel schlimmer kommen könnte. Die dunkle Ahnung, wie ungerecht es auf der Welt zugeht, kann auch eine unheilvolle Triebfeder sein, sich für zweifelhafte Projekte einspannen zu lassen wie diese Pandemie zeigt.

#58 Aufstiegsverbrechen

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Liebe Corona-Realisten,

außerordentliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Bündnisse. Die überwältigende Mehrheit der sich subjektiv als links fühlenden Menschen schläft weiterhin sediert und ruhiggestellt von den offiziellen Verlautbarungen aus Politik und Wissenschaft den Schlaf der Selbstgerechten.

Wir Kommunisten, die es ernst meinen mit dem Ziel der Revolution, müssen uns eingestehen, dass ein weit größerer Teil der linken Blase von der imperialistischen und konzerngetriebenen Propaganda infiltriert ist und das auch in Zukunft - unabhängig von Corona - bleiben möchte, da sie an die letztendliche Güte und Verhältnismäßigkeit im Handeln der Mächtigen bis zum bitteren Ende glauben wollen.

Diese Leute sind nicht für revolutionäre Unterfangen zu gebrauchen und sollten überlegen, ob sie nicht sich selbst sowie der Menschheit etwas Gutes tun, wenn sie sich zum Konservatismus bekennen statt weiter den Weg zur Revolution zu blockieren durch ihren wirkungslosen Individualmoralismus, der dem Big Business schlimmstenfalls noch in die Hände spielt.

Weitere Unterstützer und Mitstreiter für die Revolution müssen also aus anderen Lagern rekrutiert werden. Sicher nicht aus dem faschistischen, das sicherlich auch die Coronaproteste für seine Zwecke nutzt, aber mittlerweile deutlich in der Minderheit ist. Sondern aus dem der liberalen, konservativen oder sonstigen Kritiker der offiziellen Pandemiepolitik.
Der Wahnsinn dieser Jahre bietet uns Sozialisten einen guten Ansatzpunkt, um mehr kluge Menschen aus diesem Lager darauf aufmerksam zu machen, wohin ein entfesselter Liberalismus führt: ohne sozialistische Leitplanken und Grundprinzipien, an denen sich die wissenschaftliche Forschung, mediale Berichterstattung und politische Entscheidungsfindung auszurichten hat, sind wir der Anarchie und Tyrannei ausgeliefert. In erster Linie zeigte sich in der Pandemie noch nicht mal das Versagen von Medien, Politik oder Justiz, an deren schoßhündchenhaften Gehorsam gegenüber dem Großkapital man ja bereits gewöhnt war.

Die Wissenschaft hat zuallererst versagt, da sie noch immer nicht bereit ist, die prinzipielle Wirksamkeit von z.B. Masken, Impfquoten bei Unter-50-Jährigen oder Lockdowns zu hinterfragen, obwohl mittlerweile genügend Erfahrungswerte aus aller Welt vorliegen, anhand derer kein signifikanter Zusammenhang hergestellt werden kann zwischen härteren Maßnahmen und einer verlangsamten Ausbreitung als in Staaten wie Schweden oder Florida, die einen sehr moderaten Coronakurs verfolgten.

Die Virologie und Immunologie hat also auf breiter Linie versagt, weil sie sich zum Handlanger einer autoritären Politik macht, nur um sich nicht eingestehen zu müssen, über viele grundlegende Fragen der epidemiologischen Realitäten noch im Dunkeln zu tappen.

Es braucht also den autoritären sozialistischen Staat, der vorgibt, dass die Wissenschaft dem Wohl der Mehrheit und dem Aufbau des gerechteren sozialen Zusammenlebens zu dienen hat und nicht im luftleeren Raum schweben darf, wo einzelne Stars ihrer Zunft sich zu heilsbringenden Götzenfiguren aufschwingen, um ihr Ego zu befriedigen und wohlmeinende Journalisten und Podcaster das auch noch gutheißen aus der Angst heraus, als Wissenschaftsfeinde gebrandmarkt zu werden, wenn sie darauf hinweisen, dass manche Sachverhalte eventuell zu reduktionistisch und unterkomplex behandelt werden durch den engen Fokus auf die physisch-biologische Welt.

Der Umgang mit "der Wissenschaft" hat religiös-totalitäre Tendenzen angenommen, nicht erst, aber stark beschleunigt seit Corona.

