Tischlein, deck dich!

Tischlein, deck dich!

#145 Kein Benz

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145 Kein Benz

Ja, liebe Leute, diese Folge ist auch irgendwie speziell, wie genau, kann ich im Moment nicht sagen. Jedenfalls überkam mich nach Veröffentlichung der vorherigen Folge 144 dieser Gedanke, dass ich meine Kämpfe wohl immer in der Öffentlichkeit austragen möchte, das Sprechen hier hat doch eine ganz eigene Kraft, diese Podcastbiografie bin ich, wie ich wirklich bin… allerdings möchte ich mir immer einen »historischen Abstand« verschaffen, indem ich die Folgen erst einige Monate nach Aufnahme publiziere. Diesen Vorgang nenne ich Selbstbewusstwerdung durch zeitlichen Abstand, dadurch, dass sich meine Kämpfe schon längst weiterverlagert und aktuell an ganz anderen Themengebieten stattfinden, die mir nun viel drängender und dringlicher vorkommen mögen als diejenigen, die im vor Monaten aufgenommenen Podcast besprochen wurden.
Ich erwähnte dieses Gefühl, dass das, was mich bei Aufnahme vielleicht noch als zu gewagt, riskant, übermütig gestört hätte an meinen Äußerungen oder Vorlesungen, mir im Nachgang dann doch wie kalter Kaffee vorkommt, erstmals in den Shownotes unter Folge 92, wenn mich nicht alles täuscht, diese recht nüchterne Folge, an der lediglich der Titel herausstach — »Die Pimmeltheorie«.
Schon damals machte ich mir also das Gesetz der inneren Trägheit zunütze, welches besagt, dass einem immer nur das als aktuell und akut vorkommt, was man vor Augen hat, was der alltäglich gelebten Situation entspricht oder aus ihr entfließt.
Doch trotzdem ist die Publikation nach dieser Abkühlung der stolzen Gefühle, die ich ja rechtmäßig als Ausbrüter und Mutter meiner Gedanken und Worte empfinde, keineswegs nutzlos und ein vernachlässigbares Moment meiner Podcastarbeit. Denn erst durch sie bringe ich mich in die Welt, mache mich zugänglich für euch; so zugänglich, als stände ich vor euch und spräche beredt und mit dem vollsten Selbstgewissen über die Dinge meines Herzens.

#144 Rohe Triebe wurden sublimiert

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Hacks Industrie Konsum Zitat S. 457 von »Marxistische Hinsichten«, Eulenspiegel Verlag:

»Ziel des Kommunismus ist, dass die Population ihre wirklichen Bedürfnisse in vernünftigem Umfang ohne Gegengabe von Geld befriedigt. Wer die Spezies je verstanden hat, weiß, wie die Reaktion auf Überfluss aussieht: Auf Zeiträume der Konsumverachtung und Minimalverbrauchs folgen Zeiträume des Luxus und der Verschwendung. Der Mensch artikuliert sich einmal im Wechsel der Moden. Der Kommunismus bedarf also einer Industrie, die zehn Jahre lang so viel wie möglich herstellt, und zehn Jahre lang so gut wie gar nichts, und das bis in alle Ewigkeit. Man sage mir, wie das ohne einen Tyrannen durchführen.«

#143 Wer hat Angst vorm Wolf?

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»Sometimes I wonder why we all can't get along. Is it just me or is there something wrong?«
-> There is definitely something wrong with the world.

Ich bin »On a roll«. Warum? Ich weiß es nicht. Doch eins weiß ich ganz klar. Folge 147, oder sagen wir besser, die Folge, die auf die Folge 146 folgen wird, wird eine unerhörte, gloriose, maßstäbesetzende Folge sein. Diese Folge wird die erste auf Englisch sein. Und während ich endlich in die sprachliche Latitude vordringe, wo mich die ganze Welt verstehen kann, werde ich austeilen und brutal Strecke machen auf meinem Feldzug gegen die NATO-Knechte und jeglichen hirnlosen Mitbürger, der das Schreckensregime der Bundesrepublik Deutschland und deren historische Selbstgewissheiten unterstützt.
Ich empfehle euch, eine frühzeitige Kapitulation in Erwägung zu ziehen. Ansonsten werdet ihr als Hörer und Rezipienten meiner Podcast-Gewalt Furchtbares ertragen müssen. Dort wird es keine Zurückhaltung und keine Scharaden mehr geben, dort spreche ich offen, ehrlich und frei heraus. Doch für heute soll mir genügen, diese deutsche Folge zu publizieren, in der ich Kraft sammle und mich theoretisch rüste für den Ansturm aufs bräsige BRD-Gemüt, indem ich endlich wieder Marlon Grohns Werke zur Hand nehme.

