#55 Rayuela
Hektiker des Geistes, aufgepasst: Das Einzige, was uns jetzt noch retten kann, ist die Wissenschaft, das Uran-235 und diese Sachen.
Diese Erkenntnis aus Julio Cortázars Werk Rayuela trifft auch auf die aktuelle pandemische Lage zu. Zwar wurde es hier in Deutschland versäumt, die Ausbreitung des Coronavirus wissenschaftlich zu erforschen durch eine breit angelegte Kohortenstudie mit etwa 10.000 Probanden, die das RKI längst hätte durchführen können, wenn ihm wirklich an Aufklärung statt an faktenfreier Panikmache und Hetze gelegen wäre.
Leider war das nicht möglich, da RKI-Chef Wieler zu sehr beschäftigt ist, die Glückwünsche der woken Bubble auf Twitter entgegenzunehmen, und sich als einzig rationalen Akteur darzustellen, dem man doch nur mal genauer zuhören müsste.
Auch andere Säulenheilige der Virologie wie Prof. Drosten sind dieser Tage bestens dabei, sich für alle sichtbar zu demaskieren und unfundierte Einschätzungen zu verbreiten: "Omikron-Fälle sehen mir nicht nach einem milderen Verlauf aus", oder "Eine Infektion stärkt das Immunsystem nicht" sind sehr interessante Aussagen aus dem Munde eines weithin bewunderten Virologen, die wir genau auf ihren wissenschaftlichen oder versteckten politisch-populistischen Inhalt untersuchen sollten.
Ohne die Kohortenstudie tappen wir also nach knapp zwei Jahren immer noch im Dunkeln, wo die Ansteckungen eigentlich passieren. Steckt man sich eher daheim oder bei der Arbeit an? Wie hoch ist das Risiko bei Veranstaltungen im Freien wie Weihnachtsmärkten? (Nach allem was wir wissen extrem gering, daher ist deren Verbot im Dezember ein weiterer Knaller der faktenfreien Pandemie-Bekämpfung hierzulande)
Oder wie ist das Risiko für Fußballfans beim Besuch von Stadien, die zurzeit in der "Omikron-Hölle" England schon wieder ohne Masken möglich sind?
Sind z.B. Fitnessstudios in besonderem Maße Orte der Ansteckung und Weiterverbreitung?
In welchen Altersgruppen finden sich asymptomatische oder besonders stark symptomatische Verläufe?
Dass man sich in Deutschland statt zu forschen lieber daran gütlich tut, sich über bestimmte Personengruppen moralisch erhaben zu fühlen und sie mit bestem ethischem Gewissen ("Schutz von Menschenleben") aus dem öffentlichen Leben auszuschließen, ist nicht verwunderlich, wenn man die trübsinnige deutsche Seele näher kennt und einschätzen kann, wie getrieben sie in einer kritischen Situation oftmals auf eine als unklar empfundene Bedrohungslage reagiert.
Aber zumindest im Ausland wird ja fleißig geforscht und die Ergebnisse der dortigen Studien werden auch uns nach und nach zugute kommen. Wir werden noch extrem viel lernen über Pandemien.
Eigentlich gibt es aber auch schon genügend epidemiologische Erkenntnisse aus vergleichbaren Pandemien wie der Ausbreitung von HIV, um grundlegende Einschätzungen treffen zu können. Die restriktive Politik zur Pandemiebekämpfung hat in vielen Fällen die Lage verschlimmert und hält Ausbrüche eher noch begrenzt auf einen Ort, statt eine Entspannung zu ermöglichen. So zumindest die Einschätzung des kanadischen Epidemiologen Stefan Baral.
Die aktionistischen und demokratiefeindlichen Politiken in Deutschland und Österreich haben keinerlei Evidenz für sich, irgendetwas zum Abflachen der Wellen und Sinken der Corona-Fallzahlen beigetragen zu haben, da zur gleichen Zeit auch die Wellen in den Nachbarländern wie Ungarn oder Polen brachen, die kaum Restriktionen vornahmen. Es handelt sich bei der Virusausbreitung immer noch um ein weithin unverstandenes Phänomen, was eigentlich sehr spannend ist und einen wissenschaftsbegeisterten Menschen anregen müsste zum Nachdenken und Aufstellen von Hypothesen. Stattdessen fühlt man sich heute aber eher gekränkt, da wir von der Allmacht unserer technischen Errungenschaften wie z.B. Impfungen überzeugt sind und nur schwer einsehen können, dass die Natur uns immer noch einen Schritt voraus ist und uns, die wir glauben, sie kontrollieren und vorhersagen zu können, zum Narren hält.