Wirkliches Wissen kann aber kein Privateigentum sein, doch darauf läuft es im Kapitalismus leider hinaus, wo Konzerne durch ihre tendenziösen Forschungen und Gefälligkeits-Studien die öffentliche Meinung lenken.

#57 Fake News Media

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Liebes Volk

Leben wir in einem Polizeistaat? Folgen wir Winfried Kretschmann, dann eindeutig nicht, denn die bisherigen Einschränkungen gingen ihm noch nicht weit genug. Aus der Tatsache, dass die bisherige Strategie der Bundes- und Landesregierungen wenig bis nichts brachte um auch nur die selbstgesteckten und bereits irrationalen Ziele der Epidemie-Eindämmung (containment) und Verlangsamung der Ausbreitung zu erreichen, folgert er, dass man in Zukunft eben noch viel drastischer durchgreifen müsse.
Ob die bisherigen Maßnahmen überhaupt etwas gebracht haben, wird hierbei nicht mehr gefragt, was einen nicht wundern muss, wenn man sieht, wie das angeblich mündige Volk den irrlichternden Politikern und von ihnen zitierten Wissenschaftlern (die nur einen kleinen Ausschnitt der weit vielfältigeren Wissenschaftsgemeinde darstellen) aufs Wort folgt wie eine Herde Schafe.

Wozu da noch groß wissenschaftliche Forschungen in Auftrag geben, welche die Wirksamkeit von Maskenpflicht, Home Office, Schulschließungen etc. erforschen würden? Das Volk macht es den Politikern sehr einfach. Meine Erklärung hierfür ist, dass es aus verborgenen Motiven einen gewissen Stillstand des Lebens sowie Ausnahme- und Notstandsregelungen befürwortet um ein diffuses, jedoch auch angenehmes Gefühl zu haben, etwas Außerordentlichem beizuwohnen, für das sonst kein Platz war in unserem entfremdeten kapitalistischen Alltag, der vom schnöden Zwang zur Lohnarbeit beherrscht wird.

Meiner Einschätzung nach ist es offensichtlich, dass wir zugelassen haben, dass ein Polizeistaat errichtet wurde auf der unklaren Begründung des Gesundheitsschutzes. Polizisten kontrollieren in Lokalen, ob man zurecht dort sein darf und eine Impfung nachweisen kann. Zugelassen sind also nur Personen, die einen speziellen Impfstoff im Körper haben, der weder Infektionen längerfristig verhindert noch die Weitergabe des Sars-Cov-2-Virus im Falle einer Infektion in signifikantem Maße vermindert. Die Gefahr schwerer Verläufe für einen selbst wird wohl schon vermindert aber auch dies müsste noch genauer erforscht werden, falls denn dazu überhaupt der politische Wille besteht.
Die vorliegende Klassifizierung des RKI erschwert jedoch eine sinnvolle Interpretation der Impf-Wirksamkeit. So werden als Impfdurchbrüchen nur symptomatische Infektionen gezählt, während als ungeimpfte Infizierte weiterhin jeder mitgezählt wird, der ungeimpft ist und einen positiven Test hat, ohne dass gefragt wird, ob er auch symptomatisch ist.
Das ist Segregation auf unwissenschaftlicher, rein emotionaler Basis. Was genau soll noch passieren bevor man von einem Polizei- und Unrechtsstaat sprechen kann?

Quarantäne wird verordnet auf Basis extrem unzuverlässiger Tests, sodass man davon ausgehen muss, dass weit über die Hälfte der Menschen, die tage- oder wochenlang eingesperrt werden, überhaupt nicht (mehr) infiziert und ansteckend sind. Was anderes ist das als ein schreiendes Unrecht?
Natürlich würde es etwas bringen wenn 100% der Bevölkerung geimpft wären, wenn auch längst nicht so viel, wie in der hysterischen, hetzerischen öffentlichen Debatte angenommen wird. Trotzdem ist es Wahnsinn, auf der vorliegenden wissenschaftlichen Basis eine Impfpflicht zu diskutieren. Das Vertrauen von Millionen oder weltweit Milliarden Menschen in die public health Empfehlungen und Vorgaben wird am Ende dieser Pandemie massiv zerrüttet sein. Das ist ein zigfach gravierenderer Schaden für die öffentliche Gesundheit und unsere Wehrfähigkeit gegen künftige sanitäre Notsituationen als alles, was Covid als rein biologisches Faktum anrichtete. Die wahren Verheerungen sind sozialer und politischer Natur und hätten durch ein klügeres, besonneneres Volk verhindert werden können, das den Politikern keinen Blankoscheck ausstellt und sich von Hinterfragung der herrschenden Meinung nicht durch schrille Diffamierungen aller Skeptiker als Rechte, Nazis, Querdenker oder auch »Leerdenker« abhalten ließe.