Diese Werke sind die schärfsten Waffen und vermitteln genau das, was ich mir für mein eigenes Programm wünsche: einen rücksichtslosen Angriff, eine hemmungslose Orgie der Aggressivität, (aber mit Witz, Esprit, Klarheit und Distanz vorgetragen, zumindest in Grohns Fall).

Ich will euch, liebe treuen Schäfchen, intellektuell vernichten und euch gleichsam geistig ausziehen, sodass ihr euch nackt und ungeschützt vor meinen alles durchdringenden Blicken vorkommt.

Meine Ex-Freundin sagte so etwas wie: »Das Leben ist gar nicht so schön. Vielleicht wird der Tod schöner sein, man kann sich auf ihn freuen.«
Vielleicht, man weiß es nicht. Mich erschreckte ihre trübsinnige Haltung aber doch ein wenig und ich würde das Leben gern so schön machen, dass auch sie es sieht und der Ungewissheit und reinen Potentialität eines wie auch immer gearteten Todes vorzöge. Doch manchmal kann man einfach nicht genug leisten, egal wie sehr man es sich wünscht. Trotzdem lohnt es sich, es zu versuchen.
Diese Worte füge ich nur an, um euch nach der letztmaligen Erwähnung eines Musikers nun eine Neuentdeckung, die mir dank der Algorithmen von Spotify möglich war, zu empfehlen, den jungen US-amerikanischen Sänger Luke Mitrani und vor allem sein Werk »Good Die Young«: https://www.youtube.com/watch?v=rup6r6aEEmw

Es spiegelt eine gewisse Melancholie und Lethargie wieder, die vielleicht ein junger Mensch gegenüber seinem Leben und den vielfältig lockenden Realisierungsmöglihckeiten für die Zukunft entgegenbringt. Warum nicht einfach in den Tag hineinleben; warum viel ansparen oder die eigene Karriere planen, wir wissen ja sowieso nicht, ob die Erde morgen noch da ist. Da kann man gleich auch etwas Gesundheitsschädigendes oder Risikobehaftetes tun, oder etwas schlichtweg Kontraproduktives und Zerstörerisches.
Dieser Drang ist vielleicht die Lust nach Lähmung zu nennen. Man will im bekannten Mangel verharren, statt die unklare Lösung zu suchen.
Auch »Maybe Some Day« ist ein schönes Lied von Mitrani. Damit sage ich Adieu für heute und until some day, maybe.

#142 Nicht reinkommen?

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Liebes hörendes Volk.

Nichts bringt meine Gemütsverfassung beim Podcasten so gut auf den Punkt wie Eminems in #49 gespieltes Werk »Till I Collapse«. Ich werde auch immer weiter machen, bis mich der Verfaschungsschutz oder sonstige unangenehme Zeitenläufte stoppen. Doch es gibt auch andere gute Rapper.
Dieses Lied hier fand ich irgendwie ganz emblematisch oder programmatisch für das Gefühl, das mich auch beim Podcasten, beim »Spitten«, wie die Rapper sagen, überkommt: »Been on« von G Eazy: https://www.youtube.com/watch?v=MOjDp1Q1aqw

Man hat das Gefühl, alles loslassen zu können und sich ganz der Melodie und dem Rhythmus hingeben zu müssen. Die Sorgen der Vegangenheit sind passé. Das ist eben der Shit, auf dem man war, der einen runterzog. G Eazy’s Texte mögen etwas befremdlich wirken; woher kommt dieser Drang, schlimme Worte zu benutzen und Gewaltbereitschaft zu signalisieren? Manche werden sagen, das ist eben gang und gebe in der Rapkultur. Aber was ist dann der Grund dafür, dass die Rapper dieses Gefühl bekommen, so aggressiv zu sein? Für mich ist die Aggression ganz eng mit der Liebe verbunden. Nur wen man liebt, dem kann man auch wehtun. Auf zärtliche, mitfühlende Weise, aber eben doch wehtun. Welcher andere wäre überhaupt würdig meines Frustes? Bei den restlichen Mitmenschen geleitet einen die normale Trägheit doch dahin, gleichgültig über sie zu sein, was ja gut ist, was ein Fortschritt wäre gegenüber der christlichen Moral der Anteilnahme.
Nun, Liebe, Aggression und wildes, ungezügeltes Sprechen oder Rappen stehen in einem engen Zusammenhang. Das Erleichternde am Rap, so hörte ich in dem interessanten (prorussischen, russlandpatriotischen) Podcast »Russians with Attitude« (https://podtail.com/podcast/russians-with-attitude/rwa-13-serbian-surfer-boy-schmittianism/ ), ist, dass es endlich mal nicht um Liebe geht wie in 50% der sonstigen Lieder, sondern um »Bitches and Hoes«, wie sich der serbische Gast in Episode 13 dieses wunderbaren Podcasts ausdrückte. Darin liegt in der Tat etwas Richtiges.
Beachtet auch, dass G Eazy ja schon durch seinen Künstlernamen signalisiert, er drifte gern ins Kitschige (cheasy) ab. Also ist das alles auch als bewusste Übertreibung zu verstehen. Und damit ist G Eazy genial. Er lebt die Stereotype und kitschigen Annahmen der heutigen Zeit über das Leben und die Liebe voll aus. Seine Vorfahren wanderten übrigens aus der Ukraine in die USA ein, so gibt wikipedia Auskunft.

#140 Versauberung der Welt

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Júlio Cortázar - Rayuela, Kapitel 93

Roberto Bolaño - Die wilden Detektive, Fischer Taschenbuch Verlag 2018, Kapitel 21, S. 511:

Amadeu Salvatierra, Calle República de Venezuela, Nähe Inquisitionspalast, México DF, Januar 1976

Geschichte = Geschichte

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Kate Tempest: Europe is Lost:

https://www.youtube.com/watch?v=QSVyyykaEOo
(Leider konnte ich das Lied schon wieder nicht einfügen

Liebe Leute!

»Sex is still good when you get«, so das Zitat aus dem Lied von Kate Tempest, das ich schon mal in Nr. 22 spielte. Ja, es tut Not, die ökonomischen Fragen der Verteilung von sexueller Lust wiederum theoretisch im Podcast aufzugreifen, so spüre ich auch wegen privater Erfahrungen. Allerdings kann ich euch für die Zukunft wenig davon versprechen. Zumindest über die gesamten 140er Folgen werden wir weiter die historischen sowie theoretisch-marxistischen Gefilde beackern, wenn auch nicht mehr die fruchtbaren ukrainischen Felder. Ein ums andere Mal wird es dabei einen Ausflug ins Erotische geben, was vielleicht ambivalent ist. Denn wie kann man in einer so ernsten Zeit und bei ernsten geschichtlichen Betrachtungen die Lust ins Spiel bringen? Nun, vielleicht ist die Lust ja auch etwas ebenso Schweres und Undurchdringliches wie die Geschichte, die sich imposant und drohend vor uns aufballt, uns zu kleinen Füglingen macht, die sich einfach nur in der gegebenen Realität sicher aufgehoben und geschützt gegen die Zumutungen der schon mal dagewesenen Zustände menschlichen Lebens fühlen.
So auch in der Lust und Sexualität, die uns mit tiefgreifenden Fragen über die eigene Biografie, den Charakter und Standpunkt in der Welt konfrontiert. Stehe ich so, dass ich die gesamte Geschichte überblicke und mein Urteil vernünftig fälle? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich weiter erzählen und reden will, um euch, meine lieben hörenden Schäfchen, zu beglücken.

Recht passend zum Beginn des Weltkriegs 1939 ist dies die Nummer 139 meines bescheidenen Podcasts, dieses marxistisch-revolutionären Produkts, mittels dessen ich die Massen erleuchten und vom Faschismus abbringen möchte, zu dem sie qua ihrer trägen, dumpfen, hölzernen Natur immer wieder neigen.
Darum dreht sich die Folge um die schmutzigen Flecken der deutschen Geschichte. Von meinen Lehrern in der Schulzeit konnte ich hierüber nichts lernen, was darüber hinaus ging, zu sagen, diese zwölf Nazijahre waren das ganz Falsche, Schlimme, und jetzt wollen wir am liebsten gar nicht mehr nachdenken darüber, warum Deutschland ein so prosperierendes Land und so viele Länder der Welt abgehängt und besiegt sind.
So in etwa werde ich es in Nr. 146 ausdrücken.
Also muss ich mich selbst auf die Suche nach Erklärungen der Historie machen.