(Weiter in den Shownotes)

#56 Ressourcen statt Restriktionen

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Wie konnte es soweit kommen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung wirkungslose und rein aktionistische Maßnahmen wie Lockdowns nicht nur akzeptiert, sondern proaktiv deren Verschärfung fordert?
Es kann aus meiner Sicht nur mit dem Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit zu erklären sein. In den letzten Jahrzehnten fiel mit dem Feindbild UdSSR auch das große Narrativ weg, an dem sich unsere Gesellschaft entlang hangeln konnte und dem Einzelnen erlaubte, sich als Teil eines sinnvollen Großen und Ganzen zu fühlen. Das weckte die Sehnsucht nach einer neuen Einbindung ins Kollektive, wozu die Corona-Pandemie eine Gelegenheit bot. Zwar wird immer offensichtlicher, wie plan- und hilflos unsere Regierungen agieren, wie wenig sie überhaupt über die grundlegenden Faktoren der Ausbreitung und Entwicklung dieser Epidemie verstehen (oder wenigstens diese Zusammenhänge wissenschaftlich erforschen wollten um sie in Zukunft besser zu verstehen und eine vertrauenswürdige Datenbasis aufzubauen). An dem emotional-affektiv-sozialen Bedürfnis nach Eingliederung in eine große Schlacht gegen das als böse identifizierte Virus ändert das aber natürlich nichts. Das religiöse Bedürfnis ist da und will gestillt werden.

Das führt uns in die jetzige explosive Situation: statt die Ressourcen sinnvoll einzusetzen, um diejenigen Individuen zu schützen, die besonders durch eine Corona-Infektion gefährdet sind, werden willkürliche Restriktionen für uns alle verhängt, auf Basis von einzelnen und für sich allein völlig untauglichen Messwerten, wie etwa die nur pseudowissenschaftlich, homöopathisch oder religiös-sektenglaubenbasierten zu nennende Kennziffer namens "7-Tage-Inzidenz".
Mir als Fluggast wird ein teurer PCR-Test abverlangt, wobei unklar ist, warum man unbedingt verhindern will, dass Menschen sich am Flughafen und beim Fliegen anstecken, wenn es in praktisch allen Ländern der Welt Corona gibt mit immer wechselnden Ansteckungszahlen (besser als Melderaten zu bezeichnen, weil es um die gemeldeten Fälle geht). Diese PCR-Tests fehlen in den Altenheimen, wo sie sehr wohl sinnvoll wären, um die dortige extrem gefährdete Population zu schützen und Ausbrüche früh zu erkennen und zu begrenzen.

Selbst unter Omikron-Bedingungen nimmt diese sich selbst in der Mehrheit glaubende Sekte der "Zeugen Coronas" noch Kontaktbeschränkungen, wild durchs öffentliche Leben gestreute 2/3G-Regeln hin und meint, erst die biologische Wirklichkeit der anstehenden "Endemie" erlaube eine Rückkehr zur sozialen Normalität. Dass wir längst in einer brisanten sozial-politischen Krise von bisher ungekanntem Ausmaß sind, ist scheinbar selbst solchen Soziologen wie Stefan Schulz noch nicht aufgegangen, die in einem Ernstfall, einer gefühlten unklaren Krisenlage dann doch eher an die "exakten" Wissenschaften wie die Virologie und Biologie und technologischen Instrumente wie Impfungen oder Warnapps glauben statt an die schwerer auf Diagramme und Kennziffern zu reduzierende Soziologie.

Die Rückkehr zu einem Zusammenleben auf Augenhöhe ohne Misstrauen, Verunglimpfung und Schuldzuweisungen, die Wiedereinsetzung der Grundrechte, der Wiederaufbau des Vertrauens in das Gesundheitssystem und in zukünftige Empfehlungen für sanitäre Notfälle, all das ist jetzt die Priorität für jeden normal gebliebenen Menschen, der sich nicht in die Sekte der Corona-Vermeidungsextremisten hat hinein ziehen lassen.
Mit Corona als biologischem Phänomen werden wir lernen zu leben, aber mit den protofaschistischen Tendenzen der letzten 22 Monate dürfen wir niemals lernen, zu leben und sie als neue Normalität akzeptieren.

Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

Abonnieren

Follow us