#138 Das gute Stück

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Das versprochene Lied zwischendrin könnt ihr bei YouTube hören; meine Produktivkräfte reichten heute nicht, es einzufügen:

https://www.youtube.com/watch?v=xdOykEJSXIg

Dialektik
Was verbinde ich mit dem Begriff? Zwei Pole. Den Austausch und Einklang zwischen ihnen. Auch das Widerstreben, Sich-Ablehnen und Abstoßen. Das Ringen. Das Kämpfen. Zwei diametral aufeinander abgestimmte Konzepte, dem gleichen oder verwandten ideologischen Feld entlehnt.

Das Utopische im Denken von Marx verwirklicht in den Gesetzen der UdSSR. Auch wenn sich hier Ernüchterung bereit machen kann, warum nicht auch liberale Kunst zulassen, statt den Sozialistischen Realismus zu predigen wie 1930, das kulturpolitische Pendant zum gesundheitspolitischen Führungsanspruch, der Wahnidee, die eigenen Individuen sollten um jeden Preis gesünder sein (oder sicherer vor „gefährlichen“ Krankheiten wie Corona, so der heutige chinesische Staat), und das solle die Überlegenheit des Sozialismus als Gesellschaftssystem beweisen. Diese Beweisführung ist ja bereits ein Abgleiten in den Liberalismus und gibt seinen Prinzipien vollumfänglich nach, demzufolge ist man als sozialistischer Staat durch diesen Akt sowieso schon innerlich besiegt, was es genau genommen überflüssig macht, noch den Kampf, Vergleich, die ideologische Konfrontation mit der Gegenseite jenseits der Berliner (oder Chinesischen) Mauer zu suchen.
Denn das theoretische Konstrukt des Rechts auf Gesundheit und der Pflicht, die Gesundheit der Mitmenschen gleichsam zu schützen und zu schonen, das ist ja schon das allerverbrämteste liberale Ideal schlechthin.

(Vgl. Pfaller Scham: Heute hat sich in der Gesundheitspolitik die Trendwende vollzogen, die Bürger schulden dem Staat ihre Gesundheit, Misstrauen macht sich breit, ob jemand, der zu lasterhaft Zigaretten genießt oder auch Extremsport macht dadurch nicht seine asoziale Ader zeigt und die anderen in Mithaftung nimmt)

Dem Menschen fällt nichts mehr ein, wozu er noch leben soll. (Er wird vom liberalen Staat dazu ermuntert, doch alles von sich wegzustoßen und sich von jedermann belästigt zu fühlen, der im öffentlichen Raum etwa noch etwas Eigenes, Unvorhersehbares, Aneckendes zurschaustellt. Der Staat ist dazu da, die inexistenten Freiheits- und Belästigungsfreiheit oder Haftfreiheit für die Handlungen anderer den Individuen zuerst einzupflanzen um sich dann als der Rächer der „Vernünftigen“ zu gerieren.)

JUVENAL Zitat: „Um des Lebens willen die Gründe des Lebens verlieren.“

Und was auch, im herrschenden Liberalismus, man muss arbeiten, man darf konsumieren aber ein schaler Geschmack bleibt, wozu das Ganze? Der liberale Staat kann seinem jungen Schützling, der ihn mit Fragen philosophischer Natur bedrängt, keine Antworten geben (der Verweis auf die Nazis ist der Behelf dieses geistigen Elends: die waren schlechte Menschen, daher müssen wir jetzt besser sein und das geht nur in genau diesem Staat. Das ist genauso antidialektische gedacht wie wenn man die Nazis affirmierend betrachten würde. Letztlich ist der vorgebliche Antifaschismus hier im liberalen Staate immer nur eine vorübergehende Ablehnung des Faschismus, die nur für die Zwecke der eigenen ideologischen Agitation ausgeschlachtet wird).
Da ist der sozialistische Staat schon mal besser und verweist den jungen Fragenden auf Marx und Engels, wo er erstmal eine Weile lesen und dann mit neuen Fragen zurückkommen kann. Das ist richtige Dialektik.

Also, worauf verfällt der postmoderne Mensch dieser poststrukturalistischen, losgelösten Zeiten: auf den Tod. Der ist ja wohl der absolute Wert, da er schlimm ist. Politisch denken mag er erst wieder, wenn jener im Spiel ist und davon die Rede ist, dass unzählige Menschen auf brutale Weise sterben mussten. So liest und hört er die Horrorbeschreibungen der bürgerlichen Historiker über die Zustände im Gulag.
Hier setzt das politische Denken ein. Was zu tun wäre, unsere heutige Lebenssituation zu bessern und uns einfach einen passenderen politisch-organisato

#137 Macht das mal

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Liebe Leute.

Die heutige Folge ist normal, also eher unterdurchschnittlich einzuordnen anhand der teils furiosen vergangenen Podcastepisoden.

In den nächsten Folgen werden wir den Widerstreit von Kommunismus und Kapitalismus historisch erforschen und auf die Zeitgegebenheiten übertragen. Bei aller hier gebotenen Wissenschaftlichkeit ist mit der vergangenen Episode 136 aber eines sonnenklar geworden, nämlich meine Berufung zum Literaten. Auch wenn ich immer wieder essayistisch eingreifen will in die theoretischen Klassenkämpfe der Zeit, so bleibt meine Hauptaufgabe doch die reine sinnliche Spekulation, die Herstellung von schönem literarischem Material, frei zurechtgesponnenen »Geschichten« im wahrsten Wortsinne.

Welche Bedeutung diese Art der Literatur für die Wahrheitsfindung und die Erkennbarmachung des Wirklichen dient, muss die Philosophie entscheiden. Für mich ist sie dennoch aus rein intuitiven, charakterlichen Gründen als Absolutes zu setzen, als unverrückbarer Maßstab des menschlichen Reichtums an Talent, Esprit, Geisteskraft.

Damit möchte ich nicht abermals mich selbst loben, sondern die Bewunderung für Vorbilder ausdrücken, die auf diesem Gebiet vor allem Michel Houellebecq sowie der bereits verstorbene Chilene Roberto Bolaño sind.

Denn ohne die Vorarbeit dieser auch wiederum auf Jahrhunderte an menschlicher Denk- und Geistesarbeit stehender Denker und Schriftsteller hätte ja auch ich meine Talente und Anlagen nicht auf das heutige (immer noch sprunghaft-chaotische, dennoch teils sprühend lustvolle) Niveau entwickelt.

Somit bleibt mir nur, euch, den Volksmassen und Parteikadern, welche ihr die wirkliche Revolution jenseits der reinen Literatur zu exekutieren berufen sein werdet, Mut zuzusprechen und gutes Gelingen zu wünschen. Seid selbstbewusst, vertraut auf eure Talente und euer Recht, euch als Arbeiter den euch zustehenden Platz als Führungsmacht im Staate zu erkämpfen.

Denn der Marxismus und seine Weiterentwicklung durch intellektuelle und politische Genies wie Lenin und Mao ist ein Weinberg, der jedem offensteht, welcher ein genuines Erkenntnisinteresse mitbringt. Der heute angewandte revolutionäre Marxismus in Schrift und Tat hilft uns täglich besser, die Weltvorkommnisse zu verstehen und zu durchdringen. Für den stillen Esoteriker, der die Abgeschiedenheit seines Kämmerchen, worin er die stetige Geistesarbeit verrichtet, gleichsam als Notdurft des ausgezehrten, besinnungslosen Proletariers, regelrecht genießt, stellt der Akt des Schreibens oder Sprechens im Podcast ja schon die eigentliche Aktion dar, die keiner weiteren Erklärung bedarf.

Mit diesen Worten paraphrasiere ich einmal mehr das Einführungswerk in den Kommunismus meines proletarischen Lehrvaters Marlon Grohn und einen Abschnitt aus dem ersten Teil über Eso- und Exoterik, den ich in Folge #66 vorlas. Diese Folge zu hören könnte euch helfen, euch auf die kommenden Episoden vorzubereiten, wo wir in den frühen 140ern das ein oder andere Mal ausführlich aus diesem Buch »Kommunismus für Erwachsene« lernen werden.

Ans Ende setze ich einen erst kürzlich verfassten Text, der nochmals die Kontinuität zu #136 und meinem experimentellen, gesellschaftsfiktionalen Werk »Konsum und Liebe«, das sich noch im Rohbauzustand befindet, herstellt, weil er sich um das Klima- und Umsturzthema dreht. Wie können wir bloß die Herrschaft erringen unter diesen verworrenen gesellschaftlichen Ausgangsbedingungen?

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Hier nun die Texte, die für heute relevant waren.



(Nicht gelesen, teils nächstes Mal)

Zwang/Beherrschung/Herrschaft

Man will herrschen.

Aber der Herrscher soll keinem wehtun.
So bleibt es bei den alten Herren.
Deren Wehe-Tun spüren wir nimmer, sind gewöhnt, als Hund zu leben.

Wer im Imperialismus aufsteigt, der hat ein mitleidiges Lächeln für die am Boden Liegenden übrig – deren Beschützer und Vorkämpfer Stalin war.

#136 Konsum und Schmerz

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Liebes reaktionäres Volk, lieber Pöbel,

das hier ist mein Revier, mein Podcast, mein Duktus, meine Grenzen, meine Ideen. Wenn ihr damit ein Problem habt, dann weise ich euch gern die Tür. Aber hier drin, innerhalb der Grenzen meines ureigenen Diskursrahmens, herrsche ich. Ich definiere die Begriffe, die Kämpfe, die Gesellschaften. Über das, was heutzutage als wichtig, verhandelns- und bedenkenswert angesehen wird, lache ich nur.

Über diesen Podcast

Liebe Hörer*innen,
warum braucht es noch einen Podcast?
Vor allem wollte ich dem ersten Artikel der amerikanischen Verfassung gerecht werden, wie er von Adam Curry formuliert wurde: You shall not make bad TV.
Es sollte unser erster Anspruch sein, mal ein besseres, unterhaltsameres Medienangebot bereitzustellen, denn was sonst so in den Massenmedien stattfindet, ist für mich nicht akzeptabel und schädigt mich immer weiter, indem es meine innere revolutionäre Kraft hemmt und uns einhämmern will, es gäbe keine Alternative zum Gegebenen, Revolution sei verboten…

Friedrich Nietzsche brachte wohl das zwiespältige Gefühl, meine Gedanken mit mehr Menschen teilen zu wollen, im Nachtlied des Zarathustra am besten auf den Punkt: 
„Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das laut werden will. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: Ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen. 
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.
Das ist meine Armut, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Wer immer austeilt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.
Viel Sonnen kreisen im öden Raum: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte — mir schweigen sie.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen — so wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen in ihren Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkst euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Nacht ist es: ach, dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nachtigern! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen — nach Rede verlangt mich.“

Ja mein Podcast ist eine Quelle der Lebenskraft für mich selbst und vielleicht jetzt auch für euch. Aber ich möchte betonen, dass es selbstverständlich sein sollte, was ich mache und mein Trieb zum Podcasten speist sich einfach aus dem Drang, nicht der Herde zu folgen, eigene Wege zu gehen durchs eisige Gebirge des Denkens.
Das ist meine Kälte, dass die anderen Sonnen in der Medienlandschaft für mich nicht leuchten und nur schales, langweiliges Flackern von ihnen ausgeht, sodass ich selbst produktiv werden musste, allein schon um selbst auch wieder bessere Podcasts genießen zu können als das was die Podcastlandschaft sonst so bietet.

Erwartet bitte keine Wunder von meinem Podcastwerk, es ist eben keine Milch, kein Labsal, sondern wird es erst wenn ihr es in euren Ohren dazu macht. Das heißt, wenn ihr meine Podcasts zu sehr vergöttlicht, dann tut ihr ihnen unrecht und überseht meine eigentliche Botschaft, dass nämlich gerade die Dunkelheit und das Unklare erforscht werden sollten und immer wieder unsere Neugier anstacheln, nicht das bekannte, wohlige Glück.
Der gesunde Menschenverstand ist eine Geisteskrankheit; ich widme mich lieber meinen eigenen, esoterischen Verrücktheiten, als in die Jauchegrube Twitter hinabzusteigen und dort bei den "Vernünftigen" mit zu diskutieren. Dasselbe erwarte ich von euch.

Um nicht wie Nietzsche zu enden, ist es jetzt wirklich höchste Zeit, meine Mitwelt in meine Gedankenausflüge einzubeziehen, der Mensch als soziales Tier braucht immer die Bestätigung und Anerkennung von anderen. Kommentiert gern auf der Podigeeseite und seid nicht zu zimperlich bei eurer Kritik.

von und mit Simon

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